Freitag, 24. November 2017

Aus dem Ausschuss - Kinder- und Jugend

Friedrich-Grundschule soll neue Ganztagesschule werden

Weinheim, 27. Oktober 2014. (red/pm) Das Land Baden-WĂŒrttemberg möchte mehr Ganztages-Grundschulen. Deshalb gibt es seit Juli ein Gesetz, das Ganztages-Grundschulen nach einem neuen Landesgesetz regelt. [Weiterlesen…]

Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule macht neues Angebot

Erste Ganztagesschule in Weinheims Westen

Weinheim, 25. Oktober 2012. (red/pm) Es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung: Die Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule wird ab dem nĂ€chsten Schuljahr zur Ganztagesschule – als erste Schule der Weststadt.

Information der Stadt Weinheim:

„Der Gemeinderat hat am Mittwoch mit Freude und Lob einem solchen Antrag der Schulleitung zugestimmt. Es sei ein gutes Angebot an Eltern in der Weststadt, die auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angewiesen sind, hieß es am Ratstisch. Ebenso seien Ganztagesschulen Garanten fĂŒr mehr Bildungsgerechtigkeit in einer Stadt. Die DBS-Grundschule soll als offene Ganztagesschule betrieben werden; das heißt, die Ganzagesnutzung ist fĂŒr die SchĂŒler keine Pflicht – sie ist freigestellt. Nach verbindlichen Umfragen rechnet die Schule aber schon im ersten Schuljahr 2013/14 mit etwa 60 SchĂŒlern. Die DBS-Ganztagesgrundschule ist in Weinheim die zweite nach der Friedrich-Grundschule in der Nordstadt.

Verwaltung und Gemeinderat einigten sich auch darauf, die Grundschulbetreuung und den Hort im Rolf-Engelbrecht-Haus auch parallel zur Ganztagesschule aufrecht zu erhalten. Vor allem auf das pĂ€dagogische Konzept des SchĂŒlerhortes sollte man nicht verzichten, so der Tenor. Die Stadt stellte in Aussicht, das neue Angebot auch finanziell zu unterstĂŒtzen. Der Zuschussbedarf fĂŒr den Ganztagesbetrieb wird mit knapp 17 000 Euro pro Schuljahr geplant, fĂŒr Mobiliar und SpielgerĂ€te kommen weitere etwa 23 000 Euro dazu.“

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles schön und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ĂŒber die EinfĂŒhrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich StĂŒckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zurĂŒck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen zÀhlen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-WĂŒrttemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten Ă€ndern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteinander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zurĂŒck.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. FĂŒr die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr lĂ€utete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, spĂ€testens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Blödsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todmĂŒde, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabhĂ€ngig vom Schulabschluss und der spĂ€teren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne Ärzte zu sein, es gibt HĂ€ndler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich fĂŒr die Elite halten.

Überhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen französischen Text ĂŒbersetzt habe oder die Inschriften auf alten DenkmĂ€lern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr weiß als mein Hauptschulfreund. Na und? DafĂŒr konnte der flitzeflink spĂ€ter Maße und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise fĂŒr was auch immer waren. Das ergĂ€nzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und MĂ€dchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit fĂŒr Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine lĂ€ngere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch lĂ€nger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtjĂ€hrigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und RealschĂŒler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist natĂŒrlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder fĂŒhrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie RealschĂŒler ticken und die nicht, wie HauptschĂŒler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten fĂŒhren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP heißen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies FĂŒreinander fĂ€llt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die GrĂŒnen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen stĂ€rkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung trĂ€gt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch fĂ€hig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und ĂŒbereinander Bescheid wissen. NatĂŒrlich gehört auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die VerÀnderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen können.

Alle mĂŒssen zusammenrĂŒcken

FrĂŒher ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute spĂ€ter Nachmittag oder frĂŒher Abend. Also mĂŒssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn dafĂŒr muss vieles neu gedacht werden. Von GebĂ€uden, ĂŒber PlĂ€tze, ĂŒber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die HallenkapazitĂ€ten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinfĂŒhren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei KunstrasenplĂ€tze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten können, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der SchĂŒlerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterfĂŒhrende Schule.

Was die HauptschĂŒler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien fĂŒhren teils wieder die 9-jĂ€hrigen ZĂŒge nach der G8-Reform ein oder bieten beide ZĂŒge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „HomogenitĂ€t“ durch HauptschĂŒler gestört wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet wĂ€ren. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, mĂŒssen bangen, ob sie ĂŒberleben können.

Man könnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. TatsĂ€chlich weiß ich aus vielen GesprĂ€che mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

Gemeinderat beschließt Übergangslösung

UnbĂŒrokratische Lösung fĂŒr LĂŒtzelsachsens SchĂŒler

Weinheim, 30. Juni 2012. (red/pm) Übergangslösung fĂŒr die Nachmittagsbetreuung der LĂŒtzelsachsener GrundschĂŒler im Gemeinderat beschlossen.

Information der Stadt Weinheim

„Um der LĂŒtzelsachsener Grundschule den Weg zur Ganztagesschule zu erleichtern, nutzt die Weinheimer Schulverwaltung unbĂŒrokratische Lösungen.

Weil es in der Schule fĂŒr eine Nachmittagsbetreuung zu eng wird, wird die kommunale Grundschulbetreuung außerhalb des Unterrichts kĂŒnftig in einem benachbarten Wohnhaus stattfinden.

Die Stadt mietet zunĂ€chst fĂŒr drei Jahre das derzeit leerstehende Haus mit rund 100 Quadratmeter WohnflĂ€che an, um dort die Betreuung anzubieten.

LĂŒtzelsachsens Ortsvorsteherin Doris Falter hatte diese Lösung ins GesprĂ€ch gebracht. Der Weinheimer Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch fĂŒr diese Übergangslösung ausgesprochen.

Wenn die LĂŒtzelsachsener Grundschule voraussichtlich ab 2013 formal als Ganztagesschule gefĂŒhrt wird, können mit Hilfe eines Schulbauförderprogramms des Landes am SchulgebĂ€ude Erweiterungen vorgenommen werden.“