Sonntag, 22. April 2018

In der Partei geht es rund - die Zeit der Strippenzieher ist gekommen

Listendrama bei der CDU dauert an

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Weinheim, 23. Februar 2014. (red) Kam das Scheitern von Christina Eitenm├╝ller und Dr. Elke K├Ânig ├╝berraschend oder wurde der „Stimmk├Âniginnen-Mord“ vorbereitet? Stellen sich beide erneut zur Wahl? Verlassen sie die CDU, gr├╝nden eine eigene Liste oder gehen sie zur FDP oder sogar Weinheim Plus? Es wird viel spekuliert – niemand wei├č, was passieren wird, aber alle denken dr├╝ber nach und versuchen Einfluss zu nehmen.

Von Hardy Prothmann

Hinter den Kulissen werden aktuell m├Ąchtig Strippen gezogen. Wer ist Freund, wer Feind? Wer ist eigentlich in welchem Lager, wer geh├Ârt zu mehreren Lagern und wen kann man zu welchem Verhalten bewegen? In der CDU Weinheim geht es rund.

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Die CDU-Mitglieder m├╝ssen sich in rund 14 Tagen erneut einreihen, um ihre Stimmen f├╝r Platz 2 und 4 der Kommunalwahlliste, sowie f├╝r die Kreistagskandidaten abzugeben.

 

Nach unseren Informationen hat sich Dr. Elke K├Ânig noch nicht entschieden, ob sie bei der n├Ąchsten Versammlung es tats├Ąchlich nochmals versucht, f├╝r den zweiten Platz zu kandidieren. Immerhin war der zweite Wahlgang knapp – sie scheiterte an einem 34-34. Doch w├Ąre ein 35-33 nicht auch ein bedenkliches Ergebnis gewesen?

Konservativer Ruck innerhalb der CDU?

Kann die CDU auf diese beiden Stimmenbringerinnen tats├Ąchlich verzichten oder muss die Partei es jetzt sogar? W├╝rde die CDU nicht enorm an Glaubw├╝rdigkeit verlieren, wenn man die beiden Kandidatinnen gleich zwei Mal nicht w├Ąhlt und sie dann doch noch aufstellt – weil man Angst um Stimmverluste hat? Geht es also nur um Stimmen oder um Inhalte?

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Dr. Elke K├Ânig hat noch Chancen auf Listenplatz 2 – die Frage ist, ob sie es nach der doppelten Abfuhr nochmals versucht.

Beiden Frauen wurde nahegelegt, auf mittleren Pl├Ątzen zu kandidieren, um vorne Platz f├╝r neue Kandidaten zu machen – beispielsweise den Stadtverbandsvorsitzenden Roger Sch├Ąfer, der souver├Ąn auf Platz 3 gew├Ąhlt worden ist. Die Strategie ist klar: Stimmenf├Ąnger gewinnen ihre Mandate auch auf hinteren Pl├Ątzen. Durch die Listenstimmen besteht so die Chance, weitere Sitze im Gemeinderat zu gewinnen. Beide Frauen seien zu eitel gewesen, um sich darauf einzulassen, wird hinter vorgehaltener Hand gefl├╝stert.

Aber es wird auch dar├╝ber geredet, dass der junge, eher konservativ gepr├Ągte Fl├╝gel gegen einen eher „sozialdemokratisch“ orientierten Fl├╝gel gestellt habe. Die Jungen alleine konnten die beiden Frauen nicht verhindern – in Verbindung mit anderen Konservativen aber schon. Und es wird kolportiert, dass auch Breitwiesen nochmals „abgerechnet“ worden ist. Ebenso, dass der Stadtverbandsvorsitzende Roger Sch├Ąfer die CDU neu formiert und das Verh├Ąltnis zu Frau Eitenm├╝ller und Frau Dr. K├Ânig nicht gut sei.

Grabenk├Ąmpfe

In den kommenden vierzehn Tagen bis zur n├Ąchsten Nominierungsveranstaltung wird es hinter den Kulissen hoch her gehen. Die CDU hat mit Thomas Bader und Christian Botz, die beide nicht mehr antreten, zwei wichtige „junge“ Stadtr├Ąte verloren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beide insbesondere mit dem Fraktionsvorsitzenden Holger Haring nicht gut k├Ânnen und Kl├╝ngeleien ablehnen. Der Spitzenkandidat Haring hat sich bislang noch nicht umfassend zum weiteren Vorgehen ge├Ąu├čert – viele werden aber genau das erwarten, um eine geschlossene CDU vorzustellen, die sich nicht in Grabenk├Ąmpfen selbst sch├Ądigt.

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Inge Oberle kandidiert f├╝r den Kreistag – und auch f├╝r Platz 4 auf der Liste? Foto: CDU Weinheim

Ein Name wird hei├č gehandelt: Inge Oberle. Die steht aber eindeutig in Konkurrenz zu Dr. K├Ânig. Es wird von einer weiteren Kandidatin gesprochen, die ebenfalls in Frage k├Ąme. Klar ist, dass das kein Null-acht-f├╝nfzehn-Name sein darf. Die vorderen Pl├Ątze m├╝ssen klar f├╝r die CDU stehen und nicht, um einfach mal zwei Frauen zu nominieren.┬áBei Frau Oberle ist das zweifelsfrei der Fall.

Das Schicksal von Frau Eitenm├╝ller in der CDU gilt als besiegelt – sie hat nach unseren Informationen ihre Vorstandsmitarbeit aufgek├╝ndigt. Man geht davon aus, dass sie als Rentnerin nicht mehr in dem Ma├če Stimmen holen kann, wie noch als amtierende Schulleiterin. Und das Ergebnis der Nominierung war niederschmetternd. Bei Frau Dr. K├Ânig ist das nicht so eindeutig. Durch das Pari von 34-34 im zweiten Wahlgang gibt es eine reelle Chance, dass sie eine Abstimmung gewinnen k├Ânnte. Aber wieder auf Platz 2 oder doch auf Platz 4, wenn Inge Oberle auf Platz 2 gehen w├╝rde? Das ist unwahrscheinlich, denn das w├Ąre immer noch eine Watsche f├╝r Frau Dr. K├Ânig. Also doch auf Platz 2 und Frau Oberle auf Platz 4? Das w├Ąre ein politischer Deal, der funktionieren k├Ânnte.

Und Frau Eitenm├╝ller? W├Ąre sie komplett raus oder wird sie sich vielleicht der FDP anbieten? Ein Wechsel zu Weinheim Plus gilt nicht wirklich als denkbar. Auch eine eigene Liste der beiden Frauen, wovon noch am Freitagabend die Rede war, ist eher nicht wahrscheinlich. Was sollte das inhaltliche Programm sein? Zwei gest├╝rzte Stimmenk├Âniginnen zeigen es der CDU? Eitelkeit ist eine wenig geeignete Basis.

Aber egal, was „strategisch“ bis zur n├Ąchsten Nominierung ausgedacht wird – beim Wahlakt kann trotzdem alles anders kommen, wenn weitere CDU-Mitglieder ihren Namen in die Waagschale werfen. Das k├Ânnten auch M├Ąnner sein – weil man den vermeintlichen Geschlechterproporz bei der CDU nicht wirklich als „ideologisch“ betrachten muss.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.