Samstag, 14. Dezember 2019

Kommunale Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf fasst zeigt, was Schule und Wirtschaft erreichen können

Gemeinsam „Lust am Beruf“ wecken

Weinheim, 12. Oktober 2012. (red/pm)  Mehr individuelle Förderung, mehr Ausprobieren und praktisches Tun, mehr realistische Einblicke in die Arbeitswelt – das sind die Ziele vielfältiger Aktionen zur Berufsorientierung, die Schulen, die Wirtschaft und weitere Partner gemeinsam realisieren. Zahlreiche vorhandene Aktivitäten fasst die kommunale Koordinierungsstelle „Übergang Schule-Beruf“ jetzt in einer neuen Broschüre zusammen.

Information der Stadt Weinheim:

„Dessen Netzwerk ist beeindruckend: Zahlreiche Schulen und Firmen, Verbände und Kammern, Staatliche Schulamt und die Arbeitsagentur, der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB, die Metropolregion, Serviceclubs, die Diakonie, die Stadt Weinheim und das Land, die Jugendagentur Job Central, die ehrenamtlichen Paten vom WUB, die Freudenberg Stiftung – alle tragen bei zur „Bildungsregion Weinheim“.

Die neue Broschüre gibt einen Überblick. Im Zentrum stehen dabei Praxisbeispiele aus der Kooperation von Schulen und Unternehmen. „Es ist beeindruckend, was es da alles gibt. Die Vielzahl, Vielfalt und der Ideenreichtum ist enorm“, findet Dr. Susanne Felger, die Leiterin der Kommunalen Koordinierungsstelle.

„Die Kooperationen sollen so gestaltet sein, dass Jugendliche, Schulen und Firmen gleichermaßen profitieren. Dass sie sich gegenseitig kennenlernen, neue Partner und Mitarbeiter gewinnen und jeder das einbringt, was er besonders gut kann.“ Jedes Projekt sei ein Praxisbeispiel, zur Nachahmung und Weiterentwicklung ausdrücklich geeignet und empfohlen, betonen Dr. Susanne Felger und Gerhard Gölz vom Staatlichen Schulamt Mannheim, in ihrem Vorwort.

Als Schüler im Berufsleben schnuppern

Da geht es um Bildungspartnerschaften, Langzeitpraktika, Praxisprojekte, Werkstatttage, Planspiele, Azubis, die berichten, um Bildungspartnerschaften, Lernortkooperationen und andere Möglichkeiten, Jugendliche während der Schulzeit ins Berufsleben hineinschnuppern zu lassen. In der Broschüre wird erneut die Vorbildfunktion Weinheims deutlich – rund 40 Seiten mussten es dafür schon sein. Ein kleiner Flyer reicht für die Bandbreite nicht mehr aus. Ausdrücklich danken die Herausgeber allen Akteuren für ihr Engagement, ihren Ideenreichtum und den langen Atem, der für die Realisierung oft nötig ist.

„Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie jungen Menschen die Gelegenheit geben, sich mit der Arbeitswelt und der eigenen beruflichen Zukunft zu befassen.“ Felger und Gölz wissen nur zu gut: Trotz ersten Anzeichen für einen Lehrlingsmangel, gibt es zu viele Jugendliche, die mit der Schule eigentlich abgeschlossen haben und trotzdem noch nicht bereit sind für eine . Sie gehen lieber möglichst lange zur Schule und meiden die Arbeitswelt. Susanne Felger: „Das schmerzt, sind doch die Zeiten des Ausbildungsplatzmangels deutlich vorbei. Umso wichtiger, frühzeitig Gelegenheiten zu schaffen, die Arbeitswelt zu erleben, sich zu orientieren und eigene Talente und Interessen zu entdecken.“

Jugendlichen mit guten Schulleistungen stünden meistens viele Optionen für den Übergang ins Berufsleben zur Verfügung. Doch anders sei es bei Jugendlichen mit weniger guten Abschlüssen. Der Übergang in die Berufswelt erweise sich für Schüler aber auch für deren Lehrer als große Herausforderung. Um den Jugendlichen bei dieser Hürde zu helfen, arbeitet das Weinheimer Büro Übergangsmanagement Schule-Beruf als kommunale Koordinierungsstelle eng mit den Partnern aus Bildung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft zusammen.

Die Jugendagentur Job Central hilft Jugendlichen und Eltern ganz praktisch, einen Berufswegeplan zu entwickeln und eine Lehrstelle zu finden. „Wichtig ist, ihnen Lust auf Ausbildung und Beruf zu machen und sie zu begleiten, den Schritt in die zunächst fremde Arbeitswelt zu wagen. Dafür müssen Schulen, Jugendhilfe, Eltern und Betriebe eng zusammenarbeiten“, betonen Felger und Gölz. Dafür wurde in Weinheim dieses umfangreiche Netzwerk geknüpft, das so umfassend nur in wenigen Städten zu finden ist.

Info: Die Broschüre und andere stehen außerdem auf www.weinheim.de/Bildung/Übergangsmanagement zum Download bereit.

Ein Bündnis für Qualität im Praktikum


Weinheim/Bergstraße, 24. Mai 2011. (red/pm) Kommune, Wirtschaft und Schulen setzen in der Region Weinheim verbindliche Standards für Praktika in Kraft. In der Bildungsregion Weinheim gilt jetzt ein von Kommune, Wirtschaft und Schulen gemeinsam getragener „Qualitätsrahmen Praktikum“ für Werkrealschulen. In diesem praxisnahen Leitfaden stimmen sich die ausbildenden Betriebe und die Schulen auf verbindliche Qualitätsstandards für Praktika ab.

Information der Stadt Weinheim:

Bündnis für Qualität im Praktikum.

„Dabei werden Kriterien für die Vor- und Nachbereitung an den Schulen, sowie für die konkrete Umsetzung in den Betrieben festgelegt. Ein Bündnis, bestehend aus den Bildungsakteuren der Kommune, fünf Werkrealschulen im Bereich der Bildungsregion Weinheim, die IHK Rhein-Neckar, die HWK Rhein-Neckar-Odenwald, der Agentur für Arbeit Mannheim, des DGB sowie Vertretern des Staatlichen Schulamtes Mannheim, des Regierungspräsidiums Karlsruhe und der Stadt Weinheim setzten den „Qualitätsrahmen Praktikum“ am Montag (23. Mai) im Rahmen einer Fachtagung offiziell in Kraft.

Gleichzeitig wurde Bildungs- und Ausbildungsfachleuten der Region der „Qualitätsrahmen“ als 20-seitige gedruckte Broschüre vorgestellt. Entwickelt wurde das Projekt von der Kommunalen Koordinierungsstelle Übergangsmanagement Schule-Beruf unter der Leitung von Dr. Susanne Felger.

Das gemeinsame Projekt hat das Ziel, durch klare Qualitätsleitlinien und Zielvereinbarungen deutlich mehr Schüler fit zu machen für eine Berufsausbildung. In allen Phasen des Praktikums-Managements sollen Schüler und Eltern miteinbezogen werden. Der „Qualitätsrahmen“ gibt konkrete Tipps und Hilfestellungen. Umgesetzt wird er an den Werkrealschulen in Weinheim, Hirschberg/Heddesheim, Schriesheim und Hemsbach.

In der Fachtagung, die den Start des „Qualitätsrahmens“ begleitete, wurde die Notwendigkeit für einen solchen Schritt deutlich: Einerseits wird auch in der Metropolregion Rhein-Neckar bereits ein Fachkräftemangel erkennbar, andererseits gibt es immer noch zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. „Offenbar gibt es hier ein Passungsproblem“, wie es Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard in seiner Begrüßung zur Fachtagung ausdrückte. Der „Qualitätsrahmen“ soll es lösen helfen. Teilnehmer der Tagung im Alten Rathaus am Marktplatz waren auch Vertreter von Weinheimer Firmen.

Jürgen Mohrhardt von der IHK Rhein-Neckar berichtete, dass heute schon jedes dritte ausbildende Unternehmen Ausbildungsplätze aus Mangel an geeigneten Bewerbern unbesetzt lassen muss. 75 Prozent der Betriebe geben „mangelnde Ausbildungsreife“ als Grund an, 60 Prozent beklagen, dass die Jugendlichen zu unklare Vorstellungen von ihrem beruflichen Weg haben. Schon heute fehlen mehr als 300 000 Fachkräfte in Baden-Württemberg. Andererseits, so Gerhard Gölz vom Staatlichen Schulamt Mannheim, finden immer noch fast 40 Prozent der Hauptschüler nach der Schule keinen direkten Anschluss in eine Berufsausbildung.

OB Bernhard fasste zusammen: „Wir brauchen eine bessere Abstimmung zwischen Schulen, Unternehmen und der Schulpolitik der Länder darüber, wie Jugendliche auf Ausbildung und Beruf vorbereitet werden müssen, und wer dabei was tut, um alle optimal zu fördern.“ Der „Qualitätsrahmen“ sei auf diesem Weg eine wichtige Hilfestellung für alle Beteiligten. Er biete die Möglichkeit einer „win-win-Situation“ für Schule und Betriebe herzustellen und somit eine „neue Qualität und Intensität in der Zusammenarbeit“. Auch in Weinheim haben 60 Prozent von 250 befragten Unternehmen Fachkräftebedarf, 37 Prozent wollen diesen Mangel durch Ausbildung im eigenen Betrieb decken. Die Unternehmen, so ergänzte OB Bernhard, brauchen Jugendliche, die sich selbst organisieren, die lernen wollen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

Gerhard Gölz bekräftigte, dass ein gutes Praktikum die Chancen des Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz deutlich verbessere. Der gelernte Lehrer fordert: „Wir sollten mehr auf Kompetenzen achten und nicht nur auf Noten.“

Aus der Praxis heraus berichtete zum Beispiel Thomas Lammer, der Konrektor der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule, wie wichtig und zielführend gute Praktika sein können. In seiner Schule absolvieren Schüler in der achten Klasse ein ganzjähriges Praktikum, indem sie ein ganzes Jahr lang einen Tag im Betrieb sind. Ergebnis: Acht Schüler haben schon jetzt, noch vor der Abschlussprüfung, einen Ausbildungsplatz. Lammer: „Die Noten sind nicht mehr das Wichtigste, wenn der Chef den Jugendlichen über eine lange Zeit kennengelernt hat.“ Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule gilt bei ihrer Praktikumsarbeit als vorbildlich. Einige ihrer Ideen standen für den „Qualitätsrahmen“ Pate.

Jürgen Mohrhardt als Vertreter der Wirtschaft verwies auf das Thema Bildung als Standortfaktor: „Es ist wichtig, dass Kommunen und Unternehmen hier im Gleichklang arbeiten, denn im Zuge des demografischen Wandels müssen beide gemeinsam um Fachkräfte und um Einwohner kämpfen.“ Die Inkraftsetzung des Qualitätsrahmens, so Schulrat Gölz, sei der Anfang eines Prozesses, in dem die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben noch intensiver wird.“

Info: Der „Qualitätsrahmen Praktikum an Werkrealschulen“ steht auch auf www.weinheim.de und auf www.uebma-weinheim.de als download zur Verfügung.

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Das weinheimblog