Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Von wegen zügig - das Prestigeprojekt lahmt und das auch noch richtig teuer

S-Bahn hat mindestens drei Jahre Verspätung

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Rhein-Neckar, 25. September 2014. (red/ld) Die Planfeststellungsverfahren für die neuen S-Bahnhöfe in Laudenbach, Heddesheim/Hirschberg, Ladenburg und Schwetzingen sind derzeit in der Offenlage. In Weinheim fiel der Beschluss im Juli vergangenen Jahres. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bahn die Strecke in Betrieb nehmen. Doch weder ist sicher, ob der Zeitplan eingehalten werden kann, noch ob die Kosten sich nicht nochmals steigern.

 

Foto: Deutsche Bahn AG/Wolfgang Klee

Die S-Bahn Rhein-Main-Neckar geht erst 2018 in Betrieb. Foto: Deutsche Bahn AG/Wolfgang Klee

 

Von Lydia Dartsch

In drei Jahren soll die S-Bahn auch in Laudenbach, Hirschberg/Heddesheim, Neu-Edingen, Ladenburg und Schwetzingen halten können. Dafür müssen in den kommenden Jahren die Bahnhöfe dieser Kommunen umgebaut werden. Die Bahnsteige müssen erhöht werden, um stufenlos aus den S-Bahn-Zügen aussteigen zu können. Die Bahnsteige sollen bis dahin mit Aufzügen erreichbar sein.

Das dafür nötige Planfeststellungsverfahren steht kurz vor seinem Abschluss: Die Pläne liegen derzeit in den Rathäusern aus. Bis zum 15. September konnte man sie noch Laudenbach einsehen und bis zum 17. September in Ladenburg. Bis zum 29. September in Hirschberg und Heddesheim. In Schwetzingen liegt der seit vergangenen Freitag, 19. September, aus.

„Der Bahnhof ist unsere größte Schwachstelle“

Einwände habe es bislang nicht gegeben, lautet die Aussage der Gemeinden auf unsere Anfrage. In Hirschberg und Laudenbach sind sie bislang nicht eingesehen worden. Zudem rechnen die Gemeinden auch nicht mit Gegenwind zu den Plänen. Im Gegenteil. Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (Grüne), sagte Anfang September bei einem Gespräch mit dem Ladenburger Bürgermeister Rainer Ziegler:

Das muss jetzt endlich fertig werden.

Herr Ziegler bezeichnete den Zustand des Bahnhofs als „unsere größte Schwäche“. Bis Dezember kommenden Jahres sollen die Bahnsteige in den Gemeinden um 76 Zentimeter angehoben und Aufzüge installiert sein. In Hirschberg geht man von einem ähnlichen Zeitplan aus. Hirschbergs Hauptamtsleiter Ralf Gänshirt teilte auf Anfrage mit, dass der Ausbau bis Juni 2015 beginnen soll.

Zwischen Mannheim und Darmstadt soll frühestens im Jahr 2018 eine S-Bahn fahren. Foto: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

Zwischen Mannheim und Darmstadt soll die S-Bahn erst im Jahr 2018 fahren. Foto: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

Aber auch zwölf Jahre nachdem sich der Ladenburger Gemeinderat erstmals mit dem S-Bahnhof beschäftigt hat, wird so bald keine S-Bahn dort halten. Bis Ende 2017 soll die S-Bahn-Strecke Mannheim-Darmstadt fertiggestellt sein. Erst zu diesem Zeitpunkt soll der Rhein-Main-Neckar-Express zwischen Heidelberg, Mannheim, Darmstadt und Frankfurt am Main den Betrieb aufnehmen, teilt die Deutsche Bahn auf unsere Anfrage mit:

Die Betriebsaufnahme der S-Bahn Rhein-Neckar auf der Main-Neckar-Bahn ab und bis Bensheim ist im Jahr 2018 vorgesehen,

schreibt Umternehmenssprecher Martin Schmolke. In Laudenbach äußert man sich daher vorsichtig zum Zeitplan.

„Wann der Ausbau beginnt, kommt darauf an“, antwortet Bauamtsleiter Martin Hörr zögerlich auf unsere Anfrage. Er schätze, dass es frühestens Ende 2015/Anfang 2016 soweit sein wird – also, wenn man in Ladenburg und Hirschberg gerade fertig sein will. Mehr als Absichtserklärungen seien diese Termine allerdings nicht, sagt Uwe Herzel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe:

Solange das Planfeststellungsverfahren läuft, kann man dazu keine Aussagen machen.

Denn auch, wenn die Deutsche Bahn laut ihren Erläuterungsberichten die neue S-Bahn-Strecke zwischen Mannheim und Darmstadt spätestens im Dezember 2017 in Betrieb nehmen will, sei es möglich, dass gegen die Planfeststellung geklagt werde. „Das würde den Baubeginn verzögern“, sagt Herr Herzel. Ursprünglich hatte die Bahn geplant, bereits Ende 2015 mit dem Ausbau fertig zu sein. Im März 2012 kündigte das Unternehmen an, die Fertigstellung  verzögere sich um bis zu drei Jahre auf 2017/2018.

Aussagen über die Kosten sind derzeit ebenso schwierig zu machen. Zwar hofft der Landtagsabgeordnete Sckerl auf ein „wirtschaftlich vernünftiges Ergebnis“. Jedoch wurde diese Hoffnung in der Vergangenheit bereits enttäuscht, als sich die prognostizierten Kosten für Ladenburg von anfänglich rund 600.000 Euro auf derzeit 850.000 Euro gesteigert haben. Auch beim Bahnhof Heddesheim/Hirschberg hatte sich im April 2011 die Kostenschätzung von ursprünglich 393.500 Euro bei der Vorplanung auf 656.500 Euro erhöht. Mittlerweile geht Hauptamtsleiter Ralf Gänshirt von 430.000 Euro aus – aber nur, wenn die Aufzüge bezuschusst werden.

 

Im Gegensatz zur Vorplanung sind die geschätzten Kosten der Entwurfsplanung deutlich erhöht.

Im Gegensatz zur Vorplanung sind die geschätzten Kosten der Entwurfsplanung deutlich erhöht.

 

In Laudenbach ist man daher mit einer Kostenschätzung vorsichtig, da sich die Planungskosten in den vergangenen Jahren erhöht hätten, sagt Bauamtsleiter Martin Hörr:

Wir hängen da in der Luft.

Wie sehr man als Kommune bei den Baukosten „in der Luft hängt“ zeigt der Fall Weinheim. Dort ist der Ausbau des Hauptbahnhofs bereits für das kommende Jahr vorgesehen. Entgegen der Vorplanung aus dem Jahr 2006 in Höhe von 740.000 Euro war der Anteil der Stadt fünf Jahre später auf 1,24 Millionen Euro und zwei weitere Jahre später auf 1,61 Millionen Euro korrigiert worden, hinzu kommen über 400.000 Euro für zwei weitere Haltestellen, macht über zwei Millionen Euro.

Die gesamten Baukosten müssen die Kommunen nicht alleine tragen. Zu 80 Prozent tragen Bund und Land die Kosten. Jeweils 10 Prozent fallen auf den Landkreis und die Kommunen: „Da werden alle Kommunen gleich behandelt“, sagt Bernhard Keller vom Rhein-Neckar-Kreis. In Schwetzingen soll der Umbau bis Ende 2017 fertiggestellt sein. Hinsichtlich der Kosten geht man derzeit für die drei Haltepunkte Bahnhof, Hirschacker und Nordstadt von einem Anteil von insgesamt 3.013.549 Euro aus. Auch hier hat sich die Schätzung im Vergleich zur Vorplanung um knapp 300.000 Euro erhöht. Aber noch sind alle Kosten Schätzungen – hier ist noch „Luft nach oben“. Klar ist: Billiger wird es nicht.

Michael Löwe von Pro Bahn kann sich nicht erinnern, dass Kostenschätzungen jemals eingehalten worden sind: „Es wird am Ende immer deutlich teurer.“ Besonders kritisch sieht der Fahrgastverband den vermutlich nicht erfolgenden Ausbau der Strecke zwischen Heidelberg und Mannheim:

Eigentlich sollte das dreigleisig werden. Doch vermutlich gibt es keine Mittel dafür. Das führt zu Ballungen und die Takte werden damit eher über 30 Minuten betragen. Das ist S-Bahn light.

 

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.