Mittwoch, 15. August 2018

Keine Angst vor Apps und Tablets

Mit neuen Medien zum besseren Lesen

Fobi Bildungsbuero

Lern- und Lesepaten. Foto: Stadt Weinheim

 

 

Weinheim, 20. Dezember 2013. (red/pm) Die Lern- und Lesepaten des Weinheimer Bildungsb√ľros lernten dazu: Dank einer Fortbildung f√ľrchten sie nun weder Apps und Tablets. [Weiterlesen…]

Was k√∂nnen Sie im Notfall f√ľr Ihre Sicherheit tun?

Sicher sein trotz Katastrophe

Ratgeber Katastrophe

Der Katastrophenratgeber f√ľr die Notfallvorsorge. Foto: Bundesamt f√ľr Bev√∂lkerungsschutz und Katastrophenf√§lle

 

Weinheim, 17. Oktober 2013. (red/pm) Die Feuerwehr Weinheim und das Bundesamt f√ľr Bev√∂lkerungsschutz und Katastrophenf√§lle informieren √ľber den neuen Ratgeber f√ľr Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. Deutschland ist gut vorbereitet… [Weiterlesen…]

"Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen"

Wann „teilen“ richtig teuer werden kann – Abmahnfalle Facebook

Rhein-Neckar, 12. Januar 2013. (red) Seit Anfang Januar ist eingetreten, was in juristischen Fachkreisen schon l√§nger erwartet worden ist: Ein Nutzer, der auf Facebook ein Foto geteilt hat, wurde abgemahnt. F√ľr ein Foto in Briefmarkengr√∂√üe sollen an Schadensersatz und Rechtsgeb√ľhren insgesamt 1.750 Euro zusammenkommen. Merke: Was einfach und eigentlich eine wichtige Funktion bei Facebook und anderen sozialen Diensten ist, das Teilen von Inhalten, kann schnell zur Kostenfalle werden. Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein – das bewahrt im konkreten Fall aber nicht vor enormen Kosten.

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist sehr lang, denn das Thema ist komplex. Sie sollten ihn aber dringend lesen, wenn Sie soziale Dienste wie Facebook nutzen oder nutzen wollen. Und wir berichten nicht nur „theoretisch“, sondern ganz praktisch. Denn auch wir sind in einem Rechtsstreit von der Problematik betroffen, die gerade bundesweit f√ľr Schlagzeilen sorgt.

Das Foto ist lustig, die Tiere sind s√ľ√ü, der Spruch ist klasse, die Nachricht ist wichtig oder interessant – warum auch immer Facebook-Nutzer Inhalte teilen: Sie sollten sehr sorgsam mit der Teilen-Funktion umgehen, denn schon wenige Klicks oder ein „√ľbersehenes“ H√§kchen k√∂nnen tausende Euro Kosten nach sich ziehen. Das ist kein Scherz und auch kein Alarmismus, sondern bittere Realit√§t. Die besonders rigiden Urheberrechte der deuschen Gesetzgebung machen es m√∂glich, dass sich Anw√§lte und Rechteinhaber hierzulande √ľber Abmahnungen eine goldene Nase verdienen k√∂nnen.

Durch die Teilen-Funktion drohen horrende Kosten

Es kommt nicht wesentlich darauf an, wie gro√ü beispielsweise ein geteiltes Foto ist: Wenn die Gegenseite „b√∂sartig“ vorgeht und die rechtlichen Regelungen „brutalstm√∂glich“ umsetzt, drohen horrende Kosten. Das h√§ngt vom Einzelfall ab, von der Zahl der Fotos, ob man diese √∂ffentlich oder nur privat teilt beispielsweise oder ob man gewerblich auf Facebook aktiv ist.

Nach Einschätzung des Berliner Rechtsantwalts Thomas Schwenke, kann man sich auch nur schlecht herausreden, wenn man sich ahnungslos gibt: Sobald ein Bild auf Facebook durch die Vorschaufunktion gepostet worden ist, geht man ein Rechtsrisiko ein:

Die √∂ffentliche Zug√§nglichmachung ist immer ein Versto√ü, wenn einem daf√ľr die Rechte fehlen. Das Problem dabei: Die Menschen haben sich daran gew√∂hnt, Links zu kopieren oder Artikel zu teilen. Lange Zeit ist nichts passiert, es fehlt das Unrechtsbewusstsein. Technisch geht es um die ‚ÄěTeilen‚Äú-Funktion oder das Posten von Links: Der Crawler sucht nach einem Foto, sofern er eins findet, l√§dt er das nach. Wer das so best√§tigt und verwendet, begeht, je nach Rechtelage eine Nutzungsrechtsverletzung.

F√ľr ein einzelnes Foto k√∂nnen mehrere hundert Euro gefordert werden. Dazu Schadensersatzforderungen, Anwaltsgeb√ľhren und Gerichtskosten. Ob die Abmahnung und die geforderten Geldbetr√§ge zul√§ssig sind, ist erstmal egal. Die Forderung wird erhoben und mit gro√üer Wahrscheinlichkeit durch ein Gericht best√§tigt werden.

Klagen kann, wer die Rechte besitzt und einen Verstoß behauptet

Bis hierhin kostet „der Spa√ü“ die Forderung sowie das Honorar und die Gerichtsgeb√ľhr. Will man sich zur Wehr setzen, kommen die eigenen Anwaltskosten und weitere Gerichtsgeb√ľhren hinzu – wer vor Gericht verliert, zahlt alles. Mit etwas Gl√ľck kann man sich vergleichen oder die „Forderung“ dr√ľcken – unterm Strich wird man auf jeden Fall mit erheblichen Kosten zu rechnen haben.

Die Voraussetzung und den Abmahnprozess erklärt Rechtsanwalt Schwenke:

Der Kl√§ger muss die entsprechenden Rechte haben. Und: Es macht einen Unterschied, ob sie privat posten oder gewerblich. Wer privat postet, kann zwar abgemahnt werden, aber da sind die Anwaltsgeb√ľhren auf 100 Euro gedeckelt. Hinzu kommt aber der Schadensersatz. Gewerbliche Poster m√ľssen sich auf saftige Schadensersatzforderungen und entsprechende Anwalts- und Gerichtskosten einstellen.

So sieht es aus, wenn Sie bei Facebook eine Informaton teilen wollen. Bevor Sie posten, sollten Sie genau √ľberlegen, ob Sie nicht besser ein H√§kchen bei „Kein Miniaturbild“ setzen. Wenn doch, haben Sie sich das Foto „zu eigen“ gemacht. Wenn Ihr Facebook-Account auch noch √∂ffentlich ist, kann das eine Abmahnung zur Folge haben.
Nicht durch uns Рaber es gibt genug Anwälte und Rechteinhaber, die hier ein lukratives Abmahngeschäft betreiben.

Die gedeckelten Kosten bei Abmahnungen von Rechtsverletzungen durch „Privatleute“ bieten einen gewissen Schutz: F√ľr die Anw√§lte ist ein solches Verfahren nicht lukrativ – au√üer, sie machen eine Massenabmahnung daraus und verschicken Standardbriefe, in denen nur die Adressen ausgetauscht werden. Man besch√§ftigt ein paar billige Kr√§fte, die die Rechtsverst√∂√üe dokumentieren, die Adressen raussuchen und dann rollt die Abmahnwelle. Man kennt das von den Abmahnwellen beim File-Sharing. Wenn nur ein Bruchteil zahlt, klingelt es auf dem Anwaltskonto und dem des „Mandanten“. Das k√∂nnen zum Beispiel Firmen sein, die Fotosammlungen aufkaufen und damit Rechteinhaber werden. M√∂glicherweise haben die gar kein Interesse, die Fotos zu verkaufen, sondern warten wie die Spinnen im Netz auf ihre Opfer.

Die „Motivation“ f√ľr eine Klage ist egal

Das klingt absurd? Das ist die Realit√§t. Die Rechteinhaber werden nat√ľrlich niemals als Motiv „Gewinnmaximierung durch ein auf Abmahnungen basierendes Gesch√§ftsmodell“ ins Feld f√ľhren, sondern sich als Opfer von Rechtsverletzern darstellen. Und selbst wenn es „Aasgeier“ sind: Die Gesetzgebung gibt ihnen das Recht, die Nutzungsrechtsverletzung zu verfolgen.

Die entscheidende Frage ist also, was man Teilen darf: Ohne Risiko darf man nur Fotos teilen, die „rechtefrei“ sind oder f√ľr die man die Erlaubnis zum Teilen hat. Das Problem: Woher bekommt man die Erlaubnis und woher wei√ü man, was rechtefrei ist und was nicht? Im Alltag ist das kaum zu entscheiden. Fast alle Facebook-Nutzer teilen beispielsweise Artikel von Medien, weil sie ihre Kontakte auf diese Informationen hinweisen wollen. Wird ein Vorschaubild mitgepostet, ist der Rechtsversto√ü begangen. Punkt.

Au√üer, dies wurde ausdr√ľcklich erlaubt. Mal ehrlich? Wann haben Sie vor dem Posten auf der Seite eines Anbieters recherchiert, ob im Impressum oder den Allgemeinen Gesch√§ftsbedingungen das Teilen ausdr√ľcklich erlaubt ist oder nicht? Tatsache ist: Wenn Sie das recherchieren, werden Sie feststellen, dass die allermeisten Anbieter – auch und gerade gro√üe Portale – die Rechtsinhaberschaft eindeutig feststellen. Somit ist jedes Posten von Fotos erstmal rechtlich fragw√ľrdig.

Keine Klage heißt nicht kein Rechtsverstoß

Das trifft zum Beispiel auch zu, wenn Sie unsere Artikel teilen und automatisch erzeugte Vorschaubilder mitposten. Oder wenn Sie Artikel von Zeitungen oder anderen Medien mit Vorschaubild teilen. Von unserer Seite aus m√ľssen Sie nichts bef√ľrchten, wir werden private Nutzer garantiert nicht abmahnen, denn aus unserer Sicht bewerten wir den Nutzen – n√§mlich das Verbreiten unserer Informationen – h√∂her als einen Rechtsversto√ü (zur Sicherheit unserer Leser/innen werden wir das k√ľnftig regeln). Doch wie sieht das bei anderen aus, beispielsweise Zeit Online oder dem SWR? Rechtsanwalt Schwenke:

Hier w√ľrde ich die Gefahr eher als gering einsch√§tzen. Der Tatbestand ist gegeben, aber die Anbieter w√§gen zwischen Schaden und Nutzen ab. Der Nutzen des Teilens wird sicher h√∂her bewertet, insofern w√ľrde ich bei professionellen und gro√üen Anbietern eher kein Problem sehen. Bei Agenturen, Foto-Stock-Anbietern, Fotografen und kleineren Anbietern wird es riskant.

Wie bereits genannt: Es hängt vom Einzelfall ab. Davon gibt es aber täglich Millionen, beispielsweise durch das Teilen von lustigen Fotos, Tierbildern und so weiter. Rechtsanwalt Schwenke:

Die sind theoretisch auch √ľberwiegend betroffen, sofern es alleinige Nutzungsrechte gibt. Wenn Sie Ihren Freundeskreis aber geschlossen halten und nicht-√∂ffentlich posten, ist die Gefahr geringer, au√üer unter Ihren Freunden ist der, der die Rechte h√§lt und Sie verklagt.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke rät zur Vorsicht: Im Zweifel besser keine Fotos teilen. Foto: RA Schwenke

 

Sobald öffentlich geteilt wird, steigt die Gefahr von Abmahnungen

Merke: Wer viele Freunde sammelt, die er nicht kennt, erhöht in dieser Hinsicht das Risiko. Wer sich jetzt fragt, wieso das, was man seit langer Zeit macht und was ja alle machen, plötzlich ein Rechtsrisiko sein soll, bekommt die Antwort:

Gesch√ľtzte Fotos zu teilen war schon immer ein Rechtsversto√ü, nur jetzt gab es erst jetzt die erste Abmahnung, die ist durchgegangen und ab sofort muss man damit rechnen, dass hier Agenturen und Anw√§lte Geld verdienen wollen.

Der Fachanwalt Schwenke bestätigt unsere Einschätzung, dass es weniger um Rechtewahrung, als um Kohle machen geht:

Nat√ľrlich wird der Schutz behauptet werden. Ob das allerdings das wahre Motiv ist, d√ľrfte manchmal fragw√ľrdig sein. Man h√∂rt, dass es Agenturen gibt, die gro√üe Bildbest√§nde aufkaufen und eng mit Kanzleien zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es Software, die auch Fotos identifizieren kann und dann scannen solche Firmen Postings, bis sie Treffer haben. Das kann man als verwerflich betrachten ‚Äď rechtlich ist es einwandfrei zul√§ssig und kann ein lukratives Gesch√§ft bedeuten.

Es könnte auch kostenfrei zugehen Рdarauf sollte man nicht hoffen

Und nat√ľrlich muss der Rechteinhaber nicht abmahnen und er muss auch keine Rechnung stellen, eine Aufforderung zur L√∂schung w√§re ein erster kostenfreier Schritt. So verhalten wir uns beispielsweise, wenn wir mit der Ver√∂ffentlichung von Inhalten, die uns geh√∂ren, auf anderen Internetseiten nicht einverstanden sind.

Es gibt aber auch Inhalte, die man vermeintlich problemlos teilen kann. Youtube-Videos beispielsweise. Aber leider droht auch hier die Abmahnfalle Рwieder abhängig vom Einzelfall, wie Thomas Schwenke erklärt:

Bei youtube und anderen gro√üen Portalen dieser Art willigt der Einsteller ins Sharen ein ‚Äď er kann also keine Nutzungsrechtsverletzungen geltend machen. Au√üer, er hat Inhalte eingestellt, an denen er keine Reche besitzt, dann kann der Rechteinhaber gegen den Einsteller und gegen alle, die teilen vorgehen. Auch hier sollte man also vorsichtig sein, was man teilt. Nicht erlaubt sind Screenshots aus Filmen ‚Äď dadurch fertigt man ‚ÄěFoto‚Äú-Kopien an. Sofern man die √∂ffentlich macht, ist das eine Nutzungsrechtsverletzung, selbst wenn der Screenshot denselben Inhalt hat wie ein automatisch generiertes Vorschaubild.

Und wie sieht es mit Eltern aus, deren Teenager einen Facebook-Account haben und fleißig alles teilen, was ihnen gefällt?

Die Eltern haften meist nicht, wenn diese ihre Kinder auf den sorgsamen Umgang hingewiesen haben. Hier ist meist der Umfang von Nutzungsrechtsverletzungen und die Art und Weise entscheidend. Ausgeschlossen ist eine Haftbarkeit aber nicht.

Betroffen sind alle, die teilen

Die potenzielle Gefahr betrifft also alle die am meisten, die nicht-privat auf Facebook posten: Gewerbetreibende, Freiberufler, Firmen, Dienstleister, Vereine, Beh√∂rden, Verb√§nde und so weiter. Die √úberlegung, man betreibe ja nur ein kleines Angebot oder verdiene damit nur wenig oder biete als Verein einen Service an, bietet keinen Schutz. Sobald man √Ėffentlichkeit herstellt, kann man in der Falle sitzen. Und zwar unabh√§ngig von Facebook, auch andere soziale Dienste wie Google+ sind betroffen, also jeder Dienst, der Vorschaubilder erzeugt.

Das betrifft uns auch selbst: Wir haben aktuell einen Rechtsstreit, der in Teilen auch Facebook-Vorschaubilder betrifft. Und ganz ehrlich? Das Problem war uns vorher nicht bekannt. Der Umgang mit Rechten geh√∂rt zwar zu unserer t√§glichen Arbeit und wir achten sehr verantwortlich auf ein einwandfreies Verhalten – aber auch wir m√ľssen wie alle immer wieder dazulernen.

F√ľr unsere Leserinnen und Leser werden wir f√ľr das Teilen unserer Inhalte Rechtssicherheit schaffen – soweit wir das k√∂nnen. In den n√§chsten Tagen werden wir einen Passus in unsere Nutzungsbedingungen aufnehmen, der ausdr√ľcklich die Verwendung von Vorschaubildern f√ľr den privaten Gebrauch erlaubt.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht

Tats√§chlich k√∂nnen wir Ihnen ehrlicherweise damit keinen einhundertprozentigen Schutz vor Rechtsverfolgungen bieten, wenn Sie unsere Informationen teilen. Zur Erl√§uterung: Wir verwenden h√§ufig fremdes Bildmaterial, das wir beispielsweise √ľber Pressestellen zur Verf√ľgung gestellt bekommen, sei es √ľber die Gemeindeverwaltungen, das Landratsamt, Ministerien, die Polizei, Hilfsdienste, Feuerwehren, Parteien, Veranstaltungsunternehmen, Theater, Schulen, Vereine oder andere Anbieter, ob „√∂ffentlich“ oder „privatrechtlich“. Wir gehen dabei davon aus, dass der jeweilige Zulieferer √ľber die Nutzungsrechte verf√ľgt und diese an uns weitergibt. Zur Absicherung fragen wir beim ersten Kontakt nach, ob das pauschal so zutrifft und bekommen das entsprechend best√§tigt. Bei Pressestellen setzen wir das voraus.

In der Praxis kann es aber zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wenn jemand behauptet, die Nutzungsrechte zu haben. Absurd? Nein, Tatsache und derselbe Fall, den Rechtsanwalt Schwenke am Beispiel von Youtube oben im Text erl√§utert hat. Und die Tatsache, dass es der Presse und anderen Medien erlaubt worden ist, hei√üt noch lange nicht, dass Sie als privater oder gewerblicher Nutzer ebenfalls „Ver√∂ffentlichungsrechte“ haben. Wir wiederum k√∂nnten umgehend den Betrieb einstellen, wenn wir dies tats√§chlich f√ľr jedes Foto pr√ľfen m√ľssten. Der Verwaltungsaufwand w√§re gigantisch. Wir m√ľssen uns also selbst verlassen und k√∂nnen die Gefahr nicht ausschalten.

Genau das ist auch zum Teil Gegenstand eines aktuellen Rechtsstreits, den wir f√ľhren m√ľssen: Eine Person behauptet, die alleinigen Nutzungsrechte f√ľr Fotos zu haben, die von der Pressestelle eines Unternehmens √∂ffentlich als „Presseinformation“ zur Verf√ľgung gestellt worden sind und bis heute als „Presseinformation“ downloadbar sind. Wir haben diese Fotos benutzt und sind daf√ľr abgemahnt worden. Streitwert f√ľr jedes der drei Fotos: 3.000 Euro, also in Summe 9.000 Euro.

Die Gefahr lauert √ľberall

Und obwohl der Hinweis von Rechtsanwalt Thomas Schwenke vermutlich √ľberwiegend zutreffend ist, dass von gro√üen Anbietern eher keine Gefahr droht: In unserem Fall hat die Pressestelle einer Firma eines sehr gro√üen Medienkonzerns hier in der Region diese Fotos zur Verf√ľgung gestellt und die abgebildete Person hat uns wegen der Nutzung abgemahnt. Ob das zul√§ssig ist, m√ľssen wir nun vor Gericht kl√§ren. Bei vollem Prozesskostenrisiko in H√∂he von mehreren tausend Euro. Da dies zur Zeit ein schwebendes Verfahren ist, √§u√üern wir uns aktuell nicht, werden Sie aber informieren, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Um es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Gefahr lauert √ľberall. Beispielsweise bei Ihrem Verein. Der hat ganz korrekt einen Bilderdienst abonniert und bezahlt diesen f√ľr die Nutzung von Fotos. Oder kauft Fotos von einem Sportfotografen zur Verwendung auf der eigenen Website. Soweit ist alles korrekt. Der Verein hat die Nutzungsrechte erworben. Was aber steht im „Kleingedruckten“? Hat der Vorstand das gepr√ľft oder verlassen Sie sich darauf, „dass das alles schon in Ordnung ist“? D√ľrfen Vereinsmitglieder oder andere Personen die Vereinsmeldungen inklusive Vorschaufoto „teilen“? Das kann sein, das kann aber auch nicht sein. Und wenn diese Rechte nicht genehmigt worden sind, begeht jeder, der ein Vorschaubild oder ein anderes teilt, einen potenziellen Rechtsversto√ü, der abmahnf√§hig ist. Wenn Sie dann behaupten, Sie h√§tten das nicht gewusst, hilft Ihnen das im Zweifel erstmal nichts.

Ein anderes aktuelles Beispiel: In den vergangenen Wochen ist das Foto eines vermissten Jugendlichen aus Mannheim in Facebook geteilt worden. Der Junge wurde mittlerweile tot aufgefunden. Mit dem Tod verfallen die Pers√∂nlichkeitsrechte nicht und die Nutzungsrechte erst nach dem Tod des Urhebers, also der Person, die das Foto gemacht hat. Sie halten das f√ľr ein makabres Beispiel? Das interessiert die Gerichtsbarkeit nicht: Wer dieses Foto verwendet hat, k√∂nnte das Pers√∂nlichkeitsrecht der Person verletzt haben. Und ganz sicher liegt ein Urheber- und Nutzungsrechtsversto√ü vor.

Und wenn Sie sich bereits mit der Problematik befasst haben und denken: Google darf doch auch Vorschaubilder anzeigen, dann liegen Sie richtig, aber die Schlussfolgerung, Ihnen w√§re das auch erlaubt, ist falsch. Suchmaschinen verwenden daf√ľr eine technische Funktion ohne die eine Suchmaschine wenig Sinn machen w√ľrde. Rechteinhaber, die das nicht wollen, m√ľssen ihre Inhalte sch√ľtzen und k√∂nnen durch technische Einstellungen eine automatisierte Erfassung verhindern. Sie als „Teiler“ von Inhalten sind aber kein Automat, sondern eine willentlich handelnde Person.

Thomas Schwenke bringt die aktuelle Rechtssituation auf den Punkt:

Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen.

Außer, man lässt die Finger von Facebook und anderen Diensten.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dringend Abhilfe zu schaffen. Sprechen Sie Ihre Abgeordneten an. Teilen Sie unseren Artikel und helfen Sie, das Thema bekannt zu machen. Es betrifft tats√§chlich jeden, der Informationen im Internet teilt – abh√§ngig vom Einzelfall. Und warnen Sie andere vor Rechteinhabern, die darauf aus sind, andere mit teuren Abmahnungen zu √ľberziehen.

Links:

Zeit online: Abmahnung wegen eines Bildchens auf Facebook

hr: Vorsicht bei Facebook-Vorschaubildern

http://rechtsanwalt-schwenke.de

RA Schwenke zum Abmahnfall

Praxistipps von RA Schwenke

Hinweis: Wir werden in Zukunft immer wieder darauf aufmerksam machen, welche Leistung wir Ihnen anbieten. Die Zitate von Rechtsanwalt Schwenke entstammen einem Interview f√ľr das lokaljournalistische Netzwerk istlokal.de. F√ľr dieses Interview wurden inklusive Vorrecherche, Gespr√§ch und Produktion rund f√ľnf Stunden Arbeit aufgewendet. F√ľr diesen Text wurden inklusive Recherche rund acht Stunden Arbeit aufgewendet. Wir bieten unseren Leser/innen diese Leistung kostenfrei an. Wenn Sie unsere Arbeit mit einer freiwilligen Zahlung unterst√ľtzen wollen, weil Sie diese unterst√ľtzen wollen oder selbst Nutzen daraus gezogen haben, sind wir daf√ľr sehr dankbar. Ebenso, wenn Sie uns bei den Kosten f√ľr den Rechtsstreit unterst√ľtzen wollen. Schreiben Sie uns bitte eine email an redaktion (at) rheinneckarblog.de, wir teilen Ihnen dann gerne unsere Bankverbindung mit. Eine Spendenquittung k√∂nnen wir nicht ausstellen.

Erster B√ľrgermeister Dr. Torsten Fetzner √ľber seine Facebook-Aktivit√§t

„Ich mag es, wenn es schnell geht.“

Dr. Torsten Fetzner, Erster B√ľrgermeister, hat Spa√ü am Umgang mit Facebook: „Die Geschwindigkeit fasziniert mich.“

 

Weinheim, 05. Dezember 2012. (red/aw) Der Erste B√ľrgermeister Dr. Torsten Fetzner steht im st√§ndigen Austausch mit den B√ľrgerinnen und B√ľrgern von Weinheim. Seit sechs Wochen bewegt er sich auf einer weiteren kommunikativen Plattform: Facebook. √úber seine Beweggr√ľnde, die¬†Vorteile einer solchen¬†Online-Pr√§senz und der Faszination des Ph√§nomens Facebook sprach er im weinheimblog.de-Interview.

Interview: Alexandra Weichbrodt

Herr Dr. Fetzner, Sie nutzen seit kurzer Zeit intensiv die Social-Media Plattform Facebook. Warum?

Dr. Fetzner: Ich habe in der Vergangenheit einfach gemerkt, dass ich bestimmte Bev√∂lkerungsgruppen in unserer Stadt nicht mehr erreiche. Besonders j√ľngere Menschen unter 30 Jahren lesen nicht mehr viel Zeitung. Das habe ich auch bei meiner 19-j√§hrigen Tochter festgestellt, die sich fast ausschlie√ülich √ľber das Internet informiert. Ich habe mir ein Facebook-Profil angelegt, um an diese Altersgruppe heranzutreten mit dem Ziel, √ľber Weinheimer Themen zu informieren.

Wie viele Facebook-‚ÄúFreunde‚ÄĚ haben Sie?

Fetzner: Momentan 323. Da sind Leute dabei, die ich nur vom Sehen kenne, einige private Freunde, und alte Schulkameraden. Aber auch ganz ‚ÄúUnbekannte‚ÄĚ aus unserer Stadt und der Umgebung.

Nutzen Sie auch noch andere Social-Media-Dienste?

Fetzner: Nein, Facebook ist momentan die einzige Plattform. Darauf habe ich mich f√ľr den Anfang beschr√§nkt. Irgendwie muss ich das Ganze ja auch t√§glich bew√§ltigen.

„Nichts Privates bei Facebook“

Sind Sie denn eher als Erster B√ľrgermeister oder als Privatperson online?

Fetzner: In erster Linie bin ich als Erster B√ľrgermeister bei Facebook. Das ist mir auch wichtig, da ich ohnehin wenig Privatleben habe. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, werde ich oft als Erster B√ľrgermeister erkannt und angesprochen. Viele nutzen dann die Gelegenheit, um auch mal direkt mit mir zu sprechen. Das ist auch in Ordnung. Aber die wenige Privatsph√§re, die ich habe, m√∂chte ich mir bewahren. Daher nichts Privates von mir √ľber Facebook.

Sie halten aber keine R√ľcksprache mit dem Pressesprecher der Stadt Weinheim, bevor Sie Beitr√§ge bei Facebook posten?

Fetzner: Nein, ich mach das alles aus dem Bauch heraus. Bisher gab es da auch keine Probleme. Ich informiere eh regelm√§√üig, beispielsweise den Gemeinderat √ľber aktuelle Geschehnisse. Ich handle autonom und muss mich nach niemandem richten, was sehr sch√∂n ist.

Auch √ľber Facebook ansprechbar sein

Welche Erfahrungen haben Sie bereits gemacht? Wie sind die Reaktionen ihrer “Freunde?

Fetzner: Die Reaktionen auf von mir gepostete Informationen sind interessant. Ich finde es h√∂chst spannend, wie die B√ľrgerinnen und B√ľrger reagieren und ihre Meinung √§u√üern.

Pers√∂nliche Anfragen oder direkte Nachrichten an mich sind bisher eher selten. Gerne d√ľrfen die Menschen aber auch √ľber Facebook mit ihrem Anliegen an mich herantreten.

Sehr auff√§llig ist, dass ich durch Facebook noch schneller an Informationen herankomme. Ob das jetzt Bilder von aktuellen Ereignissen sind, wie am vergangenen Wochenende beim Weihnachtsmarkt in der Weststadt oder Reaktionen zu Beschl√ľssen, die im Gemeinderat erfolgen. Dank Facebook kann ich noch am selben Abend die ersten Meinungen dazu sehen bzw. lesen.

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile von sozialen Netzwerken?

Fetzner: F√ľr mich ist der gr√∂√üte Vorteil, dass ich schnell mit Leuten in Kontakt kommen kann, die ich normalerweise √ľber traditionelle Medien nicht mehr erreicht h√§tte. Mit der Betonung auf ‚Äúschnell‚ÄĚ, denn die Geschwindigkeit fasziniert mich. Ich mag es, wenn es schnell geht. Ich habe Spa√ü an der schnellen Kl√§rung von Sachverhalten, beispielsweise durch e-Mails. Bei Facebook geht das ja noch eine Nummer schneller.

Diese Schnelligkeit kann allerdings auch ein Nachteil sein. Man ist versucht, immer auch schnell zu reagieren. Dabei √ľberdenkt man vielleicht nicht alles, was man antwortet oder postet. Ich versuche da ganz diszipliniert zu sein und nicht unbedingt aus der Emotion heraus, flapsig oder zweideutig zu antworten. Darin liegt auch eine Gefahr.

Dr. Torsten Fetzner ist ge√ľbt im Umgang mit Laptop und Co.: „Ich arbeite fast schon Papier-frei.“

 

Sie f√ľhlen sich mit dem allgemeinen Fortschritt der Technik wohl, oder? Ihr Arbeitsplatz l√§sst es zumindest vermuten. Er ist sehr mobil eingerichtet, mit Laptop und iPad.

Fetzner: Ja, ich f√ľhle mich im Umgang mit diesen Ger√§ten sehr wohl. Ich schreibe nur noch wenig per Hand. Bei Besprechungen habe ich immer mein iPad dabei und mache mir darauf Notizen. Diese maile ich anschlie√üend gleich ins B√ľro und lege sie dort dann in meinem System ab. Ich arbeite also schon fast Papier-frei. Auch wenn dies in der Verwaltung eher un√ľblich ist.

Das Internet ist f√ľr mich ohnehin unentbehrlich. Da hole ich mir eine Vielzahl an Informationen und nutzte jetzt ja auch die M√∂glichkeiten der interaktiven Kommunikation. Da ist es schon wichtig, mit der Zeit zu gehen.

„Das Internet ist unentbehrlich“

Auch die Stadtverwaltung Weinheim ist sehr aktiv bei Facebook. F√ľr wie wichtig halten Sie diese Pr√§senz im Austausch mit den B√ľrgerinnen und B√ľrgern?

Fetzner: Ich finde das ist mit eine der wichtigsten Aufgaben, die unser Pressesprecher Roland Kern ausf√ľllt. Er macht die ganze Pressearbeit der Stadtverwaltung immer sehr zeitnah und aktuell. Wann die Informationen aber √ľber die √∂rtliche Presse ver√∂ffentlicht werden, k√∂nnen wir nicht beeinflussen. Daher ist Facebook eine gute M√∂glichkeit f√ľr uns, einen Teil der B√ľrgerinnen und B√ľrger selbstst√§ndig und vorallem schnell zu informieren.

Auf der Weinheim-Seite findet zudem bereits ein guter, regelm√§√üger Austausch statt. Einfach, weil gepostete Informationen von den B√ľrgerinnen und B√ľrgern direkt kommentiert wird. Da werden wichtige Diskussionen angesto√üen.

Sie bef√ľrworten diese Art von Kommunikation im gesellschaftspolitischen Diskurs?

Fetzner: Ja, denn ich sehe das absolut positiv. Kommunikation ist immer wertvoll und wichtig. Egal, in welcher Form sie stattfindet. Da ist es besser wir kommunizieren √ľber Facebook, als gar nicht.

 

Zur Person:
Dr. Torsten Fetzner ist promovierter Bauingenieur und lebt seit 1985 in Weinheim. Der geb√ľrtige Karlsruher ist seit Dezeber 2005 Erster B√ľrgermeister von Weinheim. Er ist verheiratet und hat eine 19-j√§hrige Tochter.

Bibliothek hat einen Freund, und der ist . . .

Die Bibliothek hat auch einen Journalisten als Freund

Weinheim, 01. November 2012. (red/pm) Die Bibliothek hat einen Freund, und der ist . . . so heißt eine neue Veranstaltungsreihe der Weinheimer Stadtbibliothek.

Information der Stadt Weinheim:

„Dabei bekommen Kinder im Alter ab 6 Jahren Einblicke in verschiedene spannende Berufe. Als n√§chstes, am Mittwoch, 7. November, 15 Uhr, hat die B√ľcherei in der Luisenstra√üe einen Freund, und der ist . . . . Journalist.

Der Weinheimer Pressesprecher Roland Kern wird den Kindern √ľber den Berufs des Redakteurs und Reporters berichten und gleich die technische Umsetzung in verschiedenen Medien √ľben.

Wer m√∂chte, kann von dem Nachmittag eine kleine Zeitung oder den Mitschnitt einer kleinen Nachrichtensendung als Erinnerung behalten. Die Veranstaltung dauert knapp zwei Stunden, der Eintritt ist frei.“

"Ent"täuschende "Berichterstattung"

Geprothmannt: Bagatell- vs. Kollateralschaden

Bleiben am Ende nur noch Tr√ľmmer? Journalismus war mal ein angesehener Beruf - heute ist das Image besch√§digt. Archivbild

 

Mannheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 18. Juni 2012. (red) Es gibt einen Brand, die Feuerwehr l√∂scht diesen schnell. Der Schaden bleibt eigentlich √ľberschaubar und doch nicht. Das „Opfer“ ist das „Scheck In-Center“ in Viernheim. Aber es kommt noch ein weiteres hinzu, dass mit allem gar nichts zu tun hat: Die Bev√∂lkerung. Der Schadensverursacher: Journalisten. Der Schaden: Glaubw√ľrdigkeitsverlust in unbekanntem Ausma√ü.

Von Hardy Prothmann

Der Ruf von Journalisten ist nicht der beste. Vollkommen zurecht. Sie fragen sich jetzt, wieso ein Journalist dem eigenen Berufsstand ein schlechts Zeugnis ausstellt? Die Antwort ist ganz einfach: Nur wenn man sich nach vorne verteidigt, kann man hoffen, weitere Sch√§den zu verhindern. Das ist durchaus egoistisch gedacht. Denn ich und meine Mitarbeiter achten sehr auf bestm√∂gliche Qualit√§t unserer Informationen – egal, ob wir √ľber leichte Themen wie Feste und Aktivit√§ten berichten oder √ľber anspruchsvolle wie Kultur und Wirtschaft oder Politik und Sport.

Ganz klar machen auch seri√∂se Journalisten Fehler. Wenn diese passieren, sollten die Leserinnen und Leser aber dar√ľber informiert werden. Doch das tun die meisten Medien nicht. Auch klar: Wenn wir einen Rechtschreibfehler entdecken oder auf Fehler hingewiesen werden, verbessern wir den auch ohne eine Korrekturmeldung, wenn es sich um eine Bagatelle handelt. Berichte mit kapitalen Fehlern legen wir in der Kategorie „Korrektur“ ab, damit Leserinnen und Leser sofort und ohne lange Suche eine zun√§chst fehlerhafte Berichterstattung sowie die Korrektur finden k√∂nnen. Auf dem Heddesheimblog sind dort seit dem Start vor drei Jahren „nur“ acht von √ľber 2.500 Berichten als fehlerhaft gekennzeichnet. Wir √§rgern uns √ľber jeden Fehler und haben diese korrigiert.

Falscher Eindruck vermittelt

Der Mannheimer Morgen hat aktuell √ľber einen Brand im Viernheimer Scheck In-Center „berichtet“. Der „Bericht“ ist mit dem K√ľrzel „bhr“ gekennzeichnet. Der unbedarfte Leser denkt jetzt: „Ok, jemand, dessen Namen mit bhr abgek√ľrzt wird, war vor Ort oder nach sich zumindest telefonisch oder auf anderem Weg die Informationen besorgt, gepr√ľft und dann seinen Bericht verfasst.“ Doch dieser naheliegende Gedanke ist in diesem Fall und leider viel zu oft ein Fehler. Denn kein Journalist des MM war vor Ort und es wurde auch sonst nichts recherchiert.

Tats√§chlich wurde also keine „journalistische Leistung“ erbracht. Durch das geschickte Setzen von An- und Abf√ľhrungszeichen liest sich der Text, als habe „bhr“ mit dem Pressesprecher der Feuerwehr Viernheim gesprochen, denn er zitiert ihn ja „w√∂rtlich“. Tats√§chlich ist dieser Eindruck aber eine T√§uschung. Auf Nachfrage best√§tigte uns der Pressesprecher Andreas Schmidt, dass er mit niemandem vom MM in dieser Sache gesprochen hat:

Die haben automatisch eine email mit dem Pressetext bekommen, wie alle Redaktionen, die das wollen.

Ist die Nachricht aber falsch? Ja und nein. Sie erweckt den falschen Eindruck, als habe der Journalist mit dem Pressesprecher gesprochen. Und sie erweckt den Eindruck, der Journalist habe selbst√§ndig recherchiert und den Bericht selbst verfasst. Die Fakten sind aus Sicht der Feuerwehr sicher zutreffend. Die Mutma√üung √ľber die Schadensh√∂he ist es nicht.

Die Originalmeldung der Feuerwehr. Quelle: FFW Viernheim

 

Die geguttenbergte Version im Mannheimer Morgen. Quelle: SHM

Geguttenbergter Journalismus ist Betrug am Leser

Diese Form „journalistischer“ Arbeit ist g√§ngig in vielen Redaktionen: Bei Zeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen und im Internet. Man nimmt frei zug√§ngliche Informationen, „etikettiert“ sie ein wenig um und schon hat man einen „eigenen“ redaktionellen Bericht. Das ist und bleibt Betrug am Leser.

Sie fragen sich, warum das passiert? Warum andere Redaktionen so verfahren? Warum es nicht alle ehrlich und transparent wie wir mit unseren Blogs berichten? Fragen Sie die Redaktion Ihres Vertrauens. Ich versichere Ihnen, man wird Sie nicht sonderlich ernst nehmen. Erst, wenn Sie das Abo k√ľndigen wollen.

Wir tun das, was eigentlich eigentlich selbstverst√§ndlich sein sollte. Wir benennen n√§mlich immer deutlich die Quelle, wie auch in diesem Fall ist der Text mit „Information der Feuerwehr Viernheim“ klar gekennzeichnet worden. Das hat mehrere Gr√ľnde. Der wichtigste: Wir respektieren die Arbeit von anderen. Wir schm√ľcken uns nicht mit „fremden Federn“. Der n√§chste Grund ist: Wo bei uns „Redaktion“ draufsteht, ist auch Redaktion drin. Daf√ľr sind wir verantwortlich. Und ein ebenfalls sehr wichtiger Grund ist: Wir k√∂nnen nur daf√ľr einstehen, was wir selbst recherchiert haben. Wir wollen uns weder fremde Inhalte aneignen, noch darin enthaltene Fehler.

Der Einsatzbericht der Feuerwehr beispielsweise ist √ľberwiegend korrekt – hat aber den Eindruck eines gro√üen Schadens hinterlassen. Viele Kunden blieben heute deswegen dem Markt fern. Wir haben die Meldung ebenso gebracht, waren aber bis 14:00 Uhr das einzige Medium, das einen Reporter vor Ort hatte, um sich ein Bild zu machen und haben danach umgehend berichtet, dass es f√ľr Kunden keine Einschr√§nkungen gibt und der Schaden eher √ľberschaubar ist.

Au√üerdem konnten wir recherchieren, dass in diesem Fall wohl eine „Klarstellung“ in der morgigen Ausgabe der Zeitung folgen soll – man darf gespannt sein. Denn die Scheck In-L√§den geh√∂ren zur Edeka-Gruppe. Und dort ist man „not amused“ √ľber den scheinbar redaktionellen Bericht im Mannheimer Morgen. Die Edeka selbst ist ein sehr gro√üer Kunde der Zeitung und d√ľrfte pro Jahr Anzeigen im Wert von einigen Millionen Euro bei der Zeitung schalten. Ich versichere Ihnen, dass man bei der Zeitung in diesem Fall den √Ąrger sehr ernst nimmt. Aber nicht, weil man „journalistisch“ besser oder wenigstens „korrekt“ arbeiten will, sondern um den Umsatz nicht zu gef√§hrden.

Bagatell- vs. Kollateralschaden

Nach dem Brand ist im Scheck In – anders als im Feuerwehrbericht gemutma√üt – nur ein „Bagatellschaden“ entstanden. Dieser Schaden wurde unn√∂tig durch Umsatzausf√§lle f√ľr das Unternehmen vergr√∂√üert. Der gro√üe Kollateralschaden entsteht aber durch den allt√§glichen Guttenberg-Journalismus, bei dem nach Lust und Laune geklaut und abgekupfert, umetikettiert und abgeschrieben wird. Sie halten diesen „Fall“ f√ľr eine Bagatelle? Ist er nicht, weil er nur ein Beispiel f√ľr eine systematische T√§uschung vieler Mediennutzer ist. (Haben Sie die „Jogi“-F√§lschung bei der EM mitbekommen? Das ZDF zeigte eine „Live-Berichterstattung“, in die Aufnahmen hineingeschnitten wurden, die vor dem Spiel, also nicht „live“ entstanden sind. Das hat zu heftiger Kritik gef√ľhrt. FAZ: „Die Regie spielt falsch„)

Einen Brandschaden kann man beseitigen – eine besch√§digte Glaubw√ľrdigkeit ist nur schwer wieder zu bereinigen.

Darunter leiden aber nicht nur die Schummler, sondern auch alle, die sich gr√∂√üte M√ľhe geben, einen herausragende oder zumindest ehrlichen Journalismus zu bieten. Leider tun das immer weniger und der f√ľr die Gesellschaft und Demokratie so wichtige Journalismus verliert weiter an Ansehen. Da k√∂nnen sich Politiker und Journalisten die Hand geben – aber es gibt auch in der Politik „anst√§ndige“ Leute.

Die Leserinnen und Leser können ebenso wie Unternehmen aber deutlich machen, ob sie Qualität wollen oder nicht.

Bei einer Wahl macht macht das mit einer Stimme. Im Markt hat man auch Macht: Minderwertige Produkte kann man abbestellen oder muss sie nicht kaufen. Und Werbung kann man im glaubw√ľrdigen Umfeld schalten, wo sie auch am besten wirkt.

Weitere Informationen:

Wie aus einer gemeindlichen Pressemitteilung ein Redakteursbericht wird, lesen Sie hier: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?

Wie die RNZ einen PR-Text eines Politikers zu einem Redakteursbericht macht, lesen Sie hier: „Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

In Sachen Guttenberg war die mediale Emp√∂rung gro√ü. Dabei sind viele Medien selbst sehr erfahren in Plagiaten. „Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist ‚Äď wie Tageszeitungen tagt√§glich ‚Äúbeschei√üen‚ÄĚ

Ein unabh√§ngiger Reporter berichtet √ľber eine SPD-Hauptversammlung. Weit gefehlt. Der Reporter ist selbst Mitglied im Ortsverein. „Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K√ľrzel ‚Äústu‚ÄĚ zu halten ist

Auch wir machen Fehler – und reagieren angemessen: „Urheberrecht vermutlich missachtet

 

Anm. d. Red.: Um Missverst√§ndnissen vorzubeugen: Die Freiwillige Feuerwehr wird ausdr√ľcklich nicht kritisiert. Die hat wie so oft ihren Job gemacht und einen gr√∂√üeren Schaden verhindert.

Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina Stärz

Mein Smartphone und ich gehen einen Kaffee trinken

Ist ein Smartphone ein guter Ersatz f√ľr einen

Rhein-Neckar, 04. Juni 2012. Ist ein Smartphone ein guter Ersatz f√ľr einen „echten“ Begleiter? Geht der Trend zum Secondhand-Leben? Dar√ľber macht sich Gesina so ihre Gedanken.

Gerhard Polt wurde vor kurzem 70 Jahre alt. Er wird halt √§lter, wie er selbst sagt, was keineswegs mit dem Wort ‚Äěalt‚Äú und seiner Bedeutung zu verwechseln ist. Denn alt ist, wer nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt, vorm Fernseher herumh√§ngt und das Leben aus zweiter Hand aus den Medien erf√§hrt.

Nach der Definition k√∂nnen auch junge Menschen als alt bezeichnet werden, so sagt es der am Schliersee lebende Kabarettist. Und nach seinen Beobachtungen gibt es dar√ľber hinaus einen Trend zum Secondhand-Leben.

Heute tauschen sich die Menschen sehr h√§ufig √ľber das aus, was sie vermittelt durch Medien erlebt haben: also im Fernsehen gesehen, im Internet entdeckt oder in den Zeitungen gelesen. Ja, so ist das. Und das ist noch nicht alles.

Real oder virtuell?

Wir Menschen sind uns dank der Medien so nah und dabei gleichzeitig so fern, dass man meinen k√∂nnte, ein und derselbe Mensch wandere zwischen Parallelwelten hin und her, und nur gelegentlich befinden wir uns in der Welt, die wir real nennen, in der es Ger√ľche gibt, etwas zu essen und das nat√ľrliche Bed√ľrfnisse, das Gegessene in verarbeiteter Form wieder loszuwerden.

Ach ja, das Atmen nicht zu vergessen, und das Trinken. Einen Cappuccino zum Beispiel oder einen Latte Macchiato. Das geht nur real, nicht virtuell, aber nat√ľrlich mit virtueller Begleitung. W√§hrend ich dies schreibe, sitze ich in einem Caf√© in Mannheim und mir gegen√ľber an einem Tisch eine junge Frau, vielleicht Anfang 20, die Konturen um die Augen schwarz nachgezogen, die Haut blass, der Blick gelangweilt, vor einer Jumbotasse Milchkaffee.

Es ist √ľbrigens ein Caf√© mit einem wunderbaren Blick auf den Rhein. Sitzt man in erster Reihe, dann ist man dem Wasser so nah, dass man das Gef√ľhl hat, man gleite knapp √ľber der Wasseroberfl√§che dahin.

Begleiter, die nicht da sind ‚Äď eigentlich

Zur√ľck zur jungen Frau. Sie sitzt zwar allein am Tisch, aber sie ist dennoch nicht allein. Neben der Jumbotasse Milchkaffee liegt ihr virtueller Begleiter, ein Smartphone. Gelegentlich gibt ihr virtueller Begleiter T√∂ne von sich, dann liest sie von seinem Display etwas ab, l√§chelt, tippt auf ihm herum und nimmt einen Schluck Kaffee.

Manchmal spricht sie in ihren virtuellen Begleiter hinein, gibt ihre Position durch, fragt nach seiner Position, erklärt, dass sie nichts macht und auch noch nicht weiß, was sie später machen wird. Dann legt sie auf und surft offensichtlich via Smartphone im Internet. Vielleicht brauchte sie neue Erlebnisse, neue Informationen, neue Nachrichten aus der virtuellen Welt, um etwas zum Erzählen zu haben.

Vielleicht waren es Kaffeehausgäste wie diese junge Frau und ihre virtuellen Begleiter, die Gerhard Polt beobachtete und die ihn zu seiner Secondhand-Erlebnisweltthese brachten.

Gehirnkapazität outsourcen

Aber nicht nur Kabarettisten machen sich Gedanken √ľber die Auswirkungen der medialen Welt auf unser Leben, auch Philosophen. David Chalmers, einer der bedeutendsten Philosophen unserer Zeit, kauft sich nicht einfach nur ein iPhone, er denkt auch √ľber ein solches nach.

Ebenso Andy Clark, auch Philosoph. Ihre Thesen lauten: Wir erweitern unseren Geist, das Mentale ist √ľberall in der Welt. In Google zum Beispiel und in anderen Suchmaschinen zu denen wir via Hardware Zugang haben. Unsere Gehirne outsourcen sozusagen Ged√§chtnisfunktionen und haben dann freie Kapazit√§ten f√ľr andere Leistungen.

Offensichtlich ist uns das noch gar nicht bewusst. Wir stecken in den Kinderschuhen gro√üer Entwicklungen. Wir haben die M√∂glichkeit, kognitive Leistungen zu outsourcen. Damit erschlie√üen sich freie Geisteskapazit√§ten. Ist das nicht so, als w√ľrden sich uns v√∂llig neue Ressourcen erschlie√üen, wie einst zu Beginn der Industrialisierung die Rohstoffvorkommen unserer Erde?

Jetzt haben wir Unmengen von freien Denkkapazit√§ten zur Verf√ľgung. Nur, wozu nutzen wir diese? Sollten nicht schon unsere Kinder in Kinderg√§rten und Schulen darauf vorbereitet werden?

Die junge Frau mir gegen√ľber schlie√üt Kopfh√∂rer an ihr Smartphone an und st√∂pselt sie ins Ohr. Sie h√∂rt vermutlich Musik. Ich studiere ihren Gesichtsausdruck in der Hoffnung, herauszufinden, was sie h√∂rt. Sie ist blass und schaut ein wenig gelangweilt ‚Äď alles unver√§ndert. Vielleicht sollte ich sie anrufen oder ihr eine SMS schicken?

Geprothmannt: Die Bundespräsidenten und die Meinungsfrage

Die Medien, die Macht und die Moral

Joachim Gauck soll der 11. Bundespr√§sident werden. Es gibt Kritik an ihm, aber auch Hoffnung. Jeder entscheidet sich selbst √ľber seine Meinung aufgrund von Informationen. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

 

Rhein-Neckar, 23. Februar 2012. (red) Neben der Debatte um Wulff und Gauck wird auch eine √ľber die Rolle der Medien gef√ľhrt. Wie viel Macht haben sie? Wie viel Moral? Was d√ľrfen Medien, was nicht? Diese Fragen und das Suchen von Antworten begleiten die Debatte um „den“ Bundespr√§sidenten und das ist gut so. Medien sollen kontrollieren und meinungsf√∂rdernd sein – aber sie m√ľssen auch kontrolliert werden: Man darf sich durch sie eine Meinung bilden und eine Meinung zu ihnen haben.

Von Hardy Prothmann

Was rauschte der Bl√§tterwalt, was wurde nicht alles gepostet – zu Wulff und Gauck? Zum zur√ľckgetretenen 10. und zum designierten 11. Bundespr√§sidenten.

Und parallel zum unw√ľrdigen Verhalten des Vorteilspr√§sidenten Wulff wurde das Verhalten der Medien diskutiert. Gut oder schlecht? M√§chtig oder √ľbersch√§tzt?

Und mit der Entscheidung f√ľr Gauck kam der angebliche „shitstorm“ in den sozialen Netzwerken, falsche oder verf√§lschte Quellen und Zitate bei elektronischen Medien. Behaupten vor allem „traditionelle“ Medien.

Kritik vs. Kritik

Kritik folgte auf Kritik. Aber nicht vorurteilsfrei, sondern verurteilungsfreudig. Meinungsmache vs. „Meinung haben“. Standpunkt vs. Polemik – je nachdem, aus welcher Perspektive man die Debatten √ľber den zur√ľckgetretenen und vermutlich k√ľnftigen Bundespr√§sidenten eben hat, haben kann, haben will.

Hardy Prothmann, verantwortlich f√ľr dieses Blog, tritt f√ľr subjektiv-objektiven Journalismus ein: Seine Meinung auf Basis von Fakten finden und √§u√üern.

Diese Debatten sind sehr erstaunlich: W√§hrend viele B√ľrger die Macht der Meinungsmacher, also der (traditionellen) Medien thematisieren, thematisieren (traditionelle) Medien die √Ąu√üerungen von B√ľrgerinnen und B√ľrgern als unzul√§ssig, unprofessionell und als „shitstorm“.

Und „schuld“ daran ist dieses Internet: Ein Medium ohne zentrale Struktur, ohne Redaktionsschluss, ohne Redaktionslinie, ohne Seilschaften, ohne Parteibuch, ohne jede Abh√§ngigkeit, bis auf die, ob man einen Online-Zugang hat oder nicht.

Informationsfreiheit

Ohne auf Einzelheiten zu Wulff oder Gauck eingehen zu wollen: Jeder hat die M√∂glichkeit, sich ungehindert √ľber das Internet zu informieren und zu kommentieren. Jeder hat die M√∂glichkeit, eine Information, die er hier findet, mit anderen Informationen zu vergleichen.

Und zwar auch unabh√§ngig von √Ėffnungszeiten von Kiosken, Zustellzeiten von Zeitungen, Sendungszeiten von H√∂rfunk oder Fernsehen.

Das Internet erm√∂glicht allen B√ľrgerinnen und B√ľrgern, sich ungehinderter denn je ihre Meinungen zu bilden und ebenso ungehinderter denn je, ihre Meinungen zu √§u√üern. Nicht nur zu √§u√üern, sondern sogar zu verbreiten.

Irritationen

Das irritiert die „Torw√§chter“ (Gatekeeper), die traditionelle Medien lange waren. Die Politiker, die mit traditionellen Medien lange gemeinsame Sache gemacht haben wie auch alle anderen, die „die Medien“ als das genutzt haben, was „die Medien“ aus sich selbst gemacht haben – eine Meinungsverkaufstheke.

Bei den konservativen Medien gabs Schwarzbrot, bei den linken Medien Habssattbrot und bei der Bild gibts seit jeher Brot und Spiele.

Kein anderes Medium beherrscht den Kosmos von Blut und Sperma, Moral und Empörung, Star und gefallener Engel, Teufel und Hoffnungsträger so gut, wie das Springerblatt.

Tiere – Titten – Tote

Die einfache Formel TTT – Tiere, Titten, Tote – zieht seit Jahrzehnten.

Mit der Bild nach oben und dann ab in den Keller: Das Ehepaar Wulff. Bild: Franz Richter, BY-SA CC 3.0, Wikipedia

Die Bild-Zeitung ist ein Drecksblatt, skrupellos und habgierig. Es bemächtigt sich allem und jedem, womit man Aufmerksamkeit erzielen und diese verkaufen kann.

Und jeder, der sich auf die Bild einl√§sst, muss wissen, dass man mit ihr „nach oben f√§hrt, aber auch nach unten“ (Anm. d. Red.: Es gibt einen „Pater noster“ im Axel-Springer-Hochhaus“, der unaufh√∂rlich nach oben und nach unten wandert.)

Aber die Bild-Zeitung ist das professionellste Blatt in ganz Europa. Sie besch√§ftigt sich mit Schmutz und wenn keiner da ist, dann erfindet sie welchen. Die Rechtsabteilung ist gro√ü, Schadensersatz ins Produkt „Bild“ mit einkalkuliert.

Leidmedium Bild

Und die meisten anderen Medien folgen der Bild – die wird im Kanzleramt wie auf der Schicht wie in den Redaktionen zuallerst gelesen.

Hat sie deshalb Macht? Missbraucht sie diese? Sind alle Personen, die in Bild auftauchen nur Opfer?

Keineswegs und ganz klar ja.

Der Skandalbundespräsident Christan Wulff wurde von der Bild nicht gezwungen, sich von einem befreundeten Unternehmer einen Kredit geben zu lassen. Auch nicht, von anderen Unternehmern Vorteile zu erlangen.

Er wurde nicht Home-Stories gezwungen, zu Urlaubsstories und was sonst noch privat alles so interessant am Gl√ľck der Wulffs war.

S√ľndenf√§lle

Die Bild zwingt niemanden ins Bett mit Sekret√§rinnen und Geliebten. Sie veranstaltet keine Drogen- und/oder Prostituiertenparties, sie stiftet nicht zur Steuerflucht an, sie ist nicht verantwortlich f√ľr Gammelfleisch, einen „Wir sind Papst“, f√ľr Korruption und Vorteilsnahme und schon gar nicht f√ľr Mord und Totschlag, der immer gerne genommen wird.

Und die Bild hat die Staatsanwaltschaft Hannover nicht gezwungen, um Aufhebung der Immunität von Wulff zu bitten, um zu Verdachtsmomenten ermitteln zu können.

Die „Macht der Medien“ basiert auf Artikel 5 Grundgesetz:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Die Bild nutzt dieses B√ľrgerrecht gnadenlos aus. Das muss man ihr genauso vorwerfen, wie jedem, der nur „Schei√üe“ loswerden will bei einem Shitstorm im Internet.

Haltung

Jede journalistische Redaktion muss pr√ľfen, welche Linie sie vertreten will, was wichtig und was nicht wichtig ist. Worauf man Wert legt und worauf nicht. Das ist eine Stilfrage – aber auch eine, die √ľber Aufmerksamkeit entscheidet.

Wird Jochim Gauck ein "guter" Bundespr√§sident werden? Dar√ľber darf und sollte man sich seine eigene Meinung bilden. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

Die Nutzer dieses Produkts „Meinungsbildung“, haben das Recht und die Pflicht, sich ebenso verantwortlich zu verhalten. Dreck als Dreck zu identifizieren und ihre Macht durch ihre Aufmerksamkeit und was sie daf√ľr „bezahlen“ auszuspielen.

Christian Wulff hat durch sein Verhalten das Amt des Bundespräsidenten beschädigt Рdiese Meinung teilen viele, aber nicht alle.

Joachim Gauck wird kein einfacher Bundespräsident werden und ob er geeignet ist, wird die Zukunft zeigen.

Der „shitstorm“ ist gut, denn Herr Gauck wird √ľber- und gepr√ľft. Das ist ein gro√üer Vorteil, denn alles, was er vor der Amts√ľbernahme gesagt hat, kann er nun selbst pr√ľfen, sich eine neue Meinung bilden und dann als Bundespr√§sident daf√ľr einstehen, was er im Amt tut oder sagt.

Meinungsfreiheit

Dar√ľber urteilen werden alle die, die interessieren und sich interessieren – mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit.

Die Menschen, die Medien und die Moral der daraus resultierenden Gesellschaft.

Stuttgart 21: Gemeinden im Wahlkreis Weinheim stimmen f√ľr den Ausstieg

Rhein-Neckar, 27. November 2011. Die zehn Gemeinden im Wahlkreis 39 (Weinheim) haben √ľberwiegend f√ľr das Ausstiegsgesetz und damit gegen Stuttgart 21 gestimmt. In acht von zehn Gemeinden waren die Menschen mehrheitlich gegen das Milliardenprojekt. Auch die Wahlbeteiligung (42,6 Prozent) ¬†lag mit rund 3,7 Prozentpunkten √ľber dem Durchschnitt des Rhein-Neckar-Kreises von 38,92 Prozent, aber unter dem Landesdurchschnitt von 48,8 Prozent. Der Wahlkreis Weinheim liegt zwar weitab von Stuttgart, trotzdem war die Ablehnung des Bahnhofsprojekt deutlich. Daf√ľr gibt es Gr√ľnde.

Von Hardy Prothmann

„Die Mehrheit der B√ľrgerinnen und B√ľrger im Wahlkreis ist f√ľr den Ausstieg“, sagte der Gr√ľne Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl kurz nach dem vorl√§ufigen amtlichen Endergebnis auf unsere Anfrage: „Wir konnten die B√ľrger mit unseren Argumenten mehrheitlich √ľberzeugen.“

Das ist f√ľr seinen Wahlkreis zutreffend. Auch bei der Landtagswahl hatte Sckerl hier deutlich hinzu gewonnen, w√§hrend sein Kontrahent Georg Wacker in dem bislang eher „schwarzen“ Wahlkreis verloren hat, ebenso der SPD-Abgeordnete Gerhard Kleinb√∂ck.

Uli Sckerl sieht daf√ľr eindeutige Gr√ľnde: „Der Verkehr ist bei uns ein gro√ües Thema und die Leute wissen, dass die Kassen knapp sind und das Geld, was in Prestige-Objekte wie Stuttgart 21 gesteckt wird, hier bei uns fehlt. Das ist ein absolut regionales Abstimmungsergebnis bei uns.“

Hinzu kommen aktuelle Projekte, viele Versprechungen und wenig L√∂sungen, die die fr√ľher herrschenden CDU-Mehrheit „besorgt“ hat. „Die Menschen sind kritischer, informieren sich im Internet und sicher haben die „Prothmann-Blogs“ ihren Anteil durch kritische Berichterstattung.“

Das h√∂ren wir gerne und teilen – wenig √ľberraschend – diese Auffassung. Nat√ľrlich ist es aber nicht unser Angebot allein, √ľber das sich die Menschen im Wahlkreis zunehmend informieren.

Denn die Stuttgart 21-Bewegung insgesamt ist ohne Internet und Mobilfunk nicht vorstellbar. √úber Jahrzehnte unterst√ľtzte die gesammelte konservativ-publizistische Macht, oft in heillose Abh√§ngigkeiten verstrickt, die CDU-Politik. Obwohl diese einseitige „Stimmungsmache“ bis heute viele Menschen pr√§gt, verliert sie deutlich und zusehends ihren Einfluss.

Angebote wie fluegel.tv kann man auch in Weinheim oder Ladenburg sehen. Der Schriesheimer findet au√üerhalb der Zeitungswelt gerade im Internet andere Informationen, als die, die oft „gefiltert“ in der Zeitung landen. Zudem tauschen sich die Menschen per email, Chat oder in Foren aus. Und bilden sich ihre eigene, umfangreiche Meinung.

„F√ľr die erste Volksabstimmung in Baden-W√ľrttemberg ist eine Wahlbeteiligung um die 40 Prozent (Wahlkreis Weinheim) auch sehr ordentlich“, √§u√üerst sich Uli Sckerl gemeinsam mit dem „Bergstr√§√üer B√ľndnis „Ja zum Ausstieg aus Stuttgart 21“ in einer Pressemitteilung unmittelbar nach der Wahl.

Stimmt das? Jein ist die richtige Antwort. Sicherlich tr√§gt dazu bei, dass Stuttgart weit weg ist – trotzdem ist die Beteiligung h√∂her als im Rhein-Neckar-Kreis insgesamt. Das Verkehrsthema ist omnipr√§sent – Probleme beim S-Bahn-Ausbau, die Unsicherheit √ľber die ICE-Neubaustrecke und teils miserable Busanbindungen sind Thema bei den Menschen. Man h√§tte sich trotzdem eine h√∂here Abstimmung gew√ľnscht – andererseits ist der Wahlkreis eher konservativ und die klare Positionierung hat gezeigt, dass „Hinterzimmer-Politik“ auf Kosten des Steuerzahlers l√§ngst nicht mehr gewinnt.

Hinzu kommen die neuen Informationsm√∂glichkeiten und nat√ľrlich auch unser kritischer Journalismus, der zum Beispiel das Gemauschel von CDU und RNZ aufgedeckt hat und immer wieder eine fehlende oder fehlerhafte Berichterstattung in anderen Zeitungen thematisiert, Aussagen von Politikern nachrecherchiert, kritisch pr√ľft und meinungsstark ver√∂ffentlicht.

Ehemals glorreiche Projekte wie das „100-Millionen-Euro-Projekt“ „Pfenning“ kommen nicht mehr so einfach durch wie fr√ľher. Denn es gibt kritische Nachfragen und fundierte Recherchen f√ľhren zu Zweifel, ob diese Projekte alle so gut sind, wie sie verkauft werden. In Hirschberg war es der Sterzwinkel in Weinheim ist der Konflikt um die Breitwiesen entfacht. In Ladenburg haben die Menschen gelernt, dass gro√üe Industrien gro√üe Gewerbesteuerbeitr√§ge zahlen und dann pl√∂tzlich nichts mehr, mit massiv-negativen Folgen f√ľr den kommunalen Haushalt.

58,8 Prozent f√ľr Stuttgart 21 gegen√ľber 41,2 Prozent f√ľr den Ausstieg sind ein klares Ergebnis. Die Mehrheit hat sich f√ľr den Weiterbau ausgesprochen. Aber: Die Mehrheit ist weit von der Realit√§t entfernt – zumindest der im Landtag.

Die Gr√ľnen haben dort nur 26 Prozent – 74 Prozent vereinigen CDU, SPD und FDP auf sich. Allesamt Unterst√ľtzer von Stuttgart 21. Vergleicht man das mit dem Abstimmungsergebnis habe die Gr√ľnen sogar enorm viele Anh√§nger in der S21-Frage hinzugewonnen.

Man darf gespannt sein, wie die Opposition und die SPD dazu steht, ob sie erkennen, wie eng es um deren politische Unterst√ľtzung wird.

Wenn Sie in den kommenden Tage S√§tze lesen wie: „Stuttgart 21 wird doch gebaut“, dann wissen Sie, woher der „Redaktionswind“ weht. Erste Meldungen dieser Art sind schon verbreitet worden, als seien sie richtig. Richtig ist, dass das Projekt tot ist, wenn die Kosten √ľber 4,5 Milliarden Euro hinaus wachsen.

Link:
Hier können Sie die Einzelergebnisse der Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises abrufen.

Dokumentation: Reaktionen auf die Fischfutter-Affäre Ströbele

Weinheim/Heddesheim/Berlin, 27. November 2011. Die Abmahnung einer unserer Schlagzeilen durch das Anwaltsb√ľro des Berliner Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Str√∂bele (B√ľndnis90/Die Gr√ľnen) hat zu einer Welle der Emp√∂rung gef√ľhrt. Wir dokumentieren eine Auswahl dieser Reaktionen auf den Vorgang.

Wir hatten √ľber einen Vorfall am Weinheimer Waidsee berichtet. Der Artikel erschien am Dienstag, den 22. November 2011. Bis zum Vormittag des 24. November 2011 war er rund 1.800 Mal aufgerufen worden.

Um 09:25 Uhr wurden wir per Fax abgemahnt. Gegen 14:00 Uhr korrigierten wir die √úberschrift und erweiterten den Artikel um die Information der Abmahnung.

Bis zum sp√§ten Samstagabend wurde unser Artikel rund 55.000 Mal aufgerufen, 235 Kommentare wurden ver√∂ffentlicht (rund 50 gel√∂scht), rund 3.700 Facebook-Nutzer haben den Artikel „geliket“, √ľber Twitter gab es √ľber lange Zeit weit √ľber 200 Tweets pro Stunde. Mit anderen Worten – der Text und das Thema hat deutschlandweit eine enorme Aufmerksamkeit erlangt.

Mindestens zwei Mal hat unser Server den vielen Zugriffen nicht Stand gehalten – teils versuchten √ľber 3.000 Leser gleichzeitig auf den Artikel zuzugreifen. Nur der Umzug auf einen Hochleistungsserver und ein engagierter Support unseres Providers Domain-Factory machten eine Erreichbarkeit des Artikels m√∂glich.

Die „Bild-Zeitung“ machte Str√∂bele zum „Verlierer des Tages„, die Welt schrieb unter der Schlagzeile: „Str√∂bele, seine Frau und die Aff√§re Fischfutterkugel„, der bekannte Strafverteidiger Udo Vetter fragte: „Str√∂bele mahnt ab: Was ist eine Anzeige?„, der Berliner Tagesspiegel schrieb: „Str√∂bele geht juristisch gegen Blogger vor„,¬†auf Facebook verlinkte uns die Seite „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ mit 334.000 Fans (was zun√§chst zu einem Absturz unseres Servers f√ľhrte), dutzende Blogs und News-Seiten nahmen das Thema auf, verbreiteten es weiter und zogen wiederum Interesse und Kommentare auf sich.

Wir dokumentieren eine √úbersicht √ľber Onlinezeitungen und Blogs, die die Nachricht √ľber die „Futtermittel-Aff√§re“ des Berliner Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Str√∂bele (B√ľndnis90/Die Gr√ľnen) verbreiteten und kommentierten (Stand: 28. November 2011). Die Auflistung ist alphabetisch geordnet.

Recherche: Martin Heilmann (Tegernseer Stimme, zur Zeit als Gast-Redakteur in unserer Redaktion.)

  • aristo.excusado.net |¬†http:// /comments.php?y=11&m=11&entry=entry111125-000131 | ‚ÄěErstaunlich, wie kleinkariert mancher Zeitgenosse sein kann.‚Äú Schilderung des Tathergang am Waidsee
  • Berliner Morgenpost | http://www.morgenpost.de/printarchiv/panorama/article1839007/Stroebele-und-das-Fischfutter.html | Prozess: Str√∂bele und das Fischfutter
  • blog.esowatch.com/ | http://blog.esowatch.com/?p=5391 | Wer f√ľr einen friedlichen Dialog mit den Taliban eintritt, selbst aber nicht mit 13-j√§hrigen Jungs reden kann, hat seine Glaubw√ľrdigkeit verspielt ‚Äď der Kaiser ist nackt
  • blog.fefe.de/ | http://blog.fefe.de/?ts=b02e3206 | Lieber Herr Str√∂bele, wenn Sie das hier lesen: ziehen Sie ganz schnell den Eisenberg zur√ľck und entschuldigen Sie sich bei dem Blog
  • blog.rekursivparadoxon.eu | http://blog.rekursivparadoxon.eu/2011/11/26/strobele-geht-baden/ | Wenn der Hans-Christian Str√∂bele (Gr√ľne) das gemacht h√§tte, was man bei einem Jungendstreich so macht, n√§mlich herzlich dar√ľber lachen und sich an die eigenen Jugendstreiche erinnern
  • bz-berlin.de¬†| http://www.bz-berlin.de/archiv/meine-frau-hatte-eine-woche-kopfschmerzen-article1328763.html¬†| „Meine Frau hatte eine Woche Kopfschmerzen“
  • tagesspiegel.de | http://www.tagesspiegel.de/berlin/stroebele-geht-juristisch-gegen-blogger-vor/5890128.html | Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Str√∂bele (Gr√ľne) geht juristisch gegen einen Blog vor, der seiner Ansicht nach unzul√§ssige und falsche Informationen √ľber ihn und seine Frau verbreitet hat.
  • tagesspiegel.de | http://www.tagesspiegel.de/meinung/lesermeinung/stroebele-es-war-ein-unerfreuliches-urlaubserlebnis/5895494.html | Leserbrief/Leserkommentar von Herrn Str√∂bele pers√∂nlich
  • tobiasgillen.de | http://www.tobiasgillen.de/?p=4178 | Str√∂bele w√ľrde vielleicht gut daran tun, einen Gang zur√ľck zu rudern und mal ein wenig das Feuer aus der Angelegenheit zu nehmen. Die Reaktionen in der Blogosph√§re und auf Twitter deuten auf viel Gegenwind.
  • welt.de | http://www.welt.de/politik/deutschland/article13737206/Stroebele-seine-Frau-und-die-Affaere-Fischfutterkugel.html | Was geschah wirklich am Weinheimer Waldsee mit Christian Str√∂bele und seiner Frau?
  • welt.de | http://www.welt.de/politik/deutschland/article13739330/Fischfutter-Affaere-Stroebele-legt-auf-Facebook-nach.html | Str√∂bele rechtfertigt sich in der „Fischfutter-Aff√§re“: Seine Frau sei mit einem „Plastikgeschoss“ attackiert worden, der √Ąrger also verst√§ndlich.
  • Westdeutsche Zeitung | http://www.wz-newsline.de/home/panorama/kopf-des-tages/hans-christian-stroebele-contra-heddesheimblog-der-fischfutter-fall-1.830506 | Str√∂bele contra Heddesheimblog: Der Fischfutterfall
  • zukunftskinder.org | http://www.zukunftskinder.org/?p=16479 | ‚ÄěEin Mann in Herrn Str√∂bels Position muss einfach die Contenance wahren!‚Äú Artikel wei√üt auf Unterlassungsklage gegen Heddesheimblog hin und dass Frau Str√∂bele Anzeige erstattete.

Wenn Sie weitere Vorschl√§ge f√ľr diese Dokumentation haben, k√∂nnen Sie uns diese gerne per email: redaktion [at] heddesheimblog.de zusenden.

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index veröffentlicht. SMQ- (Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

„Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blog√§hnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern √ľber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten k√∂nnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt f√ľr die jeweilige Quelle herunterziehen“, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, fr√ľher bei posterous.com, seit Fr√ľhjahr 2011 als eigenst√§ndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme „Magazine Premium“ des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen Beitr√§ge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel √ľber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen f√ľr gro√ües Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und S√ľdhessen insgesamt sechs Lokalblogs f√ľr St√§dte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt gro√üe Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der gr√∂√üten unabh√§ngigen Fachzeitschrift f√ľr Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew√§hlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) gr√ľndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterst√ľtzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als „Rohmaterial“


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der-¬†Regionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver√∂ffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K√ľhnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge√§u√üert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver√∂ffentlichung wurde sogar angek√ľndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen „Rohmaterial“ von fast 12 Minuten L√§nge im Internet ver√∂ffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri√∂ser Sender w√ľrde eine solche Szene in dieser L√§nge ausstrahlen, wenn √ľberhaupt nur ein „Schnittbild“ von ein paar Sekunden L√§nge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet Рweil es gegen jeden journalistischen Standard verstößt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu veröffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw√ľrdigkeit der Darstellung

F√ľr den Sender hat Projektleiter Ralph K√ľhnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h√§tten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R√ľckfrage h√§tte die Vermutung entkr√§ftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das „rohe“ Material absichtlich ins Netz gestellt h√§tte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine „Nummer“ vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver√∂ffentlicht worden und zudem nur f√ľr rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren können:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp√§ter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur√ľck und √ľberspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 „sendet“ RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp√§ter schreibt Ralph K√ľhnl selbst, erkennbar am K√ľrzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

„Die Fakten vom Unfall-¬† auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.“

"Fakten zum Unfall"?

Die „Fakten“ zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den „ersten Bildern bei rnf.de“ gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K√ľhnl „Projektleiter“ und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den „Sendebeitrag“, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er √ľbersehen, dass das Rohmaterial online auch f√ľr Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K√ľhnel kommentiert sp√§ter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

„Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f√ľr ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h√§tte nicht passieren d√ľrfen.“

Diese Information konnten wir nicht √ľberpr√ľfen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom „Rohmaterial“, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr√ľfen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k√∂nnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats√§chlich l√§sst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K√ľhnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h√§tten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine „Recherche“ notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal√∂s. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den „Leichenbildern“ bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt – die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das „Rohmaterial“ immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns √ľber die Kaltbl√ľtigkeit des Senders. Sp√§ter best√§tigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr√ľhen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K√ľhnl: „H√§tten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h√§tten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h√§tten wir vielleicht in Hauptsendung ‚ÄúRNF Life-‚ā¨¬Ě in der Moderation gesagt: ‚ÄúWenn Sie mehr spektakul√§re Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f√ľr Sie hinterlegt.-‚ā¨¬Ě Das haben wir aber nicht.“

RNF weist Sensationslust zur√ľck

Anscheinend wei√ü Herr K√ľhnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des „Sendebeitrags“ in Facebook gepostet hat: „Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk“

Herr K√ľhnl erkl√§rt weiter irgendwas von „im Cache-Speicher“ und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder √ľber Google gesehen haben, sondern direkt √ľber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K√ľhnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein „nicht-redaktioneller Mitarbeiter“ im √úbereifer das „Rohmaterial“ online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K√ľhnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal√∂sen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber „vertraulich“ behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f√ľr uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K√ľhnl wieder massive Vorw√ľrfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr√§ge mit „(no comment)“ sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu √ľberpr√ľfen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr√§ge direkt untereinander, wieder ist einer mit „(no comment)“ gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit√§t.

F√ľr jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L√§nge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h√∂rt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: „Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

„Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

Angeblich dient dieses „Rohmaterial“ als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k√∂nnen. Tats√§chlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t√∂dlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der √Ėffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl√§rung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses „Rohmaterial“ nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K√ľhnl, hat der „nicht-redaktionelle Mitarbeiter“ auch hier eine „Zahl verwechselt“. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem „Cache“ (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K√ľhnl wohl noch eine andere Erkl√§rung einf√§llt?

F√ľr unseren Geschmack ist das ein wenig viel „angeblich, vermutlich, eventuell“.

„Das versendet sich.“ – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr√ľher, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen „Fehlern“: „Das versendet sich.“ Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n√§chsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm√∂glichkeiten. Und die werden Herrn K√ľhnl und seinen Aussagen nun zum Verh√§ngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr√ľndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr√§ge nicht absichtlich ver√∂ffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats√§chlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich „passiert“ – wieso sonst w√ľrden die Redakteure „Bilder und Fakten“ anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M√ľhe, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw√ľrdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag √ľber die Schie√üerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches „Material“ zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb√ľhrlicher L√§nge √ľber die absolut notwendige „Dokumentation“ hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l√§nge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar√ľber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat f√ľr viele gro√üe Tageszeitungen, Magazine sowie H√∂rfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur f√ľr heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank f√ľr die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungen√ľgend ist. Die meisten Mitarbeiter haben fr√ľher selbst f√ľr Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet „die Zeitung“?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es „Alternativen“ zur Zeitung gibt. „Alternative“ hat dabei nichts mit „gr√ľn“, „links“, „Apo“ oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit √ľber angebotene Informationen.

Die Zeitungen m√ľssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich f√§llt leider immer h√§ufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein „Zukunftsmodell“. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der Qualit√§t arbeiten, mittel- bis langfristig gro√üe Probleme bekommen. Zeitungen mit guter Qualit√§t haben auch eine Zukunft.

Können Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, „Enth√ľllungen“, Unterhaltung. All das k√∂nnen Blogs oder „Internet-Zeitungen“ bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine „Lokalmedien“. Wenn man wissen will, was um einen herum „los“ ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das br√∂kelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr „jung“ – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel f√ľr die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine „Verfilzung“ gibt und keine m√ľden Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die √ľberall verf√ľgbar und zunehmend „selbstverst√§ndlicher“ auch f√ľr √§ltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was „objektiv“ ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten m√ľssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie m√ľssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein Freiheitsk√§mpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein „Amokl√§ufer“ oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: „K√∂nnen oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?“ „Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde f√ľr Kinder anbieten?“ Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen „subjektiven“ Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal „Subjekte“ und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den gr√∂√üten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile sch√ľtzen. Unsere Leserinnen und Leser k√∂nnen unsere Informationen √ľberpr√ľfen, wir helfen sogar dabei, weil wir das f√∂rderlich f√ľr die „subjektive“ Meinungsbildung halten.

Objektiv hei√üt f√ľr uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer „objektiven“ Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch √∂ffentlich zug√§nglichen Quellen eine Meinung bilden und diese √§u√üern zu d√ľrfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine L√∂sung f√ľr die Zeitungen?

F√ľr die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt √ľberzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue M√∂glichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

Nat√ľrlich m√ľssen Zeitungen auch die Bed√ľrfnisse ihrer Werbekunden m√∂glichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gef√ľhrt werden, ist eine L√∂sung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung besch√§digt zudem die Glaubw√ľrdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein Verst√§ndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in Zeitungsh√§usern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie f√ľr die Kollegen bei der Zeitung?

Aus Solidarit√§t. Das „Angebot“ der Verleger ist sittenwidrig. Die Verlagsh√§user haben √ľber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von √ľber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute gro√üe Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr √∂konomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der „vierten Gewalt“ √ľbrig geblieben ist. H√§ufig sind die Zeitungen nur nur Steigb√ľgelhalter f√ľr Lobbyisten, Interessenverb√§nde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist sch√§dlich f√ľr die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein Revolution√§r und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ gilt auch f√ľr diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische √Ėffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, √ľberlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein Ger√§t an der Stelle haben, an der der „Fernseher“ stand. Dar√ľber kann genauso Radio geh√∂rt werden. Das Radio kann aber √ľber sehr einfache Ger√§te √ľberall, vor allem im Auto, als „Nebenbei-Medium“, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio √ľberleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant f√ľrs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem Fernsehger√§t oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstra√üenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft f√ľhren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden k√∂nnen.

Können Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst „journalistisch“. Nat√ľrlich k√∂nnen auch B√ľrger oder Interessengruppen publizistisch t√§tig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen m√∂chte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele „rechtliche“ Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl f√ľr gro√üe Nachrichtenportale wie f√ľr kleine lokale Angebote. Die Qualit√§t muss √ľberzeugen. Ob die von „Journalisten“ oder „Bloggern“ kommt, ist egal. In Amerika hei√üen Redakteure „editors“, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

Unterst√ľtzen Sie uns, wenn wir etwas √§hnliches planen?

Vielen Dank f√ľr das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir k√∂nnen, haben nat√ľrlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts ūüėČ .

Weil wir aber davon √ľberzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegr√ľndet. Der Verein wird in K√ľrze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu f√∂rdern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von Solidarit√§t aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Die Redaktion von heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de, viernheimblog.de, weinheimblog.de, rheinneckarblog.de

istlokal finden Sie hier:
http://istlokal.de

Berichte √ľber unsere Blogs finden Sie hier.

Zur Sache: Die „unselige“ Berichterstattung im Mannheimer Morgen


Schere, Kluft, Arm, Reich - wichtiges Thema. Beim "MM" von "außen besetzt". Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar, 20. Juli 2011. (red) Die Entwicklung ist dramatisch – sowohl f√ľr Besch√§ftige mit niedrigen Einkommen als auch f√ľr Abonnenten des Mannheimer Morgen. In der heutigen Ausgabe benennt die Zeitung „Geringverdiener zu Verlierern“, berichtet weiter auf Seite 5 unter „Wirtschaft“ zu „Kluft zwischen Arm und Reich w√§chst“ und kommentiert die „unselige Schere“. Dahinter steckt sehr viel „Unseligkeit“. Auch eine journalistische. Und einen nicht vorhandene Transparenz.

Von Hardy Prothmann

Der MM „berichtet“ also und „kommentiert“ – so scheint es zumindest.

Tats√§chlich steht auf Seite 1 ein Text von „unserem Korrespondenten“ Wolfgang Mulke. Der kommentiert auch auf Seite 5. Dort steht ein weiterer Bericht „von dpa-Korrespondenten (sic!) Bernd R√∂der“.

Diese Berichterstattung ist keine eigene, redaktionelle Leistung des Mannheimer Morgens. Sie ist eingekauft. Von der Agentur „die-korrespondenten.de„, bei der Wolfgang Mulke arbeitet und bei dpa, der Deutschen Presse-Agentur.

„Dein“, „Mein“, „Unser“ – der „MM“ ist f√ľr „uns“ alle da – oder doch nicht?

Mal abgesehen von dem Grammatik-Fehler bei Herrn R√∂der… – ist Herr Mulke tats√§chlich „unser Korrespondent“, wie der MM das behauptet? Tats√§chlich arbeiten „die-korrespondenten.de“ f√ľr viele Zeitungen. Ebenso wie dpa.

Das geht auch in Ordnung.

Wer sich diese Dienstleistung als „unser“, sprich „eigene“ aneignet, ist aber nicht wirklich ehrlich gegen√ľber den Leserinnen und Lesern.

Denn es ist keine eigene, redaktionell-journalistische Leistung der Zeitung. Beim Gem√ľseh√§ndler w√ľrden man unter „unser Anbau“ erwarten, dass der Apfel auch aus „unserem“ Garten kommt. Bei der Zeitung ist das „abstrakter“.

Es scheint, als informierten Korrespondenten exklusiv f√ľr die Zeitung. Tats√§chlich ist der MM nur eine von vielen Zeitungen, die tagt√§glich bei Dienstleistern Informationen einkaufen und diese verbreiten. „Unser Korrespondent“ ist aber eine gewagte Behauptung. Denn „unser“ signalisiert „Exklusivit√§t“. Tats√§chlich ist das meistens nicht so.

Das aktuelle Thema besch√§ftigt sich mit der „Lohnschere“ und Wolfgang Mulke schreibt einen wirklich guten Kommentar. Kritisch, auf den Punkt. Immer mehr Menschen werden in Billigjobs gedr√§ngt: „Sie sind trotz Arbeit arm dran.“ Der Satz beschreibt Lebensschicksale.

Wir haben schon „gestern“ dar√ľber berichtet – schneller und mit eigener Recherche:
http://rheinneckarblog.de/2011/07/19/diw-kaufkraft-sinkt-wer-wenig-hatt-hat-noch-weniger/

„Lebensschicksale“ werden vermutlich auch bei der Zeitung Mannheimer Morgen beschrieben, ohne dass sie benannt werden:

„Denn immer mehr Besch√§ftige bekommen nur schlecht bezahlte Stellen“,

ist eine treffende Analyse und d√ľrfte auf alle Zeitungsaustr√§ger und viele „freie Mitarbeiter“ der Zeitung zutreffen.“

„Lebenschicksale“ – schlecht, schlechter, noch schlechter bezahlt gilt vor allem f√ľr „freie Mitarbeiter“. Von Zeitungen.

In den vergangenen Wochen haben ver.di und der Deutsche Journalistenverband zu Streiks aufgerufen – Zeitungsabonnenten haben das an den „d√ľnnen“ Ausgaben festgestellt.

Denn die deutschen Zeitungsverleger wollen nicht nur keine „Lohnanpassungen“ vornehmen – nein, ganz im Gegenteil, sie wollen teils bis zu 25 Prozent weniger f√ľr Berufsanf√§nger zahlen. Sie sind aktiver Teil des Systems, dass Menschen Arbeit gibt, die trotz Besch√§ftigung „arm dran sind“.

Gleichzeitig wollen diese Verleger eine Leistungsschutzabgabe erstreiten, eine Art Lizenzgeb√ľhr, die alle Teile der Wirtschaft, der Verwaltung, insgesamt die gesamte √Ėffentlichkeit trifft: Sobald jemand eine „Zeitung“ zitiert, soll Geld flie√üen. An die Verleger. Das ist zwar sehr vereinfacht dargestellt, aber im Prinzip das, was sich die Verleger w√ľnschen. Dieser „Leistungsschutz“ kommt aber niemals bei den „Urhebern“ an, also den Schreibern, sondern bei den „Verbreitern“, also den Verlegern.

Die allermeisten Lokalzeitungen zahlen Zeilenhonorare, die jenseits von „Gut und B√∂se“ sind, wenn man das Geld auf „Mindestlohn pro Stunde“ umrechnet. Wer auf sechs Euro pro Stunde kommt, kann sich gl√ľcklich sch√§tzen. Fotografen sollen beim MM beispielsweise f√ľr Fotos f√ľr die Online-Galerien genau nichts erhalten. Das ist eine „Service-Leistung“, die erwartet wird. Wer der nicht nachkommt, muss damit rechnen, dass „bezahlte Jobs“ weniger werden.

Gro√üe Teile der Zeitung sind mittlerweile „Discount-Ware“. Irgendwo hergestellt und massenhaft verbreitet – die Leserinnen und Leser k√∂nnen diese „Nachrichten“ umsonst und zuhauf √ľberall im Internet finden. Selbst scheinbar „exklusive“ Themen sind nichts weiter als „zugeschickt“ verbreitete Informationen von √Ąmtern, Vereinen oder Firmen.

Trotzdem gibt es immer noch genug gutgl√§ubige „Abonennten“, die f√ľr „Exklusivit√§t“ zwanzig bis drei√üig Euro pro Monat zahlen. Wer sich „kundig“ macht, stellt den Preis in Frage.

Zeitung heute? Sowas wie ein „Ein-Euro-Shop“.

Kein Wunder, dass immer mehr Abonnenten k√ľndigen – „Qualit√§tsjournalismus“ wird schon lange nicht mehr geboten.

Stopp. Der Kommentar von Wolfgang Mulke ist guter Qualitätsjournalismus. Er benennt Fehlentwicklungen. Prangert an.

Leider fehlt es an der Transparenz in der eigenen Zeitung, was man Herrn Mulke nicht vorwerfen kann. Soll er etwa thematisieren, wie es um die „Niedriglohnpolitik“ des MM bestellt ist? Und sich √Ąrger einhandeln und nicht mehr „gebucht“ werden? Auch Herr Mulke muss sein Gesch√§ft machen.

Ich selbst war auch mal „freier Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgen. Von 1991-1994. Damals habe ich f√ľr 55 Pfenning „die Zeile“ geschrieben. In einem Monat habe ich mal rund 1.400 Mark „verdient“. Im „Schnitt“ bedeutete das pro Tag ein bis zwei „Artikel“. Rund eine Stunde hin und zur√ľck zum Termin. Ein bis drei Stunden vor Ort. Eine Stunde Vorbereitung. Ein Stunde Schreiben. Oder vielleicht-¬† mehr. Zwei, drei, vier Stunden, Gespr√§che, Telefonate, Treffen – wenn mir das „Thema“ wichtig war.

Und die „Themen“ waren wichtig – zumindest mir. Und den Menschen, die „betroffen“ waren.

Einige Texte waren nur 40-Zeiler. Einige l√§nger, vielleicht 120-Zeiler (drei bis vier Spalten-Texte). Mit echter „Recherche“, viel Aufwand, stundenlangen Gespr√§chen. Terminen. Die Arbeit war sehr aufw√§ndig, hat aber „Spa√ü“ gemacht.

Wenn es „gut“ lief, waren das also vier Stunden f√ľr 25 Mark oder rund sechs Mark die Stunde. Wenn es schlecht lief, waren es sechs oder mehr Stunden. Also nur vier Mark die Stunde. Das war 1994.

„Berechenbare Information?“ – Klar, auf dem Niveau von 55 Pfenning. Pro Zeile.

Oft haute die „Rechnung“ auch nicht hin. Dann war es „Berufsethos“. Ruhm und Ehre. Wichtiger als Geld.

Wenn man das „System“ kapiert oder „im Stoff stand“, konnte man die „Stunde Vorbereitung streichen“ und wenn man clever war, „hin und zur√ľck“ mit m√∂glichst vielen Terminen verbinden – was meistens Wochend- und Abendtermine beinhaltete.

Und wenn man „noch besser“ verstanden hatte, „dichtete“ man irgendwelchen Bl√∂dsinn, Hauptsache, alle waren zufrieden, es war ein tolles Ereignis, es war sch√∂n und nochmal, alle waren zufrieden. Um der „Erwartung“ der Redaktionsleitung zu gen√ľgen, aber auch, um wenigstens ein bisschen anst√§ndig zu verdienen, schreibt man dann halt solchen Mist.

Die Verlage haben in dieser Zeit zweistellige Umsatzrenditen geschrieben.

Am 20. Juli 2011 lese ich im Mannheimer Morgen einen Kommentar √ľber die „unselige Schere“. Der Kommentar trifft den Punkt. Er ist kritisch und korrekt. Er beschreibt Lebensschicksale. Der Journalist Wolfgang Mulke hat einen korrekten Job gemacht.

Gibt es eigentlich keine Journalisten beim MM, die genauso hätten schreiben können? Das ist meine Frage. Wieso ist die Redaktion nicht in der Lage, das Thema zu berichten und zu lokalisieren?

Schupsen die „Redakteure“ nur noch Bratwurstfeste und gute Stimmungen oder haben sie noch irgendeinen Funken Ehrgeiz in sich, wirklich gute Journalisten zu sein?

Eine der h√§rtesten „Branchen“ in Sachen „Mindestl√∂hne“ ist der Journalismus.

Oder ist es die Schockstarre, dass sie Teil des Systems sind und niemals ehrlich √ľber Mindestl√∂hne, Ausbeutung und unhaltbare Zust√§nde √ľber andere berichten k√∂nnen, ohne sich selbst zu meinen?

Mir tun die „Kollegen“ wirklich leid, aber ich habe kein Mitleid mit ihnen.

Ich kann jeden verstehen, der seinen „Vorteil“ retten will, aber ich verachte auch jeden, der sich dabei noch „Journalist“ nennt und so tut, als sei er im Auftrag der „√Ėffentlichkeit“ unterwegs.

Der MM ist Teil dieser Ausbeuter-Wirtschaft, die Menschen „Arbeit gibt, mit der sie arm dran sind“. Das muss man sagen. Das muss man aufschreiben.

Aber das wird man niemals in dieser Zeitung lesen.

Es sieht b√∂se aus mit dem „Journalismus“


Journalismus? Haha. Quelle: Kontext

Rhein-Neckar/Stuttgart, 08. Juni 2011 (red) In Stuttgart erscheint seit ein paar Wochen die kostenlose Zeitung „Kontext„. 200.000 Euro haben private Spender bereit gestellt, um das Projekt mindestens ein Jahr zu finanzieren. Einer der Spender ist Edzard Reuter. F√ľr Kontext arbeiten „altgediente“ Zeitungsjournalisten. Aktuell rechnet Bruno Bienzle, bis 2007 Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten, mit dem „Pressewesen“ ab.

Der Artikel im „Kontext“ ist eigentlich weit weg – in Stuttgart. Aber er ist f√ľr unsere Region sehr wichtig, weil er ein systematisches Problem beschreibt.

Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden √ľber Medien transportiert. Soweit die Theorie.

In den klassischen Medien findet zur Zeit ein radikaler Umbruch statt – als Leserin und Leser, als Abonnentin und Abonnent einer Tageszeitung sollten Sie wissen, wie „pannenanf√§llig“ das Produkt ist, dass Sie teuer bezahlen.

Journalismus ist nicht „gottgegeben“, sondern basiert auf unserem Grundgesetz. Auf Artikel 5 √ľber die Meinungsfreiheit. Professionell betriebener Journalismus ist aber auch ein Gesch√§ft. Der Journalismus liefert „interessante“ Inhalte – die Werbung nutzt das f√ľr sich.

Jeder, der ein Zeitungsabo f√ľr rund 30 Euro im Monat hat, muss das eigentlich wissen. Nachrichten bekommt man √ľber die Zeitung nicht „umsonst“. Man zahlt das Abo und wird mit Werbung „zugeballert“ – ganz kostenlos. Scheinbar. Die Verlage halten daf√ľr aber die Hand auf.

Im Internet sind viele Nachrichten „kostenlos“ – die Frage ist, wie viel diese Nachrichten wert sind. Die Frage ist, wieviel die Menschen bereit sind, f√ľr solche Nachrichten zu zahlen. S√§mtliche Modelle f√ľr „beliebige“ Nachrichten konnten sich nicht „durchsetzen“.

Die „Nachrichten“, also das lokale Zeitungswesen, sind per Lizenz vor rund 60 Jahren vergeben worden. Die Lizenzverlage haben daraus Traumrenditen erwirtschaften k√∂nnen.

Das Internet bedroht dieses „Gesch√§ftsmodell“. Denn was fr√ľher nur im „Abo“ erh√§ltlich war, gibt es jetzt „for free“.

Unsere Angebote f√ľr Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rhein-Neckar sind frei zug√§nglich – mit hohem Einsatz aller Mitarbeiter und zun√§chst geringer Erwartung von Einnahmen. Ganz in der Tradition der Marktwirtschaft – wir bieten ein Produkt an und hoffen, dass es gef√§llt.

Ob wir es verkaufen k√∂nnen, muss der Markt zeigen. Wie wir es verkaufen k√∂nnen, wissen wir noch nicht. Aber wir hoffen darauf, dass es genug Menschen gibt, die unsere Leistung „honorieren“. Dazu werden wir bald ein Angebot machen.

Der alte Markt gerät zunehmend unter Druck Рdie gewohnten Gewinnerwartungen und keineswegs das Ideal eines guten Journalismus geraten unter Druck.

Dar√ľber schreiben „alte Hasen“ in Kontext – und die erfahrenen Journalisten wissen, dass es ernst ist. Mit dem Gesch√§ft und mit der Meinungsfreiheit.

Wir empfehlen deshalb gerne und dringlich diesen Text.

Herren im Haus

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das rheinneckarblog.de

Geprothmannt: Ich lass mir das Essen nicht vermiesen


Esst Gurken - sie sind lecker und gesund. Seit 2009 darf man in Deutschland auch solch krumme Gurken kaufen. Bild: Garitzko/wikipedia

Rhein-Neckar/Deutschland, 06. Juni 2011 (red) Die EHEC-Angst geht um. Warum? Weil ein Haufen verantwortungsloser Medien Panik bei den Menschen sch√ľrt. Und jede Menge falsche Informationen unters Volk bringt. Wer klug ist, durchschaut die Berichte √ľber die angebliche Seuche – die wahre Seuche ist die Sensationsgier vieler Medien.

Von Hardy Prothmann

Am Anfang waren es ein paar EHEC-F√§lle. Dann waren es ein paar mehr. Dann sollen spanische Gurken schuld gewesen sein, dann Gem√ľse aus Norddeutschland – die Deutsche Presse Agentur (dpa) hatte aus einem „in Norddeutschland“ ein „aus Norddeutschland“ gemacht. Die Folge: Massive √∂konomische Sch√§den f√ľr Gem√ľseproduzenten, sprich Landwirte. In Spanien. In Norddeutschland.

Jetzt sollten es „Killerkeime“ – Spr√∂√ülinge gewesen sein.

Überall im Land bleiben die Gurken und Tomaten und jetzt Sprößlinge liegen. Die meisten Kantinen bieten eher Krautsalate an, denn frische Kost.

Niemand muss vor dem Verzehr von Gem√ľse Angst haben – denn das Bakterium sitzt wenn, auf dem Gem√ľse und nicht drin. Wer Gem√ľse vor dem Verzehr ordentlich reinigt, w√§scht die Erreger ab.

Noch besser sind die dran, die ihr Gem√ľse im eigenen Garten ziehen – die wissen, wie es behandelt und gezogen wurde.

Die Erwartung der √úberallverf√ľgbarkeit ist das Problem.

Tats√§chlich erwartet unsere Gesellschaft eine √úberallverf√ľgbarkeit von allem zu jeder Zeit. Deswegen reist Gem√ľse um die Welt und Erreger und Verschmutzungen mit.

Sicher, die Spanier, Belgier, Niederl√§nder sind in diesem Fall offensichtlich nicht schuld an EHEC. Sie sind aber sehr wohl schuld an einer Verzerrung des Marktes mit minderwertigen Produkten. Die EU mag bis 2009 eine Gurkenkr√ľmmungsverordnung gehabt haben – ob die Gurken aber auch schmecken, ist nicht verordnet worden.

So gibt es jede Menge Gurken, Tomaten und anderes Gem√ľse, dass auf Glanz gez√ľchtet ist, alles in Reih und Glied gleich „attraktiv“ aussieht, aber doch nach nichts schmeckt. Aber der Preis, der stimmt. Sch√∂n billig eben.

Und vermutlich wird herauskommen, dass wegen des Preises irgendwo in der Nahrungsproduktionskette geschlampt worden ist. Ob dioxinverseuchte Industriefette, die dem Tierfutter beigemischt werden, ekelerregende Massentierhaltung, BSE – nichts davon ist „nat√ľrlich“, alles ist industriell systembedingt „erzeugt“ worden.

EHEC ist der eine Erreger – Panik der andere.

Hinzu kommt die Erzeugung von Panik. Denn so wie die Gem√ľseproduktion industriell gesteigert wird und zwar gut aussehende, aber geschmacklose Ware erzeugt wird, so erzeugen Medien scheinbar wichtige Nachrichten, die aber „kernlos“ gez√ľchtet werden. Das Ziel ist wie beim Billig-Gem√ľse die Steigerung des Absatzes.

Es geht hier l√§ngst nicht mehr um Angebot und Nachfrage. Fr√ľher war ausverkauft, wenn ausverkauft war – heute soll immer weiter nachgeliefert werden. Auch die Kunden sind mit schuld, wenn sie selbstverst√§ndlich immer alles zu erhalten erwarten. Deswegen wird produziert, was das Zeug h√§lt. Wird diese „Kette“ unterbrochen, ist das Geheule gro√ü. Besonders bei gewissen Medien, ob erwartungsgem√§√ü bei Bild oder auch bei scheinbar seri√∂seren Auftritten wie Spiegel online. Sitzt der „Erreger“ erstmal auf der Nachricht, verbreitet er sich ebenso rasend schnell.

Auch das erzeugt „D√ľnnpfiff“ – der aber macht den Kopf und das Herz der Menschen krank, die nur noch Gefahren sehen, obwohl sie in einem Land leben, dass ebenso massenhafte Kontrollverordnungen hat und diese auch weitestgehend umsetzt. Wenn man sich erregen will, dann √ľber die dilletantische √Ėffentlichkeitsarbeit der verantwortlichen Politiker.

EHEC und die m√∂glicherweise daraus resultiernde HUS-Erkrankung sind schlimm f√ľr alle Betroffenen – keine Frage. Aber es gibt f√ľr mich auch nicht im Ansatz einen Grund, keine Gurken zu essen. Ganz besonders freue ich mich auf die eigenen – die Pfl√§nzchen sind gerade erst geschl√ľpft, es wird also noch ein wenig dauern, bis die leckeren Gurken auf den Tisch kommen.

Und nein – ich werde nichts davon exportieren. Die Erzeugnisse auf dem kleinen Beet sind f√ľr den Eigenbedarf bestimmt. Gute Freunde und Nachbarn bekommen auch was davon ab. Und bislang hat sich noch nie jemand √ľber die Qualit√§t beschwert.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit – der Fall Kachelmann ist beispielhaft f√ľr den „Fall“ des Mannheimer Morgens


Journalistisch nur verloren und nichts gewonnen hat vor allem der MM. Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar/Deutschland, 31. Mai 2011 (red) √úberall in Deutschland wurde gestern schon √ľber den Freispruch von J√∂rg Kachelmann berichtet. Der Prozess um eine mutma√üliche Vergewaltigung hat seit gut einem Jahr deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Bunte, Focus, Bild und Spiegel haben die Berichterstattung „vorangetrieben“. Ein wenig auch die Agenturen. Mit Sicherheit auch „das Internet“. Keine Rolle hingegen spielte der Mannheimer Morgen.

Von Hardy Prothmann

Um eines klipp und klar festzustellen: Die meisten gro√üen Medien haben im „Fall Kachelmann“ nicht nur versagt, sondern deutlich gemacht, wie erb√§rmlich es um den „Journalismus“ in Deutschland bestellt ist. Allen voran Alice Schwarzer, die sich f√ľr sich f√ľr Bild ins Zeug gelegt hat und Gisela Friedrichsen f√ľr den Spiegel.

Schl√ľpfriger Journalismus

Scheckbuch-Journalismus √ɬ° la Bunte, 50.000 Euro f√ľr ein Interview mit einer Ex-Geliebten, die schl√ľpfrige Details erz√§hlt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Prozess an sich zu tun haben, ist nur Blick in den pornografischen Abgrund des „Unterhaltungsjournalismus“ gewesen.

Bis heute fehlt eine Distanzierung durch den „allseits geachteten“ Dr. Hubert Burda √ľber die Verfehlungen in und durch seine Medien in diesem „spektakul√§ren“ Prozess.

Verlierer-Journalismus

Der Mannheimer Morgen kommentiert heute: „Nur Verlierer.“ Und urteilt wahr und richtig. Der angebliche Vergewaltiger Kachelmann ist ein Verlierer. Das angebliche Vergewaltigungsopfer, eine Radiomoderatorin, ist eine Verliererin. Das Mannheimer Landgericht ist ein Verlierer. Die Staatsanwaltschaft ist eine Verliererin.

Und der Mannheimer Morgen hat auf ganzer Linie versagt und verloren. Der lokale Platzhirsch spielte journalistisch auch nicht den Hauch ein Rolle in diesem Drama. Kennen Sie eine exklusive Meldung der Zeitung in dem Fall? Eine Nachricht von Bedeutung? Die eine Rolle gespielt hätte? Die etwas oder jemanden bewegt hätte? Nein? Ich auch nicht.

Die Presseerkl√§rung des Landgerichts besch√§ftigt sich fast nur am Rande mit dem Prozess und dem Urteil. Zentraler Inhalt ist ein Frontalangriff auf „die Medien“.

Frontalangriff auf die Medien

Und dieser Angriff aus der Verteidigungsposition heraus ist sogar nachvollziehbar. Die Richter waren in ungekanntem Ausma√ü Teil der Berichterstattung. Vor allem negativer. Wie fatal unprofessionell die Richter sich verhalten haben, reflektieren sie dabei nicht. Sonst m√ľssten sie sich ja nicht in diesem unerwarteten Ma√ü beschweren und rechtfertigen.

Dieser Frontalangriff galt mit Sicherheit nicht dem Mannheimer Morgen. Der hat sich weder durch schl√ľprige Details noch durch andere Informationen hervorgetan, sondern alle anderen Medien in seinem Vorgarten spielen und eine riesige Verw√ľstung anrichten lassen.

Journalistischer Ehrgeiz? Kein Funke

Nicht einmal war der Funke eines journalistischen Ehrgeizes erkennbar. Der Wille, mit solider Recherche oder starker Meinung oder Lokalkompetenz so exklusiv und √ľberzeugend zu sein, dass andere „gen√∂tigt“ werden zu schreiben: „Wie der Mannheimer Morgen berichtet…“

(Falls es doch einmal in einem Jahr gelungen sein sollte, erkenne ich das nach in Kenntnissetzung an und bitte um Hinweis auf Korrektur bevor eine mit Kosten verbundene Abmahnung geschrieben werden sollte.)

Heute morgen werden die Menschen in den Spiegel schauen und sich vielleicht die ein oder andere Frage dabei stellen.

Der Strafverteidiger Johann Schwenn wird vermutlich denken: Guter Job!

Jörg Kachelmann wird denken: Nein, danke.

Alice Schwarzer wird denken: Doch!

Gisela Friedrichsen wird denken: Wie ungerecht!

Die Radiomoderatorin wird denken: (Nicht-öffentlich)

Stefan Eisner (unbekannter MM-Redakteur, der den Kommentar geschrieben hat.) denkt: Nur Verlierer.

Horst Roth, der MM-Chefredakteur wird denken…

Keine Ahnung, was Herr Roth denkt.

Vermutlich denkt er. Irgendwas. Dass er auch nur im Ansatz dar√ľber nachgedacht hat, wie man diesen Prozess journalistisch „top“ begleitet, darf man getrost in Frage stellen. Und wenn das so gewesen sein sollte, war er leider nicht erfolgreich.

Lordsiegelbewahrer der gepflegten Bratwurstberichterstattung

Herr Roth darf sich gerne aber als „Lordsiegelbewahrer“ f√ľhlen, denn er f√ľhrt eine lange Tradition fort. Ob „K√∂nigsmord der SPD„, Peter Graf-Prozess, Flowtex-Skandal, aktuell Bilfinger & Berger und die Nigeria-Connection – seit nunmehr fast 15 Jahren ist der Mannheimer Morgen kaum mehr in der Lage, eine „Nachrichtenquelle“ f√ľr andere Medien zu sein.

Terminberichterstattung, Fasnacht, Vereine, Bratwurstjournalismus und „desh√§mmerschunimmersogemacht“ bestimmen die journalistische Minderleistung dieser ehemals geachteten Zeitung.

Dabei ist Mannheim ein deutsche Metropole. Eine Top-Stadt, in der „was geht“ – immer wieder. Mit 300.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sehr gro√ü, aber sie hat gro√ües Potenzial. Politisch, kulturell, wirtschaftlich und sportlich.

Der Mannheimer Morgen bildet das leider so gut wir gar nicht ab. Er bedient die lokalen Zirkel und vor allem seinen Terminkalender, schaut dabei hilflos der sinkenden Auflage zu und feiert sich selbst daf√ľr… Wof√ľr? Vermutlich, dass es ihn √ľberhaupt noch gibt.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit ist kaum an einer anderen Zeitung so „dokumentierbar“ wie am Mannheimer Morgen.

 

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „Qualit√§tsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung √ľber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. W√§hrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem R√ľcken die Stirn bieten“ (√Ėffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr r√ľstig“ (Rhein-Zeitung) und andere Kuriosit√§ten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich am√ľsant bis saukomisch.

Gar nicht am√ľsiert sind die Verbraucher √ľber kontaminiertes Gem√ľse, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim f√ľhren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches h√§molytisch-ur√§mischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht am√ľsiert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles √ľber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten √ľberwiegend Journalisten, die von der Kaninchenz√ľchterschau bis zur Kommunalpolitik √ľber alle m√∂glichen Themen berichten m√ľssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen Kaninchenz√ľchter oder Kommunalpolitiker.

Das m√ľssen sie auch nicht sein. Die einfache L√∂sung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle √ľberpr√ľfen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere L√∂sung und die f√ľhrt zum Dauerd√ľnnpfiff vieler Redaktionen: Man l√§sst das mit dem √ľberpr√ľfen weg und verl√§sst sich lieber auf andere. Im „gro√üen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungepr√ľft √ľbernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine √úberpr√ľfungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am nächsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

Tats√§chlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von Gem√ľse „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR √ľber die √ľblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gem√ľse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "D√ľnnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor Gem√ľse "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man k√∂nnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ Tats√§chlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven √∂konomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion ver√∂ffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne Qualit√§tskontrolle. Dabei w√§re die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut f√ľhrt direkt zur Quelle.

Doch daf√ľr muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses Gem√ľse wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich Gem√ľse nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie w√ľrden dann n√§mlich viel h√§ufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen l√§ngst, dass gro√üe Teile im „gro√üen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenst√§ndig verfasste Artikel sind, gibt es h√§ufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls h√§ufig auch noch tendenzi√∂s.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das K√ľrzel „zg“ beispielsweise steht f√ľr „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgeh√ľbscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen k√∂nnen diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren lie√üen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen ver√∂ffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien f√ľhrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. Qualit√§t geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man sp√ľrt die Geschw√ľre und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vor√ľbergehen, der mediale D√ľnnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag später heißt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Lassen Sie sich nicht „kirre“ machen – der Klau der Kreditkartendaten bei Sony und die Medienhysterie


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 27. April 2011 (red/pm). Am 17. April 2011 haben Hacker das Unternehmen Sony Network Entertainment angegriffen und sind ersten Meldungen zufolge in den Besitz von eventuell 77 Millionen Kundendatens√§tzen gelangt. Sehr viele Medien berichten nun, dass Playstation-Kunden einen Missbrauch ihrer Kreditkartendaten bef√ľrchten m√ľssen. Dabei scheint die Lage mehr oder weniger undramatisch – mal abgesehen vom Image-Gau f√ľr Sony. Tats√§chlich sind die Adressdaten der Kunden viel wertvoller und gut zu verkaufen.

Von Hardy Prothmann

Fest steht: Sony Network Entertainment wurde angegriffen. Von Computer-Verbrechern, die sich illegal Zugang zu den Kundendaten des japanischen Unternehmens verschafft haben. Betroffen sind Kunden, die die internetf√§hige Spielkonsole Playstation 3 benutzen und K√§ufe √ľber Kreditkarten vorgenommen haben. Die Konsolen Playstation 1 und 2 sind, weil nicht internetf√§hig, nicht betroffen.

Fest steht: Das ist ein enormer Image-Verlust f√ľr das Unternehmen, weil Kundendaten absolut sensible Daten sind und offenbar kein ausreichender Schutz vorhanden war. Vor allem die Zahl √ľberrascht. Denn die Hacker scheinen Zugriff auf eine zentrale Datenbank gehabt zu haben.

Fest steht auch: Es ist eine Schande, dass sich Sony ganze zehn Tage lang nicht geäußert hat. Gutes Krisen-Management geht anders. Aber spätestens seit Fukushima weiß man, dass von japanischen Unternehmen Transparenz nicht erwartet werden kann.

Hysterische Medienberichte

Die Medien √ľberschlagen sich mit Berichten √ľber den Skandal und die „m√∂glichen“ Folgen f√ľr die Kreditkartenkunden, die nun „m√∂glicherweise“ finanzielle Sch√§den zu bef√ľrchten „haben“.

Hysterische Berichterstattung: Die Chancen, dass Kreditkartenkunden betr√ľgerische Abbuchungen f√ľrchten m√ľssen, sind eher gering.

Tatsache ist: Es gibt bis heute noch keine festgestellten Sch√§den, zumindest sagt das der Zentrale Kreditausschuss, ein Zusammenschluss aus f√ľnf Banken- und Sparkassenverb√§nden.

Mit gro√üer Wahrscheinlichkeit k√∂nnen die Hacker nichts mit den Kreditkartennummern anfangen, weil sie vermutlich nicht im Besitz der Pr√ľfziffern sind: „Die Kreditinstitute sind hier sehr wachsam. Uns liegen keine Informationen vor, dass es zu Missbr√§uchen in diesem Zusammenhang gekommen ist“, sagt Dr. Kerstin Altendorf auf unsere Nachfrage.

Der Zentrale Kreditausschuss hat gestern folgende Meldung an die Presse gegeben:

Sony Network Entertainment hat gestern bekannt gegeben, dass bestimmte Services des PlayStation Network sowie Qriocity mittels illegalen und unberechtigten Eingreifens angegriffen wurden. Dabei konnten sich die Täter offenbar Zugriff auf persönlichen Daten von mehr als 70 Millionen Nutzern
verschaffen. Es ist unklar ob auch Kreditkartendaten ausgespäht wurden.

Sony Network Entertainment erkl√§rte, dass es daf√ľr derzeit zwar keine Anzeichen g√§be, dass man diese M√∂glichkeit aber auch nicht g√§nzlich au√üer
Betracht lassen könne.

Position des Zentralen Kreditausschusses:
Derzeit steht noch nicht fest, ob Kreditkartendaten abhanden gekommen sind.
Kunden der betroffenen Services sollten ihre Kreditkartenrechnungen sorgf√§ltig pr√ľfen und bei Unstimmigkeiten unmittelbar das kartenausgebende Institut informieren. F√ľr etwaige Sch√§den aus einer m√∂glichen Manipulation im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl m√ľssen die Karteninhaber nicht haften.

Nach unseren Informationen gibt es eine Reihe von Banken, die auf Wunsch der Kunden Kreditkarten kostenfrei neu ausstellen. Wir haben die Sparkasse Rhein-Neckar-Nord und die VR Bank Rhein-Neckar ebenfalls angesprochen, um von dort Informationen zu erhalten. Beide Unternehmen war aber nicht in der Lage, innerhalb von drei bis vier Stunden zur√ľckzurufen, was schwach ist. (Siehe Protokoll des Gespr√§chs mit der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord)

Immerhin. Am n√§chsten Tag hat der Sprecher der Sparkasse, Erich Rathgeber zur√ľckgerufen: „Wir beobachten das. F√ľr die Kunden gibt es keinen Grund zur Sorge.“ Missbrauchsf√§lle sind keine bekannt.

Kontrolle ja – Umtausch jein

Normalerweise werden daf√ľr im Mittel 15-20 Euro f√§llig. Wer sich sorgt, sollte mit seiner Bank reden und eine Neuausstellung beantragen.

Vermutlich ist dies aber nicht notwendig. Und die „genaue Kontrolle der Abrechnungen“, die nun von Medien empfohlen wird, ist eine absolute Selbstverst√§ndlichkeit. Nat√ľrlich sollte man seine Bankbelege immer sorgf√§ltig kontrollieren, weil es Fehlbuchen oder Zahlendreher undundund geben kann.

Der Zentrale Kreditausschuss verweist auf umfangreiche Pr√ľfmechanismen: „Die Kunden m√ľssen sich nicht sorgen, dass sie auf einer betr√ľgerischen Abbuchung sitzenbleiben, die Kontrollsysteme funktionieren sehr gut und Kunden werden betr√ľgerische Buchungen ersetzt, falls diese vorkommen sollten.“ Aber selbst nach der Aff√§re von gestohlenen Kreditkarteninformationen in Spanien Ende 2009 kam es nicht zu den angek√ľndigten „Sch√§den“ bei den Kunden – vielmehr waren die Banken gesch√§digt, die neue Kreditkarten ausgestellt haben, um ihr Image zu waren. Und man kann davon ausgehen, dass die Banken alles tun, um solche Sch√§den f√ľr sich zu vermeiden. Dabei d√ľrften sie sich n√§her sein als dem Kunden.

Vertrauen weg

Sorgen muss sich √ľberwiegend Sony machen – das Vertrauen ist erstmal weg. Erstens wegen der fehlenden Sicherung und zweitens wegen der fehlenden sofortigen Information. Und je nachdem wie die Geschichte weitergeht und wie viele Kunden ihre Karten tauschen lassen wollen, ist eine Schadensersatzforderung der Banken an Sony abzuwarten.

Die illegal beschafften Daten k√∂nnen aber noch ganz andere Folgen haben – vor allem „nervige“. Je nach Qualit√§t der Daten sind diese Datens√§tze viel eher bares Geld f√ľr den Adresshandel wert. Man wei√ü, welche Spiele die Kunden spielen, welche Musik sie h√∂ren und √§hnliche Informationen. Dazu hat man die Adressen und vielleicht auch Ums√§tze? Dazu hat sich Sony nicht ge√§u√üert.

Mega-Raubzug

Jedenfalls reicht der Wert von solchen Datens√§tzen von wenigen Cent bis zu 100 Euro, die manche Firma bereit ist, f√ľr hochqualifizierte Kundendaten zu bezahlen. Denn dann kann man die Werbung und die Ansprache auf den Kunden verfeinern, um mit ihm „ins Gesch√§ft“ zu kommen. Vielleicht war das das Hauptziel der Hacker.

Rechnet man zehn Euro pro Datensatz, haben die Hacker also einen Wert in H√∂he von 770 Millionen Euro gestohlen. Wenn sie nur einen Bruchteil davon verkaufen k√∂nnen, ist das ein Mega-Raubzug. Der von Medien hysterisch angek√ľndigte „m√∂gliche“ Raubzug auf den Konten der Kunden wird aber „vermutlich“ ausfallen.

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt√§glich „beschei√üen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen √ľber die Plagiatsaff√§ren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr√∂√üte Zur√ľckhaltung √ľben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t√§glich in gro√üem Umfang. Das Schm√ľcken mit „fremden Federn“ geh√∂rt zum Tagesgesch√§ft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr√ľger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw√ľrde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors√§tzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa√ü, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die größten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird √ľbersehen, dass t√§glich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben √ľberhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef√§llig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver√∂ffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt k√ľnftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf√ľgung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…hei√üt es abschlie√üend in der Pressemitteilung.“

Tagt√§gliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten √ľbernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst√§ndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei√üig und kompetent √ľber die Aktivit√§ten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st√§ndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenr√ľhrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverständlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m√ľssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver√∂ffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie√ülich zahlt der Abonnent nicht f√ľr abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f√ľr eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr√ľne Einf√ľgungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver√∂ffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei√üt glaubw√ľrdig sein

Auch wir veröffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverständlich und täuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K√ľrzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums f√ľr „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir √úbernahmen in voller L√§nge eine unmissverst√§ndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver√∂ffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar√ľber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei√üt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver√∂ffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst√§ndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir √ľbermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T√§uschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ ver√∂ffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der flei√üigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K√ľrzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk√ľrzel, steht aber schlicht und ergreifend f√ľr „zugeschickt“. Das hei√üt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text√ľbernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K√ľrzel.

Patchwork-Journalismus РCopy&Paste ist Alltagsgeschäft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das hei√üt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen √ľber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f√ľr den Leser nicht erkennbar. H√§ufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis können Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seriöse Journalisten achten sehr sorgfältig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele f√ľr Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Ver√∂ffentliche oder stirb“ f√ľr die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f√ľhrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei√ü, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb√§nden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w√ľrde ein niederschmetterndes Ergebnis ver√∂ffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw√ľrdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm√ľckt. Und da eine Kr√§he der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst√§ndig unversch√§mt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt√§glich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gef√ľllt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R√§uber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen l√§sst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, ‚ÄěMenschenraub“, ‚ÄěRaub der Seele‚Äú[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw√∂rtliche √úbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur√ľck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m√∂gliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. Und es gibt eine Meldung, dass nun auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg in der Sache ermittelt.ūüėČ