Mittwoch, 20. September 2017

Geprothmannt: √úber Blabla, TV-Duell und andere Blasen

Manche sagen so, manche so

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Das TV-Duell hat Chefredakteur Hardy Prothmann nicht geguckt – trotzdem weil er viel dar√ľber, denn manche sagen so, manche so.

Rhein-Neckar/Berlin, 2. September 2013. (red) Geh√∂ren Sie zu den rund 12 Millionen Fernsehzuschauern, die sich gestern Abend 90 Minuten Blabla reingezogen haben? Oder zum mehrheitlichen Rest? Vollkommen egal. Die Deutsche Presseagentur (dpa), Hauptlieferant f√ľr √ľberall gleiche Inhalte in deutschen Tageszeitungen stellte die Sensation fest: Das TV-Duell war das meistgetwitterte Thema weltweit. Gesten. Keine Ahnung, was Twitter ist? Dann lesen Sie weiter. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Amerika hat nicht dem Terror den Krieg erklärt, sondern uns allen

Big Datagate: Der amerikanische Terror-Angriff

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Schluss mit lustig, Frau Merkel. Foto: Ralf Roletschek

Rhein-Neckar, 01. Juli 2013. (red) Die Enth√ľllung der Total√ľberwachung von B√ľrger/innen und Beh√∂rden durch die amerikanische NSA ist der weltweit gr√∂√üte politische Skandal, den es jemals gegeben hat. Der ehemalige NSA-Agent Edward Snowden verdient den Friedensnobelpreis f√ľr seine Gewissensentscheidung, diesen totalit√§ren Terror-Angriff √∂ffentlich gemacht zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Kabinett schauen tatenlos zu, wie Amerika ohne Z√∂gern t√§glich das grundgesetzlich garantierte Post- und Fernmeldegeheimnis verletzt und jeden von uns zum potentiellen Terroristen erkl√§rt. Was tut Frau Merkel, um uns B√ľrger vor diesem Angriff zu sch√ľtzen? [Weiterlesen…]

Geprothmannt

Lektion erteilt bekommen

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Chefredakteur Hardy Prothmann kommentiert regelm√§√üig in seiner Kolumne „Geprothmannt“ aktuelle Ereignisse.

Rhein-Neckar/Mannheim, 24. Juni 2013. (red) Vor gut einer Woche ist Chefredakteur Hardy Prothmann fast sich selbst „auf den ersten Blick“ aufgesessen, obwohl er eigentlich wei√ü, dass eine Bewertung auf den ersten Blick nicht immer den tats√§chlichen Umst√§nden entspricht. Die wahre Begebenheit ist ein Lehrst√ľck, das bestimmt jedem mal so oder √§hnlich widerf√§hrt, wenn man bereit ist, eine Lektion erteilt zu bekommen. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Akkreditierungsgeb√ľhren und andere Pressefreiheits-Verhinderungsbestimmungen

Warum wir nicht √ľber das Festival des deutschen Films berichten

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Keine Berichte zum Festival von uns – weil wir uns weigern, f√ľr unsere Arbeit auch noch zu bezahlen.

Ludwigshafen/Rhein-Neckar, 10. Juni 2013. (red/pro) F√ľr das Festival des deutschen Films haben wir vier Reporter vorgesehen, die je √ľber mindestens drei Filme berichten sollten. Es w√§ren also mindestens zw√∂lf Artikel erschienen. Doch diese erscheinen nicht, weil wir die Zugangsbedingungen ablehnen – denn das Management verlangt f√ľr jeden akkreditierten Reporter eine Geb√ľhr von 30 Euro.

Von Hardy Prothmann

K√∂nnen Sie sich vorstellen, dass Sie morgens zur Arbeit fahren und Ihr Chef oder Ihre Firma erstmal Geld von Ihnen verlangt, damit Sie arbeiten d√ľrfen? Nein? Wir Journalisten werden damit zunehmend konfrontiert. [Weiterlesen…]

Geprothmannt

Darf man Rechte mit Eiern bewerfen?

Rhein-Neckar, 18. Februar 2013. (red) In Mannheim haben B√ľrger/innen, Politik-Vertreter und Mitglieder der linken Szene der NPD wieder einmal gezeigt, dass sie Widerstand gegen Rechtsradikale leisten. Das ist gut so. Nicht gut sind die Begleitumst√§nde.

Von Hardy Prothmann

Es gibt Kommentare, die schreibt man nicht gerne. Aber sie m√ľssen trotzdem geschrieben werden. Am Samstag hat die rechtsradikale NPD eine Kundgebung in Mannheim angemeldet. Die Partei nimmt damit ein Grundrecht unserer Verfassung wahr – ob das den Gegnern der Partei passt oder nicht. Artikel 8 Grundgesetz legt fest:

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) F√ľr Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschr√§nkt werden.

„Darf man „Rechte“ mit zweierlei Ma√ü messen?“ „Nein!“ findet Chefredakteur Hardy Prothmann

Grundrechte gelten grunds√§tzlich f√ľr alle. Wer f√ľr sich diese Rechte in Anspruch nimmt, muss sie auch anderen zugestehen, ansonsten w√§re die Verfassung nichts wert. Die Polizei hat die Aufgabe, das Recht auf Versammlungsfreiheit abzusichern, wenn ohne diese Sicherungsma√ünahme die Versammlungsfreiheit nicht m√∂glich w√§re.

Selbstverst√§ndlich hat man auch das Recht eine Gegendemonstration durchzuf√ľhren. Von diesem Recht haben die Gegner der Rechtsradikalen Gebrauch gemacht. Die Frage ist aber, wie sie das gemacht haben und ob alle Teilnehmer tats√§chlich Demokraten sind. Und hier fangen die Fragw√ľrdigkeiten an.

Wer Polizisten, die sich √§u√üerst defensiv und deeskalierend verhalten, anp√∂belt und provoziert, ist ein St√∂rer der √∂ffentlichen Ordnung. Wer sich vermummt und damit eine Identifizierung verhindert, begeht eine Straftat, wer geeignete Dinge mit sich f√ľhrt, um sich vermummen, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Und wer mit Eiern wirft, nimmt potenziell eine Verletzung von Personen in Kauf, mindestens eine Sachbesch√§digung, eventuell liegt eine Beleidigung vor. Das entscheiden bei einer Anzeige Gerichte nach der jeweiligen Situation. Und eigentlich h√§tte die Polizei eingreifen m√ľssen – da die Veranstaltung aber als beendet erkl√§rt worden war, hat sich die Polizei auch hier „ma√üvoll“ entschieden und f√ľr einen reibungslosen Abzug der Rechten gesorgt. Was, wenn die Polizei Vermummte und Eierwerfer festgesetzt h√§tte? Dann w√§re ordentlich was los gewesen. Der Katalog der Vorw√ľrfe und Beschuldigungen und Beleidigungen w√§re immens. Und ein Wort w√ľrde sicher die Runde machen: unverh√§ltnism√§√üig.

Was, wenn man sich die Situation umgekehrt vorstellt?

Jetzt stellen wir uns die umgekehrte Situation vor. Sagen wir mal, ein „B√ľndnis f√ľr Demokratie“ meldet eine Veranstaltung an. Auf den Plan treten vermummte Rechte, die die Versammelten anp√∂beln und mit Eiern bewerfen. Was w√ľrden die Versammelten fordern? Selbstverst√§ndlich ein Einschreiten der Polizei und eine strafrechtliche Verfolgung.

Wer mit zweierlei Ma√ü misst, f√ľr sich Verfassungsrechte in Anspruch nimmt, die er anderen nicht zugesteht, zeigt, dass er sich eigentlich nicht an das halten m√∂chte, was er vorgibt zu verteidigen und zu besch√ľtzen – die Demokratie.

Eine Zivilgesellschaft hat zivile Mittel, um sich zu positionieren. Sie kann auf einen Rechtsstaat z√§hlen, der f√ľr die √∂ffentliche Ordnung sorgt. Wer die √∂ffentliche Ordnung einerseits fordert und andererseits st√∂rt und verh√∂hnt, zeigt sich undemokratisch.

Der √ľberwiegende Teil der Gegendemonstranten hat sich korrekt verhalten. Sie haben Pr√§senz gezeigt und L√§rm gemacht. Das ist ein guter, vorbildlicher ziviler Protest.

Wie kleingeistig sich teils die Antifa-Leute zeigen, erkennt man an der Anzeige gegen den Halter des NPD-Busses, weil dieser mit einer roten Plakete in die Umweltzone der Stadt eingefahren ist. Auf Twitter und bei Facebook sowie bei der Pressemeldung des B√ľndnisses gegen Rechts fand diese Plakete und die Anzeige dagegen reichlich Beachtung. Mal ehrlich? Wie peinlich ist das denn?

Es geht um mehr. Am liebsten um einen klaren und eindeutigen Widerstand gegen Rechtsradikale. Aber bitte vorbildhaft und respektvoll – nicht gegen√ľber den Rechten, sondern gegen√ľber sich selbst, der Polizei. Es geht darum, sich so zu verhalten, wie man auch von anderen erwartet, dass diese sich einem selbst gegen√ľber verhalten.

Geprothmannt: „Occupy“ ist kein Schlachtruf, sondern ein Bekenntnis


"Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt, frei zu sein." Die junge Frau demonstriert mit einem Goethe-Zitat in New York bei "Occupy Wall Street". Foto: CC David Shankbone/wikipedia

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. Oktober 2011 (red) Heute vor einem Monat „besetzten“ rund 1.000 Demonstranten die Wall-Street – also vielmehr Parks und Stra√üen in der N√§he der New Yorker-B√∂rse. Als demokratische Vorbild nennen die Demonstranten den „arabischen Fr√ľhling“ – als Symbol f√ľr die Vertreibung der Diktatoren und Regimes. F√ľr die „Occupy“-Bewegung sind das im Westen vor allem die Banken. Aber auch Politiker, vornehmlich konservative, werden kritisiert.

Von Hardy Prothmann

Was hat man davon zu halten? Von „Occupy Wall Street“? Alles nur eine Art „Demo-Mode“ junger, wohlhabender Freizeitdemonstranten, die ein wenig „Action“ brauchen? Oder ist das eine ernstzunehmende Entwicklung eines politischen Protestes gegen Systeme, die das Volk nicht mehr versteht? Vor allem das der Spekulation der „Hochfinanz“?

Die Demonstranten nehmen sich die Aufst√§ndischen des arabischen Fr√ľhlings zum Vorbild und sitzen oder marschieren gegen das Regime. Aus Ihrer Sicht nicht gegen waffenstarrende Dikatatoren, sondern gegen eine viel gr√∂√üere Macht. Das Regime des Geldes. Kontrolliert von den Banken. Und von der mit diesen auf vielf√§ltige Weise verflochtetenen Politik.

Menschen haben Rechte – nicht nur die Pflicht zu zahlen

Es ist das gute Recht dieser Menschen, das sie wahrnehmen. Sie haben das Recht ihre Meinung zu äußern, sich zu versammeln und zu protestieren.

Auch in Deutschland haben mehrere zehntausend Menschen am Samstag demonstriert. Gegen die Banken. Gegen Geld-Systeme, die angeblich so erfolgreich sind und doch st√§ndig „Rettungsschirme“ brauchen – also unser aller Geld. Weil sie sich mal eben „aus Versehen“ in ihrer Gier wieder verzockt haben. Die Boni der Manager sind meistens nicht gef√§hrdet.

Der Seele des Protestes der Demonstranten n√§hrt sich nicht aus Gier oder Neid. Sondern aus dem Austausch von Informationen. Und einer neuen Sicht auf die Welt. Und einer fehlenden Kontrolle der ehemaligen Kontrolleure √ľber Informationen.

Hardy Prothmann sieht die Welt mit seiner Kolumne "Geprothmannt" ganz subjektiv.

„Occupy“ hat als ein Vorbild den „arabischen Fr√ľhling“ – aber es steckt mehr dahinter. Beispielsweise Wikileaks – die Aufdeckungsplattform hat f√ľr viel Aufregung gesorgt. Durch die Weitergabe geheimer Informationen. Dadurch wurde der Schmutz, nein, der Dreck der angeblich sch√∂nen, reinen Welt der angeblich so verantwortungsvollen M√§chtigen nicht nur in Frage gestellt, sondern als System aus L√ľgen und Betrug entttarnt.

Wikileaks wäre ohne vernetzte Computer nicht vorstellbar. Geheimnisse wurden schon immer verraten Рaber noch nie in diesem Ausmaß. Mordende amerikanische Soldaten im Irak oder haarsträubende Politikerdepeschen Рdie Wahrheiten kommen ans Licht.

Aber Wikileaks und Occupy haben noch andere Vorl√§ufer. Greenpeace und Attac beispielsweise – zwei Gruppen, die sich durch gute Vernetzung immer wieder Informationen verschaffen und ver√∂ffentlichen konnten, die geheim bleiben sollten. Unsere heutige „moderne“ Umweltpolitik w√§re ohne Greenpeace nicht vorstellbar.

Occupy ist weit mehr als ein bislang √ľberschaubarer Protest

Auch Gruppen wie Transparency International oder der deutsche Verein Foebud tragen zur Information der Gesellschaft und zur Abschaltung von Missst√§nden bei. Und √ľberall gibt es jede Menge anderer „Aktivisten“, die nicht mehr hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird, sondern Fragen stellen, ihre Rechte einfordern und sich nicht einsch√ľchtern lassen.

Auch die Gegner von Stuttgart 21 sind eine Art „Occupy“-Bewegung. Ein knappes Dutzend B√ľrger haben in Stuttgart fluegel.tv gegr√ľndet. Was mit einer Webcam begonnen hat, ist mittlerweile auch f√ľr die Politik ein ernstzunehmender „Medienpartner“. Denn fluegel.tv erreicht √ľbers Internet so viele Menschen, wie sich erreichen lassen wollen. Und es sind viele. Und es werden immer mehr.

„Die Politik“ reagiert kopflos bis b√∂sartig. Als am „schwarzen Donnerstag“, dem 30. September 2010, die Demonstranten mit Wasserwerfern und Pfefferspray angegriffen worden sind, war das politische Schicksal des damals amtierenden Ministerpr√§sidenten Stefan Mappus (CDU) besiegelt.

Die Menschen, die Mappus als Chaoten bezeichnet hat, sind B√ľrgerinnen und B√ľrger. Keine Gesetzlosen. Sondern anst√§ndige Leute, die ihre Rechte wahrnehmen. N√§mlich sich zu versammeln und ihre Meinung zu √§u√üern. Und die ist halt nicht die der CDU, FDP und gro√üen Teilen der SPD. Was im Umkehrschluss nicht hei√üen muss, dass all „Gr√ľn“ oder „Links“ w√§hlen – manche w√§hlen aus „Pflichtgef√ľhl“ trotzdem CDU oder SPD. Manche sind unbelehrbar und w√§hlen FDP. Und andere die „Piraten“. Und viele vielleicht in Zukunft lieber die Stra√üe als eine Partei.

Und jetzt steht fest, dass die CDU-Politiker Stefan Mappus und sein ehemaliger Finanzminister Willi Stächele Verfassungsbrecher sind. Politische Ganoven, die vermutlich schadlos davonkommen.

Selbst die konservative Welt schreibt:

„Baden-W√ľrttembergs Landtagspr√§sident Willi St√§chele (CDU) ist zur√ľckgetreten. ‚ÄěIch gebe mein Amt zur√ľck“, sagte St√§chele in Stuttgart. Damit zog er die Konsequenz aus einem Urteil des Staatsgerichtshofs vom vergangenen Donnerstag.

Die Richter hatten ihm einen Verfassungsbruch bescheinigt, weil er als Finanzminister Ende 2010 beim R√ľckkauf der EnBW-Anteile durch das Land die Mitwirkungsrechte des Landtags umgangen hatte.“

Der „ehrenvolle“ Landtagspr√§sident St√§chele war sich vor seinem R√ľcktritt nicht zu schade, den Verfassungsbruch als „staatsm√§nnische Handlung“ zu umschreiben:

„St√§chele hatte bisher einen R√ľcktritt abgelehnt und betont, es sei ihm beim EnBW-Deal um eine schnelle Entscheidung im Interesse und zum Wohle des Landes gegangen.“

Es ging St√§chele also um das „Wohl des Landes“. Dass dabei Banken einen guten Schnitt gemacht haben und pers√∂nliche Verbindungen zwischen Mappus und Bankmanagern eine Rolle gespielt haben k√∂nnten – das soll man nicht denken d√ľrfen.

Auch Stuttgart 21 hat viel mit Geld von Banken und anderen „Interessierten“ dem „Wohl des Landes“ zu tun. Das Projekt, das angeblich mal keine zwei Milliarden Euro kosten sollte, soll aktuell 4,5 Milliarden kosten – es gibt genug Hinweise, dass es viel mehr kosten wird. Und der neue starke Mann der Baden-W√ľrttembergischen CDU, Peter Hauk, hat im Wahlkampf verk√ľndet, dass es „Baden-W√ľrttemberg egal sein kann, ob es zehn oder f√ľnfzehn Milliarden Euro kostet„. Wei√ü der Mann mehr als andere? Kennt er schon die „echten“ Zahlen?

Hat er „aus dem N√§hk√§stchen geplaudert“, vor einem Jahr in Hirschberg an der Bergstra√üe, einem kleinen Ort, wo er niemanden vermutet hat, der seine Worte weitertr√§gt? Unser Artikel √ľber seinen Auftritt hatte innerhalb von zwei Tagen 26.000 Leserinnen und Leser. Wir haben email aus Moskau, London und Istanbul erhalten.

Das Spiel heißt Monopoly Рwie es ausgeht, weiß jeder

Das ist noch nicht „Occupy“ – aber die Informationen f√ľhren dahin. Sie f√ľhren dazu, dass sich Menschen emp√∂ren und dieses „Spiel“ nicht mehr mitmachen wollen.

Warum sind die Menschen in einigen arabischen L√§ndern auf die Stra√üe gegangen? Zuerst in Tunesien, dann in √Ągypten? Weil sie gut ausgebildet sind und Informationen austauschen. Und weil sie gemerkt haben, dass sie reingelegt werden.

Und weil sie merken, dass etwas nicht stimmt. Dass es der Mehrzahl immer schlechter geht, während wenige immer mehr haben.

In Griechenland und Spanien (zwei L√§ndern mit „erzkonservativen“ Gesellschaften) gibt es seit Monaten Massenproteste – in anderen L√§ndern g√§rt es. Auch in Deutschland sind solche Proteste nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn immer mehr Menschen in Billigjobs „besch√§ftigt“ werden, die sp√§ter noch nicht einmal eine Rente am Existenzminimum erm√∂glichen, dann steigen die Menschen aus. Das verstehen sie nicht mehr. Deswegen fordern sie Ver√§nderungen.

Niemand muss deswegen das Gespenst des Kommunismus an die Wand malen. Sondern einfach nur nachdenken, was man will und wo man leben möchte.

F√ľr viele ist Amerika immer noch ein Land der unbegrenzten M√∂glichkeiten. Sofern man Geld hat, ist das gar nicht so falsch. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass Amerika pleite ist und die meisten B√ľrger dort vor existenziellen Fragen stehen.

Tunesien und √Ągypten waren bis vor den Revolutionen beliebte Urlaubsl√§nder – wenn man genau hinschaut, hat man aber nur gut bezahlte „Resorts“ gesehen und vom Elend der Leute nichts mitbekommen (wollen).

Auch in Deutschland wächst die Armut Рauch wenn die Wirtschaft brummt

Und wenn man in Deutschland genau hinschaut, weiß man, dass Kinder ein Armutsrisiko bedeuten. Wenn man genau hinschaut, sieht man, wie die Armut wächst Рobwohl die Wirtschaft bis vor kurzem brummte.

Die Konsequenzen werden – wenn man nicht hinschauen will – so sein, wie in vielen Teilen der Welt. F√ľrchterlich. Dort sind die Stra√üen gef√§hrliche Orte und wer es sich leisten kann, meidet sie. Die „wohl“-habenden (siehe St√§chele und andere, deren „Wohl“ immer auch Haben bedeutet) leben in bewachten Quartieren hinter hohen Mauern – wie im Knast. Wer ein wenig au√üerhalb von „idyllischen Paradisen“ der Urlaubsscheinwelt herumgekommen ist, wei√ü das.

Wer gerne daf√ľr eintritt, in einem freien Land zu leben, das B√ľrgerrechte sch√ľtzt und verteidigt, das die Zivilgesellschaft als Ziel hat und Bildung und Meinungs- sowie Informationsfreiheit als selbstverst√§ndlich erachtet, der wird ab einem gewissen Punkt sehr genau dar√ľber nachdenken m√ľssen, ob „Occupy“ nicht nur ein Bekenntnis, sondern im Zweifel ein Schlachtruf sein sollte. F√ľr die Freiheit. Von m√∂glichst vielen Menschen.

Bleiben Sie aufmerksam!

Ihr

P.S.
Wer die Meinung des Autors f√ľr eine „Einzelmeinung“ h√§lt, kann gerne beim Debattenmagazin „Cicero“ weiterlesen.

Kampagne: Die Vielfalt der Zeitung

Rhein-Neckar/Koblenz/Bundesgebiet, 13. September 2011. Die Kampagne „Die Vielfalt der Zeitung“ geht auch 2011 weiter – solange, bis ein Verlag sie ab- oder einkauft. Das Netz ist aufgerufen, die Zeitung zu retten. Absurd? Keineswegs. Die Zeitung ist eine Wundert√ľte. Denn auch in T√ľten k√∂nnen Wunder schlummern…

Aktualisiert: Dieser Artikel wurde seit Erscheinen am 03. M√§rz 2011 fortlaufend aktualisiert und wird heute mit aktuellem Datum neu ver√∂ffentlicht. Schlie√ülich geht es um Zeitungen! In den vergangenen Monaten streikten Redakteure √ľberall im Land und erz√§hlten was von Qualit√§tsjournalismus. Doch darum geht es gar nicht. Es geht um Service. Um Nutzwert. Mittlerweile hat unsere Kampagne 47. Argumente f√ľr die Zeitung. Allen, die mitmachen, wird eine Erfolgsbeteiligung garantiert, falls ein Zeitungsverlag die Kampagne endlich kauft. Denn es geht um die Zukunft der Zeitung – nein, sogar mehr. Es geht um die Zukunft der Zivilisation, oder so √§hnlich!

Von Hardy Prothmann

"Ein bisschen Spa√ü muss sein...", Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung ist eigentlich ein ganz seri√∂ser Journalist - hat aber auch ab und an den Schalk im Nacken. Hier pr√§sentiert er in bunten Hosen die Bastelanleitung f√ľr eine Narrenkappe. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.

Die Zeitungen habens arg schwer – die Abos und Leserzahlen gehen zur√ľck und noch viel schlimmer: Die Werbeums√§tze. Laut Experte Marian Semm verlieren Zeitungen pro 100.000 Auflage seit 2001 rund vier Prozent Umsatzerl√∂se, was rund einer Million Euro entspricht.

Der MM beispielsweise hat im zweiten Quartal 2010 gut 1.500 Abos verloren und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Da ich mit der Zeitung aufgewachsen bin, best√ľrzt mich diese Situation zutiefst. √Ąhnlich wie bei den Robben-Babys, dem Deutschen Wald und ganz allgemein der Umwelt und unserer Zukunft, muss eine Kampagne her, die dieses langsame Dahinsiechen aufh√§lt und die Zukunft der Zeitung sichert.

Vergessen Sie das Leistungsschutzrecht, verehrte Verlage. Selbst die Wirtschaft h√§lt das f√ľr eine Art von Raubrittertum. √úberzeugen Sie mit Leistung, dass ist der beste Schutz und das beste Recht.

Ich habe deshalb im Oktober 2010 eine Kampagne gestartet, mit der die bedrohten Zeitungsverlage die Vielfalt der Zeitung darstellen und bewerben können.

Im vergangenen Jahr kamen sage und schreibe 36 Vorschl√§ge zusammen. Nummer 37 und der erste f√ľr dieses Jahr kommt von der Rhein-Zeitung (Koblenz) – die schl√§gt vor, dass man Narrenkappen aus der Zeitung basteln kann. Sehr kreativ, wie ich finde.

Machen Sie auch mit: Reichen Sie Vorschl√§ge ein. Save the wundert√ľte!

Denn die Zeitung ist eine wahre Wundert√ľte – es steckt viel mehr in ihr, als man zun√§chst vermutet.

Das l√§sst sich in Wort, Bild, Ton und Video in eine wunderbare Imagekampagne umsetzen. Darum d√ľrfen die Verlag ab sofort gerne pitchen – nat√ľrlich k√∂nnten die auch Ideen klauen (was man durchaus gewohnt ist), aber ich setze hoffnungsvoll auf einen Rest von Ehrlichkeit.

Ein Zeitungskollege schreibt als Vorschlag: „Man kann daraus Papierkugeln basteln und Prothmann damit bewerfen. Besser jedenfalls als mit Watteb√§uschchen“. Diesen Vorschlag lasse ich nicht unerw√§hnt, f√ľge ihn aber nicht als ernst gemeint ein.

Ihre Zeitung – Ihre Vielfalt:

  1. Man kann einen Fisch drin einwickeln (jahrhundertealte Tradition).
  2. Man kann M√ľcken damit totschlagen (sowie die Zeit).
  3. Man kann sich draufsetzen (gerade bei vollgekoteten Parkbänken sinnvoll).
  4. Man kann Geschirr darin einschlagen (wer schon mal umgezogen ist, weiß das).
  5. Man kann damit Fenster putzen (auch wenn manche auf HaRa schwören).
  6. Man kann damit Meerschweinchenst√§lle auslegen (auch f√ľr Kaninchen und Goldhamster geeignet).
  7. Man kann damit Räume zum Renovieren auslegen (das weiß doch jeder).
  8. Man kann daraus „Malerh√ľte“ bauen (ist echt einfach).
  9. Man kann darin Blumen einwickeln, vorzugsweise auf dem Wochenmarkt (auf dem Markt Ihrer Wahl).
  10. Man kann damit basteln (Kindergarten und Schule und privat).
  11. Man kann damit Kunst machen (siehe Beuys).
  12. Man kann damit eine Unterlage f√ľr Gipsarme machen (einfach mal ausprobieren).
  13. Man kann sie gegen Fettablagerung auf K√ľchenschr√§nke legen (das wei√ü jede gute Hausfrau).
  14. Man kann daraus Möbel basteln (Kreativkurs).
  15. Man kann daraus zusammengerollt eine Selbstverteidigungswaffe machen (siehe Jackie Chan).
  16. Man kann investigativ durch die Zeitungslochtechnik recherchieren (James Bond).
  17. Man kann andere im Zug davon abhalten, ein Gespräch anzufangen (in allen Bahnen dieser Welt).
  18. Man kann damit wichtig aussehen, vor allem, wen man möglichst viele Bordexemplare auf einmal in allen Sprachen mit zum Platz nimmt.
  19. Man kann damit nasse Schuhe trocknen (Wanderer-Trick 1).
  20. Man kann damit auch im Wald – Sie wissen schon (Wanderer-Trick 2).
  21. Man kann damit den Kamin anz√ľnden. (read it – then burn it- Prinzip)
  22. Man kann sich damit daten (die und die Zeitung unterm Arm).
  23. Man kann sie sammeln.
  24. Man kann Artikel aus ihr Ausschneiden (sehr beliebt bei B√ľrgermeistern und Gemeinder√§ten der Gr√ľnen).
  25. Man kann sich dahinter verstecken (auch den kl√ľgsten Kopf).
  26. Man kann unter Zugabe von Leim jeden Trabbi damit reparieren (fragen Sie Ossis).
  27. Man kann damit seinen Frust abbauen: Stichwort Wutkrumpeln (macht viel mehr Spaß als Wutbälle).
  28. Man kann die Wutkrumpel seinen Katzen zum Spielen geben (die haben auch Spaß damit).
  29. Man kann die Zeitung im Zug vergessen und hoffen, dass sich jemand anderes dr√ľber freut (Danke an Phil, siehe Kommentare).
  30. Man kann sich aus der Zeitung ein Kleid basteln (Danke an Christian Lindner, Chefredakteur Rhein-Zeitung http://ht.ly/31TTj).
  31. Man kann damit seinen Hund erziehen (politisch vielleicht nicht ganz korrekt – danke an Paul J. Hahn).
  32. Man kann damit seinen Briefträger trainieren (erweiterter Vorschlag auf Arg. 31, Danke an Thomas).
  33. Man kann den Hund die Zeitung zerfetzen lassen und damit andere Schäden vermeiden (Danke an Thomas).
  34. Man kann daraus Buchstaben f√ľr Bekenner- und Erpresserschreiben ausschneiden (Danke an Michael Klems).
  35. Man kann sie k√ľndigen und bei Abo-Neuabschluss ne Kaffeemaschine als Pr√§mie bekommen.
  36. Man kann sie wunderbar als Unterlage beim Gem√ľsesch√§len verwenden (Danke an Karen Belghaus).
  37. Man dann sich daraus eine Narrenkappe basteln (besten Dank an Christian Lindner von der Rhein-Zeitung.)
  38. Man kann aus Zeitungen auch Br√ľcken bauen (Japan). (Danke an Christoph von Gallera)
  39. Man kann Zeitungen als T√ľrsturzf√ľllung verwenden (im eigenen Haus gefunden als F√ľllmaterial aus den 50-er Jahren). (Danke an Christoph von Gallera)
  40. Man kann mit einer Zeitung unterm Arm so tun, als wäre man gebildet. (Danke an Michi.)
  41. Man kann mit einer Zeitung politisch korrekt Geschenke einpacken. (Dank an Michi.)
  42. Man kann mit einer Zeitung Boxen ausstopfen. (Danke an Michi.)
  43. Zur Not kann man sie auch als Klopapier verwenden. (Danke an Michi.)
  44. Man kann mit einer Zeitung und Kleister h√ľbsche Lampfenschirme basteln. (Danke an Michi.)
  45. Man kann mit der Zeitung auch „Langeweile“ √ľberwinden und zun√§chst ein Zimmer damit tapezieren und dann erst alle „A“-Buchstaben, dann alle „B“ usw, einkringeln – vielleicht ein neuer Therapie-Ansatz? (Danke an Marietta)
  46. Man kann die Zeitung als Unterlage verwenden, damit man die Tischdecke nicht verkleckert. (Dank an Giesela S.)
  47. Man kann mit einer Zeitung (politisch korrekt) Geschenke einpacken. (Dank an Torsten S.)

Das sind jede Menge gute Gr√ľnde, die zeigen, wie vielf√§ltig Zeitung ist oder sein kann – auch wenn viele sie f√ľr einf√§ltig halten. Ob man sie auch noch lesen kann oder will, ist doch nun wirklich nur ein Grund unter vielen.

Und versuchen Sie mal einen der oben genannten Gr√ľnde mit Ihrem Notebook, Ihrem Handy-¬† oder dem IPad… (naja, bis auf Grund 22, 40).

Sie sehen Рdie Qualität der guten alten Tante Zeitung ist einfach atemberaubend vielfältig.

Unglaublich ist auch ihr Beitrag zur V√∂lkerverst√§ndigung – den √ľberall auf der Welt, in allen Sprachen, mit allen politischen Hintergr√ľnden gelten alle Pro-Argumente √ľberall gleich.

Und jetzt kommen Sie und zeigen mir auch nur ein einziges Produkt, ein einziges Kulturgut, das ähnlich vielfältig wie die Zeitung ist.

Sie werden keins finden – die Zeitung ist das Symbol f√ľr Vielfalt, f√ľr jedweden Nutzen. Oder?

Jetzt muss sich nur noch eine Zeitung finden, die mutig, humorvoll und selbstironisch genug ist, all diese positiven Eigenschaften zu bewerben.

Mal schauen, wer sich so alles um diese einzigartige Kampagne bewerben wird.

Sollte es so sein wie seit vielen Jahren, kopiert irgendjemand aus dem Internet die Idee sehr erfolgreich und die Zeitungen haben wieder das frustvolle Nachsehen.

Lehnen Sie sich auf, verehrte Zeitungsverleger. Geben Sie Gas. Seien Sie mutig.

Es lohnt sich.

Wenn Sie jetzt denken, dass Sie daf√ľr nichts zahlen m√ľssen, sind Sie schief gewickelt.

Gute Ideen haben immer ihren Preis – schlechte Zeitungen nicht.

Geprothmannt: Gr√ľn-Rot hat gewonnen – und zwar einen Haufen Probleme


Rhein-Neckar/Stuttgart, 28. M√§rz 2011. (red) Noch im Abgang haben verschiedene CDU- und FDP-Vertreter demonstriert, warum sie abgew√§hlt worden sind. Wer W√§hlerinnen und W√§hler als „emotionalisiert“ verunglimpft, zeigt, dass er nicht mehr ganz bei Verstand ist und zu recht in eine f√ľnfj√§hrige Nachdenkpause geschickt wird.

Von Hardy Prothmann

Die Arroganz der Macht hat die Wahl entschieden.

Mit pauschalen Urteilen ist das immer so eine Sache – man tut garantiert jemandem Unrecht. Denn es gibt sie nicht, die homogene Gruppe, in der alle gleich sind. Genausowenig wie es „die“ L√∂sung gibt, die alle Probleme beseitigt.

Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da

Doch das haben CDU und FDP den Menschen lange vorgegaukelt. Sie haben gelogen und betrogen, was das Zeug hält. Heute gesagt, was morgen nicht mehr gilt. Interessen bedient, die selten die der ganz allgemeinen Wählerinnen und Wähler waren, so wie Du und ich.

Sondern die von m√§chtigen Konzernen. Und nat√ľrlich die des einzigartigen Netzwerkes, das sie gestrickt haben. „Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da“, hei√üt ein gefl√ľgeltes Wort.

Wichtige √Ąmter und Posten sind mit strategischen Parteibuchinhabern besetzt, „damit’s l√§uft in Baden-W√ľrttemberg“. Nat√ľrlich gibt es nur ein richtiges Parteibauch, naja und eins, das man auch akzeptiert. Rot oder gr√ľn durfte es auf keinen Fall sein.

Parteibuch-Karrieren

So entschied oft nicht die Kompetenz, wer einen Job erhählt, sondern die Parteifarbe und der Wille, sich in dieses System einzugliedern.

Mit der Zeit degeniert so ein System. Bis die Menschen das merken, dauert es. Aber irgendwann merken sie es. „Alles super im L√§ndle“, hat schon l√§ngst niemand mehr wirklich geglaubt.

Wem da der Glaube abhanden gekommen ist, der wurde mit der Angst bei der Stange gehalten. Die Kommunisten-Angstmache geht immer. Gleich darauf folgt die Verarmungs-Angstmache. Dann die Bedeutungs-Angstmache. Dann die Bedrohungs-Angstmache.

Diffamierungsbrauchtum

Als Argument war jedes Mittel recht. Noch der hohlste Vergleich wurde als Beweis herangezogen. Und die grundanständigen CDU-ler waren sich niemals zu fein, um zu diffamieren, was das Zeug hält.

Die Diffamierung der Gr√ľnen als „Dagegen-Partei“ war so etwas wie die Quintessenz des Schmutzwerfens.

Und sicher glauben die „Anstandstr√§ger“ qua Parteibuch noch nach der Wahlschlappe, dass das irgendwas mit der „Unanst√§ndigkeit“ der anderen zu tun hat. Und wenn die es nicht waren, dann sind es eben die W√§hler.

Zu doof zum Denken

Und die waren angeblich „emotionalisiert“ – sprich: Zu doof zum Denken und nur ihren tempor√§ren Gef√ľhlswallungen unterworfen, hei√üt das. Wer so √ľber Menschen redet, die nicht mit dem einverstanden sind, was man tut, der will diese Menschen auch nicht regieren und geh√∂rt – richtig: abgew√§hlt.

Die Alternative hat Winfried Kretschmann geboten: Er hat sich dazu bekannt, wo gegen er ist. Und er hat den Spie√ü einfach umgedreht und auch gesagt „wof√ľr er ist“. Und der Ausstieg aus der Kernkraft ist das, was die Mehrheit im Land will.

Geradezu ekelerregend ist das „Argument“, Fukushima sei den Gr√ľnen doch „gerade recht gekommen“: „Des hawwe die doch schamlos ausgenutzt“, hat man nicht von wenigen geh√∂rt. Wer so schamlos solch dumme Behauptungen aufstellt, hat l√§ngst jedes Schamgef√ľhl verloren.

Gr√ľner Glaubw√ľrdigkeitsvorteil

Die Gr√ľnen haben einen absoluten Glaubw√ľrdigkeitsvorteil – sie fordern den Ausstieg schon seit 30 Jahren. Jetzt sind sie gew√§hlt und m√ľssen sich ihrer Verantwortung stellen.

Und das wird eine schwere Aufgabe. Denn sie m√ľssen den Dreck wegr√§umen, den andere ihnen hinterlassen haben. Das wird dauern und derweil werden die, die den Dreck verursacht haben, wieder ihre H√§me aussch√ľtten, weil die, die den Dreck nicht haben wollten, ihn nicht schnell genug beseitigen k√∂nnen.

Ein Haufen Drecksprobleme

Da sind zum einen die Atomkraftwerke von EnBW, die Baden-W√ľrttemberg „geh√∂ren“. Der EnBW-Aktienr√ľckkauf ist √ľber Schulden finanziert, die Atomenergie ist eine Cash-Cow f√ľr EnBW. Werden sie abgeschaltet, fehlen gut 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das dr√ľckt die Dividende empfindlich – mit der sollten aber die Schulden abgebaut werden. Wie man aus diesem Dilemma rauskommt, hat noch keiner nachvollziehbar erkl√§ren k√∂nnen.

Die Gr√ľnen haben nun einen Haufen Probleme zu beseitigen, sagt Hardy Prothmann. Bild: sap

Da ist Stuttgart21. Die Gr√ľnen wollen das Volk entscheiden lassen. So paradox es klingt. Das k√∂nnte f√ľr die Gr√ľnen eine „saubere L√∂sung“ sein. Sollte es stimmen, dass mittlerweile eine Mehrheit daf√ľr ist, machen die Gr√ľnen mit der SPD zusammen den Volksentscheid, das Volk sagt ja und man ist fein raus. B√ľrgerbeteiligung versprochen, gehalten, akzeptiert.

Doch was, wenn es anders kommt? Dann drohen wieder enorme Schäden, durch bereits ausgegebene Gelder und Prozesse. Dann gibt es das Projekt nicht, kosten wird es aber trotzdem.

Die Schulreform ist ein Murks – die Reform zu reformieren wird wieder Geld kosten. Und die schon arg strapazierten Nerven aller Beteiligten. Und die Kommunen m√ľssen dringend entlastet werden – das wird ein ganz enorme Kraftanstrengung.

Und ob es mit der Wirtschaft in nächster Zeit gut läuft Рwer weiß? Fukushima hat Japan gelähmt, die Auswirkungen sind immer noch nicht ganz klar.

Und als w√§re das alles noch nicht genug, wird viel im gut geschmierten Baden-W√ľrttemberg nicht mehr „laufen“ – denn √ľberall, wo „Schwarze“ sitzen, wird es Widerstand geben. Au√üer, man legt den Sumpf trocken. Auch das wird kosten.

Die gr√ľn-rote Regierung wird dabei enormen Gegenwind bekommen. Denn die vierte √∂ffentliche Macht, die Presse, ist eindeutig Teil des schwarzen Systems und muss Angst haben, als n√§chstes „dran zu sein“. N√§mlich dann, wenn die Menschen im Land erkennen, wie sie √ľber Jahrzehnte Informationen vorenthalten bekommen haben und an der Nase herumgef√ľhrt wurden.

Mehr Transparenz muss her

Deshalb muss nicht nur die Energieversorgung ver√§ndert werden – auch die Infrastruktur der Meinungsbildung braucht einen Umbau. Hin zu mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Und B√ľrgerbeteiligung.

Unsere Blogs bieten das. Aber nicht, um ein „gr√ľnes System“ mit denselben Methoden zu st√ľtzen, wie das vorher „im schwarzen System“ gelaufen ist. Wir bleiben kritisch, freuen uns aber auf eine Zusammenarbeit. Denn eigentlich kann es nur besser werden.

Unsere Redaktion wird den Gr√ľnen genauso auf die Finger schauen, wie wir das mit allen Parteien machen. Es gibt allerdings einen Vorteil – bislang haben die Gr√ľnen sich sehr transparent und gespr√§chsbereit gezeigt. Auch kritikbereit. Mal schauen, ob das so bleibt.

Denn die Arroganz der Macht kann jeden √ľberw√§ltigen, der nicht aufpasst.

Geprothmannt: Mit „klassischen Medien“ werden Sie aus zweiter Hand informiert. Pr√§dikat: „mangelhaft“.


Guten Tag!

07. Februar 2011. Haben Sie mitbekommen, dass in der arabischen Welt eine Revolution stattfindet? Ja? Wie haben Sie sich dar√ľber informiert? √úber ARD und ZDF? In Ihrer lokalen Tageszeitung? Dann sind Sie leider vermutlich sehr schlecht informiert. Oder haben Sie sich online informiert? Dann k√∂nnten Sie besser informiert sein, wenn Sie die richtigen Quellen kennen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich in Deutschland √ľber die Revolution in den arabischen Staaten informieren m√∂chte, ist denkbar schlecht beraten, wenn er daf√ľr ARD und ZDF oder „seine Zeitung“ benutzt und darauf vertraut, umfassend, hintergr√ľndig und aktuell informiert zu werden.

Informationen? Klar – gibts im Ausland.

Tatsache ist: Man ist viel besser informiert, wenn man die Programme von Al Jazeera, CNN oder BBC einschaltet. Oder die Berichterstattung der amerikanischen New York Times, der spanischen El Pais, der französischen Le Monde oder des britischen Guardian verfolgt.

Das Problem dabei ist: Man muss schon einigermaßen gut Englisch können, um die Nachrichten der Sender und Zeitungen zu verfolgen. Oder ausreichend Spanisch oder Französisch. Gute arabische Sprachkenntnisse wären noch mehr von Vorteil Рdenn dann könnte man viele Originalmeldungen verstehen.

Begrenzte Globalisierung.

Das gr√∂√üte Problem: Wenn man das nicht kann, ist man auf die Angebote von ARD und ZDF oder der Lokalzeitungen im wahrsten Sinne des Wortes „begrenzt“ – und das in Zeiten der Globalisierung.

Sie k√∂nnen sicher davon ausgehen, dass weder der Mannheimer Morgen, noch die Rhein-Neckar-Zeitung und schon gar nicht die Weinheimer Nachrichten irgendeine eigene redaktionelle Leistung zur Lage anbieten wollen oder k√∂nnen. Was Sie auf den Titelseiten lesen, sind ganz √ľberwiegend „Agenturmeldungen“.

Die erscheinen auch in Dutzenden anderen Zeitungen. 1:1. Das sind Berichte, die wie industriell gefertigte Tielk√ľhlpizzen vervielf√§ltigt werden. Ohne „eigenes Rezpt“, ohne eigene „Experten“, ohne eine eigenst√§ndige Leistung der jeweiligen Redaktion.

Vor Ort ist immer lokal.

Unser Anspruch ist die lokale und regionale Berichterstattung – aber immer, wenn die Nachrichtenlage es erfordert, bringen wir auch die „Weltnachrichten“ zu unseren Leserinnen und Lesern. Denn wir alle leben vor Ort, interessieren uns aber auch daf√ľr, was woanders passiert.

Hardy Prothmann schreibt seine Meinung auf. Die ist "geprothmannt". Bild: sap

Unser Interview mit Christoph Maria Fr√∂hder, einem der erfahrensten und besten deutschen Krisenreporter der vergangenen Jahrzehnte auf dem Rheinneckarblog hat Wellen geschlagen. ARD und ZDF waren „not amused“ √ľber die klaren Worte und die eindeutige Kritik. „Intern“ haben wir erfahren, dass das ZDF „stinksauer“ auf uns ist.

„So what“, sagen wir und sind ebenfalls „stinksauer“ – √ľber die unzureichende und schlechte Berichterstattung der mit Milliarden an GEZ-Geb√ľhren „gepamperten“ Sender, von denen wir und unsere Leserinnen und Leser zu Recht mehr als diese schwachen Leistungen erwarten.

√úber das Interview mit Herrn Fr√∂hder hinaus haben wir uns um exklusive Nachrichten bem√ľht und „berichten“ anders, als das √∂ffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen tun. Wir verlinken Quellen und kommentieren diese auf Facebook und Twitter. Zwei Internet-Dienste, die mit daf√ľr verantwortlich gemacht werden, dass die „arabische Revolution“ gegen den Terror und die Diktaturen √ľberhaupt m√∂glich geworden ist.

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen den arabischen L√§ndern und Deutschland. Wer sich hier wie dort auf die „klassischen Medien“ verl√§sst, erh√§lt immer nur gefilterte Nachrichten.

Zweifel an der Qualit√§t m√ľssen immer m√∂glich sein.

ARD und ZDF sind ebenso wie Lokalzeitungen sicherlich nicht mit der Rolle von staatlich gesteuerten Medien in Diktaturen zu vergleichen Рaber man darf durchaus Zweifel an der Qualität ihrer Produkte haben. Vor allem dann, wenn man vergleicht, was das Produkt, in diesem Fall Journalismus, leistet.

W√ľrde man den Journalismus vieler deutscher Medien mit der Autoindustrie vergleichen, st√§nde unumst√∂√ülich fest, dass deutsche Medien deutlich weniger Komfort, Leistung, Innovation bieten als „ausl√§ndische Anbieter“, dass das Preis-Leistungsverh√§ltnis ebenso wie die „Pannenstatistik“ und auch der „Service“ katastrophal sind und unterm Strich einfach nur ein „mangelhaft“ √ľbrig bleibt.

Das gilt selbst f√ľr den „gelben Faktor“, also die so genannte „Yellow-Press“. Alle interessanten „Nachrichten“ und „Infos“, die man hierzu in Deutschland lesen kann, sind nur ein „Ab-„Klatsch internationaler Meldungen und werden in Deutschland „wiederverwertet“. Ausnahmen liefern ab und an Bild und Bunte, die „Promis“ aus der vorletzten Reihe irgendwie „interessant“ machen.

Die Umbr√ľche in der arabischen Gesellschaft zeigen einen desastr√∂sen Zustand des deutschen Journalismus. Wo lesen, h√∂ren, sehen Sie die Berichte von vor Ort √ľber das, was Muslime hier erleben, wenn diese die Nachrichten in Tunesien und √Ągypten verfolgen? Wo sind die Berichte, wie Deutschland sich mit seiner weltweit einzigartigen „Erfindung“ des Mauerfalls als Partner f√ľr europ√§ische Nachbarl√§nder (und das sind alle Mittelmeer-Anreiner-Staaten) einsetzen k√∂nnte?

Geduld? hat die Welt nicht mehr.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diskreditiert sich v√∂llig, wenn sie zur „Geduld“ mit einem Diktator wie Husni Mubarak aufruft. √úbersetzt hei√üt das: „Habt Geduld mit mir, denn ich habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll.“

Was haben Tunesien und √Ągypten nun mit unserer lokalen und regionalen Berichterstattung zu tun?

Sehr viel mehr, als heute, hier und jetzt auf den ersten Blick klar sein mag.

Zuk√ľnftig werden Entscheidungen und Entwicklungen, die in Bayern oder Schleswig-Holstein fallen, auch in Nordbaden ein Rolle spielen.

Warum? Weil man hier vor Ort erfahren kann, was dort vor Ort passiert oder passiert ist.

Facebook und Twitter schaffen Demokratie. Absurd? Nein. Real.

Man kann diese Informationen verwenden, um den Schaden, der woanders entstanden ist, abzuwenden. Und noch viel besser: Man kann das, was woanders gut oder sehr gut „gelaufen ist“ einfach √ľbernehmen. Gut informiert – mit allen „problematischen“ und allen „positiven“ Erfahrungen.

Das ist ein Erfolg der „Facebook“-Generation, der freien Medien oder auch nur der „Handy-Revolution“, wie Beobachter √Ągypten einordnen. Man verbindet sich, man kommuniziert miteinander, man tauscht sich aus, man hat mehr als eine Quelle der Information.

Das ist die Basis f√ľr friedliche „Revolutionen“ – die √§gyptischen Regime-Gegner sind nicht als Brandschatzer und Gewaltverbrecher aufgefallen, sondern durch ihren Willen zur Demokratie – sehr zur Verwirrung „gepr√§gter“ Meinungen, die sich schwer tun, eine Muslim-Bruderschaft als notwendige Organisation anzuerkennen.

Das ist neu, das ist einzigartig, das gibt Hoffnung.

Von den Medien darf man erwarten, dass sie Mubarak einen alten Mann sein lassen. Der 82-j√§hrige Diktator soll sich in Heidelberg behandeln lassen d√ľrfen. Egal, was das kostet. G√∂nnen wir ihm den „goldenen Abgang“ – der Mann ist so reich und hat sein Volk so sehr betrogen. Bringt irgendein „Tribunal“ eine Besserung f√ľr seine „Untaten“?

Eher nicht.

Tunesien und √Ągypten sind beliebte Reisel√§ner der Deutschen – und mal ganz ehrlich? Lohnt es sich nicht, f√ľr einen entspannten Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein wenig f√ľr Demokratie, gerechte L√∂hne und stabile Verh√§ltnisse einzutreten?

Der „Service“ w√ľrde sicher davon profitieren. Oder auch unserer aller Bekenntnis zur Demokratie.

Deswegen: Nutzen Sie die neue Medien. Verfolgen Sie, was passiert.

Schreiben Sie Ihre Meinung auf. Schreiben Sie an die Programmbeiräte von ARD und ZDF. Stellen Sie Forderungen. Schreiben Sie an die Zeitungen und fordern Sie mehr Informationen.

Die Menschen in √Ągypten und Tunesien und anderswo tun das auch. Weil sie gerne in einer freiheitlichen Ordnung leben w√ľrden.

Diese Menschen gehen dabei ein hohes Risiko ein – wir haben die M√∂glichkeit, ohne Risiko f√ľr Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzutreten.

Tun wir das nicht, wächst das Risiko, dass wir das irgendwann nicht mehr ohne Risiko können.

Anmerkung der Reaktion:
Unsere „allererste“ Aufgabe, die lokale Berichterstattung mag etwas „gelitten“ haben – wir hoffen, Sie sehen uns das nach, angesichts der Belastung. Wir sind nur ein kleines Team. Sie k√∂nnen sicher sein, dass wir an den Themen vor Ort dranbleiben.

„Geprothmannt“ erscheint im Wechsel mit anderen Kolumnen immer montags.