Mittwoch, 16. Oktober 2019

Berichterstattung zentral auf dem Rheinneckarblog.de

Frisches Layout & neue Ausrichtung

Rhein-Neckar, 04. Februar 2015. (red/pro) Vergangene Woche haben wir das Rheinneckarblog einem „Relaunch“ unterzogen. Das heißt: Wir haben ein zeitgemĂ€ĂŸeres Layout. Breiter im Format, grĂ¶ĂŸere Schriften und neue Service-Angebote wie „Meistgelesene Artikel“ oder „Meistkommentiert“, die Sie in der Seitenleiste finden. Außerdem konzentrieren wir die Berichterstattung auf unserer zentralen Seite Rheinneckarblog.de. [Weiterlesen…]

Fachanwalt Otto Grote ĂŒber die Gefahren beim Veröffentlichen und Teilen von Fotos

„Private Fahndungen bergen erhebliche Risiken“

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Fachanwalt Grote rÀt zum vorsichtigen Umgang mit der Bilder-Teilen-Funktion bei sozialen Medien. Foto: wbs-law.de

Weinheim/Rhein-Neckar/Köln, 22. Mai 2013. (red) Der tragische Unfall eines 37 Jahre alten Weinheimers macht die Menschen fassungslos: Wer kommt auf die Idee, eine Holzpalette nachts auf eine Straße zu legen?, fragen sich die Menschen. Und es wird nicht an FlĂŒchen ĂŒber den/diejenigen gespart, der/die einen anderen und dessen Familie sinnlos ins UnglĂŒck gestĂŒrzt hat/haben. Tausende Menschen nehmen Anteil und teilen auch tausendfach ein Foto des Opfers mit seiner Familie. Doch das kann weiteres Unheil nach sich ziehen – fĂŒr das Opfer, die Kinder, die Frau, aber auch fĂŒr Personen, die mit dem Teilen des Fotos eigentlich nur helfen wollten. Der Fachanwalt Otto Freiherr Grote von der auf Internet- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei Wilde, Beuger, Solmecke erklĂ€rt im Interview mögliche Problemlagen. [Weiterlesen…]

Zur Sache: Die „unselige“ Berichterstattung im Mannheimer Morgen


Schere, Kluft, Arm, Reich - wichtiges Thema. Beim "MM" von "außen besetzt". Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar, 20. Juli 2011. (red) Die Entwicklung ist dramatisch – sowohl fĂŒr BeschĂ€ftige mit niedrigen Einkommen als auch fĂŒr Abonnenten des Mannheimer Morgen. In der heutigen Ausgabe benennt die Zeitung „Geringverdiener zu Verlierern“, berichtet weiter auf Seite 5 unter „Wirtschaft“ zu „Kluft zwischen Arm und Reich wĂ€chst“ und kommentiert die „unselige Schere“. Dahinter steckt sehr viel „Unseligkeit“. Auch eine journalistische. Und einen nicht vorhandene Transparenz.

Von Hardy Prothmann

Der MM „berichtet“ also und „kommentiert“ – so scheint es zumindest.

TatsĂ€chlich steht auf Seite 1 ein Text von „unserem Korrespondenten“ Wolfgang Mulke. Der kommentiert auch auf Seite 5. Dort steht ein weiterer Bericht „von dpa-Korrespondenten (sic!) Bernd Röder“.

Diese Berichterstattung ist keine eigene, redaktionelle Leistung des Mannheimer Morgens. Sie ist eingekauft. Von der Agentur „die-korrespondenten.de„, bei der Wolfgang Mulke arbeitet und bei dpa, der Deutschen Presse-Agentur.

„Dein“, „Mein“, „Unser“ – der „MM“ ist fĂŒr „uns“ alle da – oder doch nicht?

Mal abgesehen von dem Grammatik-Fehler bei Herrn Röder… – ist Herr Mulke tatsĂ€chlich „unser Korrespondent“, wie der MM das behauptet? TatsĂ€chlich arbeiten „die-korrespondenten.de“ fĂŒr viele Zeitungen. Ebenso wie dpa.

Das geht auch in Ordnung.

Wer sich diese Dienstleistung als „unser“, sprich „eigene“ aneignet, ist aber nicht wirklich ehrlich gegenĂŒber den Leserinnen und Lesern.

Denn es ist keine eigene, redaktionell-journalistische Leistung der Zeitung. Beim GemĂŒsehĂ€ndler wĂŒrden man unter „unser Anbau“ erwarten, dass der Apfel auch aus „unserem“ Garten kommt. Bei der Zeitung ist das „abstrakter“.

Es scheint, als informierten Korrespondenten exklusiv fĂŒr die Zeitung. TatsĂ€chlich ist der MM nur eine von vielen Zeitungen, die tagtĂ€glich bei Dienstleistern Informationen einkaufen und diese verbreiten. „Unser Korrespondent“ ist aber eine gewagte Behauptung. Denn „unser“ signalisiert „ExklusivitĂ€t“. TatsĂ€chlich ist das meistens nicht so.

Das aktuelle Thema beschĂ€ftigt sich mit der „Lohnschere“ und Wolfgang Mulke schreibt einen wirklich guten Kommentar. Kritisch, auf den Punkt. Immer mehr Menschen werden in Billigjobs gedrĂ€ngt: „Sie sind trotz Arbeit arm dran.“ Der Satz beschreibt Lebensschicksale.

Wir haben schon „gestern“ darĂŒber berichtet – schneller und mit eigener Recherche:
http://rheinneckarblog.de/2011/07/19/diw-kaufkraft-sinkt-wer-wenig-hatt-hat-noch-weniger/

„Lebensschicksale“ werden vermutlich auch bei der Zeitung Mannheimer Morgen beschrieben, ohne dass sie benannt werden:

„Denn immer mehr BeschĂ€ftige bekommen nur schlecht bezahlte Stellen“,

ist eine treffende Analyse und dĂŒrfte auf alle ZeitungsaustrĂ€ger und viele „freie Mitarbeiter“ der Zeitung zutreffen.“

„Lebenschicksale“ – schlecht, schlechter, noch schlechter bezahlt gilt vor allem fĂŒr „freie Mitarbeiter“. Von Zeitungen.

In den vergangenen Wochen haben ver.di und der Deutsche Journalistenverband zu Streiks aufgerufen – Zeitungsabonnenten haben das an den „dĂŒnnen“ Ausgaben festgestellt.

Denn die deutschen Zeitungsverleger wollen nicht nur keine „Lohnanpassungen“ vornehmen – nein, ganz im Gegenteil, sie wollen teils bis zu 25 Prozent weniger fĂŒr BerufsanfĂ€nger zahlen. Sie sind aktiver Teil des Systems, dass Menschen Arbeit gibt, die trotz BeschĂ€ftigung „arm dran sind“.

Gleichzeitig wollen diese Verleger eine Leistungsschutzabgabe erstreiten, eine Art LizenzgebĂŒhr, die alle Teile der Wirtschaft, der Verwaltung, insgesamt die gesamte Öffentlichkeit trifft: Sobald jemand eine „Zeitung“ zitiert, soll Geld fließen. An die Verleger. Das ist zwar sehr vereinfacht dargestellt, aber im Prinzip das, was sich die Verleger wĂŒnschen. Dieser „Leistungsschutz“ kommt aber niemals bei den „Urhebern“ an, also den Schreibern, sondern bei den „Verbreitern“, also den Verlegern.

Die allermeisten Lokalzeitungen zahlen Zeilenhonorare, die jenseits von „Gut und Böse“ sind, wenn man das Geld auf „Mindestlohn pro Stunde“ umrechnet. Wer auf sechs Euro pro Stunde kommt, kann sich glĂŒcklich schĂ€tzen. Fotografen sollen beim MM beispielsweise fĂŒr Fotos fĂŒr die Online-Galerien genau nichts erhalten. Das ist eine „Service-Leistung“, die erwartet wird. Wer der nicht nachkommt, muss damit rechnen, dass „bezahlte Jobs“ weniger werden.

Große Teile der Zeitung sind mittlerweile „Discount-Ware“. Irgendwo hergestellt und massenhaft verbreitet – die Leserinnen und Leser können diese „Nachrichten“ umsonst und zuhauf ĂŒberall im Internet finden. Selbst scheinbar „exklusive“ Themen sind nichts weiter als „zugeschickt“ verbreitete Informationen von Ämtern, Vereinen oder Firmen.

Trotzdem gibt es immer noch genug gutglĂ€ubige „Abonennten“, die fĂŒr „ExklusivitĂ€t“ zwanzig bis dreißig Euro pro Monat zahlen. Wer sich „kundig“ macht, stellt den Preis in Frage.

Zeitung heute? Sowas wie ein „Ein-Euro-Shop“.

Kein Wunder, dass immer mehr Abonnenten kĂŒndigen – „QualitĂ€tsjournalismus“ wird schon lange nicht mehr geboten.

Stopp. Der Kommentar von Wolfgang Mulke ist guter QualitÀtsjournalismus. Er benennt Fehlentwicklungen. Prangert an.

Leider fehlt es an der Transparenz in der eigenen Zeitung, was man Herrn Mulke nicht vorwerfen kann. Soll er etwa thematisieren, wie es um die „Niedriglohnpolitik“ des MM bestellt ist? Und sich Ärger einhandeln und nicht mehr „gebucht“ werden? Auch Herr Mulke muss sein GeschĂ€ft machen.

Ich selbst war auch mal „freier Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgen. Von 1991-1994. Damals habe ich fĂŒr 55 Pfenning „die Zeile“ geschrieben. In einem Monat habe ich mal rund 1.400 Mark „verdient“. Im „Schnitt“ bedeutete das pro Tag ein bis zwei „Artikel“. Rund eine Stunde hin und zurĂŒck zum Termin. Ein bis drei Stunden vor Ort. Eine Stunde Vorbereitung. Ein Stunde Schreiben. Oder vielleicht-  mehr. Zwei, drei, vier Stunden, GesprĂ€che, Telefonate, Treffen – wenn mir das „Thema“ wichtig war.

Und die „Themen“ waren wichtig – zumindest mir. Und den Menschen, die „betroffen“ waren.

Einige Texte waren nur 40-Zeiler. Einige lĂ€nger, vielleicht 120-Zeiler (drei bis vier Spalten-Texte). Mit echter „Recherche“, viel Aufwand, stundenlangen GesprĂ€chen. Terminen. Die Arbeit war sehr aufwĂ€ndig, hat aber „Spaß“ gemacht.

Wenn es „gut“ lief, waren das also vier Stunden fĂŒr 25 Mark oder rund sechs Mark die Stunde. Wenn es schlecht lief, waren es sechs oder mehr Stunden. Also nur vier Mark die Stunde. Das war 1994.

„Berechenbare Information?“ – Klar, auf dem Niveau von 55 Pfenning. Pro Zeile.

Oft haute die „Rechnung“ auch nicht hin. Dann war es „Berufsethos“. Ruhm und Ehre. Wichtiger als Geld.

Wenn man das „System“ kapiert oder „im Stoff stand“, konnte man die „Stunde Vorbereitung streichen“ und wenn man clever war, „hin und zurĂŒck“ mit möglichst vielen Terminen verbinden – was meistens Wochend- und Abendtermine beinhaltete.

Und wenn man „noch besser“ verstanden hatte, „dichtete“ man irgendwelchen Blödsinn, Hauptsache, alle waren zufrieden, es war ein tolles Ereignis, es war schön und nochmal, alle waren zufrieden. Um der „Erwartung“ der Redaktionsleitung zu genĂŒgen, aber auch, um wenigstens ein bisschen anstĂ€ndig zu verdienen, schreibt man dann halt solchen Mist.

Die Verlage haben in dieser Zeit zweistellige Umsatzrenditen geschrieben.

Am 20. Juli 2011 lese ich im Mannheimer Morgen einen Kommentar ĂŒber die „unselige Schere“. Der Kommentar trifft den Punkt. Er ist kritisch und korrekt. Er beschreibt Lebensschicksale. Der Journalist Wolfgang Mulke hat einen korrekten Job gemacht.

Gibt es eigentlich keine Journalisten beim MM, die genauso hÀtten schreiben können? Das ist meine Frage. Wieso ist die Redaktion nicht in der Lage, das Thema zu berichten und zu lokalisieren?

Schupsen die „Redakteure“ nur noch Bratwurstfeste und gute Stimmungen oder haben sie noch irgendeinen Funken Ehrgeiz in sich, wirklich gute Journalisten zu sein?

Eine der hĂ€rtesten „Branchen“ in Sachen „Mindestlöhne“ ist der Journalismus.

Oder ist es die Schockstarre, dass sie Teil des Systems sind und niemals ehrlich ĂŒber Mindestlöhne, Ausbeutung und unhaltbare ZustĂ€nde ĂŒber andere berichten können, ohne sich selbst zu meinen?

Mir tun die „Kollegen“ wirklich leid, aber ich habe kein Mitleid mit ihnen.

Ich kann jeden verstehen, der seinen „Vorteil“ retten will, aber ich verachte auch jeden, der sich dabei noch „Journalist“ nennt und so tut, als sei er im Auftrag der „Öffentlichkeit“ unterwegs.

Der MM ist Teil dieser Ausbeuter-Wirtschaft, die Menschen „Arbeit gibt, mit der sie arm dran sind“. Das muss man sagen. Das muss man aufschreiben.

Aber das wird man niemals in dieser Zeitung lesen.

Gastbeitrag: „Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/WĂŒrzburg, 29. MĂ€rz 2011. (Main-Post/red) Die WĂŒrzburger Main-Post leistet sich einen „Leser-Anwalt“. Anton Sahlender, Mitglied der Chefredaktion, nimmt Leserfragen und -beschwerden entgegen, prĂŒft die Inhalte und veröffentlicht im Anschluss die Ergebnisse. Ein vorbildlicher Service, wie wir meinen.

Vorbemerkung: Aktuell geht es um einen BĂŒrgermeister, der seiner gesetzlich festgelegten Auskunftspflicht nicht nachkommt. Die Main-Post hat deshalb sogar eine Klage angestrengt und gewonnen. Die Reaktionen sind „schmerzhaft“ fĂŒr die Zeitung – es werden böse Unterstellungen geĂ€ußert und Abos abbestellt. Nur, weil die Zeitung die Presse- und damit die Meinungsfreiheit verteidigt, gegen einen BĂŒrgermeister, der sich nicht an die Gesetze hĂ€lt und den Artikel 5 Grundgesetz ĂŒber die Meinungsfreiheit und das Presserecht mit FĂŒĂŸen tritt.

"Leseranwalt" Anton Sahlender sorgt fĂŒr Transparenz bei der WĂŒrzburger Main-Post. Quelle: MP

Von Anton Sahlender, Leseranwalt der Main-Post

Der Leseranwalt: Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein – fĂŒr Betroffene und fĂŒr Redaktionen

Je nachhaltiger Journalisten ihre Freiheiten nutzen, desto mehr mĂŒssen sie selbst ertragen können. Denn der Presse Freiheit ist auch schmerzhaft. Zuerst fĂŒr Betroffene, dann aber oft auch fĂŒr Redaktionen.

Hier aktuelle Kostproben: Der BĂŒrgermeister einer Kleinstadt wird in der Zeitung hĂ€ufig fĂŒr seine AmtsfĂŒhrung kritisiert. Über einen langen Zeitraum gibt er dazu immer wieder neu Anlass. Er pflegt eine wenig bĂŒrgerfreundliche Geheimhaltung von Amtshandlungen und kommt seiner Auskunftspflicht gegenĂŒber Medien nur unzureichend nach. Das sagt nicht nur die Redaktion, sondern auch das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung.

Auskunftpflichten gegenĂŒber Journalisten sind BĂŒrgermeistern und Amtsleitern per Gesetz vorgeschrieben. Medien mĂŒssen in einer Demokratie ungehindert ĂŒber politisches und amtliches Handeln informieren können. In der Kleinstadt ist die Folge der redaktionellen Nachhaltigkeit fĂŒr BĂŒrgers Information nicht nur Lob. Proteste und sogar Abbestellungen sind eingetroffen. Darunter Zuschriften, in denen der Redaktion Menschenjagd und allerlei weitere journalistische TodsĂŒnden vorgeworfen werden. Außerdem schimpft man: Die Zeitung schade der ganzen Stadt.

Ein anderer BĂŒrgermeister wollte letzte Woche verbieten, dass Informationen ĂŒber den Haushalt, die er an Journalisten verkĂŒndete, veröffentlicht werden, bevor der Stadtrat sie beschlossen hat. Diese Zeitung mochte Lesern aber nicht nur vollendete Tatsachen bieten. Sie hat gleich berichtet. Des BĂŒrgermeisters Androhung presserechtlicher Schritte blieb wirkungslos: Denn Redaktionen haben die (Presse-)Freiheit, selbst ĂŒber die Bedeutung einer Nachricht zu entscheiden und somit darĂŒber, wann sie erscheint.

Zu meiner Sammlung von Reaktionen auf die Freiheit, auch Meinungen vielfĂ€ltig zu vertreten, gehört neuerdings diese Klage: „Lesen Sie die Ă€tzenden und abfĂ€lligen Kommentare eines Henry Stern gegen Franz Josef Strauß und alle Nachfolger. Gewollt hĂ€ssliche Bilder unserer Kanzlerin Merkel und bösartige Karikaturen eines Dieter Hanitzsch schlagen in die gleiche Kerbe. Überparteilichkeit stelle ich mir anders vor.“ – Ich ahne das Wie dieser Vorstellung. Überdies war Strauß schon nicht mehr unter uns, als Henry Stern MĂŒnchner Korrespondent wurde.

Das waren Momentaufnahmen, keine Klagen. Journalisten muss man nicht mögen. VerstĂ€ndnis fĂŒr Pressefreiheit in einer Demokratie aber, die muss jeder ertragen können. Mit der Abbestellung einer Zeitung kann man sie jedenfalls nicht abschaffen.“

Anmerkung der Redaktion:
Wir stehen mit Anton Sahlender vor allem ĂŒber Facebook in regelmĂ€ĂŸigem Kontakt und sind in journalistischen Fragen nicht immer einer Meinung ;-).

Aber wir unterstĂŒtzen natĂŒrlich gerne als Berufskollegen aus SolidaritĂ€t die Haltung hinter dieser Veröffentlichung und haben darum gebeten, den Text ĂŒbernehmen zu dĂŒrfen. Herr Sahlender hat dem umgehend zugestimmt.

Wir handeln aber auch nicht ganz uneigennĂŒtzig, sondern im Interesse unserer Leserinnen und Leser, da wir das PhĂ€nomen von auskunftsunwilligen Behörden sehr gut kennen. Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler ist so ein „Spezialfall“, der seiner Auskunftspflicht erst nachgekommen ist, nachdem er einen durch uns veranlassten „freundlichen Hinweis“ erhalten hat. Bis heute versucht er weiterhin unsere Arbeit mit allen möglichen Mitten zu behindern.

UnterstĂŒtzt wird er dabei vom Mannheimer Morgen – einer Zeitung der SolidaritĂ€t unter Journalisten nichts gilt. Ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass es der Zeitung sehr recht ist, wenn „die Konkurrenz“ Probleme hat und man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das ist bedauerlich, liegt aber allein im Ermessen der Zeitung und gehört anscheinend zur „Unternehmenskultur“.

Der Mannheimer Morgen ist dabei in guter Gesellschaft – viele deutsche Monopolzeitungen haben sich mit örtlichen „Interessenvertretern“ aus Politik und Wirtschaft verbandelt. Dementsprechend manipuliert ist die Berichterstattung. Siehe Stuttgart21 beispielsweise. (stern ĂŒber den Filz von Politik, Geld und Medien)

Die Haltung der Main-Post ist aus unserer Sicht vorbildlich und entspricht dem, was man als Leserin oder Leser von Medien erwarten können muss: Eine unabhÀngige und kritische Berichterstattung.

Offener Brief der GLH an die WN: „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“


Angeblich interessiert sich die WN fĂŒr die Meinung der Leser. Quelle: WN

Guten Tag!

Hirschberg/Rhein-Neckar, 22. MĂ€rz 2011. Der Sprecher der GrĂŒnen Liste Hirschberg (GLH), Arndt Weidler, ist Ă€ußerst unzufrieden mit „redaktioneller Linie“ und journalistischer Leistung der Weinheimer Nachrichten. Deshalb hat er einen offenen Brief verfasst, den er an die Hirschberger Parteien, den BĂŒrgermeister und die örtliche Presse versendet hat. Wir dokumentieren den Brief, weil er sicher auch die Situation in anderen Kommunen thematisiert.

Der Brief ist alles, nur nicht zimperlich: „vordemokratisches Konzept“, „schlecht ausgebildetes redaktionelles Selbstbewußtsein“, „peinliche Regularien“, „der journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint“, wirft GLH-Sprecher Weidler den Weinheimer Nachrichten vor.

Auch Hirschbergs BĂŒrgermeister Manuel Just wird kritisiert, wegen eines „wilhelminischen VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung“. Auch die RNZ und das hirschbergblog werden kritisiert, „alle diese Medien nutzen ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus“.

Arndt Weidler schlĂ€gt deshalb ein Symposium vor: „Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.“

Dokumentation:

Arndt Weidler schreibt an WN-Redakeur Hans-Peter RiethmĂŒller

Lieber Hans-Peter RiethmĂŒller,

den zurĂŒckliegenden, kleinen, schriftlichen Disput zwischen uns, möchte ich zum Anlass fĂŒr einen „Offenen Brief“ zum Zustand der Lokalpresse nehmen. Verzeihe mir also bitte, dass ich den Kreis der Mitleser/innen, weil der Angesprochenen und Betroffenen, hiermit erweitere.

Du schriebst:

WN-Redakteur RiethmĂŒller hatte zuvor geschrieben:

Sent: Sunday, March 20, 2011 6:39 PM
To: ‚GrĂŒne Liste Hirschberg‘
Subject: AW: PM der GLH: Vortrag am 17. MĂ€rz 2011

Lieber Arndt,

immer kurz vor den Wahlen kommen die Parteien auf uns zu und fĂŒhlen sich benachteiligt. In der Tat: Wir haben aufgrund unseres Konzepts auf eine Berichterstattung bei Euren Termine verzichtet. Eigentlich hĂ€tte Landtagsabgeordneter Sckerl unser Konzept weiterleiten sollen, was er wohl nicht getan hat. Die eine oder andere Frage, oder MissverstĂ€ndnisse hĂ€tten sich dadurch bestimmt geklĂ€rt.
FĂŒr uns war und ist auch ein KulturfrĂŒhstĂŒck oder eine Veranstaltung mit Carsten Brinkmeier ein Wahlkampftermin. Warum findet dieser denn sonst so unmittelbar vor dem Urnengang statt?
Übrigens: Bei den anderen Parteien, sogar bei den Freien WĂ€hlern, haben wir uns genauso verhalten. Beispielsweise gab es keine Berichte zum traditionellen Aschermittwoch.

Der offene Brief von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Ich beginne mit einer Antwort auf deine Replik von vorgestern: Es geht ja nicht einmal um Benachteiligung der GLH. Schlimm genug, dass ihr den anderen politischen Akteuren die Aufmerksamkeit ebenso verweigert.

SelbstverstĂ€ndlich kenne ich Euer so genanntes Konzept, das ich ehrlich gesagt fĂŒr vordemokratisch halte und zudem aus meiner Sicht auch Ausdruck eines schlecht ausgebildeten redaktionellen Selbstbewußtseins zu sein scheint. Die RNZ geht mit der Situation aus meiner Sicht weitaus souverĂ€ner um.

NatĂŒrlich seid Ihr die „Bestimmer“ ĂŒber die Inhalte in Eurer Zeitung: Es ist Euer Recht darĂŒber zu entscheiden, ob eine Veranstaltung inhaltlich und qualitativ ausreichend hergibt, um in der Berichterstattung berĂŒcksichtigt zu werden. In Wirklichkeit tut Ihr das aber nicht.

Die WN verschanzt sich vielmehr hinter peinlichen Regularien. Ihr wĂŒrdet meiner Meinung nach wesentlich glaubwĂŒrdiger und auch unabhĂ€ngiger wirken, wenn ihr allein unter redaktionellen und inhaltlichen Gesichtspunkten entscheiden wĂŒrdet worĂŒber berichtet wird und nicht unter dem Diktum „jeder hat zwei Schuss frei“ – egal wie inhaltsarm der Beitrag dann auch sein mag.

Vielmehr glaube ich, dass Ihr Euch unnötigerweise mit diesem Vorgehen der eigenen journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint. Im Zweifelsfall (wĂ€ret Ihr denn konsequent) mĂŒsstet Ihr jeden Unsinn veröffentlichen, der verzapft wird – nach dem Motto: „die haben ja noch einen Artikel gut“.

Es ist Aufgabe der Parteien und der WĂ€hlervereinigungen an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Der politische Wille des Volkes drĂŒckt sich in unserem demokratischen System durch Wahlen aus. NatĂŒrlich fĂŒhrt das zwangslĂ€ufig zu einer HĂ€ufung von Veranstaltungen vor den Wahlen – wo lebt ihr denn bei der WN? Aber es ist jedem politischen Wettbewerber doch selbst ĂŒberlassen, wie viele öffentliche Termine oder Veranstaltungen er in der Wahlkampfzeit organisiert. Ihr seid so frei zu berichten – oder eben nicht. UnabhĂ€ngig von vorab festgelegten Quoten.

Am Rande: Es mag Euch nicht immer transparent erscheinen – und vielleicht ist es auch eine Petitesse, die ihr gelegentlich ĂŒberseht -, aber die GLH und die BĂŒndnis-GrĂŒnen in Hirschberg sind organisatorisch zwei getrennte EntitĂ€ten.

Die GLH hat den Status einer freien WĂ€hlervereinigung, die mit eigenen Listen bei den Kommunalwahlen antritt und an der politischen Ausgestaltung des WĂ€hlerwillens in der Gemeinde Hirschberg aktiv mitwirkt. 70% der Mitglieder der GLH sind nicht gleichzeitig Mitglied von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen.

Und wĂŒrden die Statuten der anderen Parteien nicht dagegen stehen, könnten wir auch SPD- oder CDU-, sogar FDP-Mitglieder aufnehmen. Den Mitgliedern der GLH ist es freigestellt zu entscheiden welchen Kandidaten sie bei Wahlen unterstĂŒtzen, die ĂŒber die kommunale Ebene hinaus gehen. Im Falle Uli Sckerl haben wir als Vereinigung mehrheitlich in einer Mitgliederversammlung beschlossen, fĂŒr unser ehemaliges Mitglied und seine Kandidatur zu werben. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass ich keineswegs nachvollziehen kann, dass der GLH unterstellt wird, mit einer Informationsveranstaltung ĂŒber die Nutzung von Solartechnik Wahlkampf zu machen. Diese Art Veranstaltung könnte und kann – und vor allem wird – bei der GLH immer wieder stattfinden.

Nicht einzusehen, warum nicht vierzehn Tage vor einer Landtagwahl. Das Werben fĂŒr und die kritische Diskussion ĂŒber erneuerbare Energien ist lĂ€ngst kein „grĂŒnes“ Alleinstellungsmerkmal mehr, sondern beschĂ€ftigt weite Teile der Gesellschaft durch alle Parteien und WĂ€hlergruppen. Die WN schließt sich in diesem Falle unnötigerweise aus der sehr aktuellen Diskussion aus, weil ihr die eigenen Regularien im Wege stehen. Das ist schon sehr bedauernswert.

Zum Schluss noch Folgendes: Hirschberg befindet sich in der ausgesprochen glĂŒcklichen und privilegierten Lage ĂŒber zwei konkurrierende Lokalzeitungen zu verfĂŒgen.

DarĂŒber hinaus gibt es fĂŒr die Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines agilen und streitbaren HirschbergBlogs sowie eines ausgesprochen gut distribuierten Mitteilungsblattes ĂŒber politische Ereignisse zu informieren. Aus ganz unterschiedlichen GrĂŒnden nutzen aus meiner Sicht alle diese Medien ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus.

Selbst die Gemeinde als redaktioneller „WĂ€chter“ des Mitteilungsblatts, welches ja ein reines Veröffentlichungsorgan ist, zeichnet sich durch ein wilhelminisches VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung und politischer BetĂ€tigung aus, indem es politischen Gruppierungen inhaltliche Artikel in der Zeit sechs Wochen vor Wahlen verweigert (das ist als wolle man den Kirchen in der Adventszeit die VerkĂŒndigung der Frohen Borschaft verbieten).

Es ist höchste Zeit in Hirschberg diese Defizite öffentlich zu benennen und zu diskutieren. Die GLH wird sich daher bei Ihrer nÀchsten Mitgliederversammlung am 7. April zu diesem Thema Gedanken machen und dabei auch den Schulterschluss mit den anderen politischen Akteuren in Hirschberg suchen.

Wir wissen nicht immer alles besser und es steht uns ĂŒberhaupt nicht zu, Euch vorzuschreiben was Ihr schreibt (ich bin gerne mal der Hase) und wie Ihr Eure Zeitung zu machen habt, aber wir alle, die im politischen Raum agieren, sind Gegenstand der Berichterstattung und Leser/innen gleichermaßen und somit durchaus in der Lage Anregungen und Ideen fĂŒr Verbesserungen der momentan doch sehr unbefriedigenden Situation zu liefern.

Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.

In einem solchen Rahmen könnten sich alle Betroffenen, also auch die Presse, die Parteien und der BĂŒrgermeister, als Verantwortlicher fĂŒr das Mitteilungsblatt der Gemeinde, einbringen. Unter Beteiligung der BĂŒrger/innen wĂ€re dies ein denkbares Forum ĂŒber diese evidenten Probleme zu sprechen.

Entschuldige bitte, dass ich ausgerechnet unsere Korrespondenz zum Anlass genommen habe, dieses Thema so ausfĂŒhrlich und vor allem öffentlich zu thematisieren. Ich hoffe, Du betrachtest dies nicht als Vertrauensbruch. Ich weiß, dass Deine ursprĂŒngliche Antwort in Ton und AusfĂŒhrung eigentlich nur fĂŒr mich gedacht war. Aber ich denke, ich schĂ€dige damit nicht Deinem Ansehen, sondern verdeutliche damit nur umso mehr, wie dringend wir ein Überdenken der redaktionellen GrundsĂ€tze aller in Hirschberg vertretenen Medien benötigen. Unsere Auseinandersetzung, so hoffe ich, könnte Anlass sein, sich konstruktiv, zum Vorteil der Leser/innen, zum Vorteil einer echten demokratischen Streit- und Berichterstattungskultur und zum Vorteil der Akzeptanz der lokalen Medien, auseinanderzusetzen.

Mit hochachtungsvollen GrĂŒĂŸen
Arndt Weidler

P.S.: FĂŒr alle, die es interessiert noch mal meine ursprĂŒngliche Mail an den Lokalredakteur der WN, Hans-Peter RiethmĂŒller:

Erste email von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Von: GrĂŒne Liste Hirschberg [mailto:news@gruene-liste-hirschberg.de]
Gesendet: Freitag, 18. MĂ€rz 2011 09:48
An: RiethmĂŒller, Hans-Peter
Betreff: Fw: PM der GLH: Vortrag am 17. MĂ€rz 2011

Lieber Hans-Peter,

vielen Dank zunĂ€chst, dass ihr vorab nochmals auf die Veranstaltung gestern Abend hingewiesen habt. Dennoch fĂ€llt mir auf, dass sich die WN in den vergangenen Wochen bei Veranstaltungen der GLH extrem rar gemacht hat. Ich kenne ja Euren Codex fĂŒr die Wahlkampfzeit, kann mir aber nicht erklĂ€ren, warum nun auch schon seit lĂ€ngerem Veranstaltungen, zu denen ausdrĂŒcklich die WĂ€hlervereinigung GLH einlĂ€dt und die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Landtagwahlen stehen, von der WN konsequent in der Nachberichterstattung ignoriert werden. Seit lĂ€ngerem ward auch niemand von Euch mehr bei einer Mitgliederveranstaltung gesehen, zu denen die RNZ regelmĂ€ĂŸig, gelegentlich auch der Kollege Hirschbergblog, erscheinen und berichten. Die MV ist nicht immer prickelnd, das weiß ich, und wenn es inhaltliche redaktionelle Bedenken gibt, ĂŒber die ein oder andere MV zu berichten, muss ich das akzeptieren. Und auch wenn ich Eure Restriktionen fĂŒr die Wahlberichterstattung hinnehmen muss (obwohl ich diesen Formalismus, ehrlich gesagt, fĂŒr vordemokratisch halte), ist mir nicht klar, warum sĂ€mtliche Veranstaltungen der GLH derzeit keine Berichterstattung mehr wert sind. Traurig insbesondere auch am vergangenen Sonntag beim KulturfrĂŒhstĂŒck. ErzĂ€hl mir bitte nichts von Überlastung und kein Personal – Fasching ist lĂ€ngst vorbei.

Die Veranstaltung von Brinkmeier war ĂŒbrigens ausgesprochen berichtenswert und der Vortrag ausnehmend gut. Schade nicht nur in diesem Fall, dass die WN das nicht mitbekommen hat. Wenn gewĂŒnscht und es dann auch veröffentlicht wird, schreibe ich Euch am WE ein paar Zeilen dazu – aber mal ganz deutlich: Das ist wirklich nicht mein Job, sondern Eurer – dem Ihr in letzter Zeit aus meiner Sicht nur sehr ungenĂŒgend nachkommt.

Mit grĂŒn-listigen GrĂŒĂŸen
Arndt

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Die parteiische Zeitung steuert die Wahrnehmung und manipuliert die freie Meinungsbildung


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. MĂ€rz 2011. (red) Unsere Analyse hat eine absolut CDU-dominierte Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen ergeben. Was heißt das fĂŒr die Landtagswahl?

Von Hardy Prothmann

Die kommende Landtagswahl wird spannend. Quelle: LpB.

Unsere Prognose ist klar: Der CDU-Kandidat Georg Wacker wird den Wahlkreis Weinheim gewinnen.

Einige der GrĂŒnde sind klar: Die regierenden Parteien sind immer im Vorteil gegenĂŒber der Opposition.

Und je dörflich-traditioneller es zugeht, um so sicherer gewinnt die CDU. Orte wie Hirschberg, Ladenburg und Heddesheim passen in das Schema. Sie liegen zwar im SpeckgĂŒrtel der Großstadt, sind aber bislang hĂ€ufig noch dörflich-traditionell bestimmt.

Georg Wacker fĂŒhrt "bevorzugt". Bild: CDU

Trotzdem gibt es einen Umbruch – nicht nur wegen Stuttgart21, sondern vor allem wegen der verĂ€nderten Arbeits- und Lebensbedingungen. Und vor allem wegen der verĂ€nderten Kommunikation – erst durch die Telekommunikation, dann durch das Internet.

Als „stabiler“ Faktor der Kommunikation wird immer noch die Zeitung begriffen. Die ist im sĂŒddeutschen Raum traditionell eher konservativ und „stĂŒtzt“ dementsprechend auch die vermeintlichen WĂŒnsche der Leser.

Uli Sckerl (GrĂŒne) wird am wenigsten berichtet. Foto: hirschbergblog.de



Unsere quantitative Analyse der Berichterstattung ĂŒber die Kandidaten im Mannheimer Morgen hat ein eklatantes MissverhĂ€ltnis von Bedeutung und Berichterstattung ĂŒber die Kandidaten ergeben.

Der Kandidat Georg Wacker (CDU) dominiert mit großem Abstand die Berichte – rein quantitativ gesehen. Aber diese mediale Dominanz verschafft ihm natĂŒrlich enorme Vorteile bei der Wahl.

Interessant ist der Kandidat Gerhard Kleinböck (SPD). Er liegt in unserer Betrachtung zwar hinter Georg Wacker auf Platz zwei – aber unsere Betrachtung ist keine diffizile wissenschaftliche Auswertung.

Bei genauer Betrachtung hat Herr Kleinböck im Rhein-Neckar-Teil des Mannheimer Morgens vor allem im Februar jede Menge „Punkte“ durch die Debatte um eine FußgĂ€ngerzone in Ladenburg geholt.

Dadurch hat er sich von den anderen zwei Kandidaten abgesetzt – es wĂ€re allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass er auch in der „Breite“ eine höhere Wahrnehmung erhalten hĂ€tte. Die Wahrnehmung ist auf die FußgĂ€ngerzonen-Debatte begrenzt.

Ohne diese Aufmerksamkeit wĂ€re Herr Kleinböck wahrscheinlich mindestens um eine „halbe Note“ abgestĂŒrzt – zumindest, was die Berichterstattung im Mannheimer Morgen angeht.

Gerhard Kleinböck - hat in Ladenburg aufgeholt. Bild: SPD

Viel muss nicht gleichzeitig „gut“ heißen – Herr Kleinböck hat sich durch einige seiner Auftritte und Forderungen keinen Gefallen getan, was ausgiebig im Mannheimer Morgen berichtet wurde. In der Rhein-Neckar-Zeitung kommt Herr Kleinböck meist sehr gut weg, schließlich ist der „Ladenburger Korrespondent“ ein aktives SPD-Mitglied.

Umgekehrt hat der Kandidat Hans-Ulrich Sckerl (GrĂŒne) bundesweit fĂŒr Schlagzeilen gesorgt, weil er Mitglied im Untersuchungsausschuss zur AufklĂ€rung des „brutalen“ Polizeieinsatzes Ende September 2010 war. Hunderte von Verletzten aus den Reihen der Stuttgart21-Gegner hatte es gegeben. Und Sckerl war auch bundesweit in der Presse zitiert in Sachen Verdeckter Ermittler in Heidelberg. Ein Polizist hatte Studenten ausgespitzelt.

Doch diese „landespolitischen Themen“ haben in einem Provinzblatt wie dem Mannheimer Morgen kein großes Gewicht – schon gar nicht im Regionalteil.

Stattdessen schiebt sich hier eine im Vergleich vollkommen bedeutungslose HinterbĂ€nklerin, wie man Frau Dr. Birgit Arnold (FDP) bewertet werden kann, noch vor den vielzitierten und beachteten GrĂŒnen-Politiker Sckerl.

Mit einer objektiven Berichterstattung, die sich an Inhalten und Relevanz der Themen orientiert, hat die Berichterstattung im Mannheimer Morgen meist wenig zu tun. Viel eher mit der der BestĂ€tigung der „redaktionellen Linie“, die es aber nicht gibt, weil die Redaktion keine Linie hat.

Beim MM wird von „oben“ durchgereicht, was und wer „ins Blatt“ kommt. Georg Wacker ist der Spitzenkandidat, der „bevorzugt“ berichtet wird.

Die anderen fallen demgegenĂŒber klar ab, auch wenn Herr Kleinböck kurz eine „BĂŒhne“ geboten wurde.

Das System der provinziellen Berichterstattung hat lange funktioniert – jedenfalls solange es kein Internet gegeben hat. Langsam aber sicher verschieben sich die Aufmerksamkeiten.

Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass die apokalyptischen ZustĂ€nde in Japan „vor Ort“ eine kleine Rolle spielen werden – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass gerade die baden-wĂŒrttembergische CDU die Atomenergie ohne Zweifel immer unterstĂŒtzt hat.

Herr Wacker taugt als „Ausstiegskandidat“ ebensowenig wie Frau Dr. Arnold. Entweder hatten sie keine oder eine linientreue Haltung zur Atomenergie.

Im Mannheimer Morgen ist die HinterbÀnklerin Arnold wichtiger als der Innenexperte Sckerl. Foto: hirschbergblog.de

Falls Sie sich Ă€ußern und in der Zeitung mit Aussagen zu einem Ausstieg zitiert werden sollten, darf man das getrost als „dummes GeschwĂ€tz“ abtun, weil sie erstens keine EinflusstrĂ€ger in der Sache sind und zweitens wenig Ahnung haben.

Gerhard Kleinböck hingegen hat eine klare Linie bezogen – auch in unserer Umfrage unter Landtagskandidaten und seinem Beitrag „Was mir sonst wichtig ist…“. FĂŒr ihn war vor Wochen schon der Atomausstieg eine klare PrĂ€ferenz.

Uli Sckerl ist vollkommen unverdĂ€chtig in Sachen Atompolitik einen Schlingerkurs zu fahren. Er fordert den Ausstieg schon lange konsequent und vernĂŒnftig.

Das Problem aus seiner Sicht muss dabei sein, dass er im Gegensatz zu Herrn Wacker nur zu einem Drittel in der Zeitung ĂŒberhaupt stattfindet.

Interessant ist, dass die GrĂŒnen teils konservativer als die „Konservativen“ sind, was die Medien angeht – deren Engagement in „alternativen“ Medien wie Internetauftritten, Foren und Blogs ist weitaus „ĂŒberzeugender“ als das der GrĂŒnen.

Noch bestimmen vielerorts die Zeitungen die „Wahrnehmung“ und manipulieren diese als Monopolisten.

Doch das wird sich Àndern. Im Wettbewerb um Wahrnehmung beschreiten alle ein neues Feld mit dem neuen Medium Internet.

Und wer eine Google-Abfrage zu den Kandidaten macht, stellt fest, dass Georg Wacker auch hier mit ĂŒber 40.000 Treffern weit vorne liegt, vor Herrn Kleinböck mit 27.000 Treffern und vor Frau Dr. Arnold mit 24.000 Treffern. Uli Sckerl landet bei gut 7.000 Treffern.

Obwohl der MM hier nicht direkt manipulieren kann, trÀgt doch die Dominanz der Berichterstattung, die auch im Internet gezÀhlt wird, dazu bei.

Die restliche fehlende Aufmerksamkeit ist selbstverschuldet.

Landtagswahl 2011: Mannheimer Morgen berichtet eindeutig parteiisch – fĂŒr die CDU

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. MĂ€rz 2011. (red) WĂ€hler werden nicht nur durch Wahlplakate beeinflusst, sondern auch durch die Medien. Eine möglichst ausgewogene Berichterstattung ist deshalb wichtig. Denn wer besonders hĂ€ufig in der Berichterstattung erwĂ€hnt wird, ist auch prĂ€senter beim WĂ€hler. Mit der „Ausgewogenheit“ hat der Mannheimer Morgen jedoch ein Problem.

Dr. Birgit Arnold (FPD), Gerhard Kleinböck (SPD), Uli Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen), Georg Wacker (CDU) – so heißen, alphabetisch geordnet, die Spitzenkandidaten der „etablierten Parteien“.

Alle vier treten im Wahlkreis 39 Weinheim zur Landtagswahl 2011 in Baden-WĂŒrttemberg an.

Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die nicht nur durch die Parteifarbe oder -kasse bestimmt werden. Sondern auch durch die Berichterstattung.

Gehen Sie mal in sich und denken nach:

  • Welcher Name ist Ihnen ein Begriff? Arnold, Kleinböck, Sckerl, Wacker?
  • Welchen Namen haben sie oft gehört, gelesen?
  • Welchen Namen eher weniger?
  • Und fĂŒr was steht der jeweilige Kandidat?
  • An welches Bild der Kandidaten erinnern Sie sich?

Unausgewogene Berichterstattung

Halten Sie ruhig „Ihre“ Erinnerungen fest und vergleichen Sie diese mit unserer Auswertung. Sie werden ĂŒberrascht sein, wie genau das Ergebnis sein wird.

Wir haben uns nicht auf die Erinnerung verlassen, sondern die Berichterstattung des Mannheimer Morgens in den vergangenen Wochen genauer angesehen und ausgezĂ€hlt. Die Ergebnisse sind mehr als interessant – denn sie zeigen, wie unausgewogen berichtet wird und wie die „Erinnerung“ beeinflusst wird.

Zur Methode: Wir haben sĂ€mtliche Ausgaben des Mannheimer Morgens „Rhein-Neckar“ seit Januar 2011 bis einschließlich 10. MĂ€rz 2011 nach den oben genannten Spitzenkandidaten durchsucht. Jede ErwĂ€hnung wurde als Treffer gezĂ€hlt.

DarĂŒber hinaus haben wir Unterscheidungen nach GrĂ¶ĂŸe des Berichts, Bild Ja/Nein sowie GrĂ¶ĂŸe des Bildes vorgenommen.

Unsere Ergebnisse nachfolgend im Überblick:

Einteilung nach HÀufigkeit der ErwÀhnung:

Auf Platz 1 dieses „Rankings“ befindet sich der CDU-Spitzenkandidat Georg Wacker mit 38 Artikeln, in denen sein Name genannt wird.

Mit deutlichem Abstand folgt Gerhard Kleinböck (SPD) mit 27 ErwÀhnungen.

Ebenfalls deutlich ist der Abstand auf Dr. Birgit Arnold (FDP) und Uli Sckerl (GrĂŒne) mit je 21 ErwĂ€hnungen.

Einteilung nach GrĂ¶ĂŸe des Artikels:

Hier haben wir drei Einstufungsarten vorgenommen. Sehr kurze Artikel haben wir als „Nachricht“ gewertet, gefolgt von einem „Bericht“ bis hin zu einem „Großen Bericht“. Anhand dieser Einteilungen ergibt sich folgende Rangabstufung:

Nachricht: Georg Wacker (CDU) fand insgesamt 19 namentliche ErwĂ€hnungen in einer „Nachricht“, Uli Sckerl (GrĂŒne) war 15-mal namentlich erwĂ€hnt worden. Dr. Birgit Arnold (FDP) erhielt 9 ErwĂ€hnungen in einer Nachricht. Das Schlusslicht bildet Gerhard Kleinböck (SPD) mit 8 Nennungen in einer Nachricht.

Bericht: Diesen Bereich fĂŒhrt Gerhard Kleinböck (SPD) mit insgesamt 12 ErwĂ€hnungen. Dicht gefolgt wird er von Georg Wacker (CDU), der es hier auf 10 ErwĂ€hnungen bringt. Auf Platz 3 findet sich Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 6 Nennungen wieder. Am Ende der Skala befindet sich hier Uli Sckerl mit 3 ErwĂ€hnungen in einem Bericht.

Großer Bericht: Bei den großen Berichten fĂŒhrt abermals Georg Wacker (CDU) mit 9 ErwĂ€hnungen. Ihm folgt Gerhard Kleinböck (SPD) mit 7 Nennungen. Am Ende der Skala finden sich erneut Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 5 ErwĂ€hnungen sowie Uli Sckerl (GrĂŒne) mit gerade mal 3 ErwĂ€hnungen.

Außerhalb der Einteilung von Nachricht bis Bericht fand Dr. Birgit Arnold (FDP) im Rahmen eines Interviews ErwĂ€hnung und Uli Sckerl (GrĂŒne) wurde einmal im „Zitat des Tages“ genannt.

Einteilung nach Bild Ja/Nein:

Bei dieser Abstufung haben wir ausgewertet, ob im Zuge der NamenserwĂ€hnung auch ein Bild vorhanden war. Entscheidend hierfĂŒr war jedoch nicht, ob es sich dabei um ein PortrĂ€tfoto handelte. Wir haben auch die Setzung eines „Symbolfotos“ gezĂ€hlt, da Bilder in journalistischen Texten einen besonderen Reiz darstellen.

Dieses „Ranking“ wird abermals von Georg Wacker (CDU) gefĂŒhrt, der es auf stattliche 22 Bilder brachte, wenn sein Name in einem Artikel fiel.

Direkt dahinter befindet sich abermals Gerhard Kleinböck (SPD) mit 18 Bildern.

Im „zweitstelligen“ Bereich findet sich immerhin noch Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 12 Bildern.

GegenĂŒber Georg Wacker erreicht Uli Sckerl (GrĂŒne) nur magere 7 Bilder und damit ein Drittel.

Einteilung nach BildgrĂ¶ĂŸe:

Auch die GrĂ¶ĂŸe der Bilder ist ein interessantes Kriterium – je grĂ¶ĂŸer, desto besser „bemerkbar“. Hier unterschieden wir drei Varianten: Klein – Mittel – Groß.

Kleine Bilder erhielten: Georg Wacker (CDU)-  9 Bilder, Uli Sckerl (GrĂŒne) 4 Bilder, Gerhard Kleinböck (SPD) 2 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 2 Bilder.

Mittlere Bilder erhielten: Gerhard Kleinböck (SPD) 8 Bilder, Georg Wacker (CDU) 6 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 3 Bilder, Uli Sckerl (GrĂŒne) 1 Bild.

Große Bilder erhielten: Gerhard Kleinböck (SPD) 8 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 7 Bilder, Georg Wacker (CDU) 7 Bilder, Uli Sckerl (GrĂŒne) 2 Bilder.

Gesamtergebnis:

Anhand der vier möglichen Rangplatzierungen und der acht Kriterien ergibt sich folgendes Bild:

Georg Wacker belegte: 5x den 1. Platz und 3x den 2. Platz

Gerhard Kleinböck belegte: 3x den 1. Platz, 3x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Dr. Birgit Arnold belegte: 1x den 2. Platz, 6x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Uli Sckerl belegte: 2x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 5x den 4. Platz.

Anhand dieser Ergebnisse lassen sich folgende Querschnitte bilden. Je nĂ€her der Wert bei 1 ist, desto prĂ€senter war der entsprechende Kandidat in der Berichterstattung des Mannheimer Morgen im Zeitraum Januar 2011 – 10. MĂ€rz 2011.

Geht es nach der quantitativen Auswertung der Berichterstattung im MM hat der Kandidat Georg Wacker (CDU) einen weiten Vorsprung vor den anderen. Quelle: rheinneckarblog

Der „klare“ Sieger in der Berichterstattung ist mit jeweils deutlichem Abstand Georg Wacker (CDU) – der „klarste“ Verlierer Uli Scklerl (GrĂŒne). Jedenfalls nach den „PrĂ€ferenzen“ des Mannheimer Morgens.

Georg Wacker (CDU): 1,4
Gerhard Kleinböck (SPD): 2
Dr. Birgit Arnold (FDP): 3
Uli Sckerl (GrĂŒne): 3,1

Erinnern Sie sich noch an die Fragen oben?

Entspricht das Ihrer Wahrnehmung?

Werden Sie dementsprechend wÀhlen?

Ganz sicher beeinflusst auch eine solche Analyse die Entscheidung, wer wo sein Kreuz macht.

Wahlentscheidungen basieren auf vielfĂ€ltigen Faktoren, frĂŒher vor allem auf dem „sozialen Stand“, der Bildung, des Vermögens. Heute immer mehr auf Informationen.

Ganz sicher ist damals wie heute die Regel: Nur wer „wahr genommen“ wird, hat auch Chancen.

Nicht nur Argumente entscheiden, sondern auch „GefĂŒhle“. Erfahrungen und Erinnerungen.

Wer ist eher etabliert? Wer kann mit wem? Wer „scheint“ der bessere Kandidat zu sein? Wer ist am ehrlichsten?

Der innere „Abstimmungsprozess“ erfolgt vor dem Kreuz auf dem Wahlzettel.

Leserinnen und Leser, die „grĂŒn“ prĂ€ferieren, mĂŒssen massiv enttĂ€uscht sein und sich fragen, was sie von einer so eindeutig „parteiischen“ Berichterstattung halten sollen. Der vierte Platz fĂŒr den Kandidaten Hans-Ulrich Sckerl ist eindeutig nicht der Platz, den der „Innenexperte“ und die GrĂŒnen im Land und im Kreis einnehmen – die „PrĂ€senz“ in der Berichterstattung tĂ€uscht hier massiv.

Anmerkung der Redaktion:
Die Ergebnisse unserer Auswertung sind nicht reprĂ€sentativ fĂŒr „alle Medien“ zu verstehen, da wir nur die Berichterstattung im Mannheimer Morgen untersucht haben.
Es handelt sich um eine quantitative Erhebung, nicht um eine qualitĂ€tive. Nicht bewertet wurden „negative“ oder „positive“ inhaltliche Text- oder Bildaussagen.

Recherche: Christian MĂŒhlbauer, Paul Maaß

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. MĂ€rz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan erschĂŒttert und enorme Zerstörungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „ErschĂŒtterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. WĂ€hrenddessen ist die Berichterstattung ĂŒber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" hÀlt einen Jungen", trÀgt ihn aus der Zone der chaotischen Störung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerstörung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und bestÀtigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der TrĂ€godie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden spĂ€ter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag spĂ€ter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen erschĂŒttert hat und es sind „vermutlich“ ĂŒber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden spĂ€ter sind es „möglicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die KĂŒstenstadt Minamisanriku sei „völlig zerstört“.

Seit das Beben der StĂ€rke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. MĂ€rz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan erschĂŒttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerstörung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das auslösende große Beben ist vorbei, Nachbeben erschĂŒttern das Land.

Und die fĂŒrchterlichste Katastrophe lĂ€uft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst heißt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es gĂ€be grĂ¶ĂŸere SchĂ€den, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind natĂŒrlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen könnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird bestĂ€tigt, dass Fukushima „möglicherweise außer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bevölkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubwĂŒrdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, spÀter auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert wĂŒrden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit fĂŒr die Menschen in den betroffenen Gebieten.

Überall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ geprĂŒft und dĂŒrfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten MĂŒllwĂŒsten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ dĂŒrfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan erschĂŒtterte, wird zunĂ€chst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare SchÀden ausgelöst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerstörerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine natĂŒrliche Zerstörungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitreißen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist beschĂ€digt. Die KĂŒhlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der möglichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu spĂŒren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ankĂŒndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein könnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - ĂŒberall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg dafĂŒr herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land möglich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gestört wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verlĂ€sst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann mĂŒssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verstĂ€rkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand ĂŒberprĂŒfen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. Über die ZuverlĂ€ssigkeit können wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit fĂŒr Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine GĂŒltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der Hörfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterfĂŒhren.

Voranschreitendes UnglĂŒck fĂŒr Tageszeitungen.

FĂŒr die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes UnglĂŒck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon lĂ€ngst „verglĂŒht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie können nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren SchilddrĂŒse einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

Über Großveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen ĂŒber Monate im voraus berichtet, ĂŒber die Herausforderungen fĂŒr den Verkehr, die Polizei, die RettungskrĂ€fte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, wÀhrend die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand weiß, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich ĂŒberschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-PapieranzĂŒgen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

SpĂ€testens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden erschĂŒtternd sein – fĂŒr Weltbilder, fĂŒr die Wirtschaft, fĂŒr die Politik, fĂŒr den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

Über die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.