Montag, 23. Juli 2018

„Kein Grund hoffnungslos zu sein“

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Rhein-Neckar/Weinheim, 27. Oktober 2011. (red/pm) Übergangsmanagement gibt gute Beispiele für erfolgreiche Berufswege von Werkrealschülern.

Information der Stadt Weinheim:

Das Projekt „Azubis informieren SchülerInnen“.

„Die meisten Lebenswege führen nicht geradeaus. Sabrina Kadel zum Beispiel ließ sich nach ihrem Abschluss an der Werkrealschule überreden, eine Ausbildung als Zahnarzthelferin anzutreten. Aber schon nach ein paar Monaten spürte sie: „Das ist nichts für mich.“ Sie hat nochmal von vorne angefangen und ist heute im zweiten Lehrjahr zur Restaurantfachfrau im feinen „Hutter im Schloss“. „Ich will nie mehr etwas anderes machen“, sagt sie.

Oder Kerim Arici, ehemaliger Hauptschüler der Karrillon-Schule und BVJ-Absolvent der Hans-Freudenberg-Schule. „Früher wollte ich nie etwas arbeiten“, erzählt er. Dann wurde er vom Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart an der Hand gepackt. Bei einem Kletterkurs fiel den Männern vom WUB auf, dass der drahtige Türke absolut schwindelfrei ist. Ob er nicht Dachdecker werden wolle, fragten sie und vermittelten gleich einen Praktikumsplatz. Mittlerweile ist Kerim bei der Firma Schilling im zweiten Lehrjahr beschäftigt, verdient Geld, um damit in Urlaub zu reisen und hat sogar schon die Zusage für eine Übernahme als Geselle. „Die finden mich dort gut“, strahlte er jetzt in mehr als 20 neugierige Gesichter in der Karrillon-Werkrealschule.

Schon zum dritten Mal an einer Weinheimer Haupt- und Werkrealschule setzte das Kommunale Übergangsmanagement Schule-Beruf Weinheim das dort entwickelte Projekt „Azubis informieren SchülerInnen“ um. Dieses hat sich so gut bewährt, dass es im nächsten Jahr als Regelangebot von „Job Central“ übernommen wird: Jeweils drei mittlerweile im Berufsleben gefestigte Jugendliche mit einer Schullaufbahn an Haupt- oder Werkrealschule, berichten in Schulklassen. „Das sind Gespräche auf Augenhöhe“, hat Sabine Perlick beobachtet, die für das Übergangsmanagement das das Projekt koordiniert. Die jungen „Azubis“ können stets authentisch und glaubhaft ihren Weg schildern und den Schülern Mut machen.

„Es gibt überhaupt keinen Grund, hoffnungslos zu sein“, findet auch Susanne Amler, die Rektorin der Karrillon-Schule, die das Projekt ebenso begleitete wie die beiden Lehrerinnen der neunten Klassen, Jeanette Bode und Elfriede Brönner-Werner und Judith Iwanowitsch, sie arbeitet für Job Central als KÜM-Lotsin an der Karrillon-Schule.

„Es ist einfach ein gutes Gefühl, selbstständig zu sein und eigenes Geld zu verdienen“, bestätigte Kerim Arici. Allesamt berichteten von sorgfältiger und geduldiger Ausbildungsarbeit in den Betrieben. „Mein Chef Jan Hutter“, erzählt die angehende Restaurantfachfrau Sabrina Kadel, „setzt sich nach Feierabend mit mir hin und hilft mir beim Lernen für die Berufsschule“. Höfliches Auftreten, Interesse und Verlässlichkeit seien oft sogar wichtiger als gute Noten. „Mit einer Drei könnt-€™ Ihr schon was anfangen“, so der Insider-Tipp. Praktika seien auf dem Weg zur Lehrstelle wichtig, empfahlen sie.

Nurcan Bas, ehemalige Karrillon-Schülerin, ist so direkt zur Lehrstelle gelangt. Im Marktkauf kam die gepflegt aussehende 17-Jährige gleich gut an und wurde nach zwei Wochen Praktikum übernommen. „Es ist sehr abwechslungsreich und macht viel Spaß“, berichtete sie jetzt und hatte jedem Schüler mit den besten Grüßen vom Arbeitsplatz eine Frühstückstüte mitgebracht. Auch Nurcan wird ihren Weg machen. Wie möglichst viele der heutigen Neuntklässler auch. Sabrina Kadel brachte es am Ende dieser besonderen Schulstunde auf den Punkt: „Jetzt liegt es an Euch.“

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Das weinheimblog