Freitag, 06. Dezember 2019

Katja Ebstein in der Weinheimer Peterskirche

Es fÀllt ein Stern herunter

Foto: Veranstaltungsagentur Kain

Foto: Veranstaltungsagentur Kain

Weinheim, 25. September 2013. (red/pm) Am 27. November gibt es in Weinheim ein vorweihnachtliches Programm der etwas anderen Art: Katja Ebstein kommt in der Peterskirche und trÀgt Heiteres, Kabarettistisches, Satirisches aber auch Besinnliches aus Gedichten, Liedern und Geschichten vor.

Information der Veranstaltungsagentur Kain:

„Trotz Konsum und selbstgemachtem Stress die Stille wiederfinden. Heiteres, Kabarettistisches, Satirisches aber auch Besinnliches aus Gedichten, Liedern und Geschichten fĂŒr kleine und große Erwachsene – mit BeitrĂ€gen u.a. von James Kruess, Heinrich Heine, Robert Gernhard, Loriot, H. D. HĂŒsch und Erich KĂ€stner. Ein Ebstein-Abend der Poesie mit Witz, mĂ€rchenhafter NaivitĂ€t, Satire und viel Musik verbindet. [Weiterlesen…]

Fackelzug des WSC: Sind Corps-Studenten gut fĂŒrs Image?

Kappen, SĂ€bel, Fackeln

Überwiegend rechtskonservative Vereinigung: Studentische Corps.

 

Weinheim, 22. Mai 2012. (red) Am Wochenende haben sich wieder Corps-Studenten des Weinheimer Senioren-Convents (WSC) aus ganz Deutschland auf der Wachenburg getroffen, um zu tagen. Am Samstagabend fĂŒhrten die „farbentragenden“ und „schlagenden“ Verbindungsstudenten einen Fackellauf durch. Im aktuellen Imagefilm der Stadt tauchen sie auch in einer kurzen Sequenz auf, was fĂŒr viel Empörung gesorgt hat.

Kommentar: Hardy Prothmann

Sie legen viel Wert darauf, nicht verwechselt zu werden: Corps sind zwar Studentenverbindungen, aber sie distanzieren sich zumindest ein Bisschen von den Burschenschaften, von denen manche im Verband Deutsche Burschenschaft eindeutig rechtsextreme Positionen haben.

Der Weinheimer Senioren-Convent vereinigt als Dachverband rund 60 „Korporationen“ mit ĂŒber 1.000 aktiven Studenten und rund 8.000 „alten Herren“, wie sich die Verbindungsstudenten nach dem Eintritt ins Berufsleben nennen.

Mensur als „unverzichtbare Herausforderung“

Die Corps sind „pflichtschlagend“. Das heißt, man muss neben verschiedenen „Voraussetzungen“ Mensuren fechten. Dabei stehen sich die „SchlĂ€ger“ mit Schutzkleidung gegenĂŒber und fechten mit einem SĂ€bel aus fester Position. Man nennt das auch „Pauken“. In frĂŒheren Zeiten gab es einige TodesfĂ€lle, mittlerweile ist die Gefahr einer tödlichen Verletzung durch Regeln und Schutzkleidung gering.

Der WSC schreibt auf seiner Homepage:

Dieses Fechten mit scharfen Waffen kann zu Verletzungen fĂŒhren, kann aber auch vollkommen ohne Blessuren ausgehen. Die Mensur stellt fĂŒr den jungen Menschen eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund wollen die Corps auf gar keinen Fall darauf verzichten.

Durch die Treffer mit der Klinge können Platz- oder Schnittwunden beim Gegner erzeugt werden – der so genannte „Schmiss“. Verbindungsstudenten „tragen“ ihn als Erkennungszeichen oft voller Stolz, soll er doch ihren „Mut“ zum Kampf bezeugen.

Im Kern sind viele Studentenverbindungen etwas, dass kein anderes Land so institutionalisiert hat wie Deutschland: Eine Vereinigung, also ein Verein. Viele sind aber nicht eingetragen (so auch der WSC) und mĂŒssen keine demokratischen Spielregeln zwingend beachten.

Hierarchischer ElitedĂŒnkel

TatsĂ€chlich stehen die Studentenverbindungen aber schon seit ihrem Aufkommen in der Kritik, weil sie einem hierarischen Standeswesen anhĂ€ngen. Die meisten Verbindungen verweigern Frauen die Aufnahme, auch Zivildienstleistende sind ĂŒberwiegend ausgeschlossen. Auch haben Saufgelage, das sogenannte „Kneipen“, den Ruf der Verbindungen nicht gerade verbessert.

Rechtsextreme Verbindungen sind nur vereinzelt vor allem bei den Burschaften zu finden. Insgesamt ist ein rechtskonservatives Hierarchiedenken aber sehr ausgeprĂ€gt. Klar positionierte Ablehnungen der Corps gegen die Burschenschaften fehlen leider. DafĂŒr gibt es aber viele Versuche, das Image zu verbessern.

In Mannheim beispielsweise hat sich 2010 eine Modefirma „ProPatria“ gegrĂŒndet, die das Motto „Pauken mit Stil“ fĂŒhrt. Der FirmengrĂŒnder ließ sich bereits mehrfach von rechten Publikationen interviewen und will patriotisch-konservative Kunden finden.

VerklÀrtes GeschichtsverstÀndnis

Gerade Verbindungen wie der WSC versuchen gezielt, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen. Besonders viel Wert wird auf einzelne WiderstandskĂ€mpfer gelegt, die im 3. Reich verfolgt oder sogar getötet worden sind. Die Hitler-Diktatur lehnte die Verbindungen ĂŒberwiegend ab – aber nicht wegen eines vorhandenen demokratischen Geistes, sondern wegen des bis heute ausgeprĂ€gten Elitedenkens, das mit der „nationalsozialistischen Elite“ kaum vereinbar war.

Was auch selten deutlich hervorgehoben wird, ist dass diese Studentenverbindungen seit ihrem Aufkommen vor rund 200 Jahren immer wieder verboten wurden. Wenn, dann angeblich wegen ihres „demokratischen“ Geistes, doch das ist Geschichtsklitterung.

Gleichzeitig rĂŒhmen die Verbindungen Wehrmachtsoffiziere „aus den eigenen Reihen“ und zeigen damit ein durchaus „verklĂ€rtes“ GeschichtsverstĂ€ndnis und einen deutlichen Pro-Militarismus.

Perfide Einvernahme

Besonders perfide ist die Einvernahme von bekannten Persönlichkeiten durch den WSC, beispielsweise Heinrich Heine als Beispiel eines Verbindungsstudenten aus „Kunst und Kultur“. Dass Heine sich zunĂ€chst interessierte, aber kein Jahr Mitglied in einer Verbindung war, wegen vermutlich antisemitischer GrĂŒnde ausgeschlossen wurde und sich spĂ€ter angewidert vom Verbindungswesen abgewandt hatte, wird nur beilĂ€ufig und unangemessen erwĂ€hnt.

Auszug aus „Deutschland, ein WintermĂ€rchen“, Kapitel 17

Auch deine Fahne gefÀllt mir nicht mehr,
Die altdeutschen Narren verdarben
Mir schon in der Burschenschaft die Lust
An den schwarzrotgoldnen Farben.

Viele Studentenverbindungen „alten Schlags“ verlieren zunehmend Nachwuchs, weil das deutschtĂŒmelnde Brauchtum und das Elitengehabe nicht mehr zieht und frĂŒher durchaus vielversprechende Vorteile durch gĂŒnstige Zimmer oder eine Versorgung auf dem „Haus“ heute durch andere Angebote ĂŒbertroffen werden. Andere Studentenverbindungen, beispielsweise konfessionelle,  verzeichnen hingegen teils ZuwĂ€chse, weil man sich dadurch eine bessere Vermittlung ins Arbeitsleben erhofft.

Gut fĂŒrs Image?

Ob eine Bildungsstadt wie Weinheim tatsĂ€chlich solch altvordere Gebilde wie schlagende Studentenverbindungen als Teil des eigenen Images befördern sollte, ist durchaus umstritten. Unsere Leserinnen und Leser lehnten dies klar ab, wĂ€hrend sich OberbĂŒrgermeister Heiner Bernhard (SPD) gerne mit Corps-Studenten fotografieren lĂ€sst.

Es gibt sicher auch Menschen, die uniformierte und mit SĂ€beln bewaffnete, bekappte, angeschickerte Studenten beim Fackelzug fĂŒr irgendwie „romantisch“ halten – ebenso wie die Wachenburg, die aber ganz unromantisch zwischen 1907 und 1928 von den Verbindungen als „Vereinshaus“ gebaut worden ist und ganz sicher keinen „alten traditionellen“ Ort darstellt.

Und selbst wenn die Mensur erlaubt ist, bei der sich zwei junge MÀnner mit SÀbeln auf den Kopf zu hauen versuchen, wie der Rechtsprofessor Björn Burkhardt im Interview mit dem Weinheimblog feststellt, so kann man durchaus Zweifel haben, dass erstens der Charakter sich mit Schmissen formen lÀsst und zweitens ein gutes Image dabei rauskommt.

Nicht umsonst ist es mit dem Image der Studentenverbindungen seit 200 Jahren nicht weit her.

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