Samstag, 25. November 2017

Landtagskandidat Uli Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen): Was mir sonst wichtig ist…


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Februar 2011. Hans-Ulrich Sckerl ist Landtagskandidat BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen und innenpolitischer Sprecher der Fraktion im Stuttgarter Landtag. In seinem Beitrag fĂŒr das rheinneckarblog schreibt er ĂŒber das, „Was mir sonst wichtig ist…“.

Von Hans-Ulrich Sckerl

Wir brauchen eine neue Form der BĂŒrgerbeteiligung bei Planungen in den Kommunen, in der Region, sowie auf Landes- und Bundesebene.

Die „Basta- Politik“ muss zu Ende sein, es ist Zeit fĂŒr den BĂŒrgerdialog auf Augenhöhe.

Die neuen „Blogs“ in Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim und neuerdings fĂŒr Rhein-Neckar leisten einen wertvollen Beitrag dazu – indem sie Fragen stellen, Debatten anstoßen und sich „einmischen“. UnabhĂ€ngig und ĂŒberparteilich – eben journalistisch unabhĂ€ngig und damit glaubwĂŒrdig.

Dieser Diskussion stelle ich mich sehr gerne. Das gehört zum „Salz der Demokratie“.

BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wollen mitreden, sie wollen informiert werden und beteiligt sein.

Landtagskandidat Hans-Ulrich Sckerl. Bild: privat

Nach den Erfahrungen in der Auseinandersetzung um „Stuttgart 21“, die ich seit vielen Monaten beinahe tĂ€glich hautnah mitbekomme und die die politische Kultur in Deutschland nachhaltig prĂ€gen und verĂ€ndern, steht fĂŒr mich fest: Umstrittene Projekte, große Bauvorhaben, eine Kommune auf Jahrzehnte prĂ€gende Gewerbeansiedlungen – all diese Dinge lassen sich immer weniger ĂŒber die Köpfe der Menschen hinweg durchsetzen.

Die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wollen mitreden, sie wollen informiert werden und beteiligt sein. Werden die Menschen nicht gehört und werden ihre Bedenken nicht ernst genommen, tragen sie ihre Meinung lautstark auf die Straße und setzen Verwaltungen, GemeinderĂ€te, Regierungen und Parlamente erfolgreich unter Druck.

Ich halte es fĂŒr eine durch und durch positive Entwicklung, dass Menschen sich einmischen wollen. Denn unsere Demokratie lebt von der Beteiligung der BĂŒrger.

Und manche Entscheidung muss dann auch von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern direkt getroffen werden. Weil sie von besonderer Bedeutung ist.

BĂŒrgerbeteiligung stĂ€rkt die reprĂ€sentative Demokratie.

Dazu mĂŒssen BĂŒrgerentscheide in der Gemeinde, und Volksentscheide im Land und Bund, erleichtert werden. Um mehr BĂŒrgerbeteiligung und um Möglichkeiten direkter Volksabstimmungen bereichert, bleibt auch das RĂŒckgrat der Politik, die reprĂ€sentative Demokratie, stark und lebendig.

Die Faktenschlichtung zu Stuttgart 21, die viel zu spĂ€t eingeleitet wurde, war in der Form eine Ausnahme. Im Inhalt muss sie aber kĂŒnftig zur Regel und zum Maßstab werden.

Denn BĂŒrgerbeteiligung und Dialog mĂŒssen schon vor und wĂ€hrend der Genehmigungsverfahren bei Projekten stattfinden. Prozesse mĂŒssen transparenter werden und die Beteiligung der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger muss eine echte Mitwirkung sein.

Eine neue Kultur des Gehörtwerdens muss Einzug halten, und dafĂŒr setze ich mich ganz besonders ein.

Deshalb halte ich die Zeit fĂŒr gekommen, um in Baden-WĂŒrttemberg fĂŒr einen Politikwechsel zu werben. Ich will gemeinsam mit den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern endlich ein ökologisches, soziales, gerechtes und weltoffenes Land möglich machen. Hier in aller KĂŒrze 10 weitere wichtige GrĂŒnde.

GrĂŒne Wirtschaftskraft

Ressourcenschonende Produktion, Förderung von Klima- und Umwelttechnologien, starker Umwelt- und Naturschutz. Ich will mithelfen, die Wirtschaft ökologisch zu modernisieren, damit die Unternehmen auch kĂŒnftig auf dem Weltmarkt vorne mitspielen.

Die Zukunft der Automobilindustrie z.B. liegt in nachhaltiger MobilitĂ€t, Handwerk und Mittelstand spielen beim Umstieg auf erneuerbare Energien eine zentrale Rolle. Viele Unternehmen machen sich schon auf den Weg in diese Wachstumsbranchen. Gute Politik unterstĂŒtzt sie dabei.

Neue Jobs und Gute Arbeit

„Wer GrĂŒn wĂ€hlt, wĂ€hlt neue Jobs fĂŒr heute und morgen“. Das haben wir GrĂŒne bewiesen. Derzeit arbeiten 1,8 Mio. Menschen in den Umweltbranchen, kein Wirtschaftszweig hat in den letzten Jahren derartige Arbeitsplatzzahlen!

Mit einem „Green New Deal“ schaffen wir ArbeitsplĂ€tze im Maschinenbau, bei Umwelt- und Energietechnologien, in der Informations-Technologie, sowie bei den Gesundheits- und Pflegedienstleistungen. Das sind in der Metropolregion die wesentlichen Branchen fĂŒr neue Jobs. Mindestlöhne und niedrigere Sozialabgaben fĂŒr Geringverdienende gehören untrennbar dazu. Wer arbeitet, muss von seiner Arbeit auch ordentlich leben können!

Beste Bildung fĂŒr alle

Damit alle Kinder durchstarten können, will ich individuelle Förderung ganz groß schreiben, gute Ganztagsschulen und dort Gemeinschaftsschulen, wo die Menschen vor Ort dies wollen. Eine Schulreform von unten lĂ€sst eine neue Schulkultur wachsen – und die Schule bleibt im Dorf. Die unsozialen StudiengebĂŒhren will ich abschaffen, die Studienbedingungen deutlich verbessern.

Die Kleinsten fördern

Krabbelstuben, Kitas und Horte in allen Ecken der Metropolregion – fĂŒr gute Bildung von Anfang an und beste Startchancen fĂŒr alle Kinder. VĂ€ter und MĂŒtter brauchen die Sicherheit, in ihrer NĂ€he gute Kinderbetreuung zu finden, damit sie die Wahl haben und guten Gewissens zur Arbeit gehen können. Als Vater eines 3-jĂ€hrigen Jungen ist das fĂŒr mich viel mehr als bloße Theorie!

Gemeinsam weiter kommen

Ob die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg oder Weinheim vom Odenwald oder aus Anatolien stammen – wir brauchen den Beitrag aller und wollen gemeinsam stark sein.

Alle sollen selbstbestimmt leben können. Bei Problemen muss die Gesellschaft unter die Arme greifen: beim Einstieg ins Berufsleben, beim Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit, bei der Pflege der Eltern oder auch beim Start als junge Familie. Ich will eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung in Stadt und Land, fĂŒr Alte und Junge.

Mobil im ganzen Land: Nein zu Stuttgart 21

Stuttgart 21 lehne ich ab. Die Alternative „Kopfbahnhof 21“ kostet weniger und leistet mehr. Aber entscheiden sollen die BĂŒrgerInnen: per Volksabstimmung. Ich will besseren Bus- und Bahnverkehr im ganzen Land, aber insbesondere bei uns in der Kurpfalz.

Gleichzeitig mĂŒssen mehr GĂŒter auf die Schiene. Die Main-Neckar-Bahn entlang der Bergstraße muss menschen- und umweltfreundlich zur S-Bahn ausgebaut werden. Gerade deshalb dĂŒrfen wir nicht fĂŒr ein einziges sinnloses Prestigeprojekt Milliarden verschwenden.

Essen von hier

FĂŒr unsere kleinrĂ€umige Landwirtschaft bietet Bio beste wirtschaftliche Perspektiven. Ökolandbau schont die Natur und pflegt unsere Kulturlandschaft. Immer mehr Gastwirtschaften setzen auf saisonales und regionales Essen – so kommen Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus zusammen. Ich will außerdem ein zu 100 Prozent gentechnikfreies Baden-WĂŒrttemberg.

Neue Energie statt Atom

LaufzeitverlĂ€ngerung ist der falsche Weg. Statt AtommĂŒllberge anzuhĂ€ufen, setze ich auf die drei E: Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energie. Bis 2050 wollen wir fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg 100 Prozent saubere Energie aus Wasser, Wind und Sonne. Damit schĂŒtzen wir das Klima und sichern die Stromversorgung. Machen wir Baden-WĂŒrttemberg zum Spitzenreiter bei grĂŒnen Technologien!

Freiheit verteidigen

Jeder soll sich in einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft entfalten können – sicher, frei und ohne Angst. Ich will starke BĂŒrgerrechte statt konservativer Überwachungsphantasien – auch im Internet. Diskriminierung wegen Herkunft, Geschlecht, Religion, Alter, Behinderung oder sexueller IdentitĂ€t akzeptiere ich nicht.

Solide Finanzen

Nachhaltiges Haushalten sind wir unseren Kindern und Enkeln schuldig. Sogar in guten Zeiten haben die CDU-Regierungen Schulden gemacht.

Ich stehe mit meinen grĂŒnen Freundinnen und Freunden fĂŒr eine solide Finanzpolitik. Das Land muss dafĂŒr sorgen, dass Gemeinden und StĂ€dte finanziell handlungsfĂ€hig bleiben.

Aber auch der Bund ist gefordert: Starke Schultern sollen endlich wieder einen fairen Anteil an der Steuerlast tragen.

Wikipedia ĂŒber Hans-Ulrich Sckerl.

Anmerkung der Redaktion:
Dieser Text ist in der Reihe „Was mir sonst wichtig ist…“ erschienen. Wir haben die Landtagskandidaten von CDU, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, SPD, FDP, Die Linke und die Piratenpartei ums Mitmachen gebeten. Die vier etablierten Parteien haben wir selbstverstĂ€ndlich eingeladen, die Parteien Die Linke und Piratenpartei wegen ihrer zumindest wahrnehmbaren „PopularitĂ€t“.
Das ist eine subjektive Auswahl.
Die Kandidaten haben die Möglichkeit sich und ihre Politik abseits der „großen“ Wahlkampfthemen zu prĂ€sentieren – kostenfrei und ohne redaktionelle Bearbeitung, also ebenfalls ganz subjektiv.

Landtagswahl-Kandidat Gerhard Kleinböck: „Was mir sonst wichtig ist…“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 11. Februar 2011. Gerhard Kleinböck ist Landtagskandidat der SPD. In seinem Beitrag fĂŒr das rheinneckarblog schreibt er ĂŒber das, „Was mir sonst wichtig ist…“.

Von Gerhard Kleinböck

Liebe MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger,

wenn mir eines am Herzen liegt, dann ist es jedem Mitglied unserer Gesellschaft, unabhÀngig von seiner Herkunft, dieselben Chancen zu bieten.

Wir werden in eine leider zu oft ungerechte Welt hinein geboren. An den Stellen, an denen ich durch meine Arbeit als Politiker das ausgleichen kann, werde ich mein Bestes geben, um das zu erreichen. FĂŒr mich ist das der einzige Weg zu sozialer Gerechtigkeit.

Und da der Erfolg in unserer modernen Wissensgesellschaft mehr und mehr vom Bildungsstand abhÀngt, möchte ich als Bildungspraktiker meine Erfahrung zum Wohle der ganzen Gesellschaft einbringen, und nicht einiger weniger.

SPD-Landtagskandidat Gerhard Kleinböck. Bild: SPD

Jeder hat das Recht auf ein gutes und erfolgreiches Leben. Wer das Talent und den Fleiß mitbringt, soll nicht nur die HĂŒrden aus dem Weg gerĂ€umt bekommen, sondern auch an den Stellen unterstĂŒtzt werden, die dem ihm angemessenen Bildungsziel im Wege stehen. Wir mĂŒssen die Gesellschaft so formen, dass ein Aufstieg zum SelbstverstĂ€ndnis wird.

Im internationalen Vergleich gibt Deutschland viel fĂŒr seine SchĂŒler aus, doch der Erfolg ist bescheiden. Sowohl bei der Pisastudie, als auch bei der Akademikerrate hinkt Deutschland anderen LĂ€ndern hinterher.

Ohne Not schaffen Schwarz-Gelbe Regierungen weitreichende Probleme. Die VerkĂŒrzung der Gymnasialzeit, die EinfĂŒhrung eines neuen Studiensystems und die de facto Abschaffung der Wehrpflicht in einer Dekade sorgen fĂŒr eine massive Überlastung der gesamten Hochschullandschaft.

Die geburtenschwachen JahrgĂ€nge sorgen fĂŒr kleiner werdende Klassen. In vielen unserer Gemeinden stehen die weiterfĂŒhrenden Schulen kurz vor der Schließung. LĂ€ngeres gemeinsames Lernen und Gemeinschaftsschulen wĂŒrden diesem Schulsterben Einhalt gebieten.

Stattdessen fĂŒhrt die Landesregierung ein viertes Glied ein – Die Werkrealschule. Die weniger werdenden SchĂŒler werden nun auf eine weitere Schulform aufgeteilt, das Schulsterben somit beschleunigt. Meine Meinung lautet, dass neben dem Rathaus und der Kirche eben auch die Schule ins Dorf gehört.

Die Zukunft gehört unseren Kindern. Das was wir jetzt falsch auf den Weg bringen, werden sie zu zahlen haben.

So hat der Abbau der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe hat das Land 2,6 Milliarden Euro gekostet. Damit könnte man in Stuttgart zwei Bahnhöfe bauen. Was uns die anderen Kerntechnischen Anlagen noch kosten werden, das steht in den Sternen. Doch wer es zahlen wird ist klar. Die nÀchste Generation.

Nur soll die schon fĂŒr unsere Rente aufkommen und fĂŒr unsere Gesundheit, wenn wir nicht mehr können. Und weil nicht nur Bildung immer ein Zukunftsthema sein wird, sondern auch Energie, engagiere ich mich als stolzer Besitzer einer Solaranlage fĂŒr den Ausbau von Regenerativen Energien.

Nur wenn die Gemeinden daran arbeiten Energieautark zu werden, können wir unsere ambitionierten Ziele erreichen. Dass wir uns beim Thema Regenerative Energien auf die Landesregierung nicht verlassen können mussten wir immer wieder beobachten. Die LaufzeitverlĂ€ngerung der Atomkraftwerke ist fĂŒr zahllose Stadtwerke im Land eine Katastrophe. Diese haben viel Geld in die Hand genommen um die frei werdenden StromkapazitĂ€ten mit regenerativen Energien zu fĂŒllen. Nun werden sie von der Schwarz-Gelben Regierung an die Atomlobby verkauft.

Es reicht nicht, die besseren Ideen zu haben und die besseren Konzepte mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen. Was mir jetzt noch fehlt ist Ihre Stimme am 27. MÀrz 2011. Gehen Sie zur Wahl und machen Sie ihr Kreuz bei Gerhard Kleinböck SPD.

Meine Positionen

Familie – Mit besserer, kostenloser Betreuung

Auch in Baden- WĂŒrttemberg sinkt die Zahl der Kinder.
Was ist zu tun, damit sich wieder mehr junge Menschen fĂŒr ein Leben mit Kindern entscheiden? Wie soll moderne Familienpolitik aussehen? Im Kern geht es darum, vor allem jungen Eltern die Gewissheit zu geben: Ihr seid wichtig. Und deshalbwerdet ihr gezielt, konkret und verlĂ€sslich dabei unterstĂŒtzt, Familie und Beruf zu vereinbaren.
Wenn Eltern dies wĂŒnschen, brauchen sie die Sicherheit, dass ihre Kinder von klein auf gut betreut werden können. Das gilt von der Krippe ĂŒber den Kindergarten bis in die Schule.
> Gerhard Kleinböck: „Alle Kommunen in meinem Wahlkreis strengen sich an, ausreichend PlĂ€tze anzubieten. Das Land muss aber seinen finanziellen Beitrag dazu leisten. Ein kostenfreies letztes Kindergartenjahr und die notwendige Ganztagsbetreuung in der Schule kann von den StĂ€dten und Gemeinden nicht alleine finanziert werden!“

Deshalb fordern wir:

  • Hochwertige, bedarfsorientierte und verlĂ€ssliche Kinderbetreuung verwirklichen.
  • Ganztagsbetreuungsangebote ausbauen.
  • Rechtsanspruch auf frĂŒhkindliche Förderung ab 2013 ohne Wenn und Aber umsetzen.
  • Mehr Landesmittel als Zukunftsinvestition fĂŒr die Kinderbetreuung bereitstellen.
  • Keine KĂŒrzung von UnterstĂŒtzungsleistungen fĂŒr arme Familien.
  • Barrierefreiheit in allen Kinder- , Jugend- und Bildungseinrichtungen und in öffentlichen GebĂ€uden weiter ausbauen.

Wirtschaft – „Guter Lohn fĂŒr gute Arbeit: Mindestlohn!“

Wir wollen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft in Baden- WĂŒrttemberg. Ganz grundsĂ€tzlich streben wir die Ausrichtung des Wirtschaftslebens auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg an, nicht schnelles Wachstum um jeden Preis.
Die Vergangenheit lehrt: So viel Wettbewerb wie möglich, so viel Regulierung wie nötig. Sozialpartnerschaft als eine Leitlinie der UnternehmensfĂŒhrung.
Ein fairer Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern und Unternehmen. Eine Wirtschaft, von der alle profitieren, macht unser Land stÀrker und moderner.

>Gerhard Kleinböck: „Viele klein- und mittelstĂ€ndische Unternehmen leiden darunter, dass öffentliche AuftrĂ€ge oft an Firmen vergeben werden, die ihre Mitarbeiter nicht tariflich bezahlen. Die öffentliche Hand muss dafĂŒr sorgen, dass das Lohn- Dumping aufhört!
Zu vielen Menschen ermöglicht ihr Lohn keine wĂŒrdige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Vielen fehlt das Geld zum Notwendigsten. FĂŒr Hunderttausende ist die Altersarmut vorprogrammiert!“

Deshalb fordern wir:

  • EinfĂŒhrung eines gesetzlichen Mindestlohns fĂŒr alle Branchen.
  • Chance fĂŒr Industrie und ArbeitsplĂ€tze durch Ausbau erneuerbarer Energien nutzen.
  • Lohndumping bei öffentlichen AuftrĂ€gen durch Tariftreuegesetz verhindern.
  • Keine PPP- Modelle bei Ausschreibungen des Landes eingehen.
  • Einrichtung eines ExistenzgrĂŒndungsfonds.
  • Übergang zwischen Schule und Beruf verbessern.
  • Rechtsanspruch fĂŒr Realschulabsolventen auf Platz an beruflichen Gymnasien.

Umwelt – Regenerative Energien fördern

NatĂŒrliche Ressourcen werden knapper, der Klimawandel nimmt bedrohliche Formen an. Es ist in Baden- WĂŒrttemberg höchste Zeit fĂŒr eine neue, vernĂŒnftige, saubere Umweltpolitik.
Dazu gehört fĂŒr uns zu allererst der konsequente Umbau der Energiewirtschaft. Das heißt:
1. ein eindeutiges Nein zur Atomkraft mit ihren unkalkulierbaren Risiken und der extrem problematischen AtommĂŒllendlagerung.
2. ein bedingungsloses Ja zum Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie, Wasserkraft, ErdwÀrme und Biomasse. Dazu gehört auch, sich ehrgeizige, aber realisierbare Ziele zu setzen: Zum Beispiel die Halbierung der CO2- Emissionen bis 2020.

> Gerhard Kleinböck: „Energie wird kĂŒnftig grĂ¶ĂŸtenteils dezentral gewonnen werden mĂŒssen. Wir arbeiten an einem Konzept, mit dem wir die Kommunen auf den Weg bringen wollen, die regionalen Möglichkeiten alternativer Energiegewinnung besser zu nutzen. Unser Ziel ist es, dass sich mittelfristig immer mehr Gemeinden selbst mit Energie versorgen können.“

Deshalb fordern wir:

  • Energiewende verwirklichen: Strom bis 2050 allein aus erneuerbaren Energien.
  • Den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, insbesondere Windkraft und Solarenergie.
  • Wettbewerb fĂŒr mehr QualitĂ€t und Service im Nahverkehr nutzen.
  • Die Pkw- Maut ist ökologischer und sozialer Unsinn: Sie verlagert Verkehr auf Ausweichstrecken, z.B. in Ortsdurchfahrten.
  • Entwicklung autonomer Radwegenetze innerhalb und außerhalb von Ortschaften.
  • Strenge Rangfolge fĂŒr alle Straßenbauinvestitionen festlegen.
  • Instandhaltung von Straßen vor Neu- und Ausbau.

Demokratie – „ZĂ€hlt nur meine Stimme oder auch meine Meinung?“

Die meisten Menschen in Baden- WĂŒrttemberg sind fĂŒr mehr direkte Demokratie. Sie wollen sich unkompliziert und ganz konkret politisch Ă€ußern und betĂ€tigen. Sie wollen mehr direkte Mitsprache bei strittigen Themen und politischen Entscheidungen.
Schade, dass es ihnen in Baden- WĂŒrttemberg so schwer gemacht wird. Laut Artikel 59 der Landesverfassung darf „das Volk“ zwar Gesetzesvorlagen per Volksbegehren mit anschließender Volksabstimmung einbringen. Allerdings ist es in Baden- WĂŒrttemberg noch nie dazu gekommen. Weil die rechtlichen und bĂŒrokratischen HĂŒrden einfach zu hoch sind.

Das wollen wir Ă€ndern. Volksbegehren, – inititiative und – abstimmung werden kĂŒnftig zur demokratischen Kultur im Land gehören.
>Gerhard Kleinböck: „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir erkennen mĂŒssen, dass die Regeln der parlamentarischen Demokratie nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ sind. Direkte BĂŒrgerbeteiligung muss in der parlamentarischen Demokratie einen höheren Stellenwert bekommen – die Politik muss mehr verstehen als nur Bahnhof.“

Deshalb fordern wir:

  • Nur eine Volksabstimmung kann den Konflikt entschĂ€rfen und S21 neu legitimieren.
  • Absenkung der HĂŒrden bei Volksbegehren und Volksabstimmungen: 375.000 UnterstĂŒtzerInnen sollen fĂŒr ein Volksbegehren ausreichen statt der bisher 1,1 Millionen
  • EinfĂŒhrung einer Volksinitiative: Landtag muss sich 10.000 UnterstĂŒtzerInnen mit „Gegenstand der politischen Willensbildung“ befassen
  • Direkte Demokratie auch auf Landkreisebene ermöglichen

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Gerhard Kleinböck.

Wikipedia ĂŒber Gerhard Kleinböck.

Anmerkung der Redaktion:
Dieser Text ist in der Reihe „Was mir sonst wichtig ist…“ erschienen. Wir haben die Landtagskandidaten von CDU, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, SPD, FDP, Die Linke und die Piratenpartei ums Mitmachen gebeten. Die vier etablierten Parteien haben wir selbstverstĂ€ndlich eingeladen, die Parteien Die Linke und Piratenpartei wegen ihrer zumindest wahrnehmbaren „PopularitĂ€t“.
Das ist eine subjektive Auswahl.
Die Kandidaten haben die Möglichkeit sich und ihre Politik abseits der „großen“ Wahlkampfthemen zu prĂ€sentieren – kostenfrei und ohne redaktionelle Bearbeitung, also ebenfalls ganz subjektiv.

Behörden-Fernsehen – der SWR und sein Dilemma


Guten Tag!

03. Februar 2011. Der SĂŒdwestdeutsche Rundfunk (SWR) will ein TV-Duell zwischen MinisterprĂ€sident Stefan Mappus und „seinem Herausforderer“ Nils Schmid veranstalten. Dabei zeigen Umfragewerte, dass der GrĂŒne Winfried Kretschmann der „vermutliche Herausforderer“ ist. Doch die Umfragewerte, die sonst so gerne wichtig berichtet werden, bezeichnet SWR-Chefredakteur Michael Zeiß als „flĂŒchtig“. Die Frage ist, wovor Herr Zeiß und der SWR auf der Flucht sind.

Kommentar: Hardy Prothmann

GrĂŒnen-Spitzenkandidat will sich "duellieren" - der SWR will die "MachtverhĂ€ltnisse" einhalten. Journalistische Fragen spielen fĂŒr SWR-Chefredakteur Michael Zeiß nur eine "flĂŒchtige Rolle". Quelle: BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen

Wer sich ein wenig fĂŒr Medien interessiert, ist nicht wirklich ĂŒber das Dilemma erstaunt, in dem sich der SWR gerade befindet und das er selbst provoziert hat.

Am 15. MĂ€rz 2011 will der SWR ein „TV-Duell“ zeigen, in dem MinisterprĂ€sident Mappus mit dem SPD-Spitzenkandidaten Schmid diskutieren soll. Seit Monaten zeigen allerdings Meinungsumfragen, dass BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen mit ihrem Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann vermutlich zweitstĂ€rkste Kraft im Stuttgarter Landtag werden könnten. Und deren Landesvorsitzende Silke Krebs und Chris KĂŒhn beschwerten sich nun in einem offenen Brief an die Intendanten Peter Boudgoust: „Das geht an der RealitĂ€t vorbei.“

Politischer SWR-Proporz.

Der SWR sieht die RealitĂ€ten anders und orientiert sich nicht an einer möglichen neuen „Machtverteilung“, sondern an der bestehenden. Danach ist die CDU die stĂ€rkste Partei, gefolgt von der SPD und dann den GrĂŒnen.

Ein „Angebot“ von Mappus, in je ein Duell mit je einem der Kandidaten einzusteigen, lehnte der Sender ab, weil Mappus dann „bevorzugt“ wĂŒrde.

Das klingt auf den ersten Blick vernĂŒnftig, tatsĂ€chlich muss man sich fĂŒr dumm verkauft vorkommen.

Denn diese so „schlagkrĂ€ftige“ Argument, mit dem der Sender und Herr Zeiß scheinbar so tun, als verhalteten sie sich „journalistisch einwandfrei“, ist logisch falsch.

Zu Ende gedacht, sollte man das Angebot von Herrn Mappus annehmen. Statt einem oder zwei „Duellen“ sollten drei stattfinden: Auch eines zwischen Herrn Schmid und Herrn Kretschmann.

Jeder gegen jeden wÀre spannender.

Jeder Kandidat hÀtte dann mit je einem anderen Kandidat diskutiert. Das wÀre sogar journalistisch spannend.

TatsĂ€chlich steht das SWR-Fernsehen unter TV-Chefredakteur Michael Zeiß eher nicht fĂŒr guten Journalismus, wie die Ägypten-Berichterstattung, fĂŒr die der SWR „federfĂŒhrend“ ist, eindrĂŒcklich belegt.

Der SWR zeigt sich unbeweglich wie eine Behörde, die er letztlich auch ist. Mit GEZ-GebĂŒhrengeldern fein ausgestattet, werden die politischen „Ist“-ZustĂ€nde bedient.

Es ist lĂ€ngst kein Geheimnis mehr, dass die wichtigen Posten in den Sendern streng nach Parteien-Proporz besetzt sind. Einmal schwarz, einmal rot, ein bisschen gelb und grĂŒn ist bislang, wenn ĂŒberhaupt besetzt, dann eher fĂŒr die Berichterstattung von der Wiese.

Hier werden im Hintergrund mit großer Wahrscheinlichkeit „Strippen“ gezogen. Oder anders: Der Kampf um die Macht in der Politik ist auch ein Kampf um die Macht im Sender.

Denn wenn die GrĂŒnen tatsĂ€chlich zweitstĂ€rkste Kraft im Land werden sollten, wird sich auch beim SWR viel verĂ€ndern, sobald die VertrĂ€ge von altgedienten „beamteten“ Journalisten auslaufen. Dannn werden Posten neu besetzt. Streng nach Proporz.

Doch halt. Vielleicht auch nicht. Wenn man die GrĂŒnen ernst nimmt, könnte es dazu kommen, dass nicht der Parteiproporz, dem so gut wie alle „fĂŒhrenden Journalisten“ beim SWR und anderen Sendern ihre „Funktion“ zu verdanken haben, in Zukunft entscheidet, sondern viel eher die journalistische Kompetenz und Aufrichtigkeit.

Verkorkste VerhÀltnisse.

Wie verkorkst es mit dem Journalismus beim SWR schon lange steht, erkennt man an der Argumentation der „MachtverhĂ€ltnisse“, die man vorgeblich „abbilden“ will.

Journalismus hat nicht die Aufgabe, gegebene oder vermutete „MĂ€chte“ zu bedienen, sondern zu berichten.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird fĂŒr diese Arbeit mit Milliarden an GebĂŒhrengeldern finanziert, um eine unabhĂ€ngige Berichterstattung zu gewĂ€hrleisten.

Der SWR-Intendant Peter Boudgoust hatte einen VorgĂ€nger, Herrn Peter Voß. Der hatte 35 Jahre lang ein CDU-Parteibuch und stand zu dieser persönlichen Entscheidung und wird als Journalist und Intendant aufgrund seiner unabhĂ€ngigen Haltung bis heute respektiert.

Politische Einflussnahme auf vermeintlich unabhÀngige Sender.

Peter Voß hat im Dezember 2009 sein Parteibuch nach der Kampagne gegen den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zurĂŒckgegeben. Brender, eine ebenfalls herausragende Persönlichkeit, wurde durch den ehemaligen hessischen CDU-MinisterprĂ€sidenten Roland Koch geschasst.

SWR-Intendant Boudgoust hat sich nicht geĂ€ußert und sein Chefredakteur Zeiß versteckt sich hinter dem Hinweis auf die Meinung von „Sender-Juristen“: „Die Frage aller Fragen beim Duell lautet: Wer ist die stĂ€rkste Regierungspartei – und wer ist die stĂ€rkste Oppositionspartei. Diese StĂ€rke bemisst sich nicht anhand von Umfragen, die ja immer nur ein momentanes, flĂŒchtiges Bild abgeben, sondern sie lĂ€sst sich eindeutig an Wahlergebnissen festmachen. Das ist die juristische Grundlage fĂŒr unsere Entscheidung, und demnach ist es fĂŒr uns ganz eindeutig, dass MinisterprĂ€sident Mappus von der CDU hier auf den Spitzenkandidaten der SPD trifft, die auch im Landtag die Opposition anfĂŒhrt.“

WĂŒrde der Mann journalistisch denken, mĂŒsste er die Konsequenzen aus seiner eigenen Analyse ziehen: „ErgĂ€nzend ziehen wir auch noch einen journalistischen PrĂŒfungsmaßstab an: Wir haben uns bei dieser Entscheidung durchaus auch kritisch gefragt, ob diese Rolle der stĂ€rksten Oppositionspartei inhaltlich mittlerweile womöglich den GrĂŒnen zugefallen ist. Klares Ergebnis dieser PrĂŒfung: Sowohl die SPD, als auch die GrĂŒnen decken alle Politikfelder mit Positionen ab, die zum großen Teil in Opposition zur Regierungslinie stehen.“

Juristische statt journalistische Bewertung.

Doch Herr Zeiß weiß einen Fluchtweg, den der SWR ĂŒber eine Pressemitteilung streut: „Abgesehen von dem derzeitigen Umfragehoch der GrĂŒnen, das im engen Zusammenhang mit den Themen Umwelt- und Verkehrspolitik steht, ist daraus aber keine VerĂ€nderung der Auswahl zu begrĂŒnden, wie sie sich aus der juristischen Bewertung ergibt.“

Das liest sich nicht wie eine journalistische Überzeugung, sondern wie ein Amtsbescheid mit Stempel.

Man muss deshalb vermuten, dass es dem SWR nicht um seine Kernaufgabe – die unabhĂ€ngige journalistische Information der Öffentlichkeit – geht, sondern um die Einhaltung des Proporz. Deswegen spielt die FDP auch ĂŒberhaupt keine Rolle. Die ist zwar mit der CDU an der Regierung beteiligt, kommt aber noch nicht einmal „theoretisch“ in Frage fĂŒr ein „Duell“.

Gebenzte Berichterstattung – wie der MM seine Leser tĂ€uscht

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Guten Tag!

Mannheim, 31. Januar 2011. Die seit Tagen andauernde Berichterstattung des Mannheimer Morgens (MM) in Sachen „Benz“ hat gute GrĂŒnde. Erstens gibt es viel Werbung und zweitens versucht die Zeitung verzweifelt, sich als lokalpatriotische Stimme aufzuspielen. Ein ernstzunehmender Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.

Von Hardy Prothmann

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, zitiert der MM-Redakteur Martin Tangl den SĂ€nger Xavier Naidoo. Das gilt auch fĂŒr diesen Artikel, Martin Tangl, Xavier Naidoo und den SWR. Und auch fĂŒr die Leserinnen und Leser und Zuschauer des SWR.

Bunte Geschichten

Ich kenne den MM-Redakteur Martin Tangl noch aus meiner Zeit als Student und Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen (1991-1994). Er hat sich gerne als erfahrener Journalist dargestellt, aber irgendwie hat er mich schon damals nicht besonders beeindruckt.

Das dauert bis heute an, denn Martin Tangl hat ein „buntes StĂŒck“ geschrieben, in dem es sehr „bunt“ zugeht. Vor allem mit den Fakten, dem Können und der journalistischen Haltung.

Beispielsweise zur Person „Xavier Naidoo“. Der sei ein „leidenschaftlicher Autofahrer“, schreibt Tangl und dass „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, auch den Autoerfinder Carl Benz meinen könnte.

Denn Herr Tangl berichtet ĂŒber einen Film im SWR-Fernsehen, der heute Abend um 18:15 Uhr in der „Landesschau unterwegs“ lĂ€uft: „Unser Benz! Der Autoerfinder bewegt die Kurpfalz.“ Autor: Eberhard Reuß.

Pop-Berichterstattung

Wieso Herr Reuß auf die Idee gekommen ist, einen notorischen Schnellfahrer, der ĂŒber lange Jahre den FĂŒhrerschein wegen wiederholter Vergehen abgenommen bekommen hat und wegen Fahrens ohne FĂŒhrerschein und Drogenbesitz vor dem Richter gestanden hat, ist klar.

Benz-Titelseite vom MM. Quelle: MM

Herr Reuß wollte den Film „aufpeppen“ oder auch „aufpoppen“. Mit dem „zur Zeit wohl bekanntesten Sohn Mannheims“. Und der ist halt ein „leidenschaftlicher Autofahrer“. Diese Verbindung reicht heute im SWR-Fernsehen, um einen Zusammenhang herzustellen.

Herr Reuß lĂ€sst Herrn Naidoo dann mehrmals „Mercedes Benz“ der Rock-Star-Legende Janis Joplin (1943-1970) singen, die auf der Überholspur des Lebens mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Drei Tage, bevor der Song „Mercedes Benz“ veröffentlicht wurde: „Oh Lord, won-€ℱt you buy me a Mercedes Benz?“ – „Oh Gott, willst Du mir keinen Mercedes Benz kaufen?“ Die Zeile geht weiter: „My friends all drive Porsches, I must make amends“ – „Meine Freude fahren alle Porsche und ich muss aufholen.“

Der Joplin-Song ist eine massive Kulturkritik am Prestigedenken – dem Gegenteil also, was man mit einem „Mercedes Benz“ oder Porsche oder auch „Farbfernsehen“ verbindet, das damals noch ein Luxus war („So oh lord won’t you buy me a color TV“). FĂŒr den SWR ist das nicht wichtig. Schließlich hat Joplin „Mercedes Benz“ gesungen und Herr Naidoo lĂ€sst sich dazu auch animieren. Und ist man nicht auch „color TV“? Also Luxus? Passt also.

„Eine wunderbare Erfindung von Benz, dafĂŒr danke ich ihm“, sagt der Pop-Star nicht nur einmal im SWR-Film. Da Naidoo sonst gerne ĂŒber „Gott“ singt, und das sehr dankbar, gibt es da sicher aus Sicht von Herrn Reuß wieder irgendeine Verbindung.

Propaganda-Rolle

Bei der Premiere des Films am 28. Januar 2011 im Ladenburger Carl-Benz-Museum war Herr Preuß jedenfalls mĂ€chtig stolz. Das konnte man nicht ĂŒbersehen.

Der Film funktioniert wie eine Propaganda-Rolle. Carl heißt nicht Karl Benz, ist der Erfinder des Autos und nicht „der Daimler“, die Kurpfalz ist den Schwaben voraus und ein „Youngtimer-Sammler“ hat viele Kinder und ein Hobby: Mercedes Benz. Der Clou – er arbeitet fĂŒr Porsche. Dazu gibt es hĂŒbsche Bilder und Werbespots von „Benz“ aus frĂŒheren Zeiten.

Verkauft wird das als „Dokumentation“.

Das muss sich einfach irgendwie alles zusammenfĂŒgen und dann wird die Urenkelin von Benz noch mehrfach ins Bild gesetzt und das Carl-Benz-Museum in Ladenburg und dessen Kopf Winfried Seidel.

Der freut sich auch – dabei mĂŒsste ihm die Freude angesichts des laschen Filmchens im Kontrast zu seiner harten Museumsarbeit vergehen. Seidel leistet herausragende Arbeit und ist ein akribischer Mensch. Aber natĂŒrlich freut er sich ĂŒber die PopularitĂ€t. Das ist auch sein gutes Recht.

ZurĂŒck zu Martin Tangl. Den freut nicht die PopularitĂ€t, sondern der muss eine bunte, schöne Geschichte schreiben und kommt zum Ende:

„Dass in Mannheim Omnibusse und Lkw-Motoren produziert werden, hĂ€tte Carl Benz gefallen, wie Jutta Benz erzĂ€hlt: „Er hat sein Augenmerk aufs Transportwesen gerichtet, Carl Benz wollte Lieferwagen bauen.“ Und bei der Geschwindigkeit seien dem Ur-Großvater 50 km/h genug gewesen. Ob das allerdings Xavier Naidoo gefallen hĂ€tte? Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der FĂŒhrerschein abgenommen wurde.“

Die LĂŒge

Diese unkritische Übernahme der Filmbotschaft wird als LĂŒge in der Zeitung fortgesetzt: „Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der FĂŒhrerschein abgenommen wurde.“

Naidoo - Leidenschaft Auto - Hauptsache, alles bunt. Quelle: MM

Herr Tangl stellte sich vor 20 Jahren schon gerne als „erfahrener Journalist“ dar und sollte die Zeit genutzt haben, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Eine ist: „Schau ins Archiv, um mindestens zu wissen, was schon berichtet worden ist.“

Am 16. Mai 2009 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Naidoo ĂŒbersteht einen jahrelangen Rechtsstreit mit Pelham, einen dramatischen Drogenprozess und jede Menge FĂŒhrerschein-Schlagzeilen. Erst der absolute Höhepunkt seiner PopularitĂ€t, als „Dieser Weg“ zur Hymne des Fußball-SommermĂ€rchens 2006 wird, bringt die Schattenseiten des Ruhms ans Licht: Genervt zieht sich der glĂŒhende Lokalpatriot aus der Öffentlichkeit und teilweise auch aus Mannheim zurĂŒck.“

Am 02. Juni 2007 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Die Amtsanwaltschaft Frankfurt bestĂ€tigte gestern, dass gegen den SĂ€nger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, einen angemieteten Porsche Cayenne an einen Freund weitergegeben zu haben, der selbst keinen FĂŒhrerschein besaß. Der Mann war im MĂ€rz 2006 in MĂŒnchen von der Polizei erwischt worden. Naidoo hĂ€tte sich als Halter des Wagens vom Vorhandensein einer Fahrerlaubnis ĂŒberzeugen mĂŒssen, so der Vorwurf. Nun drohe ihm eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.“

Am 15. August 2006 titelt der Mannheimer Morgen:

„Xavier Naidoos FĂŒhrerschein liegt bei den Akten
Zwei Monate Fahrverbot wegen GeschwindigkeitsĂŒberschreitung / Gibt es eine „Lex Popstar“?“

Am 27. Juli 2006 schreibt der Mannheimer Morgen:

„Popstar Xavier Naidoo (34) soll beim DrĂ€ngeln auf der Autobahn in eine Radarfalle gerast sein. Nun könnte ihm ein erneuter FĂŒhrerscheinentzug drohen. Der Mannheimer sei mit seinem Porsche auf der A 5 in Richtung Karlsruhe zu dicht aufgefahren, bestĂ€tigte die Mannheimer Anwaltskanzlei Naidoos gestern entsprechende Medienberichte.“

Bis zum Jahr 2000 lassen sich ausweichlich des Archivs keine Berichte finden, aber im November 2000 schreibt der MM:

„Dass er im Dezember 1999 mit einem Porsche 944 der Mannheimer Polizei ins Netz gegangen war, hatte dem Autonarren schon eine Vorstrafe eingetragen: fĂŒnf Monate auf BewĂ€hrung. Seinen FĂŒhrerschein hat Naidoo seit einer Alkoholfahrt im Jahr 1993 nicht mehr – obwohl er zwischenzeitlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestanden hat. „Warum haben Sie nicht einfach den FĂŒhrerschein wieder gemacht?“, wunderte sich Offermann. „Keine Zeit“, ließ ihn der Angeklagte wissen.“ Angeblich sollte Naidoo bis zu 21 Monate Haft drohen, heißt es in dem Artikel.

AbhÀngige Berichterstattung

„Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der FĂŒhrerschein abgenommen wurde“, ĂŒbernimmt Martin Tangl die Informationen aus dem SWR-Film. Ohne kritische PrĂŒfung, ohne Recherche, ohne journalistische Verantwortung.

Das ist auch wenig erstaunlich. Die „Benz“-Feier beim Mannheimer Morgen ist durch viel Werbung begleitet. Da weiß die Redaktion, wo das Geld herkommt und was sie zu tun hat.

Gemeinhin nennt man das „Hofberichterstattung“. „Man beißt die Hand nicht, die eine fĂŒttert“, sagen andere.

Herr Martin Tangl muss sich als verantwortlicher Redakteur des Mannheimer Morgens fragen lassen, ob er und seine „unabhĂ€ngige Zeitung“ mittlerweile auf das Niveau von miserablen AnzeigenblĂ€ttern abgestiegen sind.

Dabei geht es nicht um eine „Archiv-Schau“ oder darum, Herrn Naidoo seine Verfehlungen ewig nachzutragen. Der Pop-Star hat einen „harten Weg hinter sich“, seit ein paar Jahren scheint er „sauber“ zu sein und auch ein KĂŒnstler hat ein Recht auf Privatleben. Dann lĂ€sst man das aber auch privat.

Wenn Herr Naidoo aber die Öffentlichkeit sucht und das in einem „Umfeld“, mit dem er ĂŒber lange Jahre „große Schwierigkeiten“ hatte, muss die Öffentlichkeit auch im Kern ĂŒber „wesentliche Informationen“ informiert werden.

Das unterlĂ€sst Herr Tangl. Garantiert gegen besseres Wissen. Und wenn ers nicht besser wĂŒsste, sollte er den Job sofort aufgeben.

Der SWR-Film bedient das Publikum, das auch zur Premiere erschienen ist. Überwiegend etwas gesetzter. Man findet den Film „schÀÀ“, trinkt einen Prosecco, „der ist umsonst“ und knabbbert Brezeln, die als „B“ fĂŒr „Benz“ gebacken sind. Nachdenken muss man beim „Benz-Film“ nicht.

Sondern bei der „Premiere“ dabei sein, so, als sei das ein wirklich wichtiges Ereignis.

So ist das Fernsehen leider oft.

Nachdenklich muss man allerdings werden, wenn der „Lokalpatriot“, als der sich der Mannheimer Morgen darstellen will, frei von Recherche und Fakten eine Geschichte wider besseren Wissens „nacherzĂ€hlt“ und dabei journalistisch versagt.

Denn wenn man nachdenkt, wird man wissen, dass sowohl der Film als auch viele der Berichte dazu, nicht wirklich informieren, sondern nur gefallen und verklÀren wollen.

Werbung will gefallen. Das ist ihr Recht und nicht zu beanstanden.

Journalismus hat eine andere Aufgabe. Und das Versagen von Herrn Preuß und Herrn Tangl ist sehr wohl zu beanstanden.

Denn sie werden dem, was sie vorgeben, in keinster Weise gerecht: UnabhÀngig, faktentreu und zutreffend zu berichten.

HĂ€tte der Einsatz eines Defibrillators den „Pony-Mann“ retten können?


Guten Tag!

Weinheim, 26. Januar 2011. Kurz vor Weihnachten erlitt ein Mann am Rande der Weinheimer FußgĂ€ngerzone einen Herzinfarkt und verstarb. Einige Meter weiter ist im BĂŒrgerbĂŒro ein AED, ein automatischer Defibrillator vorhanden, der auch von Laien bedient werden kann. HĂ€tte der Einsatz des GerĂ€ts das Leben des Mannes retten können? Zumindest hĂ€tte man es versuchen können. Doch offenbar wusste niemand am Ort von dem GerĂ€t.

Leserbrief: Ralf Michael

In den Tagen vor Weihnachten war in den Nachrichten die tragische Geschichte des Ponybesitzers zu lesen, der im Bereich der FussgĂ€ngerzone/ Weinheim Galerie einen Kreislaufstillstand erlitt, doch trotz sofortiger Hilfe durch Passanten leider nicht ĂŒberlebte.

Bei dieser Geschichte sind mir persönlich zwei Dinge aufgefallen:

Erstens: Es gibt tatsÀchlich noch Menschen, die in den Tagen vor Weihnachten Zeit haben, anderen zu helfen und anscheinend ihr Wissen aus den Erste-Hilfe Kursen nicht ganz vergessen haben bzw. sich zumindest trauen, etwas zu tun.

HÀtte der Einsatz eines solchen AED den "Pony-Mann" retten können? Quelle: Wikipedia, Stevenfruitsmaak

Zweitens: Vor einigen Jahren wurden im Zuge der Aktion „ Weinheim rettet Leben“ die ersten AED (Automatisierte Externe Defibrillatoren) im Stadtgebiet installiert. Diese AEDs zur Therapie von Kammerflimmern durch gezielte Elektroschocks befinden sich unter anderem bei der Feuerwehr und eines sogar im BĂŒrgerbĂŒro.

Das BĂŒrgerbĂŒro ist nur wenige Meter vom Notfallort entfernt gewesen, der AED wurde meines Wissens aber nicht eingesetzt.

Über den Sinn und Zweck einer flĂ€chendeckenden Installation solcher Defibrillatoren und die Anwendung durch „medizinische Laien“ gibt es seit einigen Jahre unzĂ€hlige Studien und FachbeitrĂ€ge, die alle zu einem Schluss kommen: Es ist sinnvoll!

Selbst nicht ausgebildete oder unterwiesene Personen können durch die Sprach- und Symbolanleitung nahezu alle auf dem Markt befindlichen GerĂ€te sinnvoll einsetzen. Dies haben Studien mit der Anwendung der GerĂ€te durch SchĂŒler der Mittelstufe gezeigt.

Mittlerweile finden sich viele dieser GerĂ€te an öffentlichen PlĂ€tzen bzw. Orten mit grĂ¶ĂŸeren Menschenansammlungen wie FlughĂ€fen, Bahnhöfe, Theater, Einkaufszentren, etc. mit wachsendem Erfolg.

Warum in dem beschriebenen Fall des Ponybesitzers dieses GerÀt nicht zur Anwendung kam, ist mir nicht bekannt. Ich könnte vermuten, dass es an der fehlenden PopularitÀt lag, da die Installation schon einige Jahre her ist und nicht mehr im Bewusstsein der Bevölkerung verankert war.

Ob der leider verstorbene von der Anwendung des GerĂ€tes profitiert hĂ€tte, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Es hĂ€tte aber allemal seine Chancen zu ĂŒberleben erhöht.

Wir als Feuerwehr haben dieses traurige Ereignis zum Anlass genommen das Vorhandensein und die Anwendung von AEDs regelmĂ€ĂŸig in Erinnerung zu rufen und die GerĂ€tedichte in Weinheim nach Möglichkeit zu erhöhen, damit bei einem natĂŒrlich nicht gewĂŒnschten nĂ€chsten Mal vielleicht ein Leben gerettet werden kann.

Anmerkung der Redaktion: Ralf Michael ist Feuerwehrmann.

Fotostrecke: Zwerge und Giganten – Ringen um die nordbadische Meisterschaft


Guten Tag!

Ladenburg, 25. Januar 2011. Mit der Ausrichtung der Nordbadischen Meisterschaft hatte der ASV Ladenburg die Lobdengauhalle fast voll. Die Resonanz war grandios. Ist Ringen ein „Come-Back-Sport“? Die vielen Kinder und Jugendlichen, die hier angetreten sind, um Medaillen und Urkunden zu erkĂ€mpfen wĂŒnschen sich viele Vereine vergeblich. Bei den Ringern ist alles geboten: Von den „kurzen“ bis hin zu den Schwergewichtskolossen. Der sportliche Ehrgeiz ist beeindruckend.

Von Hardy Prothmann

Ringen ist ein Sport. Aber keiner, bei dem man mal guckt, was der, der gerade Lust und Luft hat, gerade macht.

Ringen ist hart. Geschmeidig. Kraftvoll. Strategisch. Psychologisch. Überraschend. Spannend.

Beim Ringen kann niemand sagen, dass er „nicht bedient worden sei“. Die „Mannschaft“ nicht funktioniert oder Ă€hnliches.

Ringen ist ein 1:1-Entscheidungssport. Ein kÀmpferischer. Ringen ist Raufen nach Regeln.

nordbaden-ringen-meisterschaft Patrick Sauer.

Patrick Sauer ist beim ASV "groß" geworden und ringt nun fĂŒr Viernheim. Ein Schwergewichtsgigant, schnell, technisch versiert, sehr ehrgeizig und ein absolut sympathischer junger Mann gewinnt in seiner Klasse die Nordbadischen Meisterschaften ohne MĂŒhe, aber mit vollem Einsatz. Ist er das Gesicht fĂŒr das "Come-Back" des Ringersports?

Am Sonntag gab es sicherlich einen Haufen grandioser sportlicher Leistungen.

Wir vom ladenburgblog waren gut zwei Stunden dabei. Das heißt, wir haben viel verpasst, weil es viel mehr KĂ€mpfe gab, als wir gesehen haben. Aber wir haben Spannung, Ehrgeiz und bei allem Kampfgeist vor allem Fairness beobachten können.

Das zeichnet das Turnier und den ASV und das Ringen aus.

Klar, es ist ein Kampfsport. Hier und da fließt Blut. Oft verziehen sich Gesichter verschmerzt, weil die Anstrengung einfach enorm ist. Bis an die Grenze. Kurz darauf springen die Sportler auf und stellen sich der nĂ€chsten Runde.

Ringen ist ein Event. Ohne durchgetretene Knie. Ohne feige Angriffe von hinten wie im Fussball. Ohne böse Fouls ohne jeden Grund.

nordbaden-ringen-meisterschaft083

Kampf, Geist, Technik, Geschmeidigkeit udn Kraft - unser Foto zeigt eine Szene im Kampf um Platz 3 und 4 in der 74-kg-Klasse. Florian Baumann (blau, Östringen) gewinnt am Ende. Aber Sebastian Stadler (Kirrchlich) gibt alles, um das zu verhindern. Der Kampf zwischen diesen beiden Hocheleistungsportlern war faszinierend, hochemotional und technisch beeindruckend. Die Details der "Momentaufnahme" zeigen den Einsatz, die Energie, den Willen, mit dem die beiden Ringer um den Sieg gekĂ€mpft haben. Mehr Bilder in der Fotostrecke.

Ringen ist hart, aber ehrlich. Der bessere gewinnt. So einfach ist das hier meistens.

Jeder, der „auf die Matte geht“, weiß, dass er alles geben muss, denn der „Gegner“ (mit dem man vorher und hinterher scherzt), will auch gewinnen.

Und jeder weiß – ohne hartes Training, Fitness, Geschmeidigkeit und Kraft und Können kommt man nicht weiter.

Ringen hat das Zeug, in Zeiten der Bewegungslosigkeit, in Zeiten, in denen scheinbar alles so schnell geht, ein „Come-Back“-Sport zu werden.

Und Ringen ist ein Integrationssport, auch wenn viele das nicht so wahrhaben möchten.

Sehr viele „dominante“ Ringer, ob jung, ob alt, kommen aus „Osteuropa“ oder der TĂŒrkei. Und es gibt sehr viele gute und sehr gute deutsche Ringer.

Auf der „Matte“ begegnen sich die „Kulturen“ mit Fairness und sportlichem Ehrgeiz. Und es gewinnt der, der sich im Training mehr anstrengt.

Talent spielt natĂŒrlich auch ein Rolle. Wie in jedem Sport.

Viel Freude mit unseren Fotos.

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RNZ berichtet ĂŒber Feuerwehr – oder tut sie nur so, als ob?


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 19. Januar 2011. Die Zeitungen galten lange als GralshĂŒter der Information mit hoher Verantwortung und „GlaubwĂŒrdigkeit“: Aber auch als „Gatekeeper“, quasi TĂŒrsteher, die mit geschultem Blick angeblich garantierten, wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen. Dieser Mythos war schwer zu ĂŒberprĂŒfen, weil es kaum „Kontrollmöglichkeiten“ gab. In Zeiten des Internet gibt es fĂŒr alle BĂŒrger die Möglichkeit, die Redlichkeit der Berichterstattung zu kontrollieren und das ist gut so.

Von Hardy Prothmann

Die Rhein-Neckar-Zeitung ist eine FlĂ€chenzeitung mit einem großen Einzugsgebiet und hat eine tĂ€gliche Verbreitung von angeblich rund 91.000 Exemplaren. Die Auflage sinkt kontinuierlich. Im ersten Quartal 2009 waren es noch rund 98.000 Exemplare (laut IVW).

Das hat GrĂŒnde: Die QualitĂ€t des Produkts stimmt (schon lange) nicht mehr.

Aufmerksame Leserinnen und Leser mĂŒssen sich belogen und betrogen vorkommen, wenn sie Informationen in der Zeitung mit Informationen außerhalb der Zeitung vergleichen.

Journalistische Leistung?

Ein aktuelles Beispiel ist ein Bericht vom 18. Januar 2011: „Ist bei der Feuerwehr Feuer unterm Dach?“, titelt die Zeitung und „berichtet“ ĂŒber die Feuerwehr Sulzbach.

"Feuer unterm Dach"? Umgeschriebene Pressemitteilung wird als "Autoren"-Bericht verkauft. Quelle: RNZ

Die Zeitung tĂ€uscht vor, dass der Artikel von Lutz Engert stammt. Auch der Autor Lutz Engert tĂ€uscht vor, dass es sich um eine tatsĂ€chliche eigene journalistische Leistung handelt, immerhin steht er mit seinem Namen dafĂŒr ein. TatsĂ€chlich besteht der Artikel zum ĂŒberwiegenden Teil aus Informationen von Ralf Mittelbach, Pressewart der Feuerwehr Weinheim.

Wer vermutet, dass Lutz Engert vor Ort war und kenntnisreich ĂŒber die „ZustĂ€nde“ bei der Feuerwehr Sulzbach schreibt, der irrt. Lutz Engert, der seinen Namen ĂŒber den Artikel gesetzt hat, hat lediglich die Pressemitteilung von Ralf Mittelbach mit einem Vorspann versehen, dessen Informationen Umformulierungen der Pressemitteilung an sich sind. Vor Ort war Lutz Engert nicht.

Nun könnte man meinen, Lutz Engert habe wenigstens mit dem eigentlichen Verfasser telefoniert. Doch das trifft nicht zu.

Absurderweise umschreibt Engert die Informationen der Pressemitteilung, die (aus Journalistensicht) dankenswerterweise keine Schönwetter-Meldung ist, sondern durchaus kritisch Probleme bei der Sulzbacher Feuerwehr aufzeigt.

Arrogante „Berichterstattung“.

Was Lutz Engert nicht daran hindert, die vermutlich einzig benutzte Quelle als „kryptisch“ zu diffamieren, um dann selbst mehr als kryptisch ohne ein wesentliches Mehr an Information vom Leder zu ziehen. Der Rest des Artikels besteht aus Fragmenten von zwei „zusammengeschriebenen“ Pressemitteilungen von – Ralf Mittelbach.

Es ist ĂŒberhaupt nicht verwerflich, Pressemitteilungen ĂŒber ein Medium zu verbreiten. Der Anstand gebietet aber, die Quellen transparent und nachvollziehbar zu nennen.

Zum Vergleich: Einen Tag vorher haben wir die Pressemitteilungen von Ralf Mittelbach ebenfalls verbreitet: „Feuerwehr Sulzbach ist Nachwuchslieferant – Spannungen bei der FĂŒhrung„, heißt unsere Überschrift auf dem weinheimblog zum Thema. Es gibt einen auf der Basis der Pressemitteilung selbst verfassten Vorspann und dann die korrekte Angabe: „Information der Feuerwehr“.

Auch wir haben die Spannungen erkannt, die in der Pressemitteilung aufgezeigt wurden und aufgenommen. Was wir nicht getan haben, ist, uns anzumaßen, diese Informationen als einen selbstrecherchierten Autoren-Text auszugeben.

Normaler Wahnsinn.

Lutz Engert, der uns persönlich nicht bekannt ist, und die Rhein-Neckar-Zeitung beschĂ€digen mit einem solchen Artikel, der kein Einzelfall ist, sondern den „normalen Wahnsinn“ des tĂ€glichen „so-tun-als-ob“ darstellt, den Berufsstand des Journalismus erheblich, weil die Leserinnen und Leser nicht mehr wissen können, was ein echter eigener Artikel ist und was eine „zusammengekloppte“ Pressemitteilung.

Wir thematisieren die gĂ€ngige Praxis des „Leser-Betrugs“ immer wieder, weil solche Artikel nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Klar ist, dass Zeitungsredakteure unter einem enormen Druck stehen. Sie mĂŒssen viel Arbeit bewĂ€ltigen – fĂŒr Recherche bleibt vielen keine Zeit mehr.

Und wir behaupten nicht, dass alle von uns veröffentlichten Informationen „gegenrecherchiert“ sind – wir sind ein kleines Team und bauen mit großer Anstrengung und viel Idealismus bei kleinem Verdienst unser Angebot auf.

Im Gegensatz zur Zeitung können sich unsere Leserinnen und Leser auf unser Redlichkeit verlassen. Autoren-Artikel sind selbst recherchierte und verfasste Geschichten. Wir benennen unsere Quellen und die damit auch die Verantwortung fĂŒr die Inhalte.

Das sind wir aus Überzeugung unseren Leserinnen und Lesern schuldig – im vollen Bewusstsein, dass wir nicht nur manchmal, sondern sogar oft eine gewĂŒnschte Gegenrecherche schuldig bleiben.

Indem wir die Quelle nennen und damit die Verantwortlichkeit fĂŒr die Information, genĂŒgen wir aber unserem Anspruch von Transparenz und GlaubwĂŒrdigkeit. Und wir geben uns jede MĂŒhe, möglichst viele selbst-recherchierte Artikel zu bringen. Das bedeutet viel Arbeit, aber auch ein gutes und vielleicht sogar sehr gutes Ergebnis dieser Anstrengung.

Mangelnde Transparenz – tendenziöse Berichte.

Die Zeitungen in unserem Raum, ob Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten oder die Rhein-Neckar-Zeitung stellen sich ĂŒberhaupt keiner Transparenz. Sie lassen ihre Leserinnen und Leser im unklaren. Viele Artikel sind tendenziös, voll von nicht ĂŒberprĂŒften Informationen und werden trotzdem als „objektiver Journalismus“ tagtĂ€glich verkauft oder per bezahltem Abo zugestellt.

WĂ€re die Tageszeitung ein dioxinverseuchtes Ei, wollte es niemand mehr kaufen. Das Problem ist, dass immer noch viele Menschen der Zeitung als „glaubwĂŒrdigem Medium“ ihr Vertrauen schenken. Es gibt aber keine Labors oder sonstige Überwachungsstellen, die prĂŒfen, ob das, was auf der Verpackung steht, auch tatsĂ€chlich ausgeliefert wird.

Und ganz sicher berichtet keine Zeitung ĂŒber den Skandal, dass ein Produkt: „Die Zeitung gehört fĂŒr mich zum Leben“, immer hĂ€ufiger ein faules Ei ist. So eine Art verdorbenes Gammelfleisch, ein Etikettenschwindel, ein aufgehĂŒbschtes Ramschprodukt. Umverpackt, neu sortiert, aber tatsĂ€chlich minderwertig.

Faule Eier.

Wer den Mut hat, diese untragbaren ZustĂ€nde offen anzuklagen, muss – genau mit einer Klage rechnen. Vor allem, wenn er Dinge beim Namen nennt, die den faulen-Eier-Produzenten nicht gefallen.

Der Artikel ĂŒber die Sulzbacher Feuerwehr „Von Lutz Engert“ ist ein faules Ei.

Wir rechnen nicht mit einer Klage, sondern hoffen darauf, dass sich die Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung darauf besinnt, was Leserinnen und Leser zu Recht fĂŒr viel Abo-Geld erwarten dĂŒrfen: eine einwandfreie Berichterstattung.

Journalistischer Vergleich oder journalistische Unterlassung?

Sollten Herr Engert oder die Rhein-Neckar-Zeitung nicht mit unserem Bericht einverstanden sein, haben sie selbstverstĂ€ndlich die Möglichkeit, eine Gegendarstellung zu verlangen. Sie können auch einen verbindlichen Wunsch Ă€ußern, einen Kompromiss zu finden, falls eine unserer Formulierungen möglicherweise „strittig“ sein sollte.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, sofort mit einem absurd hohen Streitwert eine Unterlassung zu verlangen. Doch dann mĂŒssen sich die Zeitung und Herr Engert auch der gerichtlichen KlĂ€rung stellen, dass wir behaupten, dass die Zeitung einen „Haufen fauler Eier“ im Korb hat, die sie jeden Tag „an den Mann bringt“. Das könnte interessant werden.

Lieber wÀre uns ein journalistisches KrÀftemessen und auch bei der Rhein-Neckar-Zeitung die erkennbare Anstrengung, ordentlichen Journalismus statt fauler Eier zu produzieren.

Denn den Zeitungen muss klar sein, dass ihre „Informationen“ nicht mehr „solitĂ€r“ alleine in der Welt sind und sofort und unmittelbar ĂŒber viele andere Informationen ĂŒberprĂŒft werden können – wer sich die MĂŒhe macht, erlebt, dass es oft zum Himmel stinkt.

Leserbrief: Grundgesetz verlangt Volksabstimmungen


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. Januar 2011. Matthias Hördt, Kandidat Die Linke im Wahlkreis 39 Weinheim, Ă€ußert sich einem Leserbrief zu BĂŒrgerentscheiden, WutbĂŒrger, Bildung und Arbeitswelt

Leserbrief: Matthias Hördt

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus! So steht es seit 1949 in unserem Grundgesetz. „Ja wo geht sie denn hin?“, fragen seitdem nicht wenige. Sie, die Gewalt, wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen [-۩] ausgeĂŒbt. Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, allerdings nur, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Im Jahr 2010 hat der BĂŒrgerprotest, die gemĂŒtliche Variante des Widerstands, Dimensionen erreicht, die dem WutbĂŒrger Einzug in deutsche Feuilletons bescherte.

Obwohl „Wort des Jahres“ ist er noch nicht im allgemeinen Sprachgebrauch. Zu Recht! Denn von Wut sind die ausdauernd und intelligent Protestierenden noch weit entfernt.

Demonstrieren gegen Projekte der Herrschenden ist im demokratischen Rechtsstaat dem einfachen Volk ausdrĂŒcklich erlaubt. DafĂŒr wird erwartet, die Unwirksamkeit des Protests zu akzeptieren. Wer auf die Idee kommt, dies anders zu sehen, hat seine Lektionen in Sachen Demokratie nicht gelernt.

Trotz ErwĂ€hnung im Grundgesetz hat es noch keine bundesweite Volksabstimmung gegeben. Die HĂŒrden fĂŒr BĂŒrgerentscheide und Volksabstimmungen in Baden-WĂŒrttemberg sind unĂŒberwindbar hoch.

Die Herrschenden sagen, weil das Volk zu dumm ist, um alle ZusammenhĂ€nge ĂŒberschauen zu können. Deshalb mĂŒsste die Regierung dem Volk die Möglichkeit geben, sich entsprechend zu bilden.

Wir brauchen mehr Bildung, insbesondere Erwachsenenbildung, anstatt mehr Konkurrenz und Ausbeutung. Arbeitnehmer brauchen bezahlte Bildungsferien.

Überhaupt mĂŒssen die Menschen von ihrem permanenten Existenzkampf befreit werden. Unter anderem durch eine solidarische Organisation der Arbeitswelt.

Das Volk hat am 27. MĂ€rz die Wahl dazu.

Internet:
Homepage von Matthias Hördt

Anmerkung der Redaktion:
Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. FĂŒr den Inhalt sind die Verfasser selbst verantwortlich.

Sachschaden wegen Dachschaden – Idioten reagieren sich an BĂ€umen ab


Guten Tag!

Weinheim, 17. Januar 2011. Vermutlich in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden einige junge BĂ€ume am Multring und im Kreuzungsbereich zur ZeppelinbrĂŒcke Opfer von Vandalismus, wie das GrĂŒnflĂ€chen- und Umweltamt der Stadt jetzt mitteilte.

Von Hardy Prothmann

Dem jungen Baum wurde die Krone abgerissen. Bild: Stadt Weinheim

Immer wieder kommen solche Meldungen auf den Redaktionstisch. Die Stadt Weinheim informiert:

„Vermutlich in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden einige junge BĂ€ume am Multring und im Kreuzungsbereich zur ZeppelinbrĂŒcke Opfer von Vandalismus, wie das GrĂŒnflĂ€chen- und Umweltamt der Stadt jetzt mitteilte.

So wurde an einer jungen Eiche gegenĂŒber von „Auto Reiff“ komplett die Krone abgebrochen. In der NĂ€he der Abfahrt zum Stadion wurden so genannte „Dreiböcke“ zerstört, die den jungen BĂ€umen beim Wachsen helfen sollen.

Ingesamt entstand durch den Vandalismus ein Schaden von rund 500 Euro. Wer Zeugenangaben machen kann und etwas VerdĂ€chtiges beobachtet hat, möchte bitte auf dem Weinheimer GrĂŒnflĂ€chen- und Umweltamt anrufen (Bernhard von Hirschheydt, Telefon 06201-82400).“

Warum passiert so etwas? Wer macht das? Wieso und warum und ĂŒberhaupt? Man ist fassungslos ĂŒber solche als „Vandalismus“ beschriebenen Taten.

Muss man das verstehen? Schwere Jugend? Zu viel Alkohol? Schlechten Tag gehabt?

Und doch muss man wohl zur Kenntnis nehmen, dass es leider viele Menschen gibt – und nicht nur junge – die ihren Frust auf was auch immer vollstĂ€ndig sinnlos an GegenstĂ€nden und manchmal auch andere Menschen ablassen.

Und es ist gut und richtig, aufmerksam durchs Leben zu gehen und solche VorfĂ€lle zu melden. Damit die TĂ€ter im Rahmen der Gesetze dafĂŒr bestraft werden. Und ihnen gezeigt wird, wie asozial und dumm solche Gewaltakte sind.

VerstĂ€ndnis muss man fĂŒr solch dumpfe Zerstörungswut nicht haben. Sie richtet sich gegen die Gemeinschaft und das Gemeinwohl. Dazu ist sie feige und erbĂ€rmlich.