Samstag, 25. November 2017

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

Öffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Weinheim, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag gehört über Dinge, die quasi ausgestorben sind – und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die jüngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag gehörten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonhörer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und überall konnte man die Spuren der ausgedrückten Zigaretten erkennen. Die Telefonbücher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unerträglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der Kälte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige Möglichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst wählen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste. In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein „Gut angekommen“ in den Hörer brüllen, bevor man die Münzen einwerfen musste.

Und überhaupt die Münzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder – damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer – waren die Zehnpfennigstücke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gewünschte Gesprächspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene Häuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich weiß eigentlich nicht, wo hier im Ort die nächste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch Wandgeräte, die man inzwischen auch mit Geldkarten füttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber natürlich hatte sie auch ihre Vorzüge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: „Ich hätte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden“, und ein unangenehmes Gespräch konnte man mit: „Du jetzt habe ich kein Kleingeld mehr“, problemlos abwürgen.

Ähnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Straßenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die Einführung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, führte man in den 50er Jahren die „Parkographen“ – eine amerikanische Erfindung – ein. Die Einführung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine Umrüstung auf neue Münzen wäre für die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man früher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat für viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir ständig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur für eine halbe Stunde Münzen einwerfen, so dass man ständig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht befüttert werden.

Bedauere ich das „Aussterben“ von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich überlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine öffentlichen Telefoniermöglichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) für länger als eine halbe Stunde lösen kann, vermisse weder Euroschecks noch Überweisungsformulare, genieße also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi