Samstag, 25. November 2017

Gabis Kolumne

Der Kampf gegen die LĂ€use

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 21. November 2011. Manches erlebt man als großes Drama und erst in der RĂŒckschau erkennt man auch die humoristische Seite. Gabi erinnert sich noch gut, wie gelbe Zettel und KopflĂ€use zu ihrem Alltag gehörten und mit welchen Mitteln sie dagegen kĂ€mpfte.

Die Kopflaus (lat.: Pediculus humanus capitis). Foto: Wikipedia.

Vor Kurzem war ich mit zwei Freundinnen in einer nicht wirklich erwĂ€hnenswerten amerikanischen Komödie im Kino. Bei der Heimfahrt im Auto beschlossen wir, den Film hĂ€tten wir uns sparen können, wenn da nicht die eine Szene gewesen wĂ€re, in der sich die Hauptdarstellerin – Typ erfolgreiche GeschĂ€ftsfrau, Supermutter und Superehefrau – bei einer Besprechung immer wieder verzweifelt am Kopf kratzte. Kurz zuvor hatte sie von der Nanny die SMS erhalten: „Die Kinder haben LĂ€use!“

Jetzt, Jahre spĂ€ter, konnten wir darĂŒber herzhaft lachen, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ein winzig kleines Tier – natĂŒrlich im unĂŒberschaubaren Plural – die Kopflaus (lat.: Pediculus humanus capitis) – uns das Leben zur Hölle machte.

Ich vergesse nie, wie meine Tochter mit einem gelben Zettel aus dem Kindergarten kam, der uns Eltern darauf hinwies: „In der Gruppe gibt es LĂ€use, bitte untersuchen Sie Ihr Kind.“

Dieser Zettel wurden wĂ€hrend der Kindergarten- und Grundschulzeit zu unserem festen Begleiter und verfolgte uns sogar noch in der fĂŒnften Klasse am Gymnasium.

Aus meiner Kindheit kannte ich keine LĂ€use, ich hatte nie welche und es wurde nur ab und an gemunkelt, wenn jemand seinem Kind die Haare streichholzkurz schneiden ließ.

„Die kriegt man nur, wenn man dreckig ist“

„Die kriegt man nur, wenn man dreckig ist“, pflegte meine Großmutter zu sagen. „Und natĂŒrlich damals im Krieg“, aber das waren bekanntlich andere Zeiten.

Nun denn, meine Tochter hatte langes, sehr langes, dickes, welliges Haar, dem ich mich nun mit einem kleinen schmal gezinkten Nissenkamm nĂ€herte. Eben so, wie es auf dem Schreiben des Gesundheitsamtes beschrieben war. Zentimeter um Zentimeter kĂ€mpfte ich mich, unter dem lauten GebrĂŒll meines Kindes, durch die MĂ€hne. Und fand – nichts. Klar, dachte ich mir, warum sollen wir auch LĂ€use haben.

Nur zwei Tage spĂ€ter beobachtete ich meine Tochter, wie sie sich wieder und wieder kratze und auch mich ĂŒberfiel ein Juckreiz. „Das ist alles Einbildung“, sagte eine Freundin und sie sollte nicht Recht behalten.

Eine weitere Kopfkontrolle offenbarte die Katastrophe millimeterkleine, Ă€ußerst agile Tierchen huschten ĂŒber das Haupt. Ich war verzweifelt. Rannte in die Apotheke und fragte leise und verschĂ€mt nach einem Lausmittel, wirksam sollte es sein. „Goldgeist forte“ wurde mir empfohlen und ich bekam gleichzeitig den Hinweis, es könnten ja auch noch andere Familienmitglieder befallen sein. Ich nahm gleich die Familienpackung.

Ich nachte den LĂ€usen eine Kampfansage. Der restliche Nachmittag gestaltete sich zu einem Alptraum: Ich zog alle Betten und Sofakissen ab, Sohn, Mann, Tochter und ich selbst wurden mit dem scharf riechenden, höllisch stinkenden Extrakt behandelt, tausende von HaarstrĂ€hnen wurden durchkĂ€mmt, die Kuscheltiere wandert in PlastiktĂŒten verpackt in die Gefriertruhe. Am Abend war ich total erledigt, aber glĂŒcklich, diesen kleinen Viechern hatte ich den Garaus bereitet.

FĂŒr dieses Mal, denn nur wenige Wochen spĂ€ter brachte mein Sohn einen gelben Zettel aus der Grundschule mit und die gleiche Prozedur ging von Vorne los.

Bei der Laus gilt fĂŒr mich kein Artenschutz

Ich weiß nicht mehr, wie viele Flaschen von „Goldgeist forte“ ich in den folgenden Jahren verbraucht habe, irgendwann wurden diese kleinen Biester auf alle FĂ€lle resistent und ein neues Mittel wurde unter vorgehaltener Hand gepriesen. Das eine verklebt, das andere erstickt, egal wie, die LĂ€use mussten getötet werden – hier gilt fĂŒr mich kein Artenschutz.

In der Anfang-Laus-Phase getraute man sich kaum öffentlich darĂŒber zu reden, doch schon bald gestaltete das Laus-Thema ganze Nachmittagstreffen und gute Tipps wurden ausgetauscht. Und da die kleinen Bestien auch vor Grenzen nicht zurĂŒckschrecken bekam ich hilfreiche RatschlĂ€ge auch von Freunden aus der Schweiz und aus dem Elsaß. Letztlich blieb kaum einer verschont und gemeinsam ließ es sich besser ertragen.

„Seid ihr lausfrei?“ wurde so zur gĂ€ngigen Floskel bevor sich Kinder zum Übernachten verabredeten.

Und dann auf einmal war es vorbei. Es kamen keine Zettel mehr, es gab keine JuckanfÀlle und vor allem es gab keine kleinen Tiere mehr.

Wie oft wir wirklich LĂ€use hatten, ich weiß es nicht, einmal auf alle FĂ€lle traf es meinen Sohn, einmal mich und etliche Male meine Tochter. Mein Mann blieb verschont, „du riechst wahrscheinlich nicht gut“, versuchte es ihm meine Tochter zu erklĂ€ren.

Und wĂ€hrend ich das alles schreibe, fĂ€ngt es an, mich fĂŒrchterlich zu jucken – aber diesmal ist es ganz bestimmt nur Einbildung.

gabi