Mittwoch, 18. September 2019

Der Weinheimer Marco Ripanti ist ein gefragter Social-Media-Experte

Der VisionĂ€r, die Daten, das Öl

Weinheim/Rhein-Neckar, 24. Februar 2012. (red) Marco Ripanti ist Italiener – seine Heimat ist Weinheim. Hier hat er eine kleine Firma aufgebaut, die großes vor hat. Mit „Spreadly“ hat er eine Software entwickelt, die das Zeug hat, ein Marktrenner zu werden. Spreadly funktioniert Ă€hnlich wie der Facebook-Like-Button. Aber Spreadly kann mehr und bietet mehr. Sowohl fĂŒr Unternehmen als auch Nutzer.

Interview: Hardy Prothmann

Marco Ripanti ist Internetunternehmer und Social-Media-Experte. Bild: Ekaabo

Marco Ripanti: UrsprĂŒnglich war spreadly ein von Google aufgekaufter Dienst und entsprach dem heutigen Excel in Google Docs. Damals wurden Write.ly und Spreadly gekauft und in Google Docs umbenannt. Wir suchten was umfassenderes als das Wort Share und sind auf Spread gestoßen und haben Google dann die Domain abgekauft.

Ist sowas teuer zu kaufen?

Ripanti: Ich habe 800 Dollar bezahlt, Dan Siroker, ein Medienberater von PrÀsident Obama, war sehr kooperativ.

Und was ist Spreadly?

Ripanti:
Spreadly erlebt seine dritte und hoffentlich finale Ausbaustufe. Zu Beginn war es ausschließlich ein Analysetool, um Seitenbetreibern beim Thema social sharing zu helfen. Also Zahlen zu Reichweiten zu erhalten. Allerdings war der Start schwer, denn wir waren bei vielen Seitenbetreibern zu frĂŒh – die Leute konnten mit den Daten noch nicht viel anfangen.

Daten sind das neue Öl.

Warum ist das jetzt anders?

Ripanti: Das ist heute noch nicht viel anders. Man spricht bei Daten vom neuen Öl. Je grĂ¶ĂŸer die Unternehmen sind, umso weniger sind sie in der Lage die richtigen SchlĂŒsse aus den Daten zu ziehen, die unsere Software liefert. Viele wollten von uns ein Reporting kaufen – das ist aber nicht unser GeschĂ€ft.

Was ist denn das GeschÀft?

Ripanti: Wir haben den share-Button um eine Funktion erweitert. Eine Empfehlung sollte nicht einfach eine kostenfreie Dienstleistung sein. Derjenige, der etwas teilt, erhĂ€lt dafĂŒr auch ein kleines “Danke-Schön”.

Bezahlte Inhalte

Butter bei die Fische: Wie groß ist klein und was ist ein Danke-schön?

Ripanti: Das Danke-schön kann ein Gutschein von Werbetreibenden sein, die wir acquirieren. Und von den Erlösen, die wir bekommen, geben wir einen Teil an den Seitenbetreiber ab, der den Spreadly-Button nutzt. Das ist eine mögliche zukĂŒnftige Lösung fĂŒr Paid-Content.

Klingt gut, was heißt das konkret? Wie hoch könnten solche Einnahmen sein?

Ripanti: Wir bieten fĂŒr den Werbetreibenden zwei sehr faire Modelle an, weil wir uns auch als logische Alternative zur aussterbenden WĂ€hrung Page-Impressions verstehen. Stattdessen bezahlt der Werbetreibende bei uns nach Reichweite des Empfehlers, also dessen Freunden in den Netzwerken. Beispiel: Jemand, der tausend Freunde hat, shart ĂŒber den Spreadly-Button einen Artikel. DafĂŒr bekommt er 1.000 Mal 0,003 Cent, also 3 Euro. Je mehr Reichweite ein Besucher hat, umso besser fĂŒr den Seitenbetreiber – die Besucher mit ordentlicher Reichweite bekommen Gutscheine oder andere Danke-Schöns.

Wie unterscheidet sich das vom Facebook-Like-Button und der damit verbundenen Datenschutz-Kritik?

Ripanti: Das wichtigste dĂŒrfte sein, dass keine Information an uns ĂŒbermittelt wird, wenn jemand eine Seite besucht. Wir erfahren erst dann was, wenn er teilt.

Und was sind das fĂŒr Daten?

Ripanti: Demokraphische Daten wie Alter, Familie, Geschlecht, Anzahl der Freunde und die Berechtigung in den Stream zu schreiben, sonst können wir keinen Share abschicken. Das sind Daten, die in Facebook stehen und auf die so gut wie alle dortigen Anwendungen Zugriff haben. Also auch Spieleanbieter.

Ehrzeizige Ziele

Wie viele Spreadly-Seiten gibt es seit dem Start im MĂ€rz 2011?

Ripanti: Gut 1.000. Knapp 40.000 Nutzer, die mindestens einmal ĂŒber den Button geliket haben. Das persönliche, sportliche Ziel ist, die Dienste addthis und sharethis zu vertreiben, die nehmen uns den Platz weg. Wir wĂŒnschen uns aus der Verlagsbranche gerne einen Partner. Ansonsten rechnen wir mindestens mit einer Verdopplung der Seiten 2012 und eine Vervielfachung der Nutzer – wie viele das sind, hĂ€ngt von der Frequenz der Seiten ab.

Wie wie viele Leute arbeiten an Spreadly.

Ripanti: Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung, vier feste KrĂ€fte und freie Mitarbeiter.

Wie wichtig ist der Standort Weinheim fĂŒr Ihr Unternehmen?

Ripanti: Im Internet-Business ist jeder Standort gut, der eine ordentliche Internet-Infrastruktur bietet. Weinheim ist fĂŒr mich deshalb so wichtig, weil es meine Heimatstadt ist und ich liebe sie. Ich bin zwar gebĂŒrtiger Italiener, aber ebenso Woinemer – das ist ĂŒbrigens auch mein Skype-Name.

Zur Person:
Marco Ripanti (40) lebt mit seiner Frau in Weinheim und hat drei kleine Kinder. Er hat Wirtschaftskorrespondent gelernt, war dann in der Erwachsenenbildung tÀtig und hat 2001 die Seite dozententeam.de gelauncht, die der VorlÀufer zum dozentenscout.de war, die heute 15.000 Mitglieder hat.
“Ich bin von der beratendenen TĂ€tigkeit in die ausfĂŒhrende gewechselt.” 2006 hat er die Firma Ekaabo mit einem Investment der Börsenmedien AG gegrĂŒndet.

Anm. d. Red.: Auch unsere Redaktion nutzt den Spreadly-Button in den Artikeln. Einfach ausprobieren 🙂