Montag, 23. Juli 2018

„Wow“ ist ein Fake – wer draufklickt zeigt, dass er was nicht verstanden hat

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Rhein-Neckar, 25. April 2011 (red) Seit ein paar Tagen geht „Wurm“ bei Facebook rum. Angeblich soll man √ľber den Klick auf den anzeigten Link sehen k√∂nnen, welche Facebook-Nutzer das pers√∂nliche Facebook-Profil aufgerufen haben. Ein Klick bringt nicht das versprochene Ergebnis, sondern schickt den Wurm an die eigenen „Freunde“, die wieder an weitere „Freunde“, die wieder….

Von Hardy Prothmann

Die „Wow“-Einladung nervt. Ganz gewaltig. Rund 20 Mal t√§glich geht bei mir das Chat-Fenster auf und jemand l√§dt mich ein, auf einen Link zu klicken, um angeblich sehen zu k√∂nnen, wer sich mein Facebook-Profil angeschaut hat.

Das wollen ich und mein Team bei √ľber 2.000 Facebook-Freunden √ľber die verschiedenen Blogs gar nicht wissen. Wer vorbeikommt, kann mitlesen, was √∂ffentlich ist, daf√ľr sind die Infos ja da. Und wer was kommentieren will, kommentiert.

Angeblich sollen schon eine Million deutsche Facebook-Nutzer auf den „Fake“ (F√§lschung) reingefallen sein. Und angeblich sollen hier „Gefahren“ lauern. Viel erschreckender als eine m√∂gliche Gefahr ist die Unkenntnis all derer, die auf solche „Angebote“ hereinfallen.

Dringender Beratungsbedarf

Tatsache ist – jeder, der einfach wild auf jeden Link im Internet klickt, der ihm angeboten wird, hat einen dringenden Beratungsbedarf. Ob als Privatmensch, als Gesch√§ftsmann oder Vereinsmitglied oder Politiker oder, oder, oder. Denn soviel steht fest: Das Bewusstsein √ľber (m√∂gliche) Gefahren und ein verantwortungsvolles Handeln sind nicht besonders ausgepr√§gt.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Es gibt seri√∂se Angebote, denen man √ľberwiegend vertrauen kann und es gibt viele Fallen und unseri√∂se Seiten, denen man grunds√§tzlich misstrauen sollte. Und insgesamt gilt: Erst denken, dann klicken.

Eine einfache L√∂sung ist die Erwartungshaltung: Wenn ein Freund eine email mit einem neuen Versicherungsangebot schickt – erwarte ich das? Oder ist es besser misstrauisch zu sein? Erwarte ich tats√§chlich, dass mich ein Freund dazu auserw√§hlt hat ein Millionenerbe in Nigeria zu erhalten? Oder warum schickt mir jemand, der sonst nie „Sensationsmeldungen“ versendet und auch nicht in Freizeitparks geht, pl√∂tzlich angeblich ein Video?

Facebook an sich ist seri√∂s (mal abgesehen vom Umgang mit dem Datenschutz), genauso wie redaktionelle Seiten oder Seiten von Firmen. √úberall da, wo aber „externe Inhalte“ erscheinen k√∂nnen oder sogar m√ľssen, wie bei den sozialen Netzwerken, muss man mit (manchmal) unseri√∂sen Inhalten rechnen. Und: Selbst Bankseiten oder Angebote von Regierungen sind schon gehackt (also mit b√∂ser Absicht ver√§ndert) worden.

Das ist wie mit Autos. Seri√∂se Fimen bauen gute Autos mit Diebstahlschutz. Manche werden aber trotzdem geklaut. Wer sein Auto nicht in einer dunklen Ecke abstellt, verringert die M√∂glichkeit einer „unseri√∂sen Handlung“ – 100-prozentige Sicherheit gibt es nie.

Sensationslust und Neugier

Viele Artikel berichten von „m√∂glichen Sch√§den“ durch solche unseri√∂sen Facebook-„Angebote“, beispielsweise bei T-online:

„Das Ziel dieser Nachrichten ist immer das gleiche: Der Empf√§nger soll auf einen Link klicken, der in eine Falle lockt.“

Doch welche Falle ist gemeint? Sie wird nicht genannt. Solche Berichte sind mit „hei√üer Nadel gestrickt“ und heischen mit Behauptungen um Aufmerksamkeit. Kurios: Die redaktionelle Meldung benutzt daselbe Prinzip wie der „Wurm“: Die Neugier oder Sensationslust. Soweit uns bekannt, hat der „Wow-Wurm“ bislang noch keinen Schaden angerichtet: Au√üer, dass er viele Leute unendlich nervt, weil diese nicht, ihre „Freunde“ aber sehr wohl drauf reinfallen.

Und vor allem die Printmedien weiden solche „Horrormeldungen“ √ľber das ach-so-schlimme-gefahrenvolle Internet mit Freude aus. Die Schreckensmeldungen √ľber Fallen und Gefahren haben einen einfachen Grund: Facebook, Google und andere Internetangebote sind gef√§hrlich f√ľr’s eigene Gesch√§ft.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit mit dem Computer und dem Internet und k√ľndigen ihre Abos oder schlie√üen erst gar keine mehr ab.

Auch das sollte man verstanden haben, um solche Meldungen richtig einordnen zu können.

Jede Tag gut 20 "Freunde", die auf den Trick hereinfallen und ein gefälschtes Angebot anklicken. Gefährlichkeit unbekannt - Imageverlust "programmiert".

Trotzdem ist es richtig, solche Gefahren zu benennen und dar√ľber zu informieren. Denn selbst wenn kein bezifferbarer Schaden entsteht, kann es einen „Image“-Schaden geben. Und der kann betr√§chtlich sein – privat wie beruflich.

Denn der kundige Facebook-Nutzer trennt sich vielleicht von „Freunden“, die dauernd auf alles klicken und solche Falschmeldungen reduplizieren. Nicht nur, weil sie „genervt“ sind, sondern weil sie echte Sch√§den von sich halten wollen. Gerade Unternehmer und Gesch√§ftsleute m√ľssen ebenso wie Vereine oder Beh√∂rden auf ihre Glaubw√ľrdigkeit achten. Image-Sch√§den sind nur schwierig zu „reparieren“.

Imageschaden

Es gibt genug Beispiele f√ľr „bezifferbare“ Sch√§den, ob das Ausspionieren von Kundendaten (Phishing) oder das Erzeugen von Computersch√§den. Einer der erfolgreichsten Viren war „I love you„. Der „Mal-Code“ hatte im Mai 2000 enorme Sch√§den angerichtet, weil er auf infizierten Rechnern Daten vernichtete. Angeblich gingen die Sch√§den in die Milliarden – die genaue Schadenssumme lie√ü sich auch hier nicht belegen, weil viele Unternehmen aus Angst vor Image-Verlust keine Sch√§den beziffert haben.

Was aber tun, wenn hinter jeder vermeintlichen Meldung eine „Falle“ stecken k√∂nnte? Die allersicherste L√∂sung ist, gar nichts mehr anzuklicken. Dann kann man aber auch gleich den Stecker ziehen und sich vom Internet verabschieden.

Die beste L√∂sung ist, zu wissen, was man tut. Grunds√§tzlich gilt: Traue keiner Meldung, die „sensationelle Inhalte“, irgendwas mit Freundschaft und Liebe, mit Neugier oder einfach irgendetwas verspricht, auf das man „impulsiv“ reagiert. Denn der Trick ist, das Denken zu umgehen und den Impuls, also den Klick auszul√∂sen.

Der kleine Spion in uns allen

Die Meldung „‚ÄěWOW Jetzt kannst du sehen wer sich dein Profil ansieht!“ appelliert an die Neugier, den kleinen Spion, den jeder in sich hat. Wer nachdenkt, fragt sich: „Moment, will ich, dass andere sehen k√∂nnen, worauf ich geklickt habe? Ist das nicht datenschutzrechtlich problematisch? Wieso habe ich nirgendwo eine Meldung dazu gelesen, dass es so ein Feature gibt?“

Ende März 2011 verbreitete sich diese gefälschte Meldung rasant:

‚ÄěSCHRECKLICH! – Unfall im Europa Park in Deutschland!‚Äú
‚ÄěHey hast du das gesehen? Unglaublich. Konnte es mir gar nicht ganz ansehen. NIE wieder Achterbahn.‚Äú

Angeblich sollte es einen Achterbahnunfall im Europapark gegeben haben und Freunde „empfahlen“ diesen Link. Wer draufklickte, gab vermutlich seine Kontaktdaten preis – an irgendjemanden. Der „T√§ter“ ist nicht festgestellt worden. Der Trick hier: Die Ansprache der „Sensationslust“.

Was aber, wenn solch eine Anwendung auch die Daten von Freunden, Gesch√§ftspartnern und Kollegen „abgreift“? Und was passiert damit? Ziemlich sicher wird damit Handel getrieben. Es folgt Werbung, Spam und im schlimmsten Fall ein tats√§chlich krimineller Angriff auf Bankkonten.

Facebook sicherer machen

Wer „versehentlich“ auf einen solchen Link geklickt hat, kann bei Facebook unter ‚ÄúKonto-‚ā¨¬Ě -> ‚ÄúPrivatsph√§ren-Einstellung-‚ā¨¬Ě -> ‚ÄúWebsite und Anwendungen-‚ā¨¬Ě -> ‚ÄúAnwendungen, die Du verwendest-‚ā¨¬Ě, die Einstellungen bearbeiten. Grunds√§tzlich gilt – alles l√∂schen, was man nicht kennt ist besser, als nicht zu wissen, was die einzelnen Funktionen bewirken.

Gerade Gesch√§ftsleute, Unternehmen, aber auch Arbeitnehmer, Vereine oder Beh√∂rden sind in der Verantwortung, zu wissen, was sie im Internet tun und welche Folgen das f√ľr andere haben kann.

Leider passieren viele Fehler, weil es an Wissen mangelt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und so selbstverst√§ndlich, wie man sonst Vertr√§ge pr√ľft und die Qualit√§t sichernde Massnahmen im Betrieb durchf√ľhrt, sollte ein wissensbasiertes Verhalten im Internet vorhanden sein.

Wenn Sie sich daf√ľr interessieren, stehen wir Ihnen mit unserer Erfahrung gerne zur Seite oder vermitteln geeignete Experten. Wir beraten Sie gerne und effektiv. Die Kosten h√§ngen vom Umfang ab, sind aber √ľberschaubar.

Einfach auf den Link klicken. Keine Sorge ;-), der ist seriös.

redaktion (at) rheinneckarblog.de

Sollten Sie auf den Link in Facebook hereingefallen sein Рinformieren Sie Ihre Kontakte. Transparenz und Ehrlichkeit werden geschätzt.

Sorgen Sie daf√ľr, dass die Menschen, die mit anderen √ľbers Internet kommunizieren, auch wissen, was sie tun. Ob das die Lebenspartner, Kinder, Freunde oder Besch√§ftigte sind.

Die hohe Zahl derer, die offensichtlich noch zu wenig √ľber’s Internet wissen und arglos den Bl√∂dsinn angeklickt haben, zeigt, dass der Informationsbedarf weiterhin hoch ist.