Sonntag, 19. Januar 2020

Interview mit Erhard Renz, dem „SonnenflĂŒsterer“

„Photovoltaik ist die Königin“

Erhard Renz, der "SonnenflĂŒsterer", hĂ€lt einen Vortrag in Weinheim. Foto: Stadt Weinheim.

Weinheim, 27. Januar 2012. (red/pm) Interview mit Erhard Renz, dem „SonnenflĂŒsterer“, zu seinem Vortrag am 31. Januar 2012 in Weinheim .

Von Roland Kern:

„Er gilt als ebenso profunder Kenner wie unterhaltsamer Referent und hat sich in den vergangenen Jahren einen besonderen Namen gemacht: Erhard Renz aus BĂŒrstadt, in unmittelbarer NĂ€he zum Atomkraftwerk Biblis aufgewachsen, gilt als Pionier auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Manche nennen ihn schon seit LĂ€ngerem „den SonnenflĂŒsterer“.

Auf Einladung des Energieteams der Stadt Weinheim und des Runden Tisch Energie spricht Erhard Renz, der mittlerweile selbststÀndiger Energieberater ist, am Dienstag, 31. Januar um 18.30 Uhr auch in Weinheim. Die kostenfreie Info-Veranstaltung findet im Alten Rathaus am Marktplatz statt.

Im Vorfeld fĂŒhrten wir ein Interview mit dem „SonnenflĂŒsterer“.

Herr Renz, man nennt Sie auch den „SonnenflĂŒsterer“. Könnten Sie Ihrer Sonne nicht mal ausrichten, sie habe schon lange nicht mehr geschienen?

Erhard Renz: Entgegen der landlÀufigen Meinung ist die Sonne immer da, sie ist zuverlÀssiger als jedes anderes Kraftwerk. In der Nacht wenden wir uns von der Sonne ab, im Winter entfernen wir uns und an manchen Tagen schieben sich Wolken zwischen Sonne und Erde. Die Sonne aber steht immer am selben Platz!

Aber im Ernst, so ein Wetter wie im Moment ist ja nicht gerade eine Werbung fĂŒr die effiziente Nutzung von Photovoltaik-Anlagen, oder?

Erhard Renz: Ich selbst betreibe eine Photovoltaikanlage seit mehr als elf Jahren und 2011 war das zweitbeste Sonnenjahr. Im Dezember und Januar ernten wir sowieso nur je zwei Prozent des Jahresertrages. Diese Monate sind fĂŒr die RentabilitĂ€t einer Photovoltaikanlage nicht entscheidend.

Die Bundesregierung senkt ja wieder einmal die EinspeisungsvergĂŒtung fĂŒr Strom, der aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik gewonnen wird. Verstehen Sie das?

Erhard Renz: Die Senkungen waren immer das Ziel der Branche. Wir wollen und wir werden wettbewerbsfĂ€hig werden, aber die stĂ€ndige Diskussion ĂŒber weitere Absenkungen schaden der Politik und der Branche. Ich erwarte von einem Politiker langfristige Entscheidungen und keine Windhund-MentalitĂ€t.

Ist die Energiewende Ihrer Beobachtung nach bei den Menschen angekommen?

Erhard Renz: Wir haben in Deutschland mehr als 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen und mehr als 20 000 WindrĂ€der. Die Zustimmung zu Erneuerbaren Energien in Umfragen liegt regelmĂ€ĂŸig im Bereich von 80 bis 90 Prozent. Die Deutschen haben erkannt, dass wir keine Rohstoffe haben, sondern nur die Kraft der Sonne.

Herr Renz, man liest viel ĂŒber Energiewende und Photovoltaik, was können die Menschen bei ihrem Vortrag in Weinheim am 31. Januar erfahren, was ihnen dennoch neu sein dĂŒrfte?

Erhard Renz: In meinen VortrĂ€gen versuche ich, das komplexe Thema locker rĂŒber zu bringen, deshalb behaupte ich meine VortrĂ€ge haben einen gewissen Unterhaltungswert. Am Wochenende bin ich beim 19. Jahrestreffen der Bayrischen Solarinitiativen und werde die Neuigkeiten von den bayrischen SolarkollegInnen direkt nach Weinheim bringen. Vielleicht kann ich auch schon eines meiner „neuen Solarprojekte“ schon vorstellen. Dies entscheidet sich bei den Bayern.

In Weinheim mit seiner denkmalgeschĂŒtzten Altstadt gibt es ein Spannungsfeld zwischen PV-Nutzung und Denkmalschutz. Was sollte Ihrer Ansicht nach Vorrang haben und warum?

Erhard Renz: Deutschlandweit stehen etwa zwei Prozent der GebĂ€ude unter Denkmalschutz. Diese GebĂ€ude sind also fĂŒr eine Energiewende nicht entscheidend. Im Einzelfall sollten sich aber die EigentĂŒmer und die Denkmalschutzbehörde an einen Tisch setzen und die Interessen beider Seiten abwĂ€gen.

PV-Nutzung ist doch eher etwas fĂŒr HauseigentĂŒmer. Was kann der „kleine“ Mieter tun, um seinen Beitrag zu leisten? Welche Möglichkeiten hat er?

Erhard Renz: Wer kein eigenes Dach fĂŒr eine Photovoltaikanlage besitzt kann sich zumindest finanziell an Gesellschaften beteiligen. Bei geringen BetrĂ€gen (teilweise ab 100 Euro) empfehle ich eine Genossenschaft. Die Genossenschaft bĂŒndelt Geld und investiert in grĂ¶ĂŸere Photovoltaikanlagen auf öffentlichen (z.B. Schulen, Sporthallen) DĂ€chern. Dort hat jeder eine Stimme egal wie viel Geld er investiert hat. Dies ist die demokratischste Beteiligungsmöglichkeit.

In Weinheim denkt man im Moment ĂŒber die GrĂŒndung einer Energiegenossenschaft nach? Eine gute Idee? Und was raten Sie?

Erhard Renz: Die Genossen mĂŒssen sich im Klaren sein, dass viel ehrenamtliches Engagement zu Beginn erforderlich ist. Benötigt werden Menschen mit unterschiedlichen Talenten. Da ich bereits bei drei GrĂŒndungen engagiert war, empfehle ich Spezialisten fĂŒr die Technik, die Buchhaltung, die Öffentlichkeitsarbeit und einen Rechtsanwalt. Ausserdem gibt es Schulungen fĂŒr die GrĂŒndungsmitglieder einer Genossenschaft die ich jedem Neuling empfehlen wĂŒrde.

Ist die Photovoltaik unter den „Erneuerbaren“ die beste Variante?

Erhard Renz: Die Photovoltaik ist die Königin unter den Erneuerbaren Energien, aber wie jede andere Königin benötigt auch die Photovoltaik UnterstĂŒtzung durch einen Hofstaat. Bei den Erneuerbaren Energien sind dies die Windenergie, die Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.

In Weinheim ist Geothermie ein großes Thema, wie sind Ihre Erfahrungen und Prognosen hierzu?

Erhard Renz: Die Geothermie ist technisch noch in den Kinderschuhen. FĂŒr BĂŒrgerliches Engagement birgt diese Technik bei der jetzigen Förderung ein zu hohes Risiko. Deshalb habe ich bisher die Finger von dieser Technik gelassen. Sollten demnĂ€chst weitere Pilotprojekte gestartet werden, wĂŒnsche ich mir eine sorgfĂ€ltigere Planung und Umsetzung als bei den bisherigen Vorzeigeprojekten.“

Info: Vortrag „Sicher in die Zukunft mit Sonnenstrom“ mit Erhard Renz am Dienstag, 31. Januar 2012, 18.30 Uhr im Alten Rathaus am Marktplatz. Eine Veranstaltung der Stadt Weinheim und des Runden Tisch Energie.

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim