Sonntag, 22. Oktober 2017

Kriminalstatistik 2010/11 wurde im Gemeimderat vorgestellt.

Nicht wie in der Großstadt, aber auch kein ländliches Niveau

Weinheim, 29. Juni 2012. (red/sap) Polizeioberrat Jürgen Helfrich, Leiter des Polizeireviers Weinheim, stellte im Gemeinderat die Kriminalstatistik für 2010/2011 vor: „Die Zahlen liegen im Trend“. Eine Zunahme der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz ist auffällig.

Von Sabine Prothmann

Insgesamt konnte die Weinheimer Polizei eine leichte Zunahme von Straftaten feststellen. Die Zahl stieg von 2046 auf 2095, das sind 49 Taten mehr bzw. ein Anstieg um 2,4 Prozent., erklärte Helfrich. Die Aufklärungsquote dagegen ist leicht, nämlich um 2,7 Prozent zurückgegangen, und liegt bei 55,7 Prozent.

Die Häufigkeitszahl, das ist die Zahl bekannt gewordener Straftaten auf 100.000 Bürger bezogen, liegt bei 4.796 und damit über dem Durchschnittswert des Rhein-Neckar-Kreises (4326). Damit, so Oberbürgermeister Heiner Bernhard, habe man in Weinheim natürlich kein Niveau wie in der Großstadt, aber natürlich auch keine ländliche Situation.

Die Zahl der Diebstähle habe dagegen im Vergleich zu 2010 wieder leicht zugenommen. Leichte Diebstähle, wie Ladendiebstähle seien hingegen zurück gegangen. Helfrich macht dafür die Personaleinsparung in den Geschäften verantwortlich, die es gar nicht ermögliche den einzelnen Delikten nachzugehen. Taschendiebstähle liegen – typisch für eine Einkaufsstadt – auf hohem Niveau.

Aber auch die schweren Diebstähle haben zugenommen. Das sind Delikte, so Helfrich, bei denen die Täter Hindernisse überwinden, wie eine Mauer übersteigen, Fenster einschlagen, Schlösser öffnen oder auch PKWs aufbrechen.

Massive polizeiliche Präsenz stört Einbrecher

Insgesamt gab es 52 Wohnungseinbrüche, vermehrt in Lützelsachen und Hohensachsen. Davon handelte es sich bei 14 um Tageseinbrüche. Und „viele Wohnungsbesitzer waren leichtsinnig“, sagte der Chef der Weinheimer Polizei. Durch massive polizeiliche Präsenz in den betroffenen Gebieten, konnte man dem entgegen wirken.

Erfreulich ist der deutliche Rückgang bei Rohheitsdelikten, insbesondere bei Körperverletzung.  Zu den Roheitsdelikten zählen neben Körperverletzung, Stalking, Bedrohung und Nötigung im Straßenverkehr. Bei den Delikten mit schwerer Körperverletzung konnte ein Rückgang von 60 auf 45 Taten festgestellt werden. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 60 Prozent.

Insgesamt 158 Delikte fielen in den Bereich der strafrechtlichen Nebengesetze.  Dazu zählen: Jugendschutzgesetz (0), Kunsturheberrechtsgesetz (1), Arzneimittelgesetz (1), Aufenthaltsgesetz/Asylverfahrengesetz (6), Waffengesetz (9) und das Betäubungsmittelgesetz (122). Die Rauschgiftkriminalität ist in den vier vergangenen Jahren angestiegen,  und von 97 auf 122 Verstöße, auch wenn 2010 mit 133 Verstößen die Zahl sogar noch höher war, lag sie ein Jahr zuvor nur bei 61. Auch die Handelsdelikte mit Rauschmittel sind auf 17 angestiegen.

„Wenn man hinguckt, wird man auch etwas finden“, sagte Helfrich. Die Weinheimer Polizei sei 2011 „subjektiv“ mit einer steigenden Zahl von Händlern und mit  Rauschgiftpartys konfrontiert gewesen.

Stadtrat Hans-Eckhardt Pfisterer (SPD) wollte wissen, ob man davon spreche könne, dass Weinheim durch Viernheimer Drogen infiltriert würde.

Für diese Annahme sah Jürgen Helfrich keinen Grund und verwies darauf: „Auch in Weinheim haben wir Indooranlagen (Anm. d. Red. für „Cannabisanbau)“ und Mannheim sei schließlich auch nicht weit.

Tatverdächtigenstruktur

Von den 862 Tatverdächtigen – bei 2095 insgesamt Taten wird daraus auch ersichtlich, dass es sich teilweise um Mehrfach- bzw. Wiedertäter handelt – waren 30 Kinder – ein Drittel davon Mädchen -, 108 Jugendliche, 85 Heranwachsende und 639 Erwachsene. Die größte Gruppe ist mit 486, die der 25 bis 50Jährigen.

743 Täter waren schon davor in Erscheinung getreten, 89 Taten geschahen unter Alkohleinfluss und bei 7 wurde eine Waffe mitgeführt.

OB Bernhard für den Erhalt der Kripo-Außenstelle

„Ein Affront gegen die Bürger“

Weinheim/Rhein-Neckar, 03. Februar 2012. (red/pm) Weinheims OB Heiner Bernhard setzt sich für den Erhalt der Kripo-Außenstelle in Weinheim ein. Gleichzeitig spricht sich Bernhard auch gegen eine Fusion der Polizeidirektion Heidelberg und dem Polizeipräsidium Mannheim aus.

Information der Stadt Weinheim:

„Die Straftaten werden weiterhin vor Ort stattfinden, die Einbrüche an der Haustür, die Überfälle auf der Straße, die Verbrecher werden sich bestimmt nicht zentralisieren, und die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, dass es auch vor Ort schlagkräftige kriminalpolizeiliche Einheiten gibt“, sagt Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich – gemeinsam mit seinen Bürgermeisterkollegen der Bergstraße – für den Erhalt der Kriminalaußenstelle der Polizeidirektion Heidelberg in Weinheim einsetzen wird. Die Statistik der letzten Jahre aber auch andere örtliche Bedingungen sprächen, so der OB, klar für die Bedeutung und den Erhalt der Außenstelle in Weinheim als nördlichem Außenposten an strategisch entscheidender Stelle.

Mehr als 440 Fälle seien hier allein im Jahr 2011 bearbeitet worden, dazu mehr als 40 Vermisstenfahndungen und mehr als 30 Todesermittlungsverfahren, die statistisch nicht erfasst werden.

„Mammutbehörde“ zu unflexibel

Gleichzeitig sprach sich der OB – wie seine Kollegen – vehement gegen eine von der Landesregierung ins Gespräch gebrachte Fusion der Polizeidirektion Heidelberg und dem Polizeipräsidium Mannheim aus. Eine „Mammutbehörde“ mit 2600 Beamten könne der Sicherheitslage in der Region nicht gerecht werden, sie wäre viel zu unflexibel.

Der Abzug der Kripo-Außenstelle aus Weinheim werde sich direkt auf das Sicherheitsempfinden aber auch konkret negativ auf die Sicherheitslage in der Stadt
und den Nachbarkommunen auswirken.

Besonders bei Rauschgiftkriminalität, bei der Aufklärung von Sexualdelikten und Raubüberfallen seien Orts- und Personenkenntnis für eine erfolgreiche Polizeiarbeit unerlässlich, so Bernhards Erfahrungen. Die Schließung würde die Präsenz deutlich verschlechtern, fürchtet der OB. Die Schutzpolizei könne dies nicht auffangen.

Gerade angesichts einer Häufung von Einbruchsdelikten in den Ortsteilen wäre eine Schließung der Kripo-Außenstelle „ein Affront gegen die Bürger“.

Die Fahndungserfolge der letzten Jahre hätten gezeigt, „wie wichtig es ist, wenn die Kripo die örtlichen Verhältnisse und die Szene kennt“. Diese über Jahre erworbenen Qualifikationen würde man geradezu fahrlässig verschwenden, so der OB. Die Grenzlage Weinheims mache außerdem eine funktionierende Kooperation mit Polizeidienststellen in Hessen erforderlich.

Eine zentrale Kripo in Heidelberg könne das schon aus Entfernungsgründen nicht leisten. „Überall versuchen wir dem Bürger entgegenzukommen, aber hier würde
das Gegenteil passieren“, argumentiert Weinheims Rathauschef.  Anzeigen von Kriminaldelikten, die an der Bergstraße begangen werden, müssten in Mannheim oder Heidelberg aufgegeben werden.

Weinheimer Außenstelle arbeitet effizient

„Man würde kleine, sehr effektiv arbeitende Organisationseinheiten ohne Not zerschlagen“, kann Bernhard nicht verstehen. Die Außenstellen der Kriminalpolizei Heidelberg hatten in den letzten Jahren mehr als die Hälfte aller Fälle der Kripo im Einzugsbereich der PD bearbeitet. Das beweise die Effizienz.

Der OB verweist auch auf eine sehr gute Kooperation der Stadt und ihrer Partner mit den Beamten der Kripo-Außenstelle. „Der kurze Draht ist für uns aber zum Beispiel auch für unsere Schulen ein entscheidender Sicherheitsfaktor“, so Bernhard.

Auch sei die Lage der Kripo am Hauptbahnhof strategisch optimal. Es sei außerordentlich verwunderlich, wie man einen solchen Standort aufgeben könne. Die Auflösung ergebe nicht mal ein Sparpotential fürs Land, da die Kripo ja im Gebäude des Weinheimer Polizeireviers untergebracht sei.“