Sonntag, 08. Dezember 2019

Interview mit Erhard Renz, dem „SonnenflĂŒsterer“

„Photovoltaik ist die Königin“

Erhard Renz, der "SonnenflĂŒsterer", hĂ€lt einen Vortrag in Weinheim. Foto: Stadt Weinheim.

Weinheim, 27. Januar 2012. (red/pm) Interview mit Erhard Renz, dem „SonnenflĂŒsterer“, zu seinem Vortrag am 31. Januar 2012 in Weinheim .

Von Roland Kern:

„Er gilt als ebenso profunder Kenner wie unterhaltsamer Referent und hat sich in den vergangenen Jahren einen besonderen Namen gemacht: Erhard Renz aus BĂŒrstadt, in unmittelbarer NĂ€he zum Atomkraftwerk Biblis aufgewachsen, gilt als Pionier auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Manche nennen ihn schon seit LĂ€ngerem „den SonnenflĂŒsterer“.

Auf Einladung des Energieteams der Stadt Weinheim und des Runden Tisch Energie spricht Erhard Renz, der mittlerweile selbststÀndiger Energieberater ist, am Dienstag, 31. Januar um 18.30 Uhr auch in Weinheim. Die kostenfreie Info-Veranstaltung findet im Alten Rathaus am Marktplatz statt.

Im Vorfeld fĂŒhrten wir ein Interview mit dem „SonnenflĂŒsterer“.

Herr Renz, man nennt Sie auch den „SonnenflĂŒsterer“. Könnten Sie Ihrer Sonne nicht mal ausrichten, sie habe schon lange nicht mehr geschienen?

Erhard Renz: Entgegen der landlÀufigen Meinung ist die Sonne immer da, sie ist zuverlÀssiger als jedes anderes Kraftwerk. In der Nacht wenden wir uns von der Sonne ab, im Winter entfernen wir uns und an manchen Tagen schieben sich Wolken zwischen Sonne und Erde. Die Sonne aber steht immer am selben Platz!

Aber im Ernst, so ein Wetter wie im Moment ist ja nicht gerade eine Werbung fĂŒr die effiziente Nutzung von Photovoltaik-Anlagen, oder?

Erhard Renz: Ich selbst betreibe eine Photovoltaikanlage seit mehr als elf Jahren und 2011 war das zweitbeste Sonnenjahr. Im Dezember und Januar ernten wir sowieso nur je zwei Prozent des Jahresertrages. Diese Monate sind fĂŒr die RentabilitĂ€t einer Photovoltaikanlage nicht entscheidend.

Die Bundesregierung senkt ja wieder einmal die EinspeisungsvergĂŒtung fĂŒr Strom, der aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik gewonnen wird. Verstehen Sie das?

Erhard Renz: Die Senkungen waren immer das Ziel der Branche. Wir wollen und wir werden wettbewerbsfĂ€hig werden, aber die stĂ€ndige Diskussion ĂŒber weitere Absenkungen schaden der Politik und der Branche. Ich erwarte von einem Politiker langfristige Entscheidungen und keine Windhund-MentalitĂ€t.

Ist die Energiewende Ihrer Beobachtung nach bei den Menschen angekommen?

Erhard Renz: Wir haben in Deutschland mehr als 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen und mehr als 20 000 WindrĂ€der. Die Zustimmung zu Erneuerbaren Energien in Umfragen liegt regelmĂ€ĂŸig im Bereich von 80 bis 90 Prozent. Die Deutschen haben erkannt, dass wir keine Rohstoffe haben, sondern nur die Kraft der Sonne.

Herr Renz, man liest viel ĂŒber Energiewende und Photovoltaik, was können die Menschen bei ihrem Vortrag in Weinheim am 31. Januar erfahren, was ihnen dennoch neu sein dĂŒrfte?

Erhard Renz: In meinen VortrĂ€gen versuche ich, das komplexe Thema locker rĂŒber zu bringen, deshalb behaupte ich meine VortrĂ€ge haben einen gewissen Unterhaltungswert. Am Wochenende bin ich beim 19. Jahrestreffen der Bayrischen Solarinitiativen und werde die Neuigkeiten von den bayrischen SolarkollegInnen direkt nach Weinheim bringen. Vielleicht kann ich auch schon eines meiner „neuen Solarprojekte“ schon vorstellen. Dies entscheidet sich bei den Bayern.

In Weinheim mit seiner denkmalgeschĂŒtzten Altstadt gibt es ein Spannungsfeld zwischen PV-Nutzung und Denkmalschutz. Was sollte Ihrer Ansicht nach Vorrang haben und warum?

Erhard Renz: Deutschlandweit stehen etwa zwei Prozent der GebĂ€ude unter Denkmalschutz. Diese GebĂ€ude sind also fĂŒr eine Energiewende nicht entscheidend. Im Einzelfall sollten sich aber die EigentĂŒmer und die Denkmalschutzbehörde an einen Tisch setzen und die Interessen beider Seiten abwĂ€gen.

PV-Nutzung ist doch eher etwas fĂŒr HauseigentĂŒmer. Was kann der „kleine“ Mieter tun, um seinen Beitrag zu leisten? Welche Möglichkeiten hat er?

Erhard Renz: Wer kein eigenes Dach fĂŒr eine Photovoltaikanlage besitzt kann sich zumindest finanziell an Gesellschaften beteiligen. Bei geringen BetrĂ€gen (teilweise ab 100 Euro) empfehle ich eine Genossenschaft. Die Genossenschaft bĂŒndelt Geld und investiert in grĂ¶ĂŸere Photovoltaikanlagen auf öffentlichen (z.B. Schulen, Sporthallen) DĂ€chern. Dort hat jeder eine Stimme egal wie viel Geld er investiert hat. Dies ist die demokratischste Beteiligungsmöglichkeit.

In Weinheim denkt man im Moment ĂŒber die GrĂŒndung einer Energiegenossenschaft nach? Eine gute Idee? Und was raten Sie?

Erhard Renz: Die Genossen mĂŒssen sich im Klaren sein, dass viel ehrenamtliches Engagement zu Beginn erforderlich ist. Benötigt werden Menschen mit unterschiedlichen Talenten. Da ich bereits bei drei GrĂŒndungen engagiert war, empfehle ich Spezialisten fĂŒr die Technik, die Buchhaltung, die Öffentlichkeitsarbeit und einen Rechtsanwalt. Ausserdem gibt es Schulungen fĂŒr die GrĂŒndungsmitglieder einer Genossenschaft die ich jedem Neuling empfehlen wĂŒrde.

Ist die Photovoltaik unter den „Erneuerbaren“ die beste Variante?

Erhard Renz: Die Photovoltaik ist die Königin unter den Erneuerbaren Energien, aber wie jede andere Königin benötigt auch die Photovoltaik UnterstĂŒtzung durch einen Hofstaat. Bei den Erneuerbaren Energien sind dies die Windenergie, die Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.

In Weinheim ist Geothermie ein großes Thema, wie sind Ihre Erfahrungen und Prognosen hierzu?

Erhard Renz: Die Geothermie ist technisch noch in den Kinderschuhen. FĂŒr BĂŒrgerliches Engagement birgt diese Technik bei der jetzigen Förderung ein zu hohes Risiko. Deshalb habe ich bisher die Finger von dieser Technik gelassen. Sollten demnĂ€chst weitere Pilotprojekte gestartet werden, wĂŒnsche ich mir eine sorgfĂ€ltigere Planung und Umsetzung als bei den bisherigen Vorzeigeprojekten.“

Info: Vortrag „Sicher in die Zukunft mit Sonnenstrom“ mit Erhard Renz am Dienstag, 31. Januar 2012, 18.30 Uhr im Alten Rathaus am Marktplatz. Eine Veranstaltung der Stadt Weinheim und des Runden Tisch Energie.

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim

„Stuttgart 21 bremst die S-Bahn in der Region aus“

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Stuttgart, 15. November 2011. In Stuttgart und anderswo streitet man sich auf allen möglichen Ebenen, Sinn und Unsinn, Kosten und Nutzen werden gegeneinander aufgewogen. Und natĂŒrlich ist der Großraum Stuttgart am meisten betroffen. Doch Stuttgart 21 hat schon jetzt konkrete negative Wirkungen in unsere Region. Und wenn Stuttgart 21 kommt, werden die Nachteile fĂŒr uns vor Ort noch grĂ¶ĂŸer, sagt Michael Löwe, Experte des Fahrgastverbands Pro Bahn, im Interview. Am 27. November sind die BĂŒrger zur Volksabstimmung aufgerufen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Löwe, hat Stuttgart 21 direkte Auswirkungen auf die Region Nordbaden?

Michael Löwe: Ganz sicher. Um das zu erklÀren, muss ich ein wenig ausholen.

Tun Sie das.

Löwe: Es gibt verschiedene Finanzierungstöpfe fĂŒr Eisenbahnprojekte. Einer davon sind die sog. BSchwAG-Mittel (Mittel gemĂ€ĂŸ dem Bundesschienenwegeausbaugesetz, die zur Finanzierung der Projekte des Bundesverkehrswegeplans – BVWP – dienen). Wie alle Mittel können diese natĂŒrlich nur einmal ausgegeben werden. Es gibt etwa 80 BVWP-Schienen-Projekte mit einem Gesamtvolumen von etwa 46 Milliarden Euro. Rund 1,5 Milliarden Euro werden jĂ€hrlich aus diesem BSchwAG-Topf ausgegeben. Die 5-600 Millionen Euro, die fĂŒr Stuttgart 21 eingesetzt wĂŒrden, fehlen dann natĂŒrlich bei anderen Projekten, beispielsweise der geplanten Neubaustrecke (NBS) zwischen Frankfurt und Mannheim.

„Die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim kommt nicht vor 2025.“

Das heißt konkret?

Bahn-Experte Michael Löwe - Privatfoto von einer Norwegenreise 2011: "Wir waren nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, das war toll."

Löwe: Es gibt einige Projekte, die aktuell im Gang sind, die bekommen das Geld zuerst, damit diese fertig gestellt werden können, beispielsweise NĂŒrnberg-Erfurt bis 2017. Hier fließen also große Summen ab, die fĂŒr andere Projekte nicht mehr zur VerfĂŒgung stehen. Dann werden PrioritĂ€tslisten neu erstellt und aktuell ist die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim aus der PrioritĂ€tsliste 1 in die zweite oder dritte Reihe gerutscht.

Aber die ersten Planungen laufen doch schon seit 1998?

Löwe: Richtig. Aber der Bundesverkehrsminister lĂ€sst aktuell das Projekt neu ausschreiben, dann mĂŒssen PlĂ€ne und Gutachten gemacht werden und das wird dauern.

Wann könnte diese fĂŒr unsere Region wichtige Linie fertig sein?

Löwe: Im optimalen Fall bis 2023, eher aber 2025 und das nur, wenn alles wie am SchnĂŒrchen klappt. BerĂŒcksichtigen muss man dabei, dass dies ein relativ einfaches Projekt wĂ€re, weil es nicht viele Tunnels braucht und das GelĂ€nde in der Ebene verlĂ€uft.

Hat Stuttgart 21 Einfluss darauf?

Löwe: Sicher, wenn Stuttgart 21 kommt, fehlen ĂŒber mehrere Jahre mehrere hundert Millionen Euro. Die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim wĂŒrde nach SchĂ€tzungen der Bahn gut zwei Milliarden Euro kosten, also viel mehr als in einem Jahresbudget fĂŒr alle Bahnprojekte in Deutschland vorhanden ist. Und jeder woanders ausgegebene Euro fehlt hier, z.B. ĂŒbrigens auch fĂŒr die S-Bahn.

„Das Argument des Zeitgewinns  durch S21 ist regional gesehen Quatsch.“

Wieso die S-Bahn?

Löwe: Weil auch hier das Geld fehlt, beispielsweise fĂŒr den Ausbau der Strecke Mannheim-Heidelberg, die zu 40 Prozent aus dem BSchwAG-Topf bezuschusst werden muss. Dieser Abschnitt wird fĂŒr alle S-Bahn-Linien benötigt und muss drei-, bzw. viergleisig ausgebaut werden. Nur dann können z.B. die S-Bahn-Linien von Eppingen und Aglasterhausen wie geplant bis Worms, bzw. Mainz durchgebunden werden. Heute muss man in Heidelberg umsteigen und verliert Zeit. Das gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr die Debatte um Stuttgart 21 und die Zeitvorteile.

Was meinen Sie?

Löwe: Das Argument der S21-BefĂŒrworter, der Bahnhofsumbau wĂŒrde Zeitvorteile bringen, ist Quatsch. Diese könnte man jetzt schon haben. Man hat sie aber nicht, weil man in dem vorwiegend als Regionalbahnhof genutzten Hauptbahnhof kaum Regional-ZĂŒge „durchfahren“ lĂ€sst. Man muss umsteigen, hier wird die Zeit verloren. WĂŒrden die ZĂŒge ein- und weiterfahren, wĂ€re ein Ă€hnlicher Zeitvorteil zu gewinnen. Der einzig echte Zeitvorteil entsteht durch die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, doch ĂŒberwiegend fĂŒr Durchreisende in Richtung MĂŒnchen. Der Umbau des Bahnhofs ist nicht entscheidend.

„Ich befĂŒrchte durch S21 eine deutliche Verzögerung fĂŒr die S-Bahn Rhein-Neckar.

Nochmal zurĂŒck zur zweiten Ausbaustufe der S-Bahn. BefĂŒrchten Sie, dass die nicht kommt?

Löwe: Sie kommt, aber sicher nicht so, wie das viele behaupten. Die Bahnen fahren, aber die Frage ist, ob man durchfahren kann oder umsteigen muss. Das ist zeitrelevant. Der „Knoten Mannheim“, das HerzstĂŒck der S-Bahn rutscht auch durch S21 nach hinten bei den PrioritĂ€ten.

In einer aktuellen Umfrage haben wir die BĂŒrgermeister im Wahlkreis 39 Mannheim befragt, ob S21 Vor- oder Nachteile bringt. Alle sagten, „keine Meinung, haben wir uns noch nicht mit befasst.“

Löwe: Das hĂ€ngt wohl von der Perspektive ab. Sicher gibt es auf kommunaler Ebene keine direkten Verbindungen – aber im Gesamtzusammenhang schon. Und wenn Gelder fĂŒr den Knoten Mannheim fehlen, ist die LeistungsfĂ€higkeit der S-Bahn enorm eingeschrĂ€nkt. Sie fĂ€hrt, aber eben weit unter ihren Möglichkeiten. Wer das erkennen will, tut das, wer nicht, schaut weg.

Was kostet dieser Ausbau?

Löwe: Rund 213 Millionen Euro. 40 Prozent muss die DB Netz tragen, 60 Prozent werden ĂŒbers Gemeindeverkehrswegefinanzierungsgesetz geregelt. Somit tragen dann Bund und Land 80 Prozent, Kreise und Kommunen 20 Prozent.

„Vielleicht ist man hier froh ĂŒber die Verzögerung.“

Wie hoch ist der Anteil auf kommunaler Ebene konkret?

Löwe: Gut 42 Millionen Euro fĂŒr Kreise und Kommunen – wenn die Finanzierung klappt. Wohlgemerkt nur fĂŒr den Abschnitt Mannheim – Heidelberg, wobei nach einem komplizierten SchlĂŒssel nicht nur die direkten Anlieger zahlen sollen, sondern auch die weiter entfernten, da die dort verkehrenden S-Bahn-Linien ja auch vom Ausbau Mannheim-Heidelberg profitieren.

Könnte das der Grund sein, aus dem die Kommunen gar nicht so traurig sind, wenn der Ausbau hier vor Ort nicht kommt, weil sie das Geld nicht haben?

Löwe: Das haben Sie jetzt vermutet. Man sollte dazu die EntscheidungstrĂ€ger fragen. Ich vermute eher, dass man die S-Bahn schon will, aber ĂŒber eine zeitliche Streckung ganz froh ist. Dass ein Ausbau stattfindet, wie jetzt der neue Haltepunkt „Arena-Maimarkt“ im Dezember 2011 ist unbestritten – aber er wird zusehends langsamer und ich befĂŒrchte durch Stuttgart 21 eine weitere, deutliche Verzögerung.

Wie ist die Haltung von Pro Bahn zu Stuttgart 21 und wie werden Sie abstimmen?

Löwe: Die Verbandshaltung ist klar gegen Stuttgart 21 und ich stimme auch fĂŒr den Ausstieg. Gerade fĂŒr unsere Region gibt es wichtigere Projekte und der Bahnhofsumbau bringt den Reisenden in der Großregion Stuttgart keine erkennbar wesentlichen Vorteile.

Zur Person:
Michael Löwe (57 Jahre) wohnt seit 16 Jahren in Weinheim, ist Diplom-Mathematiker und war von 1997-2007 Vorsitzender des Regionalverbands Pro Bahn Rhein-Neckar, einer Untergliederung von Pro Bahn Baden-WĂŒrttemberg e.V..
Der gemeinnĂŒtzige Fahrgastverband hat bundesweit rund 5.000 Mitglieder und findet durch seine konstruktive Zusammenarbeit und durchdachten VorschlĂ€ge zur Entwicklung der Bahn hohe Anerkennung.
Als Verband, der sich fĂŒr die Verbesserung der Zugverkehre einsetzt, ist er politisch unverdĂ€chtig, eine Parteilinie zu verfolgen.

Viernheimer BĂŒrgermeister Baaß verlangt Abschaltung von Biblis Block A


Guten Tag!

Viernheim/Rhein-Neckar/Wiesbaden, 15. MĂ€rz 2011. (pm) Kurzfristig hat sich heute BĂŒrgermeister Matthias Baaß an die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich gewandt. Der BĂŒrgermeister verlangt vom Land Hessen das kurzfristige Abschalten zumindest des Block A des Atomkraftwerkes Biblis.

Information der Stadt Viernheim:

„Baaß schreibt: „Wider Erwarten ist der Block A des Atomkraftwerkes Biblis, Luftlinie ca. 20 km von Viernheim entfernt, nicht vom gestrigen Beschluss der Bundesregierung betroffen. Der Block A soll – nach Aussagen der hessischen Landesregierung- auch jetzt weiterlaufen.

„Völlig unbegreifliche Haltung der Landesregierung.“

BĂŒrgermeister Baaß fordert Abschaltung von Biblis Block A: "Sicherheitsfragen mĂŒssen absoltue PrioritĂ€t haben" Foto: Stadt Viernheim

In Angesicht der Geschehnisse in Japan ist fĂŒr mich diese Haltung der Landesregierung völlig unbegreiflich. Es ist fĂŒr mich das Gebot der Stunde zumindest diesen Kraftwerksteil sofort abzuschalten. Wieso ist zu dieser Entscheidung weder die hessische Landesregierung noch der Betreiber, von dem man dies auch erwarten dĂŒrfte, in der Lage?“

Der Block A des Bibliser Atomkraftwerkes ist 1974 ans Netz gegangen und ist damit der Ă€lteste kommerziell genutzte Reaktor in Deutschland. Als unsicher gelten unter anderem die BetonhĂŒllen der Reaktoren: Sie sind zu dĂŒnn, um gegen FlugzeugabstĂŒrze zu schĂŒtzen. Außerdem fehlen externe Notstandswarten, die im Notfall eine Steuerung von außen ermöglichen.

Hieß es gestern zunĂ€chst, dass auch Biblis A vom Beschluss der Bundesregierung betroffen sei, sei dies nun doch nicht der Fall. Die Übertragung von Restproduktionszeiten anderer Meiler, die nicht mehr laufen, auf das Bibliser Kraftwerk sorgt fĂŒr eine Reststrommenge, die dort noch bis Juni diesen Jahres erzeugt werden darf.

Die bisher von CDU und FDP beschlossene LaufzeitverlĂ€ngerung ermöglicht dann, wenn sich nichts Ă€ndert, ein noch lĂ€ngeres Laufen dieses Kraftwerksteils. Nach dem Ausstiegsbeschluss der vorherigen rot-grĂŒnen Bundesregierung hĂ€tten die beiden Blöcke 2011 beziehungsweise 2012 abgeschaltet werden mĂŒssen. Die jetzige Bundesregierung hatte ein Weiterlaufen bis 2020 ermöglicht.

„Sicherheitsfragen mĂŒssen absolute PrioritĂ€t haben.“

Viernheims BĂŒrgermeister appelliert im Interesse der Viernheimer Bevölkerung an Umweltministerin Puttrich sich ein Beispiel an Bundesumweltminister Röttgen zu nehmen, der mit Recht davon spreche, dass nun nichts mehr bleiben darf, wie es war. Baaß: „Das sollte sich auch die hessische Landesregierung zum Maßstab nehmen.“

Es dĂŒrfe doch nicht wahr sein, dass in Angesicht der schlimmsten Geschehnisse die Landesregierung hier nicht von sich aus die Reißleine ziehe. Jetzt mĂŒssten Sicherheitsfragen alleroberste PrioritĂ€t haben und nicht wirtschaftliche ErwĂ€gungen von Betreibern.