Sonntag, 25. Juni 2017

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Interessante Details zu den Europawahlen - teils deutliche Unterschiede

Europawahl: Unsere Gemeinden im Vergleich

Heidelberg/Mannheim/Rhein-Neckar, 26. M√§rz 2014. (red/pro) Aktualisiert. Bei der Europawahl lassen sich klare Aussagen treffen: SPD und AfD sind die Gewinner. Die FDP hat teils dramatische Verluste erlitten. Schaut man sich die Ergebnisse in den Gemeinden des Landtagswahlkreises Weinheim und im Rhein-Neckar-Kreis genauer an, gibt es interessante Details – beispielsweise ist die Wahlbeteiligung dieser Gemeinden besser als im Kreis insgesamt und die SPD gewinnt sogar √ľber den kreisweiten Vergleich. Wir haben f√ľr Sie die Zahlen mit teils √ľberraschenden Zusammenh√§ngen zusammengestellt.

Anm. d. Red.: Wir hatten zun√§chst f√ľr kurze Zeit eine Fassung ver√∂ffentlicht, bei der die Zahlen f√ľr Heidelberg nicht korrekt waren, wie wir selbst festgestellt haben. Daher mussten auch textliche Anpassungen vorgenommen werden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich gerne mit Zahlen befasst, kann sich viel Zeit f√ľr das Ergebnis der Europawahl nehmen. Datenbasis sind die beh√∂rdlichen Zahlen¬†Stand heute, 19:00 Uhr.

 

Wahlergebnisse Gemeinden

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Gewinner SPD

Klarer Sieger¬†der etablierten Parteien ist die SPD. In fast allen Gemeinden, zu denen wir berichten, gewinnt sie, oft √ľber dem Bundestrend von plus f√ľnf Prozentpunkten – nur in Viernheim verlieren die Genossen. Dabei liegt die SPD fast √ľberall im Bundesdurchschnitt von f√ľnf Prozentpunkten Zugewinn¬†oder sogar deutlich dar√ľber – nur Mannheim bleibt¬†deutlich dahinter zur√ľck. Insbesondere in Hemsbach holt sie mit 8,66 Prozentpunkten mehr den insgesamt h√∂chsten Stand von 30,95 Prozent. Auch in Hirschberg (6,09 Prozentpunkte) ¬†und Schwetzingen (7,10 Prozentpunkte) legt sie am deutlichsten¬†zu. Am schlechtesten schneidet sie in Heidelberg ab: 17,26 Prozent sind „ern√ľchternd“. Insgesamt liegt sie um 28 Prozent, mehrfach kann sie sogar die 30 Prozent √ľberspringen. Die SPD scheint sich bei Gr√ľnen und CDU Stimmen¬†geholt zu haben – in Mannheim aber nur von den Gr√ľnen.

Wahlsieger ist der Verlierer CDU

Die CDU verliert¬†in Heidelberg 1,2¬†Prozentpunkte – sonst verlieren die Christdemokraten fast durch die Bank mehr. Am meisten in Laudenbach, wo sie 4,63 Prozentpunkte abgeben m√ľssen, aber trotzdem mit 39,05 das beste Ergebnis holen. Im Wahlkreis Weinheim verlieren sie in Schriesheim mit minus¬†0,67 Prozentpunkte am glimpflichsten, sonst betr√§gt das Minus zwischen rund 2,5¬†Prozentpunkte, in Mannheim sogar 3 Prozentpunkte. In Heidelberg bleibt sie knapp st√§rkste Partei, wenngleich auf niedrigem Niveau – in Mannheim hingegen muss sie den Platz an die SPD abgeben. Die Law-and-Order-Kampagne hat der CDU in Mannheim nichts genutzt, die Partei verliert hier klar √ľberdurchschnittlich. Trotz massiver St√ľtzung durch den Mannheimer Morgen muss die Partei den¬†Verlust hinnehmen.

Gewinner AfD

Die AfD ist √ľberall durchgestartet und gewinnt¬†aus dem Stand durchschnittlich rund¬†9 Prozent ¬†– zwei Prozentpunkte mehr als bundesweit. Nur in Heidelberg schneidet sie schlechter ab: 6,80¬†Prozent. Am besten steht sie in Ilvesheim mit 10,64 Prozent da. So wie es aussieht, hat die AfD in Nordbaden eine feste Basis. Nach den Zahlen hat sie vor allem bei der FDP gewildert zu haben und in gro√üen Teilen bei der CDU. In Mannheim f√§hrt die AfD mit 9,7 Prozent eines der besten Ergebnisse ein. Rechtsextreme Parteien wie die NPD bleiben schwach und W√§hlerwanderungen sind definitiv nicht ausschlaggebend f√ľr das Ergebnis der AfD. Auch von Die Linke und Gr√ľnen kommen keine Stimmen, ebensowenig gelingt es, Neu- oder Protestw√§hler umfangreich zu motivieren – die AfD holt sich in Nordbaden ihre W√§hler/innen direkt bei CDU und FDP, also aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft.

Klarer Verlierer FDP

Klarer Verlierer ist die FDP mit im Schnitt 8,5 bis fast 10 Prozentpunkten¬†Verlust. In Schriesheim verliert sie dramatische¬†10,32 Prozentpunkte. Angesichts der deutlichen Zahlen scheint es klar zu sein, dass¬†die FDP zusammen mit der CDU an die AfD verloren hat. Zwar braucht es keine f√ľnf Prozent mehr – doch nur in vier Gemeinden kommt die Partei √ľberhaupt √ľber diese Grenze. Am besten steht sie noch in Hirschberg da: 6,15 Prozent.

Verlierer B√ľndnis90/Die Gr√ľnen

Die Gr√ľnen haben keinen Grund zur Freude. Im Landtagswahlkreis Weinheim holen sie nur in¬†Laudenbach magere 1,2 Prozentpunkte mehr, sonst geht es zwischen zwei und drei Prozentpunkten Verlust bergab. Auch in Heidelberg verlieren die Gr√ľnen 4,7 Prozentpunkte. Obwohl man auch in Dossenheim ganze 3,43 Prozentpunkte verliert, bleibt Dossenheim mit 19,85 Prozent die st√§rkste Gemeinde. In Hemsbach m√ľssen sie die gr√∂√üte Niederlage hinnehmen – minus 4,63 Prozentpunkte und damit nur noch einstellige 9,76 Prozent. Das ist noch schlechter als Viernheim, wo die Gr√ľnen leicht auf 9,9 Prozent zulegen. In Mannheim verlieren die Gr√ľnen zwei Prozentpunkte – trotz eines engagierten Wahlkampfs. Den Gr√ľnen gelingt es nicht, Europakompetenz zu vermitteln.

Stabile Linke auf niedrigem Niveau

Die Linke h√§lt¬†sich zwischen drei und vier Prozent stabil. Beste Gemeinden sind¬†Dossenheim mit 4,15 Prozent und Mannheim mit 5,90¬†Prozent. Bis auf Laudenbach (-0,50 Prozentpunkte) legt man √ľberall leicht zu. In Heidelberg gewinnt man 1,9¬†Prozent – Rekord bei unserer Betrachtung.

Wahlbeteiligung РDossenheim mit stolzen 66,08 Prozent РMannheim mit enttäuschenden 44,1 Prozent

Nur Heddesheim und Hemsbach bleiben unter der Kreis-Wahlbeteiligung von 53,93 Prozent und den im Landtagswahlkreis deutlicheren 57,41 Prozent. Sonst liegen die Gemeinden im Wahlkreis Weinheim deutlich dr√ľber – f√ľhrend ist Dossenheim mit stolzen 66,08 Prozent, gefolgt von Hirschberg (63,23 Prozent) und Ladenburg (61,38 Prozent). Unsere Orte sind offensichtlich politisch insgesamt doch sehr politisch interessiert und motiviert. Dramatisch sieht es in Mannheim aus: nur 44,1¬†Prozent. Das ist zwar eine Steigerung von rund¬†drei¬†Prozentpunkten gegen√ľber 2009, doch¬†kann Mannheim mit einem so schwachen Wert den Versuch, sich zur „Europ√§ischen Kulturhauptstadt“ zu machen, fluchs begraben. Bei so wenig Zustimmung¬†der W√§hler/innen¬†bei¬†einer Europawahl ist das tats√§chlich mehr als peinlich – insbesondere vor dem Hintergrund einer bundesweit gestiegenen Wahlbeteiligung und mit starken Wahlbteiligungen um Mannheim herum. Auch Viernheim scheint es mit Europa nicht so zu haben (37,8 Prozent).

Wahlkreis Weinheim im Vergleich zum Rhein-Neckar-Kreis

Auch hier ist die SPD klarer Sieger. Sowie die AfD, die im Schnitt auf 9,11 Prozent kommt (Kreis 8,75 Prozent). Die CDU liegt gut zwei Prozentpunkte hinter dem Kreis zur√ľck und verliert auch fast doppelt so hoch. Die Gr√ľnen verlieren deutlich √ľber dem Kreisschnitt, bleiben aber prozentual fast 1,5 Prozentpunkte besser. Obwohl die FDP der gr√∂√üte Verlierer ist, h√§lt sich die Partei ein wenig besser als im Kreis. Die Linke ist leicht schlechter als im Vergleich zum Kreis. Die Wahlbeteiligung ist deutlich besser.

Stadt-Land-Vergleich

In den St√§dten haben die Menschen deutlich weniger an der Europawahl teilgenommen, insbesondere in Mannheim, Schwetzingen und Viernheim. Aber auch die gro√üe Kreisstadt Weinheim bildet das Schlusslicht unter den Kreisgemeinden und bleibt sowohl hinter dem Kreisschnitt als auch im Vergleich zu den anderen Gemeinden im Wahlkreis Weinheim mit 50,05 Prozent weit zur√ľck. Und auch hier ist die AfD stark – das Bild ist zwar nicht einheitlich, aber tendenziell ist die AfD in den St√§dten scheinbar st√§rker bis auf den Ausrei√üer Heidelberg mit dem schw√§chsten Ergebnis. Hier profitieren alle von einer starken Wahlbeteiligung – insbesondere SPD und die Linke, die offenbar nicht nur bei den Gr√ľnen, sondern auch bei der FDP Stimmen holen konnten. Die AfD kann sich nur bei der FDP Stimmen holen. Heidelberg ist damit entweder ganz anders als andere St√§dte oder zeigt einen Trend vor, den man bundesweit beobachten kann: Die etablierten Parteien verlieren zunehmend.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.