Samstag, 25. November 2017

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Weinheimer Bürgerinitiative will dezentrale Unterbringungder Asylbewerber erreichen

„Fremde als Gäste willkommen heißen!“

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Weinheim, 28. Januar 2014. (red/pm) Die angekündigte Unterbringung von Asylbewerbern in Weinheim hat Ende letzten Jahres hohe Wellen geschlagen. Vor allem die von Stadt und Landratsamt angesteuerte zentrale Unterbringung sorgte nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Anwohnern für Unmut. Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge (BI) gegründet.

Unter dem Slogan „Fremde als Gäste begrüßen“ wollen sie eine dezentrale Unterbringung der 200 Asylbewerber erreichen. Nach eigener Darstellung wolle man konstruktiv mit allen Beteiligten zusammenarbeiten. Gegenüber frühere Aussagen von Dirk Ahlheim, einem der Initiatoren, die Drogenumschlagplätze und Verbrechen in den Vordergrund hoben, schlägt die BI nun versöhnlichere Töne an.

Wir hatten Herrn Ahlheim um ein Gespräch angefragt – dies lehnte er zum jetztigen Zeitpunkt ab und machte auch keinen Terminvorschlag für die Zukunft. Wir hatten über seine sehr ehrverletzenden Äußerungen kritisch berichtet. Die kriminalisierenden Äußerungen sind verschwunden, dafür wird vor einer „Ghettoisierung“ gewarnt. Verschiedene Anwohner befürchten zudem, dass ihre Immobilien an Wert verlieren.

Insgesamt ist diese Kritik der BI an den Vorstellungen des Landrats Stefan Dallinger berechtigt. Eine zentrale Unterbringung spart vielleicht Betreuungskosten, ist aber eher geeignet, Probleme zu fördern, denn zu beheben. Integrativ wirken solche zentralen Unterbringungen nicht.

Pressemeldung der Bürgerinitiative (Anm. der Red.: Zwischenüberschriften wurden durch uns eingefügt):

„Am Samstag den 25.01.2014 fand die erste Ordentliche Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen „Fremde als Gäste willkommen heißen!“ statt.

Vorstand der Bürgerinitiative vor einem der möglichen Standorte für Flüchtlingsunterkünfte (v.l.n.r. Peter Palatinus, Helmut Raichle, Dirk Ahlheim, Ingo Schönberg, Kay Schnepper) Foto:BI für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen

Vorstand der Bürgerinitiative vor einem der möglichen Standorte für Flüchtlingsunterkünfte
(v.l.n.r. Peter Palatinus, Helmut Raichle, Dirk Ahlheim, Ingo Schönberg, Kay Schnepper) Foto: Bert Heuser, BI für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen

 

„Das Ziel unserer BI ist eine dezentrale Verteilung der 200 Flüchtlinge auf mehrere Standorte innerhalb Weinheims. Den vorgeschlagenen Standort Heppenheimer Straße beziehen wir dabei ausdrücklich mit ein. Die Dezentralisierung streben wir an, weil wir überzeugt sind, dass kleinere Einheiten den Anforderungen einer humanitären Unterbringung der Flüchtlinge gerecht werden und sowohl die Integrationskraft von uns als unmittelbaren Anwohnern als auch der Stadt als Aufnahmegesellschaft stärkt und fördert.“ Mit dieser klaren Aussage begann der 1. Vorsitzende Dirk Ahlheim die erste Mitgliederversammlung im vollen Sitzungsraum der Bürgerinitiative.

Konzepte der Massenunterbringung stammen aus der Zeit, als Deutschland den massiven Zustrom von Flüchtlingen mit Abschreckungsmethoden unter Kontrolle bringen wollte. Mit dem seit Jahresbeginn gültigen neuen Flüchtlingsaufnahmegesetz wird die dezentrale Unterbringung als bevorzugte Unterbringungsmöglichkeit angeführt. Viele Bundesländer entscheiden sich bereits jetzt für diese Form der Betreuung. Leider belegen die südlichen Bundesländer, allen voran Bayern und auch Baden-Württemberg noch hintere Plätze.

Weinheim riskiert die Entstehung von Problemen durch „Ghettoisierung“

„Der Kreis plant in Weinheim einen Neubau und keine temporäre Lösung in Bestandsimmobilien,“ so der BI Vorstand. „Wenn der Kreis jetzt für einen Zeithorizont von bis zu 20 Jahren überholte und menschenunwürdige Konzepte aus der Schublade hervorzieht, verpasst man für viele Jahre die Chance einer sinnvollen Gestaltung.“ Aufgrund der hohen Fixkosten dieser zentralen, großen Unterbringung befürchtet man, dass diese Unterbringungsform im wahrsten Sinne des Wortes „zementiert“ ist und eine spätere Dezentralisierung damit im Keim erstickt wird. Weinheim riskiert die Entstehung von Problemen durch „Ghettoisierung“ und verpasst eine einmalige Chance der Gestaltungsmöglichkeit!

Die BI steht bereits im regelmäßigen Austausch mit den Parteien und Gemeinderäten, kirchlichen Organisationen und sozialen Verbänden. Deren breite Zustimmung und Unterstützung für den dezentralen Ansatz unterstreicht das Anliegen der BI. „Wir werden auch weiterhin konstruktiv mit den beteiligten Parteien arbeiten,“ betont der 1. Vorsitzende Dirk Ahlheim.

Durch Besuch im Flüchtlingsheim Sinsheim eigenes Bild verschaffen

Nicht zuletzt die vom Oberbürgermeister Bernhard zugesagte gemeinsame Fahrt zum Flüchtlingsheim Sinsheim steht ganz oben auf der Agenda. Hier wartet man noch auf einen Terminvorschlag seitens der Stadt. Die Bürgerinitiative ist sich sicher, dass sich durch diesen Besuch alle ein Bild davon machen können, ob die von Oberbürgermeister Bernhard angeführten guten Erfahrungen des Kreises mit großen Gemeinschaftsunterkünften wirklich beispielgebend für Weinheim sein können.

In der Mitgliederversammlung wurden die Vorstände und die Zielsetzung der BI einstimmig bestätigt, so dass das Team seine Arbeit fortsetzen kann. Der Vorstand wurde von der Versammlung aufgefordert, an Oberbürgermeister Bernhard, den Kreis und alle beteiligten Parteien zu appellieren, diese Gespräche zu intensivieren um eine gemeinsame, intelligente und zukunftsweisende Lösung im Sinne der Flüchtlinge und Weinheims zu finden.

Kontakt: miteinander-in-weinheim@t-online.de

Über die Bürgerinitiative: Die Bürgerinitiative versteht sich als einen Teil des bunten Weinheims und unterstützt dessen Zielstellung und die Unterbringung von Flüchtlingen in Weinheim. Die Bürgerinitiative befürwortet eine Integration der Flüchtlinge in das öffentliche Leben und in die Region durch Unterbringung in kleineren Gruppen an mehreren Standorten in Weinheim. Die BI lehnt die Unterbringung in einer großen Gemeinschaftsunterkunft für 200 Personen grundsätzlich ab. Darüber hinaus überfordert das Verhältnis von 50 direkt anwohnenden Familien zu 200 Flüchtlingen in einer Massenunterkunft in der Heppenheimer Straße die Integrationskraft der direkten Anwohner bei weitem. Die Bürgerinitiative fordert daher vom Kreis und der Stadt eine zukunftsweisende Unterbringungskonzeption, welche die Erfahrungen anderer Städte, die Empfehlungen der Sozialverbände sowie den Geist des neuen Flüchtlingsaufnahmegesetzes berücksichtigt. Sie bezieht hierbei die Heppenheimer Straße als einen Standort für eine dezentrale Lösung mit ein.“