Dienstag, 12. Dezember 2017

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Artenschutzgutachten zur Windenergie Vögel und Fledermäuse

Mit Flügeln gegen Windmühlen

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Die Mopsfledermaus (Barbastellus Barbastella) ist neu in Weinheim und könnte mit Windkraftanlagen in Konflikt geraten. Foto: Wikipedia CC-BY-SA 3.0; C. Robiller/Naturlichter.de

Die Mopsfledermaus (Barbastella Barbastellus) ist neu in Weinheim und könnte mit Windkraftanlagen in Konflikt geraten. Foto: Wikipedia CC-BY-SA 3.0; C. Robiller/Naturlichter.de

 

Weinheim. 27. November 2013. (red/ld) Das Artenschutzgutachten zum Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ werde Windkraftanlagen in Weinheim nicht verhindern, sagte Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner gestern bei dessen Vorstellung. Das sei ein zu schwaches Instrument. Trotzdem löste die Anwesenheit der verschiedenen Fledermaus- und Vogelarten bei den 35 Besuchern Aufregung aus.

Von Lydia Dartsch

André Balke von der Planungsgruppe Natur und Umwelt (PGNU), die mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt war, hatte gut zu tun, die aufgebrachten Zuhörer zu beruhigen. Für das erstellte Gutachten hagelte es von deren Seite barsche Kritik: Die Beobachtungen, Expertenbefragungen und Untersuchungen der Artenvielfalt auf den ermittelten Freibereichen sei nicht umfassend genug, lasse zu viel aus. Die sich wiederholende Frage:

Ich habe Sie doch angerufen und Ihnen von Vogelart X/Y berichtet. Warum sind Sie dem nicht nachgegangen?

Er und sein Team seien den Anrufen und Meldungen aus der Bevölkerung nachgegangen. Manche Vogelarten seien zu aufwendig zu untersuchen, antwortete Herr Balke. Beispielsweise Uhus, die hauptsächlich nachts aktiv sind, gehören dazu. Noch schwerer und nur mit Spezialgerät lassen sich Fledermäuse nachweisen oder gar zählen. Ein solcher Aufwand sei zu hoch, um ihn einer Kommune zuzumuten. Das müsste der Investor später im Genehmigungsverfahren tun.

Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner versuchte zu beruhigen. Er sagte, dass es sich bei dem Gutachten um einen Schritt im Planungsverfahren des Teilflächennutzungsplans handle. Es zeige auf, an welchen Standorten es zu Einschränkungen kommen könnte und wo Vorsichtsmaßnahmen nötig würden, wenn dort eine Windkraftanlage gebaut würde.

Auch Weißstörche lassen sich in den Freibereichen nieder, um zu brüten. Foto: Stadtparks Mannheim

 

Zwar verhindert ein Artenschutzgutachten keine Windräder – das Landschaftsschutzgutachten steht noch aus – es zeigt aber immerhin, welche Tiere in den in Frage kommenden Freibereichen zu finden sind und auf welche man Rücksicht nehmen muss, die dort brüten, überwintern oder Nahrung finden. Bei den Untersuchungen hatten Herr Balke und sein Team sich vor allem auf die Tiere konzentriert, die besonders häufig mit Windenergieanlagen in Konflikte geraten: Vögel und Fledermäuse.

Windkraftempfindliche Brutvögel gibt es nach dem Gutachten in allen Freibereichen. Zu diesen gehören Weißstörche (Freibereich 1 und 2), Rotmilane (Freibereich 1, 2, 4 und 5), Wanderfalken (Freibereich 3b) und Uhus (Freibereich 3a und b). Windkraftempfindliche Rastvögel kommen nur in den Freibereichen 1 und 2 vor. Gefunden wurden Graureiher, Kiebitze, Goldregenpfeifer, Lachmöwen und Kraniche.

Neue Fledermausarten gefunden

Insgesamt 13 Arten Fledermäuse fanden die Gutachter in den Freibereichen. Darunter auch neu eingwanderte Arten wie die Zweifarbfledermaus oder die Mopsfledermaus. Über letztere ist bisher noch wenig bekannt. Bei der Untersuchung im Winter wurden nur Männchen gefunden, die wahrscheinlich ihr Winterquartier hier aufschlagen. Die Mitarbeiter der PGNU haben zudem festgestellt, dass die Fledermäuse vor allem entlang der Weschnitz auf Nahrungssuche gehen.

Auf Basis des Gutachtens muss die Stadt Weinheim nun Konzentrationszonen für die Windenergienutzung in den aufzustellenden sachlichen Teilflächennutzungsplan Windenergie übernehmen. Die Gutachter raten davon ab, Flächen aufzunehmen, die ein sehr hohes Konfliktpotenzial für Vögel oder Fledermäuse aufweisen. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Freibereich 3 aufgrund der Lage am Vogelschutzgebiet „Am Wachenberg“ sowie der Brutvorkommen des Uhus und wegen bedeutender Fledermausvorkommen im Winter. Ebenfalls als ungeeignet erweisen sich die Freibereiche 1b und 2a, wegen der Brutvorkommen von Weißstörchen. Ungeeignet sind auch größere Teile des Freibereichs 5a wegen dessen Funktionsbeziehung zu dem Rotmilan.

 

Auf den sechs Freiflächen soll die Stadt Konzentrationszonen für den Bau von Windkraftanlagen ausweisen. Foto: Artenschutzgutachten Abb. 2

Auf den sechs Freiflächen soll die Stadt Konzentrationszonen für den Bau von Windkraftanlagen ausweisen. Foto: Artenschutzgutachten Abb. 2

 

Auch die Flächen mit hohem Konfliktpotenzial für Vögel sollten nicht als Konzentrationszone übernommen werden, raten die Gutachter. Dies betrifft die Freibereichs-Flächen im Rheintal (2b), östlich Ritschweier (5a) und einen Teil des Freibereichs am Eichelberg (FB 6).

Ein hohes Konfliktpotenzial für Fledermäuse wie in den Freibereichen 4 bis 6 führt allerdings nicht zum grundsätzlichen Ausschluss dieser Bereiche. Sie sind allerdings bei immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren der vorgelagerten artenschutzrechtlichen Untersuchungen besonders zu betrachten. Dort bestehen wegen der vielen alten Bäume (ab 100 Jahre) gute Quartiere und Fortpflanzungsmöglichkeiten für Fledermäuse. Das dortige Konfliktpotenzial könne laut Gutachten durch kleinräumige Verschiebungen der Standorte sowie durch Abschalt-Logarithmen verringert werden, beispielsweise während Zugzeiten oder in der Schwärmphase.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.

  • ipofanes

    Abschalt-Logarithmen? Man kann positive Zahlen verringern, wenn man sie logarithmiert, aber ein Konfliktpotenzial? Ich vermute „Algorithmen“ ist gemeint.

    • hardyprothmann

      Guten Tag!

      Wir sind keine Gutachter – die Passage stammt aus dem Gutachten, was wir im Text als Quelle deutlich gemacht haben.

  • Thomas Ott

    „Sieh da! Sieh da, Timotheus,
    Die Kraniche des Ibycus!“