Dienstag, 22. August 2017

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Sieben Sparkassen-Filialen mit portablen Defibrillatoren ausgestattet

Weinheim wird wiederbelebt

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OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard im Einsatz: Herzmassage am Dummy.

Weinheim, 24. November 2011. (red/mh) Ein Defibrillator hĂ€tte den tragischen Tod des „Pony-Manns“ vor einem Jahr verhindert können. Seit kurzem gibt es in den Bankautomatenbereichen der Weinheimer Sparkassen sprachgesteuerte Schockgeber. Ein Jahr zu spĂ€t fĂŒr den „Pony-Mann“, der kurz vor Weihnachten 2010 einen Kreislaufstillstand erlitt und noch vor Ort verstarb. KĂŒnftig soll Menschen mit einem Herzkreislaufstillstand schnell geholfen werden können.

Von Martin Heilmann

Dem Mann in der FußgĂ€ngerzone in Weinheim ist schwindelig. Ein stechender Schmerz fĂ€hrt ihm durch die Brust. Ihm wird schwarz vor Augen. Er geht zu Boden und wird ohnmĂ€chtig. Sein Kreislauf bricht zusammen. Menschen eilen herbei. Helfen. Alarmieren RettungskrĂ€fte. Sie fĂŒhren wiederbelebende Herzmassagen und Beatmung durch. Die Zeit ist knapp. Der Mann ringt mit dem Leben. Der Notarzt trifft ein und hat einen Defibrillator dabei. Das GerĂ€t kommt zum Einsatz. Der elektrische Impuls wird ausgelöst. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal. Zu spĂ€t. Der Mann ist tot.

Das besonders tragische an dem Tod des „Pony-Manns“ vor rund einem Jahr: Es gab einen fĂŒr jedermann zugĂ€nglichen Defibrillator wenige Meter entfernt im BĂŒrgerbĂŒro Weinheim. Aber niemand wusste das.

Der plötzliche Herztod kann jeden treffen.

100.000 bis 200.000 Menschen wie der „Pony-Mann“ in Weinheim versterben Jahr fĂŒr Jahr an den Folgen eines plötzlichen Herztods – die Todesursache Nummer eins in Deutschland außerhalb von KrankenhĂ€usern. „Pro Minute, in der kein Defibrillator zum Einsatz kommt, sinkt die Überlebenschance fĂŒr Menschen um acht bis fĂŒnfzehn Prozent“, so Mit-Initiator Ralf Mittelbach von der freiwilligen Weinheimer Feuerwehr. „Nach zehn Minuten liegen die Überlebenschancen nur noch bei rund fĂŒnf Prozent.“

Einen „großen Dank“ fĂŒr das Engagement Mittelbachs und seinen Kameraden bei der Feuerwehr sprach Weinheims OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard (SPD) aus und fĂŒgte an: „Jeder hat jederzeit Zugang zu den Sparkassen-Filialen. Im Notfall kann das Leben retten.“

Portable Defibrillatoren sind einfach zu bedienen.

Prof. Dr. RĂŒdiger Hauser, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord, ließ jĂŒngst alle Mitarbeiter an einem auffrischenden Erste-Hilfe-Kurs teilnehmen und sagte: „Es geht auch darum, den Menschen die Angst zu nehmen, dass man etwas falsch macht.“ Die nun angebrachten Defibrillatoren sind voll sprachgesteuert und unterstĂŒtzen den Bediener bei jedem Schritt. Da die GerĂ€te im Automatenbereich angebracht sind, kann man sie rund um die Uhr erreichen.

Christian Linder, Ralf Mittelbach, Prof. Dr. RĂŒdiger Hauser, OB Heiner Bernhard bei der PrĂ€sentation eines Defibrillators in der Filiale Bahnhofstraße der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord. Sieben Filialen wurden mit den GerĂ€ten ausgestattet.

Der Vorfall des „Pony-Manns“ war unter anderem Anlass fĂŒr die Weinheimer Feuerwehr ein Defibrillatoren-Kataster fĂŒr die Stadt anzulegen, das alle Standorte in Weinheim angibt, an denen sich solche GerĂ€te befinden.

Die Feuerwehr startete dafĂŒr einen Aufruf in der Bevölkerung. Es meldeten sich Unternehmen, BĂŒros, LĂ€den bis hin zu Privatpersonen. Eine Übersicht soll in KĂŒrze auf den Internetseiten der Weinheimer Feuerwehr veröffentlicht werden.

Weinheim ist „spitze“ in der „Defi“-Ausstattung.

Insgesamt gibt es heute 33 SchockgerĂ€te in Weinheim. Inklusive der jetzt fĂŒr je rund 1.000 Euro angeschafften Defibrillatoren fĂŒr sieben Filialen im Bereich des Weinheimer Zentrums. Weitere Standorte in der Region sollen folgen. Weinheim ist diesbezĂŒglich in Baden-WĂŒrttemberg sogar eine echte Vorreiterstadt. „Nur“ 133 frei zugĂ€ngliche GerĂ€te  sind im kompletten Bundesland registriert.

Die Sparkasse unterstĂŒtzte die Anschaffung mit 16.000 Euro – die Feuerwehr Weinheim wartet und kontrolliert die GerĂ€te.

Um die Bevölkerung in Sachen Herzinfarkte noch besser zu sensibilisieren, veranstalten die GRN-Klinik Weinheim und der Johanniter-Unfallhilfe am 29. November um 18:30 Uhr eine Informationsveranstaltung im Weinheimer Feuerwehrzentrum in der Bensheimer Straße 6. Die Bevölkerung ist „herzlich“ eingeladen – es gibt ExpertenvortrĂ€ge und VorfĂŒhrungen.

FĂŒr RĂŒckfragen und nĂ€here Informationen zu dieser Veranstaltung gibt es bei der Feuerwehr in Weinheim unter email: sani-info@feuerwehrweinheim.de oder Telefon: 06201/2580673.