Samstag, 25. November 2017

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Kommentar zur Standortsuche für eine weitere Asylunterkunft

Schämt Euch!

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Weinheim/Rhein-Neckar, 23. September 2014. (red/pro) Die ablehnende Haltung von manchen gegenüber Asylbewerbern ist ein Schande. Punkt. Sicher: Sorgen muss man ernst nehmen, aber nicht die immergleichen reflexhaften Unterstellungen. Städte und Gemeinden und ihre Bürger/innen sind in der Pflicht, fremden Menschen auf der Flucht Schutz zu bieten.

Von Hardy Prothmann

Eine grundsätzliche Forderung der Bürgerinitiative Weinheim-West ist, dass man „erwartet in Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden“. Das klingt so, als sei dies nicht der Fall und das ist absurd.

Der Start zur geplanten Flüchtlingsunterbringung kann als vollkommen verunglückt gelten. Landrat und Oberbürgermeister setzten damals die Öffentlichkeit in Kenntnis, dass man 200 Flüchtlinge an der Heppenheimer Straße unterbringen wolle. Auch hier kam der zu erwartende reflexhafte Protest mit unschönen Untertönen in Sachen Kriminalität und Werteverfall der Immobilien, Störung der Gemeinschaft und so weiter.

Dann hat die dortige BI aber schnell eine andere Haltung eingenommen – sicher auch, weil sich die Verwaltung bewegt hat und endlich auf die Menschen zugegangen ist. Aus dem anfänglichen Fehler hat man gelernt und informiert nun umfassend und bezieht auch die Bürger/innen in hohem Maße mit ein.

Das setzt aber voraus, dass sich die Bürger/innen auch einbeziehen wollen. Wer ernsthaft argumentiert, das „ökologische Gleichgewicht“ an der Theodor-Heuss-Straße müsse erhalten bleiben und dabei Obstplantagen anführt, den kann man nicht mehr ernst nehmen. Ebensowenig Leute wie Hans-Peter Egger, die Beteiligung fordern und diese dann als “Alibi-Veranstaltungen” abwerten: “Ich weiß gar nicht, was das heute bringen soll.”

Ganz ehrlich, Herr Egger: Bleiben Sie zu Hause und stören Sie nicht das Bemühen von anderen, eine möglichst verträgliche Lösung zu suchen.

Was Herr Egger nicht versteht, nicht verstehen will, ist: Es gibt ein Recht auf Asyl. Die Menschen müssen untergebracht werden. Und riesige Sammellager auf der grünen Wiese hatten wir schon – die sorgen für viel Ärger und keine Integration. Ganz klar können sich Bürger/innen einbringen und die, die das positiv machen, erreichen in aller Regel wesentliche Verbesserungen für alle, die Anwohner und die Asylbewerber.

Wer sich verweigert oder auf seinen fremdenfeindlichen Ressentiments sitzen bleibt, wird keinen positiven Beitrag leisten, sondern nur bremsen und im schlechtesten Fall die Leistung von anderen beschädigen. Solche Leute braucht Weinheim nicht. Denen kann man nur zurufen: Schämt Euch!

Wer sich angesichts der fürchterlichen Zustände in Ländern wie Syrien oder dem Nord-Irak weigert, Menschen auf der Flucht zu helfen, ist eins: Ein herzloser Unmensch. Deutschland hat auch in Sachen Flüchtlingshilfe eine historische Schuld, die nicht nur gegenüber Juden besteht. Millionen Deutsche haben Asyl in anderen Ländern erhalten und häufig damit ihr Leben retten können.

Wir reden aktuell über 100.000 Flüchtlinge, die dieses Jahr nach Deutschland kommen – das sind deutlich gestiegene Zahlen, aber gegenüber den frühen 90-er Jahren nur ein Viertel der Menschen, die Deutschland schon damals aufgenommen hat. In der Türkei sind es aktuell rund eine Million Flüchtlinge – das Land ist extrem belastet, ebenso andere wie Jordanien, wo es nicht ansatzweise einen vergleichbaren Wohlstand und eine vergleichbare Infrastruktur wie bei uns gibt.

Und Deutschland braucht Zuwanderung – dringend. Ohne Zuwanderung auch durch ein Viertel der anerkannten Asylbewerber werden wir hier nämlich massivste Probleme bekommen und unsere Infrastruktur wird enorm leiden. Wann geht das Mal in die verbohrten Köpfe rein? Ohne Zuwanderung gibt es immer weniger Zahlungen in die Renten- und Sozialsysteme. Dann werden die Renten kleiner und Leistungen abgeschafft. Ganz sicher retten Einwanderer und Asylsuchende nicht die deutsche Volkswirtschaft alleine – aber sie tragen einen wichtigen Teil dazu bei.

Die Fakten sind: Es gibt keine gesteigerte Kriminalität durch Asylbewerber. Die Stadt profitiert durch Pachteinnahmen und Zuweisungen durch den Finanzausgleich und einen Zuwachs an Kaufkraft. Ganz praktisch. Dem stehen Kosten für Schulkinder gegenüber. Erst wenn Asyl gewährt oder eine Duldung ausgesprochen wird, wechseln die „Neubürger“ von der Trägerschaft vom Kreis auf die Stadt über. Fakt ist auch: Diese Menschen wollen sich und ihre Familien schnell integrieren und sich ein neues Leben aufbauen.

Dafür brauchen Sie eine Hand, die sie empfängt und keinen Finger, der mit schlechten Gedanken auf sie zeigt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Martin Wyrwoll

    Wir dürfen und können nicht wegschauen. Wir müssen helfen, die Menschen müssen in Sicherheit. Bis dahin gebe ich Ihnen Recht Herr Prothmann. Daß Sie jedoch diese derzeit grausame Lage in Verbindung mit dem Erhalt unserer Volkswirtschaft verbinden, mit Zahlungen in die Rentenkassen etc.sollte zum jetzigen Zeitpunkt wirklich kein Thema sein!

  • Marie-Luise Balk-Egger

    Hallo Herr Prothmann,
    offensichtlich haben Sie erhebliche Wahrnehmungsprobleme. Sie haben unsere Forderungen völlig falsch und polemisch aus dem Zusammenhang heraus wiedergegeben. Sie sind gegenüber vieler Menschen einfach nur unverschämt, undemokratisch. Sie sollten von Beleidigungen absehen, aber offenbar brauchen Sie diese wohl für Ihr eigenes Ego. Marie-Luise Balk-Egger, Sprecherin der BI

  • Sabine Schramek

    Ich geben Ihnen in allen Punkten Recht Herr Prothmann. Aber ich gebe auch zu, dass ich Angst habe. Aber ich habe weniger vor den Alylanten Angst, sondern Angst vor meinen Vorurteilen, die evtl. doch hochkommen können (auch wenn ich versuche sehr offen auf die Menschen zu zugehen). Wenn wir uns alle unseren Ängsten aber ergeben, dann wird niemandem geholfen. Ich konnte in meiner bisherigen Lebenslaufbahn beobachten, dass sehr viele Menschen durch die anderen Lebensweisen abgeschreckt werden. Wenn man aber mal die Leute unvoreingenommen beobachtet und u.U. sogar mal anspricht, stellt man fest, das das ja auch nur Menschen sind. Diese Menschen gehen vielleicht mit ihren Kindern anders um (als wir, wobei sich da gleich die Frage auftut, machen wir es mit unseren Kindern richtiger?! Doofe Frage, da rein subjektiv zu beantworten wäre), sie gehen vielleicht mit Waschmitteln anders um (Kunststück, nicht wenige von ihnen haben ja auch noch nie eine Waschmaschine ihr eigen nennen können, woher sollten sie es dann wissen? Das hat aber nichts mit Schmutz oder mangelnder Hygiene zu tun, sondern eher mit den finanziellen Mitteln und der häufig fehlenden Infrastruktur), sie haben eine andere Bildung (klar, nicht überall gibt es Schulen bzw. ist die Schule kostenlos oder können sich die Eltern den Ausfall der Arbeitskraft ihres Kindes leisten). Diese Aufzählung ließe sich sicher noch eine ganze Weile so weiter führen, aber betrachten wir doch mal unsere Situation als wären wir Flüchtlinge… Ich habe z.B. große Angst vor Neonazis und ihren schlimmen Aktionen und Parolen und und und. Ich habe sogar schon mal daran gedacht, was wäre wenn solche Typen wieder mal an die Macht kämen. Was würde ich dann tun… Ich würde versuchen alles was mir lieb und teuer ist zu nehmen und abzuhauen, weil ich nicht damit rechne, dass es so schnell wieder besser werden würde (ich weiß, ich wäre dann feige und würde den Kampf zuhause anderen überlassen.. aber ich hätte mehr Angst um meine Familie als vor den Folgen im „Aus“land). Ja, wohin würde ich mich wenden wollen… Uns Deutsche nimmt man ja soooo gerne (wir sind fleißig, korrekt, …) Aber nicht überall sind wir angesehen. Vielleicht will ich aber gerade dorthin, weil ich mir dort das ganz neue Leben verspreche. Ja und jetzt wollen die dort mich nicht…. Ich müsste um alles kämpfen, was mir etwas bedeutet hat, meine Kinder sicher unterbringen, neue Freunde finden, eine Arbeit zum Ernähren finden… was mache ich nur, wenn dort alles anders ist als hier? Uns sagt man nach, dass wir uns über all anpassen, aber wenn ich da an Urlaubsländer denke, dann doch eher wohl nicht, denn wir sind ja auch rechthaberisch, wissen alles besser und nichts ist uns gut genug… Wie soll ich die Anderen, dort wo ich hinwill, davon überzeugen, dass ich ganz anders bin…? Also ich möchte mich gegenüber Asylbewerbern nicht als das Zünglein an der Waage aufspielen, sondern eher, wie einer, der ihnen die Hand reicht (ob ich sie später wegziehe, wenn ich bornierte Menschen vor mir habe, das halte ich mir gerne frei, das mache ich bei den lieben Mitbürgern aber auch so) Sympathie und Antipathie spielen natürlich immer eine Rolle und wer von uns ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein, hat doch mal jemand gesagt, der mir sehr wichtig war und ist, wer war das doch gleich…? Ich bin nicht besser als der Durchschnittsdeutsche, aber vielleicht ein wenig offener.. Mal sehen, was kommt, so schlimm kann es doch nicht werden…

  • kelamarie

    Sie können das Geschriebene nicht transferieren. Sie sind unverschämt und nicht in der Lage einen seriösen Journalismus zu betreiben.