Sonntag, 22. Oktober 2017

Es sieht b├Âse aus mit dem „Journalismus“


Journalismus? Haha. Quelle: Kontext

Rhein-Neckar/Stuttgart, 08. Juni 2011 (red) In Stuttgart erscheint seit ein paar Wochen die kostenlose Zeitung „Kontext„. 200.000 Euro haben private Spender bereit gestellt, um das Projekt mindestens ein Jahr zu finanzieren. Einer der Spender ist Edzard Reuter. F├╝r Kontext arbeiten „altgediente“ Zeitungsjournalisten. Aktuell rechnet Bruno Bienzle, bis 2007 Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten, mit dem „Pressewesen“ ab.

Der Artikel im „Kontext“ ist eigentlich weit weg – in Stuttgart. Aber er ist f├╝r unsere Region sehr wichtig, weil er ein systematisches Problem beschreibt.

Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden ├╝ber Medien transportiert. Soweit die Theorie.

In den klassischen Medien findet zur Zeit ein radikaler Umbruch statt – als Leserin und Leser, als Abonnentin und Abonnent einer Tageszeitung sollten Sie wissen, wie „pannenanf├Ąllig“ das Produkt ist, dass Sie teuer bezahlen.

Journalismus ist nicht „gottgegeben“, sondern basiert auf unserem Grundgesetz. Auf Artikel 5 ├╝ber die Meinungsfreiheit. Professionell betriebener Journalismus ist aber auch ein Gesch├Ąft. Der Journalismus liefert „interessante“ Inhalte – die Werbung nutzt das f├╝r sich.

Jeder, der ein Zeitungsabo f├╝r rund 30 Euro im Monat hat, muss das eigentlich wissen. Nachrichten bekommt man ├╝ber die Zeitung nicht „umsonst“. Man zahlt das Abo und wird mit Werbung „zugeballert“ – ganz kostenlos. Scheinbar. Die Verlage halten daf├╝r aber die Hand auf.

Im Internet sind viele Nachrichten „kostenlos“ – die Frage ist, wie viel diese Nachrichten wert sind. Die Frage ist, wieviel die Menschen bereit sind, f├╝r solche Nachrichten zu zahlen. S├Ąmtliche Modelle f├╝r „beliebige“ Nachrichten konnten sich nicht „durchsetzen“.

Die „Nachrichten“, also das lokale Zeitungswesen, sind per Lizenz vor rund 60 Jahren vergeben worden. Die Lizenzverlage haben daraus Traumrenditen erwirtschaften k├Ânnen.

Das Internet bedroht dieses „Gesch├Ąftsmodell“. Denn was fr├╝her nur im „Abo“ erh├Ąltlich war, gibt es jetzt „for free“.

Unsere Angebote f├╝r Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rhein-Neckar sind frei zug├Ąnglich – mit hohem Einsatz aller Mitarbeiter und zun├Ąchst geringer Erwartung von Einnahmen. Ganz in der Tradition der Marktwirtschaft – wir bieten ein Produkt an und hoffen, dass es gef├Ąllt.

Ob wir es verkaufen k├Ânnen, muss der Markt zeigen. Wie wir es verkaufen k├Ânnen, wissen wir noch nicht. Aber wir hoffen darauf, dass es genug Menschen gibt, die unsere Leistung „honorieren“. Dazu werden wir bald ein Angebot machen.

Der alte Markt ger├Ąt zunehmend unter Druck – die gewohnten Gewinnerwartungen und keineswegs das Ideal eines guten Journalismus geraten unter Druck.

Dar├╝ber schreiben „alte Hasen“ in Kontext – und die erfahrenen Journalisten wissen, dass es ernst ist. Mit dem Gesch├Ąft und mit der Meinungsfreiheit.

Wir empfehlen deshalb gerne und dringlich diesen Text.

Herren im Haus

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das rheinneckarblog.de

Gastbeitrag: „Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/W├╝rzburg, 29. M├Ąrz 2011. (Main-Post/red) Die W├╝rzburger Main-Post leistet sich einen „Leser-Anwalt“. Anton Sahlender, Mitglied der Chefredaktion, nimmt Leserfragen und -beschwerden entgegen, pr├╝ft die Inhalte und ver├Âffentlicht im Anschluss die Ergebnisse. Ein vorbildlicher Service, wie wir meinen.

Vorbemerkung: Aktuell geht es um einen B├╝rgermeister, der seiner gesetzlich festgelegten Auskunftspflicht nicht nachkommt. Die Main-Post hat deshalb sogar eine Klage angestrengt und gewonnen. Die Reaktionen sind „schmerzhaft“ f├╝r die Zeitung – es werden b├Âse Unterstellungen ge├Ąu├čert und Abos abbestellt. Nur, weil die Zeitung die Presse- und damit die Meinungsfreiheit verteidigt, gegen einen B├╝rgermeister, der sich nicht an die Gesetze h├Ąlt und den Artikel 5 Grundgesetz ├╝ber die Meinungsfreiheit und das Presserecht mit F├╝├čen tritt.

"Leseranwalt" Anton Sahlender sorgt f├╝r Transparenz bei der W├╝rzburger Main-Post. Quelle: MP

Von Anton Sahlender, Leseranwalt der Main-Post

Der Leseranwalt: Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein – f├╝r Betroffene und f├╝r Redaktionen

Je nachhaltiger Journalisten ihre Freiheiten nutzen, desto mehr m├╝ssen sie selbst ertragen k├Ânnen. Denn der Presse Freiheit ist auch schmerzhaft. Zuerst f├╝r Betroffene, dann aber oft auch f├╝r Redaktionen.

Hier aktuelle Kostproben: Der B├╝rgermeister einer Kleinstadt wird in der Zeitung h├Ąufig f├╝r seine Amtsf├╝hrung kritisiert. ├ťber einen langen Zeitraum gibt er dazu immer wieder neu Anlass. Er pflegt eine wenig b├╝rgerfreundliche Geheimhaltung von Amtshandlungen und kommt seiner Auskunftspflicht gegen├╝ber Medien nur unzureichend nach. Das sagt nicht nur die Redaktion, sondern auch das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung.

Auskunftpflichten gegen├╝ber Journalisten sind B├╝rgermeistern und Amtsleitern per Gesetz vorgeschrieben. Medien m├╝ssen in einer Demokratie ungehindert ├╝ber politisches und amtliches Handeln informieren k├Ânnen. In der Kleinstadt ist die Folge der redaktionellen Nachhaltigkeit f├╝r B├╝rgers Information nicht nur Lob. Proteste und sogar Abbestellungen sind eingetroffen. Darunter Zuschriften, in denen der Redaktion Menschenjagd und allerlei weitere journalistische Tods├╝nden vorgeworfen werden. Au├čerdem schimpft man: Die Zeitung schade der ganzen Stadt.

Ein anderer B├╝rgermeister wollte letzte Woche verbieten, dass Informationen ├╝ber den Haushalt, die er an Journalisten verk├╝ndete, ver├Âffentlicht werden, bevor der Stadtrat sie beschlossen hat. Diese Zeitung mochte Lesern aber nicht nur vollendete Tatsachen bieten. Sie hat gleich berichtet. Des B├╝rgermeisters Androhung presserechtlicher Schritte blieb wirkungslos: Denn Redaktionen haben die (Presse-)Freiheit, selbst ├╝ber die Bedeutung einer Nachricht zu entscheiden und somit dar├╝ber, wann sie erscheint.

Zu meiner Sammlung von Reaktionen auf die Freiheit, auch Meinungen vielf├Ąltig zu vertreten, geh├Ârt neuerdings diese Klage: ÔÇ×Lesen Sie die ├Ątzenden und abf├Ąlligen Kommentare eines Henry Stern gegen Franz Josef Strau├č und alle Nachfolger. Gewollt h├Ąssliche Bilder unserer Kanzlerin Merkel und b├Âsartige Karikaturen eines Dieter Hanitzsch schlagen in die gleiche Kerbe. ├ťberparteilichkeit stelle ich mir anders vor.ÔÇť – Ich ahne das Wie dieser Vorstellung. ├ťberdies war Strau├č schon nicht mehr unter uns, als Henry Stern M├╝nchner Korrespondent wurde.

Das waren Momentaufnahmen, keine Klagen. Journalisten muss man nicht m├Âgen. Verst├Ąndnis f├╝r Pressefreiheit in einer Demokratie aber, die muss jeder ertragen k├Ânnen. Mit der Abbestellung einer Zeitung kann man sie jedenfalls nicht abschaffen.“

Anmerkung der Redaktion:
Wir stehen mit Anton Sahlender vor allem ├╝ber Facebook in regelm├Ą├čigem Kontakt und sind in journalistischen Fragen nicht immer einer Meinung ;-).

Aber wir unterst├╝tzen nat├╝rlich gerne als Berufskollegen aus Solidarit├Ąt die Haltung hinter dieser Ver├Âffentlichung und haben darum gebeten, den Text ├╝bernehmen zu d├╝rfen. Herr Sahlender hat dem umgehend zugestimmt.

Wir handeln aber auch nicht ganz uneigenn├╝tzig, sondern im Interesse unserer Leserinnen und Leser, da wir das Ph├Ąnomen von auskunftsunwilligen Beh├Ârden sehr gut kennen. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ist so ein „Spezialfall“, der seiner Auskunftspflicht erst nachgekommen ist, nachdem er einen durch uns veranlassten „freundlichen Hinweis“ erhalten hat. Bis heute versucht er weiterhin unsere Arbeit mit allen m├Âglichen Mitten zu behindern.

Unterst├╝tzt wird er dabei vom Mannheimer Morgen – einer Zeitung der Solidarit├Ąt unter Journalisten nichts gilt. Ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass es der Zeitung sehr recht ist, wenn „die Konkurrenz“ Probleme hat und man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das ist bedauerlich, liegt aber allein im Ermessen der Zeitung und geh├Ârt anscheinend zur „Unternehmenskultur“.

Der Mannheimer Morgen ist dabei in guter Gesellschaft – viele deutsche Monopolzeitungen haben sich mit ├Ârtlichen „Interessenvertretern“ aus Politik und Wirtschaft verbandelt. Dementsprechend manipuliert ist die Berichterstattung. Siehe Stuttgart21 beispielsweise. (stern ├╝ber den Filz von Politik, Geld und Medien)

Die Haltung der Main-Post ist aus unserer Sicht vorbildlich und entspricht dem, was man als Leserin oder Leser von Medien erwarten k├Ânnen muss: Eine unabh├Ąngige und kritische Berichterstattung.