Freitag, 21. September 2018

Lydia Dartsch wollte schon immer mal Feuerwehrfrau sein - die Feuerwehr Weinheim hat ihr den Wunsch erfĂŒllt

Respekt, was die leisten!

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Weinheim, 24. MĂ€rz 2014. (red/ld) Wir Reporter kennen FeuerwehreinsĂ€tze. Tun wir das wirklich? Wir stehen manchmal dabei, beobachten die Rettungsarbeiten. Oder gehen auf Pressekonferenzen. Wie das aber wirklich ist, wenn die Wehr einen Einsatz hat, das wissen wir nicht. Lydia Dartsch war fĂŒr uns als Teammitglied dabei – zwar nur auf einer Übung im 3-Glocken-Center, aber immerhin unter fast realistischen Bedingungen.

In der Tiefgarage des 3-Glocken-Centers ist es dunkel und vernebelt. Bei einem echten Einsatz ist der Rauch schwarz. Der Nebel ist weiß. Man sieht trotzdem fast nichts.

In der Tiefgarage des 3-Glocken-Centers ist es dunkel und vernebelt. Bei einem echten Einsatz ist der Rauch schwarz. Der Nebel ist weiß. Man sieht trotzdem fast nichts.

Von Lydia Dartsch

Ich weiß nur: Es gibt ein Feuer. Ich muss helfen. Wer oder was ich bin, habe ich vergessen, als ich am Neubau des 3-Glocken-Centers aus dem Feuerwehr-Auto springe. Es ist auch nicht mehr wichtig. Wir sind die ersten am Brand. Leben retten und löschen ist jetzt alles, was zĂ€hlt.

Eine Stunde zuvor komme ich am Feuerwehrzentrum (FWZ) an. Ich habe mich auf diesen Einsatz nicht sonderlich vorbereitet. Ich weiß, dass ich unter Atemschutz an einer FeuerwehrĂŒbung teilnehmen werde. Druckluft atmen kenne ich vom Tauchen.

Erstmal komplett anziehen: Feuerwehrhose, Jacke, Überhose, Stiefel und Helm.

Erstmal komplett anziehen: Feuerwehrhose, Jacke, Überhose, Stiefel und Helm.

Die Arbeit der Feuerwehr kenne ich bisher nur von unseren Berichten und Recherchen. Zuvor bin ich höchstens mal als Kind Feuerwehrauto gefahren oder habe als junge Erwachsene auf einem Feuerwehrfest mit einem Gartenschlauch gelöscht. So viel weiß ich von Feuerwehrarbeit. Und ich weiß, dass diese Frauen und MĂ€nner diesen Dienst in ihrer Freizeit tun.

David Kunerth nimmt mich im FWZ in Empfang. Ich bekomme eine Feuerwehruniform: Hose, Jacke, Stiefel, Helm. Alles ist durchdacht: In der Oberschenkeltasche der Hose finde ich meine Flammschutzhaube. An der Jacke baumelt ein Paar Handschuhe.

Um fĂŒr alles gerĂŒstet zu sein, bekomme ich eine Überhose. Die ist dicker als die erste und an den Knien gepolstert: „Wenn wir nachher vor Rauch nichts sehen, werden wir auf den Knien kriechen mĂŒssen“, sagt mein TruppfĂŒhrer Torsten Fath.

Wir ĂŒben den Seitenkriechgang. Torsten macht vor. Ich versuche, es nachzumachen. „Wie soll man denn in diesen Klammotten beweglich bleiben?“, frage ich mich. Die Uniform ist nicht nur schwer und dick. Sie schrĂ€nkt dadurch auch ordentlich in der Bewegungsfreiheit ein. Aber es geht.

Torsten zeigt mir das VorausrĂŒstlöschfahrzeug (VRLF), auf dem wir heute zum Einsatz fahren. Das ist das erste Auto, das abfĂ€hrt, wenn es Alarm gibt. „Es ist das kleinste Auto und das mit der meisten AusrĂŒstung“, sagt Torsten und zeigt mir, was ich nachher alles mitnehmen muss: Feuerwehraxt, Schlauchkörbe, Strahlrohr.

 

Torsten Fath zeigt mir das VorausrĂŒstlöschfahrzeug. Unglaublich, wie viel AusrĂŒstung ich mitnehmen soll. Wie soll man das alles tragen?

Torsten Fath zeigt mir wie man das AtemschutzgerÀt anlegt.

 

Dann zeigt er mir, wie ich den Atemschutz anlege: Zuerst Atemschutzmaske und Flammschutzhaube. In der RĂŒckenlehne meines Sitzes sind zwei Komposit-Druckluftflaschen, die ich mir wie einen Rucksack umschnalle und festzurre. Torsten prĂŒft, ob alles sitzt. Ist auch nur ein Fleck Haut ungeschĂŒtzt, kann es sehr schnell sehr heiß werden. Das AtemgerĂ€t ist nicht so schwer, wie ich es vom Tauchen kenne. FĂŒr mich wird es kein Problem sein. Aber ich bin auch eher sportlich.

UnĂŒbliche Situation – echt EinsĂ€tze ĂŒberraschen

Die Situation ist unĂŒblich fĂŒr die freiwillige Feuerwehr: Nach und nach treffen Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr ein, ziehen sich um, machen sich bereit. Die Übung ist verabredet. Angemeldet. Echte EinsĂ€tze kommen ĂŒberraschend. Wenn es brennt, lassen die Kamerad/innen alles stehen und liegen, fahren zum FWZ und dann zum Brandort. Sie kommen von der Arbeit, von ihren Familien, vom gemĂŒtlichen Grillen mit Freunden.

Bei der Einsatzbesprechung erklĂ€rt Abteilungskommandant Ralf Mittelbach, worum es gehen wird: „Wir ĂŒben im 3-Glocken-Center. Dort gibt es einen Brandalarm“. Mehr nicht. Dann folgt die Ruhe vor dem Sturm und das Warten auf den Alarm:

Achtung, Achtung. Alarm fĂŒr die Feuerwehr Weinheim!

Ab zum Auto. Aufsitzen, TĂŒr zu und los. Wir sind zu fĂŒnft. Normalerweise sitzen hier vier Leute. Vorne und hinten jeweils zwei. Torsten, Klaus und ich sollen unter Atemschutz als erste in das GebĂ€ude. SpĂ€ter wird Klaus mir sagen, dass dieses Fahrzeug am wenigsten Informationen ĂŒber das Geschehen hat.

 

Jetzt geht es nur noch darum, zu funktionieren. Keine Angst. Keine Aufregung.

Jetzt geht es nur noch darum, zu funktionieren. Keine Angst. Keine Aufregung.

 

Ich bin verunsichert, was ich tun soll. Das ist das Adrenalin. Ich sehe draußen noch einen Schlauch am Fahrzeug baumeln: „Muss ich noch irgendwas abstöpseln? Was ist mit dem Schlauch da draußen?“ frage ich. Vor allem mĂŒsse ich mich jetzt anziehen, sagt Torsten, der neben mir sitzt und sich bereit macht. Das VRLF fĂ€hrt los, der Schlauch löst sich von selbst.

Weinheim-Übung_Lydia-20140322-IMG_5558-001Ich konzentriere mich auf Torsten und lege meinen Atemschutz an, wie er es vorhin gezeigt hat: Atemmaske, Flammschutzhaube, AtemgerĂ€t, Helm. Hinter mir höre ich aus den FunkgerĂ€ten, dass die Brandmeldeanlage im 3-Glocken-Center ausgelöst hat. Eine Person sei vermisst. Vorne wird durchgegeben, dass Rauch sichtbar ist. Ich sehe nach draußen.

Dort kommt weißer Nebel aus dem Boden. Hinter mir wird ĂŒber Funk an die Einsatzleitung durchgegeben, dass wir den Rauch aus dem Boden kommen sehen und dass es also in der Tiefgarage brennen muss. Der VRLF hĂ€lt. Torsten und Klaus steigen aus dem Auto. Ich finde den TĂŒröffner nicht. Mit einem Hebel löse ich das AtemgerĂ€t aus seiner Verankerung und steige aus. Da bin ich nun.

Noch unsicher, was ich machen und mitnehmen soll, halte ich mich an meine Kameraden. Die Körbe mit den LöschschlĂ€uchen werden aus dem Auto geholt. Eine Lampe. Eine WĂ€rmebildkamera. Torsten schließt meinen Lungenautomat an. PrĂŒft noch einmal, ob alles sitzt. Dann schließe ich seinen Lungenautomaten an und prĂŒfe beim ihm. Alles passt und los.

Weinheim-Übung_Lydia-20140322-IMG_5568-001Und dann sehe ich nichts mehr. Der Nebel verschlingt den Boden. Die Wand, an der ich mich entlangtaste. Ich versuche, mich zu beeilen, damit ich Torsten und Klaus nicht aus dem Blick verliere und versuche gleichzeitig, nicht ĂŒber Dinge stolpern, die auf dem Boden liegen könnten – aber nicht tun.

Angst habe ich keine. Merklich aufgeregt bin ich auch nicht. Es ist fast wie beim Tauchen. Ich bin konzentriert, auf das, was die anderen beiden sagen, was sie tun, was ich tun soll. Einer der beiden sagt etwas zu mir. Ich verstehe ihn nicht. Er winkt mich zu sich. Zeigt auf das GerÀt in seiner Hand. Eine WÀrmebildkamera.

Man sieht kaum die Hand vor Augen

Auf dem Bildschirm sehen wir unseren dritten vorausgehen. Durch den weißen Nebel, scheint plötzlich ein gelbes Blinklicht auf. Dann ein Auto. Das ist der Brandherd. Einer der drei fĂ€ngt an, zu löschen: Schließt das Strahlrohr an den Schlauch, den sie mitgenommen haben. Heute bleibt es aber trocken.

WĂŒrde es wirklich brennen, wĂ€re der Rauch schwarz, nicht weiß. Wir wĂŒrden noch weniger sehen, erklĂ€rt mir Torsten oder Klaus. Wer von beiden es ist, kann ich das unter dem Atemschutz nicht erkennen. Er hĂ€lt die Hand vor die Augen, um es mir zu demonstrieren: Direkt vor der Nase ginge es noch. Danach sehe man nichts mehr. Auch nicht das Feuer. Um es zu lokalisieren und um vermisste Personen zu finden, braucht man die WĂ€rmebildkamera.

 

Durch die WÀrmebildkamera lÀsst sich herausfinden, wo es brennt. Auch Vermisste können damit gefunden werden.

Durch die WÀrmebildkamera lÀsst sich herausfinden, wo es brennt. Auch Vermisste können damit gefunden werden.

 

Inzwischen, treffen weitere Trupps ein. Hinter dem Nebel sehe ich einen hellen Schimmer: Scheinwerfer werden aufgebaut. Sie haben 1.100 Watt Leistung. Das meiste davon verschluckt der Nebel.

Feuer aus!

melden wir irgendwann ĂŒber Funk. Es wird nach unserem Luftdruck gefragt. Wir zeigen dem TruppfĂŒhrer die Finimeter, die den Druck in unseren Pressluftflaschen anzeigen. Torsten gibt den niedrigsten Druck durch. Lieber geht man zu frĂŒh raus, als zu spĂ€t. Selbstschutz steht als Retter an erster Stelle.

Plötzlich bricht in der dunklen Tiefgarage ein lautes Getöse los. „Das ist die Entrauchungsanlage, sagt mir einer der beiden meines Trupps. Bald sollten wir sehen können, denke ich. Doch da beschließt Torsten, dass unsere Arbeit erledigt ist. Es geht wieder raus.

 

Die Scheinwerfer leuchten kaum durch den dichten Nebel.

Die Scheinwerfer leuchten kaum durch den dichten Nebel.

 

Wie viele EinsatzkrĂ€fte vor Ort sind, fĂ€llt mir erst jetzt auf. Vor dem Platz stehen vier Löschfahrzeuge mit Blaulicht. Sie sind zu schwer fĂŒr die Tiefgarage und dĂŒrfen nicht drauf fahren. Bei der Nachbesprechung wird das spĂ€ter als Manko angesprochen.

Bei uns dreien fĂ€llt jetzt erstmal die Anspannung ab. Ich will so schnell wie möglich aus dem AtemschutzgerĂ€t raus und muss mich zusammenreißen, ruhig zu bleiben. Maske runter, Jacke auf. Endlich wieder frische Luft atmen. Torsten steckt sich eine Zigarette an. Das mache er immer so, sagt er. Zum Runterkommen.

Alles gut funktioniert

WĂ€hrenddessen wird die Tiefgarage weiter entraucht. Das ganze kommt mir vor wie ein Konzert: Jeder tut etwas anderes, aber alle arbeiten wir, um das selbe Ziel zu erreichen. Dirigiert wird alles ĂŒber Funk vom Einsatzleitwagen aus.

Nachdem wir alles eingerĂ€umt haben, treffen wir uns zur Nachbesprechung. Insgesamt haben 45 EinsatzkrĂ€fte teilgenommen. Es habe gut funktioniert, sagt Ralf Mittelbach: Die Kommunikation ĂŒber Funk, das Anschließen an die Löschwasserleitungen, das Licht und die Entrauchung. Nur die Suche nach der vermissten Person sei problematisch gewesen. Die Tiefgarage sei sehr verwinkelt.

 

Michael Rihm und Kommandant Ralf Mittelbach sind zufrieden mit dem Ausgang der Übung. FĂŒr die Feuerwehrarbeit ist es wichtig, sich in den GebĂ€uden auszukennen.

Michael Rihm und Kommandant Ralf Mittelbach sind zufrieden mit dem Ausgang der Übung. FĂŒr die Feuerwehrarbeit ist es wichtig, sich in den GebĂ€uden auszukennen.

 

Auch Michael Rihm, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des 3-Glocken-Centers ist zufrieden und dankt der freiwilligen Feuerwehr Weinheim fĂŒr die Übung. Nach der Übung lĂ€dt er zum Imbiss ein: Es gibt selbstgemachten Spanferkelrollbraten und Roastbeef sowie Salate. Eine Belohnung, die es nach EinsĂ€tzen eigentlich sonst nicht gibt, wie mir Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht sagt. Auch er ist zufrieden mit der Übung.

Und ich? Ich bin froh, dass ich aus dem AtemgerĂ€t raus bin und die Anspannung abgefallen ist. Die Kameraden wollen mich jetzt nicht mehr gehen lassen: „Hast Du den Aufnahmeantrag schon ausgefĂŒllt?“ witzeln sie und meinen es doch ernst. Denn bei rund 700 EinsĂ€tzen im Jahr sind die 316 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Weinheim – 34 von ihnen sind Frauen – mehrmals in der Woche gefordert. Da ist UnterstĂŒtzung sehr erwĂŒnscht und vor allem Frauen gefragt. Ich unterstĂŒtze die Wehr weiterhin gerne mit meinen Berichten. Und ich weiß jetzt mehr als vorher. Respekt, was die leisten – sage ich nur.

Erstmal komplett anziehen: Feuerwehrhose, Jacke, Überhose, Stiefel und Helm.

Erstmal komplett anziehen: Feuerwehrhose, Jacke, Überhose, Stiefel und Helm.

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Torsten Fath zeigt mir das VorausrĂŒstlöschfahrzeug. Unglaublich, wie viel AusrĂŒstung ich mitnehmen soll. Wie soll man das alles tragen?

Torsten Fath zeigt mir das VorausrĂŒstlöschfahrzeug. Unglaublich, wie viel AusrĂŒstung ich mitnehmen soll. Wie soll man das alles tragen?

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Jetzt geht es nur noch darum, zu funktionieren. Keine Angst. Keine Aufregung.

Jetzt geht es nur noch darum, zu funktionieren. Keine Angst. Keine Aufregung.

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Durch die WÀrmebildkamera lÀsst sich herausfinden, wo es brennt. Auch Vermisste können damit gefunden werden.

Durch die WÀrmebildkamera lÀsst sich herausfinden, wo es brennt. Auch Vermisste können damit gefunden werden.

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In der Tiefgarage des 3-Glocken-Centers ist es dunkel und vernebelt. Bei einem echten Einsatz ist der Rauch schwarz. Der Nebel ist weiß. Man sieht trotzdem fast nichts.

In der Tiefgarage des 3-Glocken-Centers ist es dunkel und vernebelt. Bei einem echten Einsatz ist der Rauch schwarz. Der Nebel ist weiß. Man sieht trotzdem fast nichts.

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Michael Rihm und Kommandant Ralf Mittelbach sind zufrieden mit dem Ausgang der Übung. FĂŒr die Feuerwehrarbeit ist es wichtig, sich in den GebĂ€uden auszukennen.

Michael Rihm und Kommandant Ralf Mittelbach sind zufrieden mit dem Ausgang der Übung. FĂŒr die Feuerwehrarbeit ist es wichtig, sich in den GebĂ€uden auszukennen.

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Michael Rihm richtet selbst an – besonderere Dank fĂŒr die Übung an seinem Objekt.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.