Freitag, 14. Dezember 2018

„Wow“ ist ein Fake – wer draufklickt zeigt, dass er was nicht verstanden hat

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Rhein-Neckar, 25. April 2011 (red) Seit ein paar Tagen geht „Wurm“ bei Facebook rum. Angeblich soll man ĂŒber den Klick auf den anzeigten Link sehen können, welche Facebook-Nutzer das persönliche Facebook-Profil aufgerufen haben. Ein Klick bringt nicht das versprochene Ergebnis, sondern schickt den Wurm an die eigenen „Freunde“, die wieder an weitere „Freunde“, die wieder….

Von Hardy Prothmann

Die „Wow“-Einladung nervt. Ganz gewaltig. Rund 20 Mal tĂ€glich geht bei mir das Chat-Fenster auf und jemand lĂ€dt mich ein, auf einen Link zu klicken, um angeblich sehen zu können, wer sich mein Facebook-Profil angeschaut hat.

Das wollen ich und mein Team bei ĂŒber 2.000 Facebook-Freunden ĂŒber die verschiedenen Blogs gar nicht wissen. Wer vorbeikommt, kann mitlesen, was öffentlich ist, dafĂŒr sind die Infos ja da. Und wer was kommentieren will, kommentiert.

Angeblich sollen schon eine Million deutsche Facebook-Nutzer auf den „Fake“ (FĂ€lschung) reingefallen sein. Und angeblich sollen hier „Gefahren“ lauern. Viel erschreckender als eine mögliche Gefahr ist die Unkenntnis all derer, die auf solche „Angebote“ hereinfallen.

Dringender Beratungsbedarf

Tatsache ist – jeder, der einfach wild auf jeden Link im Internet klickt, der ihm angeboten wird, hat einen dringenden Beratungsbedarf. Ob als Privatmensch, als GeschĂ€ftsmann oder Vereinsmitglied oder Politiker oder, oder, oder. Denn soviel steht fest: Das Bewusstsein ĂŒber (mögliche) Gefahren und ein verantwortungsvolles Handeln sind nicht besonders ausgeprĂ€gt.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Es gibt seriöse Angebote, denen man ĂŒberwiegend vertrauen kann und es gibt viele Fallen und unseriöse Seiten, denen man grundsĂ€tzlich misstrauen sollte. Und insgesamt gilt: Erst denken, dann klicken.

Eine einfache Lösung ist die Erwartungshaltung: Wenn ein Freund eine email mit einem neuen Versicherungsangebot schickt – erwarte ich das? Oder ist es besser misstrauisch zu sein? Erwarte ich tatsĂ€chlich, dass mich ein Freund dazu auserwĂ€hlt hat ein Millionenerbe in Nigeria zu erhalten? Oder warum schickt mir jemand, der sonst nie „Sensationsmeldungen“ versendet und auch nicht in Freizeitparks geht, plötzlich angeblich ein Video?

Facebook an sich ist seriös (mal abgesehen vom Umgang mit dem Datenschutz), genauso wie redaktionelle Seiten oder Seiten von Firmen. Überall da, wo aber „externe Inhalte“ erscheinen können oder sogar mĂŒssen, wie bei den sozialen Netzwerken, muss man mit (manchmal) unseriösen Inhalten rechnen. Und: Selbst Bankseiten oder Angebote von Regierungen sind schon gehackt (also mit böser Absicht verĂ€ndert) worden.

Das ist wie mit Autos. Seriöse Fimen bauen gute Autos mit Diebstahlschutz. Manche werden aber trotzdem geklaut. Wer sein Auto nicht in einer dunklen Ecke abstellt, verringert die Möglichkeit einer „unseriösen Handlung“ – 100-prozentige Sicherheit gibt es nie.

Sensationslust und Neugier

Viele Artikel berichten von „möglichen SchĂ€den“ durch solche unseriösen Facebook-„Angebote“, beispielsweise bei T-online:

„Das Ziel dieser Nachrichten ist immer das gleiche: Der EmpfĂ€nger soll auf einen Link klicken, der in eine Falle lockt.“

Doch welche Falle ist gemeint? Sie wird nicht genannt. Solche Berichte sind mit „heißer Nadel gestrickt“ und heischen mit Behauptungen um Aufmerksamkeit. Kurios: Die redaktionelle Meldung benutzt daselbe Prinzip wie der „Wurm“: Die Neugier oder Sensationslust. Soweit uns bekannt, hat der „Wow-Wurm“ bislang noch keinen Schaden angerichtet: Außer, dass er viele Leute unendlich nervt, weil diese nicht, ihre „Freunde“ aber sehr wohl drauf reinfallen.

Und vor allem die Printmedien weiden solche „Horrormeldungen“ ĂŒber das ach-so-schlimme-gefahrenvolle Internet mit Freude aus. Die Schreckensmeldungen ĂŒber Fallen und Gefahren haben einen einfachen Grund: Facebook, Google und andere Internetangebote sind gefĂ€hrlich fĂŒr’s eigene GeschĂ€ft.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit mit dem Computer und dem Internet und kĂŒndigen ihre Abos oder schließen erst gar keine mehr ab.

Auch das sollte man verstanden haben, um solche Meldungen richtig einordnen zu können.

Jede Tag gut 20 "Freunde", die auf den Trick hereinfallen und ein gefÀlschtes Angebot anklicken. GefÀhrlichkeit unbekannt - Imageverlust "programmiert".

Trotzdem ist es richtig, solche Gefahren zu benennen und darĂŒber zu informieren. Denn selbst wenn kein bezifferbarer Schaden entsteht, kann es einen „Image“-Schaden geben. Und der kann betrĂ€chtlich sein – privat wie beruflich.

Denn der kundige Facebook-Nutzer trennt sich vielleicht von „Freunden“, die dauernd auf alles klicken und solche Falschmeldungen reduplizieren. Nicht nur, weil sie „genervt“ sind, sondern weil sie echte SchĂ€den von sich halten wollen. Gerade Unternehmer und GeschĂ€ftsleute mĂŒssen ebenso wie Vereine oder Behörden auf ihre GlaubwĂŒrdigkeit achten. Image-SchĂ€den sind nur schwierig zu „reparieren“.

Imageschaden

Es gibt genug Beispiele fĂŒr „bezifferbare“ SchĂ€den, ob das Ausspionieren von Kundendaten (Phishing) oder das Erzeugen von ComputerschĂ€den. Einer der erfolgreichsten Viren war „I love you„. Der „Mal-Code“ hatte im Mai 2000 enorme SchĂ€den angerichtet, weil er auf infizierten Rechnern Daten vernichtete. Angeblich gingen die SchĂ€den in die Milliarden – die genaue Schadenssumme ließ sich auch hier nicht belegen, weil viele Unternehmen aus Angst vor Image-Verlust keine SchĂ€den beziffert haben.

Was aber tun, wenn hinter jeder vermeintlichen Meldung eine „Falle“ stecken könnte? Die allersicherste Lösung ist, gar nichts mehr anzuklicken. Dann kann man aber auch gleich den Stecker ziehen und sich vom Internet verabschieden.

Die beste Lösung ist, zu wissen, was man tut. GrundsĂ€tzlich gilt: Traue keiner Meldung, die „sensationelle Inhalte“, irgendwas mit Freundschaft und Liebe, mit Neugier oder einfach irgendetwas verspricht, auf das man „impulsiv“ reagiert. Denn der Trick ist, das Denken zu umgehen und den Impuls, also den Klick auszulösen.

Der kleine Spion in uns allen

Die Meldung „„WOW Jetzt kannst du sehen wer sich dein Profil ansieht!“ appelliert an die Neugier, den kleinen Spion, den jeder in sich hat. Wer nachdenkt, fragt sich: „Moment, will ich, dass andere sehen können, worauf ich geklickt habe? Ist das nicht datenschutzrechtlich problematisch? Wieso habe ich nirgendwo eine Meldung dazu gelesen, dass es so ein Feature gibt?“

Ende MÀrz 2011 verbreitete sich diese gefÀlschte Meldung rasant:

„SCHRECKLICH! – Unfall im Europa Park in Deutschland!“
„Hey hast du das gesehen? Unglaublich. Konnte es mir gar nicht ganz ansehen. NIE wieder Achterbahn.“

Angeblich sollte es einen Achterbahnunfall im Europapark gegeben haben und Freunde „empfahlen“ diesen Link. Wer draufklickte, gab vermutlich seine Kontaktdaten preis – an irgendjemanden. Der „TĂ€ter“ ist nicht festgestellt worden. Der Trick hier: Die Ansprache der „Sensationslust“.

Was aber, wenn solch eine Anwendung auch die Daten von Freunden, GeschĂ€ftspartnern und Kollegen „abgreift“? Und was passiert damit? Ziemlich sicher wird damit Handel getrieben. Es folgt Werbung, Spam und im schlimmsten Fall ein tatsĂ€chlich krimineller Angriff auf Bankkonten.

Facebook sicherer machen

Wer „versehentlich“ auf einen solchen Link geklickt hat, kann bei Facebook unter “Konto-€ -> “PrivatsphĂ€ren-Einstellung-€ -> “Website und Anwendungen-€ -> “Anwendungen, die Du verwendest-€, die Einstellungen bearbeiten. GrundsĂ€tzlich gilt – alles löschen, was man nicht kennt ist besser, als nicht zu wissen, was die einzelnen Funktionen bewirken.

Gerade GeschĂ€ftsleute, Unternehmen, aber auch Arbeitnehmer, Vereine oder Behörden sind in der Verantwortung, zu wissen, was sie im Internet tun und welche Folgen das fĂŒr andere haben kann.

Leider passieren viele Fehler, weil es an Wissen mangelt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und so selbstverstĂ€ndlich, wie man sonst VertrĂ€ge prĂŒft und die QualitĂ€t sichernde Massnahmen im Betrieb durchfĂŒhrt, sollte ein wissensbasiertes Verhalten im Internet vorhanden sein.

Wenn Sie sich dafĂŒr interessieren, stehen wir Ihnen mit unserer Erfahrung gerne zur Seite oder vermitteln geeignete Experten. Wir beraten Sie gerne und effektiv. Die Kosten hĂ€ngen vom Umfang ab, sind aber ĂŒberschaubar.

Einfach auf den Link klicken. Keine Sorge ;-), der ist seriös.

redaktion (at) rheinneckarblog.de

Sollten Sie auf den Link in Facebook hereingefallen sein – informieren Sie Ihre Kontakte. Transparenz und Ehrlichkeit werden geschĂ€tzt.

Sorgen Sie dafĂŒr, dass die Menschen, die mit anderen ĂŒbers Internet kommunizieren, auch wissen, was sie tun. Ob das die Lebenspartner, Kinder, Freunde oder BeschĂ€ftigte sind.

Die hohe Zahl derer, die offensichtlich noch zu wenig ĂŒber’s Internet wissen und arglos den Blödsinn angeklickt haben, zeigt, dass der Informationsbedarf weiterhin hoch ist.