Montag, 20. November 2017

21. bis 27. Oktober 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine f├╝r den 21. bis 27. Oktober 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps f├╝r die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktm├Âglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

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„Vor wem soll man sich f├╝rchten? Vor den Umweltheinis oder Monsanto & Co?“ Alexander Spangenberg im Interview ├╝ber leckere Produkte und notwendige Handlungen


6. B├╝rgenland Regionalmarkt - sehr gut besucht dank sch├Ânem Wetter, aber auch gro├čem Interesse der Besucher.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 26. September 2011. (red) Alexander Spangenberg ist eine Art Aktivist. Er k├Ąmpft mit anderen zusammen f├╝r eine gentechnikfreie Region. Er ist Vorsitzender des BUND Ladenburg und einer der Mitbegr├╝nder von „B├╝rger f├╝r eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der Kurpfalz“, kurz „B├╝rGenLand“.

Er ist aber auch Unternehmensberater und Stadtrat in Ladenburg. Aktuell haben wieder rund 20 Aussteller beim 6. Regionalmarkt „B├╝rgenland“ Produkte aus der Region angeboten – nicht alles ist „Bio“, aber vielleicht auf dem Weg dahin. W├Ąhrenddessen arbeiten finanzkr├Ąftige Industrien mit weitreichendem Einfluss am Gegenteil davon, wie ein ARTE-Dokumentationsfilm zeigt.

Interview: Hardy Prothmann

Der 6. B├╝rgenland Regionalmarkt hatte im Vergleich zum vergangenen Jahr Gl├╝ck mit dem Wetter. Wie lief es sonst aus Ihrer Sicht, Herr Spangenberg?

Alexander Spangenberg: Wir haben viel Zuspruch bei der Bev├Âlkerung und viel Lob erhalten. Vor allem haben wir die Kosten reinholen k├Ânnen, was auch sehr positiv ist.

Die Aussteller kommen aus der Region – ist die Nachfrage gro├č?

Spangenberg: Anfangs war es sehr m├╝hsam, vor allem hier vor Ort bei den landwirtschaftlichen Betrieben aus Ladenburg. Das sind konventionell wirtschaftende Betriebe, die wohl Sorge hatten, dass die „Umweltheinis“ wieder ├ärger machen. Mittlerweile hat sich diese Skepsis in eine gute Kooperation verwandelt. Aktuell haben wir 20 Aussteller und weiten gerne aus, sofern qualit├Ątsvolle Produkte angeboten werden. B├╝rgenland ist nicht einfach nur lecker – sondern notwendig.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) wurde von Ihnen zur Landwirtschaftspolitik der neuen Regierung befragt. Sie fragten zur gentechnikfreien Zone, zur Landschaftspflege und zur F├Ârderung von neuen Biobetrieben sowie zu Biogasanlagen. Was denken Sie ├╝ber die Antworten?

Alexander Spangenberg am Mikro: Informieren ist alles.

Spangenberg: Herr Sckerl versicherte, dass die Regierung alles tun wird, um gentechnikfreie Zonen zu realisieren, was uns nat├╝rlich zusagt. Was fehlt, sind verbindliche Kreistagsbeschl├╝sse und konkrete F├Ârderungen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Was die Landschaftspflege angeht, hat Uli Sckerl eine Umschichtung der entsprechenden Budgets zugesichert – im Rahmen der M├Âglichkeiten.

Die Entwicklung bei „Biogas“ gef├Ąllt uns ├╝berhaupt nicht.

Das Thema Biogas treibt uns sehr um. Einerseits ist Biogas eine nachhaltige Form der Energieerzeugung, andererseits gef├Ąllt uns die Entwicklung ├╝berhaupt nicht. Es kann nicht sein, dass Felder nur noch f├╝r den Maisanbau genutzt werden, der dann in die Anlagen geht. Diese „Vermaisung“ der Landschaft f├╝hrt zu einer Bedrohung der Artenvielfalt und zu Monokulturen, was wir definitiv ablehnen. Auch hier will Sckerl gegensteuern: Da bin ich aber sehr skeptisch. Hier ist Aufkl├Ąrung ├Ąu├čert wichtig und auf Bundesebene eine Ver├Ąnderung der „Einspeiseverg├╝tung“ f├╝r den erzeugten Strom.

Sie sind in engem Kontakt mit den Besuchern, die man durchaus als sehr interessiertes Publikum bezeichnen kann. Was h├Ârt man denn von denen?

Spangenberg: Vor allem sehr viele Gl├╝ckw├╝nsche zu den von uns bis hier erreichten Ergebnissen, wie dem Anbaustopp von MON810, dem genver├Ąnderten Mais des Monopolisten Monsanto vor unserer Haust├╝r. Die haben wir aus der Region vertreiben k├Ânnen.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in Ruhe zur├╝cklehnen k├Ânnen. Allein bei der europ├Ąischen Kommission in Br├╝ssel sind ├╝ber zwanzig GVO-Konstrukte (Gentechnisch ver├Ąnderter Organismus) in der Zulassung. Darunter wiederum MON810.

Was k├Ânnen BUND und B├╝rgenland dagegen tun?

B├╝rgenland wird von Umweltaktivisten getragen: Hier im Bild Alexander Spangenberg und Anke Antary, Mitglied der Gr├╝nen in Heddesheim.

Spangenberg: Informationen sammeln und weitergeben. Druck auf Abgeordente aus├╝ben und nicht locker lassen. Das sind bescheidene Mittel, die aber enorme Auswirkungen haben k├Ânnen. In Bayern musste beispielsweise ein Imker seine komplette Honig-Ernte vernichten, weil sie mit Pollen von MON810-Mais verunreinigt waren.

Der Imker hat sich erfolglos durch alle Instanzen in Deutschland geklagt, erst vor dem Europ├Ąischen Gerichtshof hat er Recht und damit Anspruch auf Schadensersatz f├╝r die verseuchte und dann vernichtete Ernte bekommen . Es braucht leider viele von diesen tapferen Vork├Ąmpfern, um gegen die Gentechnik-Lobby aus Landwirtschaft und Politik etwas ausrichten zu k├Ânnen.

├ťber 80 Prozent der europ├Ąische Bev├Âlkerung lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Das ist eine starke Basis – leider steht dagegen der weltweit vernetzte Lobbyismus.

Nach dem Regionalmarkt ist vor dem Regionalmarkt. Was macht B├╝rgenland sonst?

Spangenberg: Wir informieren kontinuierlich die Kommunen und werben f├╝r unsere Ideen. Um die Jugend zu erreichen gehen wir zu den Oberstufensch├╝lern der Gymnasien der Region. Denn der Lobbyismus der gro├čen Konzerne dringt bereits bis in die Schulen vor.

So schickt die BASF zum Beispiel einen Bus in die Schulen, genannt Gen-Lab, hier wird f├╝r Gen-Technik geworben und die Gefahren werden selbstverst├Ąndlich klein geredet. Am Beispiel des Amflora-Skandals wird das deutlich. Die als Industriekartoffeln ver├Ąnderte Pflanze wurde zun├Ąchst nur als St├Ąrke-Pflanze zugelassen. Eine Verunreinigung l├Ąsst sich aber nicht verhindern.

Die genver├Ąnderte Kartoffel „Amflora“ w├Ąchst auch da, wo sie nicht hingeh├Ârt.

So w├Ąchst die Amflora-Kartoffel auch da, wo sie nicht hingeh├Ârt. Aus diesen Gr├╝nden hatte die BASF eine zweite Zulassung als Nahrungsmittel nachgeschoben. Geradezu mantraartig wird der Begriff der „Koexistenz“ dahergebetet, also die Behauptung, gentechnisch ver├Ąnderte und konventionelle Pflanzen k├Ânnten problemlos bei ausreichendem Abstand angebaut werden.

Tats├Ąchlich ist die BASF noch nicht mal in der Lage, in ihrem Kartoffelkeller Ordnung zu halten – dort wurden zwei GVO-Kartoffeln einfach mal verwechselt. Die Gefahr des Dilletantismus kommt zu den unabw├Ągbaren Risiken hinzu.

Gem├╝se aus der Region: Gem├╝sebauerin Christiane Ernst bedient Kunden.

Was hat B├╝rgenland in Zukunft vor?

Spangenberg: Ein hei├čes Thema ist das ebenfalls von Monsanto entwickelte Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Das ist das derzeit weltweit meist verkaufte Herbizid – viele von Monsanto entwickelte Genpflanzen sind resistent gegen dieses Gift. So schlie├čt sich f├╝r Monsanto die Verwertungskette – man verkauft eine GVO-Pflanze plus das passende Herbizid.

Inzwischen h├Ąufen sich aber alarmiernde Meldungen, dass das Gift in Tieren und Menschen nachgewiesen werden kann und schwere Gesundheitssch├Ąden sind nicht ausgeschlossen. Dar├╝ber wollen wir verst├Ąrkt aufkl├Ąren.

B├╝rgenland dient allen.

Wer kann Mitglied bei B├╝rgenland werden?

Spangenberg: Alle B├╝rgerinnen und B├╝rger, alle Kommunen, alle Organisationen – unser Anliegen dient schlie├člich allen. Wir sind als Verein in der Gr├╝ndung – bislang reicht eine formlose Erkl├Ąrung zur Teilnahme und Unterst├╝tzung. Mitgliedsbeitr├Ąge gibt es noch nicht. Wir freuen uns also ├╝ber Zuschriften.

Dokumentation:
„B├╝rGenLand“ ist bislang eine Arbeitsgemeinschaft, die sich f├╝r eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. Informationen finden Sie hier: B├╝rgenland. Mitglieder kommen aus der gesamten Region.

Information von Greenpeace ├╝ber Monsanto und Gentechnik.

Arte-Film ├╝ber Monsanto: Mit Gift und Genen