Sonntag, 08. Dezember 2019

Die höheren MĂŒtterrenten werden erst im Laufe des Jahres ausbezahlt

Ältere MĂŒtter mĂŒssen sich noch gedulden

Weinheim, 26. Juli 2014. (red/pm) Die Verbesserungen bei der MĂŒtterrente greifen zum 01. Juli. Doch auf den Rentenanpassungsmitteilungen, die jetzt verschickt worden sind, ist dies noch nicht berĂŒcksichtigt. [Weiterlesen…]

BildungsbĂŒro bietet weiterhin Landesprogramm an

Starke Eltern – Starke Kinder

Weinheim, 19. Juli 2014. (red/pm) Das Weinheimer BildungsbĂŒro kann die Kursangebote des Landesprogramms „StĂ€rke“ weiter anbieten. [Weiterlesen…]

GUB beim Bundeskongress des Bundesfamilienministeriums

„Anschwung fĂŒr frĂŒhe Chancen“

Weinheim, 07. MĂ€rz 2013. (red/pm) Die Weinheimer Gesellschaft fĂŒr Umweltbildung Baden-WĂŒrttemberg e.V. war beim Bundeskongress des Bundesfamilienministeriums in Berlin vertreten, um die Bedingungen zu schaffen, die ein Kind braucht, um seine Potenziale so frĂŒh wie möglich entfalten zu können.

Information der Gesellschaft fĂŒr Umweltbildung Baden-WĂŒrttemberg e.V.:

„Jedes Kind steckt voller Interessen und FĂ€higkeiten. Doch welche Bedingungen braucht es, um diese Potenziale zu entfalten? [Weiterlesen…]

Was Jugendschöffen auszeichnet und erwartet

Mit Menschenkenntnis zum Richter werden

Justitia (Maarten van Heemskerck, 1556). Quelle: Wikipedia


Rhein-Neckar, 15. Januar 2013. (red/pm) Deutschland ist derzeit auf der Suche nach Jugendschöffen, die fĂŒr eine fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit ab 2014 die rechte Hand des Richters sind. Im ersten Halbjahr 2013 werden neue Jugendschöffen gewĂ€hlt – bewerben kann man sich bereits jetzt bei den Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises.

Von Alina Eisenhardt

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil…

Dieser Satz ertönt in deutschen Gerichtshöfen, wenn ein Angeklagter sein Urteil erhÀlt. Das Urteil wird nicht allein vom Richter gefÀllt. An seiner Seite stehen Schöffen, die ihm im Namen der Gerechtigkeit helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Schöffen sind laut Duden ehrenamtlich eingesetzte Laien, die zusammen mit dem Richter die Tat des Angeklagten beurteilen und das Maß der Strafe festlegen. “Diese Laienrichter gibt es schon seit Jahrhunderten.”, sagt Robert Gunderlach, Vorsitzender der Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen des Landesverbandes Baden-WĂŒrttemberg e.V. Er selbst war im Landesgericht Stuttgart von 2000 – 2008 Schöffe.

Jugendschöffen sind spezialisierte Schöffen an einem Jugendgericht. Doch warum braucht man Jugendschöffen, wenn es bereits einen Berufsrichter gibt? Die Aufgabe eines Jugendschöffen ist es, anhand seiner Lebenserfahrung rechtliche ZusammenhĂ€nge erkennen und bewerten zu können. Ein Richter hat zwei Schöffen, die gleichberechtigte Stimmen haben. Das Richterteam (1 Berufsrichter, 2 Schöffen) zieht sich am Schluss der Hauptverhandlung zur Beratung zurĂŒck. Um ein Urteil auszusprechen ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

TÜV-Siegel in PĂ€dagogik

Neben den allgemeinen Voraussetzungen wie Selbstbewusstsein und Unparteilichkeit muss ein Schöffe einen Menschen in seinem sozialen Umfeld beurteilen können. Ein hohes Maß an sozialer Kompetenz ist erforderlich. Um die erforderliche Lebenserfahrung und Menschenkenntnis aufbringen zu können, muss ein Schöffe zwischen 25 und 69 Jahre alt sein, wenn er sich fĂŒr das Ehrenamt bewirbt.

Jugendschöffen sollten darĂŒber hinaus Erfahrung in der PĂ€dagogik aufweisen.

Dabei reicht es nicht, Kinder zu haben. Sie sollten in der Jugenderziehung ĂŒber eine professionell Erfahrung verfĂŒgen, wie zum Beispiel Sozialarbeiter und Lehrer sie besitzen. Man braucht sozusagen ein TÜV-Siegel in PĂ€dagogik,

sagt Robert Gunderlach.

“Man muss definitiv in sich gefestigt sein…”

Wer Interesse hat als Jugendschöffe zu arbeiten, der schickt seine Bewerbung an das zustĂ€ndige BĂŒrgermeisteramt. Diese leiten die Bewerbung dann an das Jugendamt weiter. Der Jugendhilfeausschuss des Rhein-Neckar-Kreises schlĂ€gt dabei beim Amtsgericht mindestens doppelt so viele Kandidaten vor, wie an Schöffen benötigt werden.

Probleme mit der Zahl der Bewerber gibt es dabei selten. “Die Zahl der Bewerber ist konstant. Viele Jugendschöffen bewerben sich auch fĂŒr eine zweite Periode. Erst dann mĂŒssen sie fĂŒr eine Periode aussetzen.”, erklĂ€rt Robert Gunderlach.

Das Ehrenamt kann sehr belastend sein:

Es kommt zwar auch auf den Fall und die Persönlichkeit an, aber man muss definitiv in sich gefestigt sein,

so Herr Gunderlach. Immerhin mĂŒsse man auch in schwierigen FĂ€llen, wie einer Vergewaltigung ohne Zeugen, beurteilen können, ob der Vorfall tatsĂ€chlich so geschehen ist. Ihn selbst hĂ€tten viele Wirtschaftsstrafsachen, die tief in das Leben der Menschen blicken ließen, sehr bewegt.

Mit Menschenkenntnis zum Urteil

Als Schöffe bekommt man in der Regel 12 Gerichtstermine pro Jahr zugeteilt. In fĂŒnf Jahren sind das 60 Termine. Diese können nur einige Stunden dauern, aber auch Wochen oder gar Monate.

Wenn man eine Gerichtsverhandlung hat, weiß man erst nicht, worum es geht. Erst vor der Verhandlung klĂ€rt der Richter den Jugendschöffen in einer Kurzform ĂŒber den Fall auf. Vor Gericht erfĂ€hrt man dann genau, worum es geht. “Als Jugendschöffe soll man unvoreingenommen bleiben. Man soll keine Zeit haben, sich auf einen Fall vorzubereiten, sondern seine Alltagserfahrung und seine Menschenkenntnis nutzen. Immerhin ist man kein ausgebildeter Berufsrichter”, erklĂ€rt Robert Gunderlach.

Die Verantwortung, die man als Jugendschöffe eingeht, ist sehr hoch. Man kann im Krankheitsfall nicht einfach aussetzen, oder zurĂŒcktreten, wenn man keine Lust mehr hat. In der Regel kann nur ein Umzug zu einer Entlassung aus dem Amt fĂŒhren. Möchte man das Schöffenamt tatsĂ€chlich niederlegen, entscheidet das Gericht, ob die GrĂŒnde ausreichend sind. Doch in der Regel passiert das nicht. “Immerhin treibt die Bewerber in der Regel ein gewisser Gerechtigkeitssinn an. Sie wollen sichergehen, dass es in den FĂ€llen gerecht zugeht, das sie ein Teil dieser Gerechtigkeit sein können”, so Gunderlach.

Kinder lasen Senioren vor - Geschichten zum Sich-Erinnern und Schmunzeln

Rollentausch am bundesweiten Vorlesetag

Weinheim, 23. November 2012. (red/pm)  „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand

“
Wer kennt sie nicht, die bekannten EingangssĂ€tze der Ballade von Theodor Fontane? Das Gedicht hörte man oft in der Runde der Schulkinder und Senioren, die sich letzte Woche in verschiedenen Pflege- und Seniorenheimen in Weinheim trafen. Allerdings lasen nicht wie ĂŒblich die Erwachsenen den Kindern vor, die Rollen waren dieses Mal vertauscht: SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der 3. und 4. Klasse der Wald-, Friedrich- und Albert-Schweitzer-Schule gingen in die Einrichtungen in der NĂ€he ihrer Schule und lasen den Heimbewohnern Geschichten und MĂ€rchen zum Sich-Erinnern und Schmunzeln vor, sagten Gedichte auf und sangen der Jahreszeit entsprechende Lieder wie: „Bunt sind schon die WĂ€lder

“

Information der Stadt Weinheim:

„Aus Anlass des bundesweiten Vorlesetags, der von der ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn ins Leben gerufen wurde, gibt es jedes Jahr im November in ganz Deutschland verschiedene Aktionen rund ums Vorlesen. Unter der FederfĂŒhrung des BildungsbĂŒros/Integration Central beteiligte sich dieses Jahr auch Weinheim daran und hatte sich diesen ganz besonderen Rollentausch ausgedacht.

Die Organisation hatte Elke König, die im BildungsbĂŒro fĂŒr das Ehrenamt zustĂ€ndig ist, ĂŒbernommen und zusammen mit den ehrenamtlichen Lesepatinnen, die schon seit einigen Jahren regelmĂ€ĂŸig in Kita und Schulen vorlesen, die Aktionen begleitet. Elke König: „Ich möchte, dass auch einmal die Kinder erfahren, wie andere sich freuen, vorgelesen zu bekommen.“ Ihr besonderes Anliegen ist es zudem, alte und junge Menschen zusammenzubringen und ihnen RĂ€ume und Möglichkeiten zum Austausch und zu gemeinsamen AktivitĂ€ten zu geben. Die ganze Woche gab es Vorleseaktionen in verschiedenen Einrichtungen wie dem Bodelschwingh-Heim, dem Haus Pamina des Deutschen Roten Kreuzes, dem GRN (Gesundheitszentrum Rhein-Neckar) und der Arbeiterwohlfahrt. Die Kinder, die von ihren Lehrerinnen gut vorbereitet wurden, hatten sich ĂŒberlegt, womit sie Ă€ltere Menschen erfreuen können. Frau von Hirschheydt von der Waldschule: „Wir haben schon vor einigen Wochen begonnen, im Unterricht diesen Lesetag vorzubereiten und gemeinsam Textpassagen ausgesucht und geprobt.“

Als es dann endlich soweit war, waren die GrundschĂŒler sehr aufgeregt: Sie durften AuszĂŒge aus ihren LieblingsbĂŒchern lesen – eine Herausforderung fĂŒr die Kinder, denn hier kam es darauf an, fĂŒr die Senioren besonders deutlich zu sprechen. Den Kindern machte das Vorlesen sichtlich Spaß, betont lasen sie ihre Lieblingsgeschichten oder Gedichte vor, die sie lange vorher im Unterricht geĂŒbt hatten. Die Senioren hörten interessiert zur und sparten nicht mit Beifall. Besonders aufmerksam aber wurden sie bei Geschichten, die sie kannten, wie die vom Fischer und seiner Frau „Ilsebill, die keiner will“ oder dem „Fliegende Robert“, und bei den bekannten Liedern sah man einige Senioren mitsingen.
Die SchĂŒler der ASS konnten im Haus Pamina des DRK mit dem MĂ€rchen „Dornröschen“ erfreuen. Die betagten Zuhörer in dem kleinen Aufenthaltsraum im Heim des DRK lauschten gespannt und waren fast ein wenig verwundert, wie fließend und betont die Neun- und ZehnjĂ€hrigen vorlesen konnten. Über das Vorlesen hinaus gab es spontane Pantomime (3. Klasse der Friedrichschule im GRN), Bewegungslieder (3. Klasse der Waldschule im Bodelschwingh-Heim), einen englischen Song (4. Klasse der Waldschule bei der AWO) und vieles mehr.

Aber auch die Einrichtungen hatten sich gut vorbereitet, das Bodelschwingh-Heim hatte sogar ein Podest und ein Mikrofon fĂŒr die kleinen Akteure bereitgestellt – und in allen HĂ€usern hatten die Leiterinnen dafĂŒr gesorgt, dass als Dankeschön fĂŒr die Kinder Saft, GummibĂ€rchen und etwas SĂŒĂŸes fĂŒr den Nachhauseweg bereit stand. Überall wurde der Wunsch laut, diese Aktion zu wiederholen! Auch die Kinder wollten unbedingt wiederkommen – und nicht nur wegen der Urkunden und den Buchgeschenken, die sie vom BildungsbĂŒro zum Dank erhielten.
Diesen Wunsch möchte Elke König sehr gerne aufgreifen. Nach den guten Erfahrungen in der vergangenen Woche plant sie, diese generationsĂŒbergreifenden Begegnungen zwischen Jung und Alt regelmĂ€ĂŸig und im Rahmen des Programms des Mehrgenerationenhauses fortzufĂŒhren. Elke König: „Diese Begegnungen unterstĂŒtzen nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, sie beleben auch den Alltag der Senioren und schaffen eine AtmosphĂ€re gegenseitiger Achtung und WertschĂ€tzung.“

Die Arbeit der Fachstelle „Ehrenamt in der Weinheimer Bildungskette“ des BildungsbĂŒros/Integration Central wird von der Freudenberg Stiftung, dem Generali Zukunftsfonds sowie vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Programm „MehrgenerationenhĂ€user II“ gefördert.“

Mariettas Kolumne

Von kleinen Zielen und großer Erschöpfung

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 28. Februar 2011. Marietta hat sich fĂŒr’s Neue Jahr vorgenommen, sich kleinere Zielen zu stecken und vor allem Gelassenheit zu ĂŒben. Das wurde auf eine harte Probe gestellt.

Von Marietta Herzberger

Das Neue Jahr ist ja schon einige Zeit alt und ich habe Gabis Ratschlag, sich kleine Ziele zu setzen, bis jetzt erfolgreich umgesetzt.

Und siehe da: Es funktioniert. Ein kleines Ziel seit diesem Jahr ist fĂŒr mich: Gelassenheit ĂŒben. Nur nicht ĂŒber Nichtigkeiten aufregen. Ein weiteres ist, große Ziele in viele kleine aufzuteilen.

Der Weg ist das Ziel.

FrĂŒher sagte ich mir: „Marietta, wenn du die zehn Kilometer nicht in 6 Minuten 30 pro Kilometer lĂ€ufst, bist du ein Loser. Das muss drin sein.“ Das Resultat war stĂ€ndige Frustration.

Heute laufe ich entspannt zwei bis dreimal fĂŒnf Kilometer die Woche oder auch nur einmal drei Kilometer oder gar nicht – wie gesagt – kleine Ziele. Dabei fĂŒhle ich mich gut. Gerade letzte Woche haben mich zwei ĂŒbergewichtige Walker ĂŒberholt. Egal. Der Weg ist das Ziel und falscher Ehrgeiz die Bremse dahin. Der Berg ist hoch.

UnlĂ€ngst absolvierte ich meine gemĂŒtliche Runde im „Own-Zone-Bereich“, da lachte mich bei Kilometer FĂŒnf eine aparte GrĂŒnflĂ€che mit zwei ParkbĂ€nken an. Ach, dachte ich, da findest du jetzt einen Moment zu dir selbst, und ließ mich auf einer der beiden BĂ€nke nieder.

Die Schaukel, das KlettergerĂŒst und die Wippe störten mich nicht. Auch nicht die beiden kleinen, gar niedlich anzusehenden Kinder, welche friedlich nebeneinander im Sandkasten spielten. Vier Jahre alt mochten sie sein, vielleicht auch fĂŒnf.

Ein MĂ€dchen, blond gelockt wie ein Engel. Ein Junge, frecher Haarschnitt, kecke Nase, blaue Latzhose und rotes Halstuch. Niedlich! Sie hĂ€uften Sand auf, gruben Löcher, hĂ€uften Sand auf und gruben Löcher. Hach, Kinder! Meine Tochter ist schon so groß.

Das Leben ist einfach und schön.

Ihre MĂŒtter saßen auf der anderen Parkbank nebeneinander, still und im Anblick auf ihre Nachkommenschaft vertieft. Die blonde, dauergewellte, etwas fĂŒlligere Dame gehörte dem Äußeren nach wohl zu dem kleinen Engelchen.

Die rothaarige Mittdreißigerin wahrscheinlich zu dem Jungen. Soweit ich erkennen konnte, hatte sie die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Entspannung eingenickt. Das Leben ist einfach und schön.

Es war ein Idyll der Ruhe und Entspannung. Genau das brauchte ich jetzt. Der Lauf hatte mich doch etwas erschöpft. Die Sonne kam heraus. Ich schloss meine Augen und döste gelöst vor mich hin.

„Meine Schaufel, du Loch!“ Ich öffnete ein Auge.

„Nein, die rote ist doch meine. Dir ist die gelbe“, sagte der kleine Junge kleinlaut und zeigte auf eine gelbe Schaufel, die einsam im Sand lag.

„Piss dich, du Arsch!“

Ich öffnete das andere Auge. Kamen diese unflÀtigen Worte von dem putzigen MÀdchen?

BlauĂ€ugig, blondgelockt und rosige BĂ€ckchen? Mein Blick erhaschte Unfassbares. Die kleine SĂŒĂŸe hatte sich in eine Furie verwandelt.

HasserfĂŒllt schaute sie den Jungen an; die blonde MĂ€hne hing ihr wirr ins vor Wut gerötete Gesicht, wĂ€hrend sie fleißig dabei war, ihrem Gegenspieler etwas Rotes aus den HĂ€nden zu reißen.

Mit Erfolg. Doch damit war dem noch kein Ende gesetzt. Das Herzchen begann, wild mit der Schaufel auf den Jungen einzudreschen. Der wiederum versuchte erfolglos, sich zu wehren.

Ich lass mich nicht aus der Ruhe bringen.

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft und ĂŒbte mich in Gelassenheit. Kinder, dachte ich.

Jaja, die Mama wird das schon regeln und helfend einspringen.

Ich beschloss, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und senkte meine Lider wieder hinab.

„Naomi“, ertönte es donnerschlaglaut von nebenan, „lass den verdammten Balg in Ruh-ÂŽ.“

Mein Idyll verabschiedete sich und ging schon mal heim.

Die kleine Blonde hatte jedoch nicht die Absicht, aufzuhören. Nun folgte eine etwas massivere, gar dröhnende Aufforderung: “Naomi Schwöbel, hĂ€r soford uff oder isch knall dir Ă€ni!“

Erziehung wird hier ĂŒber Zuruf geregelt.

Offenbar regelt man hier die Erziehung ĂŒber Zuruf. Die Dame dachte nĂ€mlich nicht daran, aufzustehen, lehnte sich zurĂŒck und zĂŒndete sich erst einmal eine Zigarette an.

In diesem Moment wachte wohl ihre Banknachbarin auf, erkannte die prekÀre Situation sofort und eilte zu ihrem Sohn.

Löckchen hieb immer noch auf den Kleinen ein und schrie dabei wiederholt: „Meine Schaufel. Meine Schaufel.“

Die Mutter des Jungen nahm dem kleinen Biest die Schaufel weg und zog ihren Sohn aus der Gefahrenzone. WĂ€hrend sie ihrem Sprössling den Sand aus dem Mund pulte, wandte sie sich halb zu Mutter Schwöbel um und sagte folgende Worte: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn mein Lars-Olaf weiterhin mit ihrer Tochter spielt.“

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft. Zu erschöpft, um mich zu erheben. Vielleicht aber auch zu neugierig, um zu gehen. Es versprach, interessant zu werden.

Mama Schwöbel wurde verdĂ€chtig rot im Gesicht und stĂŒrzte sich gleich darauf mit Kriegsgeheul auf Lars-Olafs Erziehungsberechtigte. Diese ließ ĂŒberrumpelt die Schaufel fallen und von ihrem Kind ab. Die kleine blonde Bratze saß im Sand und schrie nach ihrer roten Schaufel.

Das war ein Gewusel und Gemenge vor dem Herrn. Irgendwann hatte Engelchen die rote Schaufel wieder und Lars-Olaf saß gefesselt und geknebelt auf der Wippe. Die alte Schwöbel kniete auf der Rothaarigen und war gerade dabei, deren Aufbegehren mit Sand zu ersticken. Sie nahm dazu die gelbe Schaufel. Die rote hatte ja ihre Tochter.

Nun, ich war immer noch sehr erschöpft. Voller Vertrauen auf die Vernunft und Weitsicht erwachsener Menschen, atmete ich tief durch. Der Berg ist hoch. Übe Gelassenheit.

Jemand musste wohl die Polizei gerufen haben. Ich hörte das typische Sirenengeheul. Aber da war ich schon lÀngst zu Hause.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begrĂŒĂŸen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!