Sonntag, 25. Juni 2017

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In der Partei geht es rund - die Zeit der Strippenzieher ist gekommen

Listendrama bei der CDU dauert an

Weinheim, 23. Februar 2014. (red) Kam das Scheitern von Christina Eitenm√ľller und Dr. Elke K√∂nig √ľberraschend oder wurde der „Stimmk√∂niginnen-Mord“ vorbereitet? Stellen sich beide erneut zur Wahl? Verlassen sie die CDU, gr√ľnden eine eigene Liste oder gehen sie zur FDP oder sogar Weinheim Plus? Es wird viel spekuliert – niemand wei√ü, was passieren wird, aber alle denken dr√ľber nach und versuchen Einfluss zu nehmen.

Von Hardy Prothmann

Hinter den Kulissen werden aktuell mächtig Strippen gezogen. Wer ist Freund, wer Feind? Wer ist eigentlich in welchem Lager, wer gehört zu mehreren Lagern und wen kann man zu welchem Verhalten bewegen? In der CDU Weinheim geht es rund.

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Die CDU-Mitglieder m√ľssen sich in rund 14 Tagen erneut einreihen, um ihre Stimmen f√ľr Platz 2 und 4 der Kommunalwahlliste, sowie f√ľr die Kreistagskandidaten abzugeben.

 

Nach unseren Informationen hat sich Dr. Elke K√∂nig noch nicht entschieden, ob sie bei der n√§chsten Versammlung es tats√§chlich nochmals versucht, f√ľr den zweiten Platz zu kandidieren. Immerhin war der zweite Wahlgang knapp – sie scheiterte an einem 34-34. Doch w√§re ein 35-33 nicht auch ein bedenkliches Ergebnis gewesen?

Konservativer Ruck innerhalb der CDU?

Kann die CDU auf diese beiden Stimmenbringerinnen tats√§chlich verzichten oder muss die Partei es jetzt sogar? W√ľrde die CDU nicht enorm an Glaubw√ľrdigkeit verlieren, wenn man die beiden Kandidatinnen gleich zwei Mal nicht w√§hlt und sie dann doch noch aufstellt – weil man Angst um Stimmverluste hat? Geht es also nur um Stimmen oder um Inhalte?

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Dr. Elke König hat noch Chancen auf Listenplatz 2 Рdie Frage ist, ob sie es nach der doppelten Abfuhr nochmals versucht.

Beiden Frauen wurde nahegelegt, auf mittleren Pl√§tzen zu kandidieren, um vorne Platz f√ľr neue Kandidaten zu machen – beispielsweise den Stadtverbandsvorsitzenden Roger Sch√§fer, der souver√§n auf Platz 3 gew√§hlt worden ist. Die Strategie ist klar: Stimmenf√§nger gewinnen ihre Mandate auch auf hinteren Pl√§tzen. Durch die Listenstimmen besteht so die Chance, weitere Sitze im Gemeinderat zu gewinnen. Beide Frauen seien zu eitel gewesen, um sich darauf einzulassen, wird hinter vorgehaltener Hand gefl√ľstert.

Aber es wird auch dar√ľber geredet, dass der junge, eher konservativ gepr√§gte Fl√ľgel gegen einen eher „sozialdemokratisch“ orientierten Fl√ľgel gestellt habe. Die Jungen alleine konnten die beiden Frauen nicht verhindern – in Verbindung mit anderen Konservativen aber schon. Und es wird kolportiert, dass auch Breitwiesen nochmals „abgerechnet“ worden ist. Ebenso, dass der Stadtverbandsvorsitzende Roger Sch√§fer die CDU neu formiert und das Verh√§ltnis zu Frau Eitenm√ľller und Frau Dr. K√∂nig nicht gut sei.

Grabenkämpfe

In den kommenden vierzehn Tagen bis zur n√§chsten Nominierungsveranstaltung wird es hinter den Kulissen hoch her gehen. Die CDU hat mit Thomas Bader und Christian Botz, die beide nicht mehr antreten, zwei wichtige „junge“ Stadtr√§te verloren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beide insbesondere mit dem Fraktionsvorsitzenden Holger Haring nicht gut k√∂nnen und Kl√ľngeleien ablehnen. Der Spitzenkandidat Haring hat sich bislang noch nicht umfassend zum weiteren Vorgehen ge√§u√üert – viele werden aber genau das erwarten, um eine geschlossene CDU vorzustellen, die sich nicht in Grabenk√§mpfen selbst sch√§digt.

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Inge Oberle kandidiert f√ľr den Kreistag – und auch f√ľr Platz 4 auf der Liste? Foto: CDU Weinheim

Ein Name wird hei√ü gehandelt: Inge Oberle. Die steht aber eindeutig in Konkurrenz zu Dr. K√∂nig. Es wird von einer weiteren Kandidatin gesprochen, die ebenfalls in Frage k√§me. Klar ist, dass das kein Null-acht-f√ľnfzehn-Name sein darf. Die vorderen Pl√§tze m√ľssen klar f√ľr die CDU stehen und nicht, um einfach mal zwei Frauen zu nominieren.¬†Bei Frau Oberle ist das zweifelsfrei der Fall.

Das Schicksal von Frau Eitenm√ľller in der CDU gilt als besiegelt – sie hat nach unseren Informationen ihre Vorstandsmitarbeit aufgek√ľndigt. Man geht davon aus, dass sie als Rentnerin nicht mehr in dem Ma√üe Stimmen holen kann, wie noch als amtierende Schulleiterin. Und das Ergebnis der Nominierung war niederschmetternd. Bei Frau Dr. K√∂nig ist das nicht so eindeutig. Durch das Pari von 34-34 im zweiten Wahlgang gibt es eine reelle Chance, dass sie eine Abstimmung gewinnen k√∂nnte. Aber wieder auf Platz 2 oder doch auf Platz 4, wenn Inge Oberle auf Platz 2 gehen w√ľrde? Das ist unwahrscheinlich, denn das w√§re immer noch eine Watsche f√ľr Frau Dr. K√∂nig. Also doch auf Platz 2 und Frau Oberle auf Platz 4? Das w√§re ein politischer Deal, der funktionieren k√∂nnte.

Und Frau Eitenm√ľller? W√§re sie komplett raus oder wird sie sich vielleicht der FDP anbieten? Ein Wechsel zu Weinheim Plus gilt nicht wirklich als denkbar. Auch eine eigene Liste der beiden Frauen, wovon noch am Freitagabend die Rede war, ist eher nicht wahrscheinlich. Was sollte das inhaltliche Programm sein? Zwei gest√ľrzte Stimmenk√∂niginnen zeigen es der CDU? Eitelkeit ist eine wenig geeignete Basis.

Aber egal, was „strategisch“ bis zur n√§chsten Nominierung ausgedacht wird – beim Wahlakt kann trotzdem alles anders kommen, wenn weitere CDU-Mitglieder ihren Namen in die Waagschale werfen. Das k√∂nnten auch M√§nner sein – weil man den vermeintlichen Geschlechterproporz bei der CDU nicht wirklich als „ideologisch“ betrachten muss.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.