Freitag, 21. September 2018

Nachbericht zur 1. √Ėffentlichen Redaktionskonferenz von Rheinneckarblog.de

Danke f√ľr das Lob! Danke f√ľr die Anregungen!

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Auf Tuchf√ľhlung: Unsere Redaktionsmitarbeiter zusammen mit Politikern und G√§sten auf dem Museumsschiff zur 1. √Ėffentlichen Redaktionskonferenz am 13. Oktober.

 

Rhein-Neckar/Mannheim, 22. Oktober 2014. (red/ld) Welche Themen interessieren Sie? Und was wollten Sie uns schon immer einmal sagen? Was k√∂nnen wir besser machen? Das wollten wir von unseren Lesern zu unserer ersten √∂ffentlichen Redaktionskonferenz wissen. Am 13. Oktober trafen wir uns in Ali M√ľllers Restaurant & Caf√© Lounge auf dem Museumsschiff mit den Lokalpolitikern Bernd Kupfer (CDU/Mannheim), Reinhold G√∂tz (SPD/Mannheim) und Raquel Rempp (Freie W√§hler/Schwetzingen), die Said Azami mitbrachte: Der 31-j√§hrigen Afghane berichtete von seiner Flucht und √ľber das Leben in der Schwetzinger Fl√ľchtlingsunterkunft. [Weiterlesen…]

In eigener Sache

Besinnlichkeiten, Bescherungen, Botschaften

 

Rhein-Neckar, 24. Dezember 2012. (red) Wir w√ľnschen unseren Leserinnen und Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit, sch√∂ne Bescherungen und frohe Botschaften. Auch wenn der „Wettergott“ es nun dieses Jahr gar nicht gut mit uns gemeint hat und uns sommerlich anmutende Temperaturen von 14¬į Grad beschert hat. Immerhin ist die Welt nicht untergegangen – sie dreht sich weiter. Wir lassen das Jahr geruhsam ausklingen. Ab der zweiten Januarwoche sind wir wieder voll im Einsatz f√ľr Sie da.

Von Hardy Prothmann

Heute Abend wird es √ľberall Bescherungen geben – sch√∂ne Geschenke, die hoffentlich Freude machen. Es wird zusammen gelacht, gefeiert, auch gestritten und gebetet, zur√ľck- und vorgeschaut, sich erinnert. Und nat√ľrlich gut gegessen und getrunken.

Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten. Wir bescheren Sie, unsere Leserinnen und Leser, fast t√§glich und kostenlos mit „Botschaften“. Die sind leider nicht immer „froh“, sondern geben wieder, was in unserer Welt passiert. Denn das haben wir uns zur Aufgabe gemacht und das erwarten Sie selbstverst√§ndlich von uns.

Ist das aber so selbstverst√§ndlich, wie es scheint? Das ist es nicht. Wir erbringen eine Dienstleistung f√ľr die Allgemeinheit, die tausende von Menschen kostenlos nutzen, die aber alles andere als kostenfrei ist. Wir haben in technische Ger√§te investiert, haben laufende Kosten f√ľr B√ľror√§ume, Arbeitsmaterialien, Fahrzeuge. Der gr√∂√üte Posten sind die Honorarkosten f√ľr unsere Mitarbeiter, die sehr engagiert Informationen zusammensuchen, sortieren, verarbeiten und aufbereiten.

Umbruchszeit

W√§hrend wir diese journalistische Dienstleistung aufbauen und ausweiten, stellen andere diese ein. Sp√§testens im Jahr 2012 ist klar geworden, dass der Medienmarkt in einem entscheidenden Umbruch ist. Die Verlierer dieses Prozesses werden die gedruckten Zeitungen sein. Nur ein paar Beispiele: In Hamburg wurde die Financial Times Deutschland eingestellt, in N√ľrnberg die Abendzeitung und hier bei uns vor Ort das Stadtmagazin Meier. Diese Medien sind aus dem Meinungsmarkt verschwunden. Deren Informationen – egal, wie gut oder schlecht sie gewesen sein m√∂gen – werden fehlen.

Stabile Demokratien zeichnen sich aber durch Meinungsfreiheit aus. Bei uns ist diese grundgesetzlich durch Artikel 5 unserer Verfassung gesch√ľtzt. Um sich eine umfassende Meinung bilden zu k√∂nnen, brauchen wir alle verl√§ssliche und umfassende Informationen, die wir gegeneinander abw√§gen. Um eine Haltung zu entwickeln oder Entscheidungen zu treffen.

W√§hrend im Printbereich viele Angebote ersatzlos verschwinden, entstehen bundesweit seit einiger Zeit neue Angebote wie unseres oder von Kollegen. Einige Dutzend haben sich im Netzwerk istlokal.de zusammengefunden und suchen gemeinsam neue Wege, um einen guten, hintergr√ľndigen Lokaljournalismus anbieten zu k√∂nnen.

Kritischer Journalismus bedroht

Wir gehen dabei jeden Tag ein hohes Risiko ein. Denn sobald jemand mit unseren Ver√∂ffentlichungen nicht „einverstanden“ ist, drohen Abmahnungen und Klagen wie vor einem Jahr durch den Gr√ľnen-Politiker Hans-Christian Str√∂bele oder die vermeintliche „Tierschutz“-Organisation Peta oder der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler – in nur drei Jahren sind wir √ľber ein Dutzend Mal abgemahnt worden. Das finanzielle Risiko lag dabei immer zwischen 2.000-10.000 Euro. Insgesamt haben wir bereits √ľber 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m√ľssen. Wie heftig es dabei zugehen kann, zeigt das Beispiel Regensburg-Digital. Unser Kollege Stefan Aigner wurde von der katholischen Kirche verklagt, weil er Zahlungen der Kirche an ein Missbrauchsopfer als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte. Durch Spendenzahlungen von Lesern hatte er die finanziellen Mittel, um sich juristisch zu wehren. Das Hamburger Landgericht untersagte dem engagierten Journalisten zun√§chst diese Behauptung, das Hamburger Oberlandesgericht hob das Urteil auf und die Di√∂zese Regensburg legte dagegen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Die Karlsruher Richter lehnten die Beschwerde ab.

Ganz √ľberwiegend wird kritische Berichterstattung aber anerkannt. An dieser Stelle m√∂chten wir alle die loben, die bereit sind, Kritik nicht nur auszuhalten, sondern anzunehmen und weiter den Austausch suchen. Wir stehen mit dutzenden von Beh√∂rden, mit hunderten von unseren Leserinnen und Lesern in gutem Kontakt, die uns immer wieder wertvolle Hinweise √ľber das Geschehen vor Ort geben, die uns Informationen zukommen lassen, die wir pr√ľfen, aufbereiten und ver√∂ffentlichen.

Hochwertige Informationen sind wertvoll

√úber dieses Engagement sind wir sehr dankbar. Ebenso √ľber das Vertrauen, dass uns unsere Werbekunden schenken. Die Einnahmen aus der Werbung bezahlen unsere Arbeit. Unsere Werbekunden wiederum nutzen die durch uns erzeugte Aufmerksamkeit gerne, weil sie den Medienwandel verstehen und feststellen, dass wir zwar immer wieder streitbare, aber insgesamt sehr hochwertige Informationen anbieten. Weil wir Informationen nicht langweilig verwalten, sondern einordnen und bewerten.

Im kommenden Jahr werden wir √§hnlich wie unser Berliner Kooperationspartner Prenzlauerberg-Nachrichten einen Freundeskreis schaffen und eine finanzielle Unterst√ľtzung bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, einwerben. Wir wissen, dass der √ľberwiegende Teil unserer Leserinnen und Leser unsere Arbeit wertsch√§tzt und lassen uns √ľberraschen, inwieweit das „honoriert“ wird. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, k√∂nnen also selbst ihren Teil beitragen, um unseren kritischen Journalismus, den wir nicht aus Selbstzweck, sondern f√ľr Sie machen, zu unterst√ľtzen. In Stuttgart hat „Kontext – Die Wochenzeitung“ √ľber 1.000 Unterst√ľtzer gefunden, die zehn Euro und mehr im Monat (ohne Abo-Bindung) zahlen, um deren journalistische Arbeit zu finanzieren. Sicher aus der √úberzeugung heraus, dass kritischer Journalismus absolut notwendig ist, damit die Demokratie lebendig bleibt.

W√§hrend Gro√üverlage Teile ihrer Angebote einfach einstellen, wenn sie nicht genug abwerfen, bauen wir auf und investieren. Die Gesch√§fte entwickeln sich positiv – Ihre Unterst√ľtzung k√∂nnen wir trotzdem gut brauchen. Und die ist gut angelegt, weil wir im Gegensatz zu anderen Medien tats√§chlich unabh√§ngig arbeiten.

Schlechte Nachrichten vs. positive Entwicklungen

Wir nutzen zum Jahresende die „besinnliche“ Zeit, um √ľber das zu Ende gehende Jahr nachzudenken und das kommende Jahr vorauszudenken. Wir ziehen Bilanz, was uns gut gelungen ist, was weniger, was wir besser machen k√∂nnen. Sie unterst√ľtzen uns dabei fortw√§hrend, durch Kommentare, Postings auf Facebook, emails, Anfrufe und pers√∂nliche Gespr√§che. Daf√ľr danken wir ebenfalls sehr herzlich.

Leider besteht unsere Arbeit oft nicht aus „frohen Botschaften“ – denn wir m√ľssen √ľber Missst√§nde berichten, damit diese bekannt und hoffentlich beseitigt werden. Wir freuen uns aber immer, wenn wir positive Nachrichten oder zufriedenstellende L√∂sungen verbreiten k√∂nnen. Und manchmal kommt beides zusammen: Die Aktivit√§ten der rechtsradikalen NPD sind schlechte Nachrichten, der Widerstand von Gegendemonstranten dagegen sind sehr gute Nachrichten. Die Katastrophe von Fukushima war eine besonders schlechte Entwicklung, das daraus entwickelte Umdenken in Richtung Energiewende ist eine positive Wendung. Dass wir privaten Energieverbraucher geschr√∂pft werden, w√§hrend Stromfresserbetriebe von der Bundesregierung verschont werden, ist eine doppelt schlechte Nachricht. Wir informieren Sie √ľber all das und helfen Ihnen, sich ein Bild zu machen und sich eine m√∂glichst differenzierte Meinung bilden zu k√∂nnen.

Eine sehr sch√∂ne Nachricht ist, dass unser Flashmob-Video, das wir im vergangenen Jahr in Weinheim produziert haben, mittlerweile fast 50.000 Menschen gesehen haben. In einer sch√∂nen, friedlichen Atmosph√§re singen Menschen zusammen und erfreuen sich und andere an sch√∂ner Musik. In diesem Sinne w√ľnschen ich Ihnen stellvertretend f√ľr die gesamte Redaktion Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

Ihr

Hardy Prothmann
Chefredakteur

P.S. Bei aktuell wichtigen Ereignissen finden Sie selbstverständlich auch in der Ferienzeit Informationen bei uns.

 

Journalist vs. katholische Kirche

Geprothmannt: Solidarität mit Aigner

Der Regensburger Dom – Sinnbild der Meinungsverachtung und des Schweigegelds. Quelle: Regensburg-digital.de

Rhein-Neckar/Regensburg, 24. September 2012. (red) Der Regensburger Journalist Stefan Aigner ist jemand, der genau hinschaut. Jemand, der sich um Opfer k√ľmmert. Jemand, der die l√§ngst vergessene Kunst der Sozialreportage im Lokalen wieder aufleben l√§sst. Jemand, dem es nicht egal ist, ob man „Streumunition“ als „intelligente Wirksysteme“ bezeichnet. Und immer wieder wird der Journalist von Konzernen verklagt: Ob von Waffenfabrikanten wie „Diel“, ob von Glaubensfabrikanten wie der „Di√∂zese Regensburg“ oder von einer XXL-M√∂belfabrikantenkette. Die katholische Kirche will Stefan Aigner exkommunizieren und geht bis vors weltlich j√ľngste Gericht. Der Glaubenskonzern will dem Regensburger Journalisten verbieten lassen, im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch Geldzahlungen als „Schweigegeld“ zu bezeichnen.

Von Hardy Prothmann

Die Di√∂zese Regensburg hat die Widerw√§rtigkeit als Glaubensprinzip entdeckt. Der juristische Glaubenskampf eines Bischofs M√ľller ist an Erb√§rmlichkeit nicht zu √ľberbieten. √úber Jahrzehnte¬† hat die katholische Kirche den Missbrauch von Schutzbefohlenen „gedeckt“.

Der Skandal des mannigfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern Jugendlichen durch katholische Priester oder sonstige Angestellte dieser Kirche hat nicht nur die Glaubensgemeinde, sondern das ganze Land ersch√ľttert. Eine glaubhafte Aufkl√§rung durch die Verantwortlichen hat nicht stattgefunden. Die Missbrauchsopfer wurden durch diese Kirche nochmals verh√∂hnt und √∂ffentlich vergewaltigt.

„Beigeschmack“

Der Regensburger Journalist Stefan Aigner hat sich vor Ort „um das Thema gek√ľmmert“. Und Zahlungen an ein vergewaltiges Opfer als „Beigeschmack von Schweigegeld“ bezeichnet. Wie auch der Spiegel. Das Magazin formulierte h√§rter: Schweigen gegen Geld. Von „Beigeschmack“ ist da keine Rede.

Die Di√∂zese Regensburg hat im Zuge des „fliegenden Gerichtsstands“ dann in Hamburg gegen Spiegel und Aigner geklagt. „Fliegender Gerichtsstand“ meint – da das Internet √ľberall ist, sucht man sich das Gericht aus, bei dem man sich die besten „Chancen“ ausrechnet. Was das √ľber eine Gerichtsbarkeit „im Namen des Volkes“ aussagt, soll hier nicht debattiert werden.

Das Landgericht Hamburg hat erwartungsgem√§√ü sowohl den Spiegel als auch Aigner verurteilt, die Behauptung von „Schweigegeldzahlungen“ zu unterlassen. Doch das Oberlandesgericht hat das Urteil des Landgerichts kassiert. Das passiert oft, aber nur, wenn man es sich leisten kann. Stefan Aigner konnte das, weil er rund 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, um sich zu wehren. Sonst w√§re er ruiniert gewesen. Im Sinne der Kirche. Denn Aigner hatte vorher versucht, eine Einigung zu erzielen. Sowas wollte das Bistum nicht. Bischof M√ľller steht f√ľr Inquisition.

Verfassungsbeschwerde gegen „Schweigegeld“

Gegen das Urteil des Oberlandesgericht hat die Di√∂zese Regensburg nun laut einem Bericht von regensburg-digital.de „Verfassungsbeschwerde“ eingelegt. Bischof M√ľller als Verantwortlicher will also vom h√∂chsten deutschen Gericht kl√§ren lassen, ob Zahlungen an die Familie eines von einem katholischen Priester zweifelsfrei missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ bezeichnet werden darf oder nicht.

Abseits jeder juristischen „Einordnung“ macht das fassungslos. Jede Scham fehlt. Jedes Schuldbewusstsein. Jede Verantwortlichkeit. Selbst wenn es kein Schweigegeld gewesen w√§re, vermisst man bis heute Demut und Anstand bei der Di√∂zese Regensburg. Vielleicht „stinkt der Kopf vom Fisch her“ hier besonders von der Person M√ľller, aber insgesamt ist das Verhalten der katholischen Kirche in Sachen Aufkl√§rung in ganz Deutschland auf ungl√§ubiges Entsetzen gesto√üen.

Um auch das festzustellen: Die „ungeheuerliche“ Klage richtet sich allein gegen einen gro√üen Verlag, den Spiegel und gegen einen freien Journalisten, Stefan Aigner. Auch das erstaunlich oder auch nicht. Die vor Ort „etablierte Presse“ hat entweder gar nicht oder im Sinne der Kirche berichtet. Eine kritische Berichterstattung hat es hier nicht gegeben. Vor Ort soll alles seinen Gang gehen wie immer, Kritik ist nur „in Ma√üen“ erw√ľnscht, was sich h√§ufig in Ma√übierberichterstattung best√§tigt, die Tageszeitungen bedienen teuer bezahlende Kunden gut und der Rest findet nicht statt.

Regensburg ist √ľberall

Regensburg ist √ľberall. Genau wie Heddesheim, Ilvesheim oder Weinheim. Was anders ist: Es gibt neue, freie und unabh√§ngige journalistische Angebote. Die sich trauen, hintergr√ľndig zu berichten. Und immer √∂fter finden sie Themen, die deutschlandweit Interesse finden, w√§hrend Lokalzeitungen in ihrer Instant-Bratwurst-So√üe schwimmen. Im Gegensatz zu denen, die sich nichts in den Block diktieren lassen, sondern auf dem Blog anprangern, was schief l√§uft.

Teilen Sie diesen Artikel, informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten √ľber neue M√∂glichkeiten. Fragen Sie sich, was Ihrer Meinung nach „√∂ffentlich“ sein muss. Informieren Sie wirklich kritische Journalisten. Helfen Sie mit Ihrem Interesse Stefan Aigner – denn der macht das nicht f√ľr sein Bankkonto, sondern aus √úberzeugung. Ich halte ihn f√ľr einen ganz herausragenden Journalisten, der mit Herzblut und einer nach Artikel 5 Grundgesetz bestimmten Haltung eine St√ľtze unserer Demokratie ist. Einen Preis wird er f√ľr seine engagierte Arbeit vermutlich nie gewinnen. Denn er ist kein Teil des „Print-Preis-Systems“, das sich nur selbst huldigt.

 

 

 

Das Abmahnunwesen ist eine nachhaltige Bedrohung der Pressefreiheit

Offener Brief an Herrn Ströbele und andere Abmahner

Heddesheim/Berlin, 01. Dezember 2011. Die so genannte Fischfutter-Aff√§re hat weite Kreise gezogen. Die Aufmerksamkeit war und ist hoch, dutzende Zeitungen und auch das Fernsehen haben berichtet. Hinter dem Einzelfall „Str√∂bele vs. Heddesheimblog“ steckt allerdings ein Prinzip – und das verdient Aufmerksamkeit. Ein offener Brief an MdB Hans-Christian Str√∂bele (B√ľndnis90/Die Gr√ľnen) und andere Abmahner.

Von Hardy Prothmann

Sehr geehrter Herr Ströbele,

leider hat bis heute kaum jemand verstanden, wie Sie einerseits behaupten k√∂nnen, f√ľr die Pressefreiheit einzustehen und sich andererseits verhalten, wie Sie es getan haben.

Mein urspr√ľnglicher Bericht enthielt eine fehlerhafte Aussage, die ich umgehend korrigiert habe. Eine „Schuld“ kann ich bei mir nicht erkennen. Ich habe im Vorfeld mehrmals telefonisch den Kontakt gesucht und dann eine email geschickt, um Ihnen die M√∂glichkeit der Reaktion einzur√§umen – die Fakten waren aber „ausrecherchiert“. Artikel in Blogs k√∂nnen aktualisiert werden, was auch hier geschehen ist. Ich habe sorgf√§ltig recherchiert und mich auf eine Beh√∂rdenauskunft verlassen. Aber nat√ľrlich trage ich als Redakteur und Autor die Verantwortung f√ľr die Ver√∂ffentlichung.

√Ėffentlich vs. privat

Ich kann nicht erkennen, wo Ihre Privatsph√§re verletzt worden sein soll. Sie haben sich im √∂ffentlichen Raum als Bundestagsabgeordneter per Visitenkarte ausgewiesen – damit waren Sie √∂ffentlich und der Bericht thematisierte Ihr Verhalten, die k√∂rperliche Gewalt gegen den Jungen, der Aufwand mit Jugendamt und Anzeigenerstattung und einem langen Gespr√§ch mit einem Vereinsmitglied, in dem Sie die Anzeige rechtfertigt haben. Ihre Frau h√§tte ich nicht benennen m√ľssen – richtig. W√§re es besser gewesen „von einer Frau“ zu schreiben? Sicher nicht.

Das Medienmagazin Zapp hat den Journalisten Hardy Prothmann und MdB Hans-Christian Ströbele interviewt. Quelle: NDR

Das Medienmagazin Zapp hat den Journalisten Hardy Prothmann und MdB Hans-Christian Ströbele interviewt. Quelle: NDR

Selbstverst√§ndlich – das wurde auch in vielen Kommentaren zum Ausdruck gebracht – m√ľssen der Schreck und der √Ąrger nach dem Treffer gro√ü gewesen sein. Und ganz sicher f√ľhlen das die meisten Leserinnen und Leser mit und sind froh, dass die Fischfutterkugel „nicht ins Auge gegangen ist“ und Ihre Frau keine schlimme Verletzung davongetragen hat.

Vielleicht interessiert es Sie, dass es ein zweites „Opfer“ gibt. Der Junge, dem die Fischfutterschleuder geh√∂rt (mit der ein anderer geschossen hatte), ist seit dem Vorfall nicht mehr angeln gewesen – der Vorfall hat ihn „nachhaltig“ beeindruckt und ihm bislang jegliche Lust auf sein Hobby genommen.

Angriff auf die Pressefreiheit.

Die durch Sie veranlasste Abmahnung geh√∂rt in die Kategorie der „juristischen Bedrohungen der Pressefreiheit“. Das grassierende Abmahnwesen in Kombination mit dem „fliegenden Gerichtsstand“ ist ganz grunds√§tzlich geeignet, die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Pressevielfalt nachhaltig zu besch√§digen.

Es gibt immer weniger Journalisten und Blogger, die „sich was trauen“, weil jedem, der √Ėffentlichkeit herstellt, klar sein muss, dass es irgendwo da drau√üen jemanden geben kann, der gute Kontakte, viel Geld und den absoluten Willen hat, jemanden juristisch fertig zu machen.

Das durch Sie veranlasste Kostenrisiko betr√§gt vermutlich 3-5.000 Euro (Anwaltsgeb√ľhren, Gerichtsgeb√ľhren, Reisekosten, Verdienstausfall).

Abmahnunwesen.

Das geht nur mit einem „breiten Kreuz“ und noch besser mit der Solidarit√§t der Menschen.¬†Der Kollege Jens Weinreich konnte sich so erfolgreich und dank Spendengeldern gegen den DFB zur Wehr setzen, der Kollege Stefan Aigner (regensburg-digital.de) gegen einen Waffenhersteller und die katholische Kirche, der Kollege Hubert Denk (buergerblick.de) gegen einen Medizinmogul oder das Blog xtranews.de gegen OB Sauerland in Duisburg – um nur einige zu nennen, die mit Abmahnungen √ľberzogen worden sind und sich erfolgreich zu Wehr setzen konnten.

In allen F√§llen wurde nicht einmal eine „g√ľtliche“ Einigung versucht, sondern sofort die juristische Keule ausgepackt. Gro√üe Verlagsh√§user mit entsprechender finanzieller Ausstattung und Hausjuristen stecken das weg – kleine Angebote sind grunds√§tzlich immer existenziell bedroht und das wissen die Abmahner.

Solidarität.

√úber die Solidarit√§t und Unterst√ľtzung von mittlerweile √ľber 70 Spenderinnen und Spendern bin ich sehr dankbar, denn das Spendengeld nimmt wenigstens den finanziellen Druck ein wenig weg. Die sonstige Belastung und deren Auswirkung auf die redaktionelle Arbeit kann keine Spende lindern. Und ich musste zuerst meinen „Stolz“ √ľberwinden – ich habe mit 45 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben um Geld gebeten.

Ich bin aber froh, es getan zu haben, weil die vielen Zuschriften ganz klar meine Arbeit und die meines Teams honorieren. Die Spenden sehe ich als „Honorar“, als Ehrung unserer journalistischen Leistung. Verwendung findet das Geld aber als „Kriegskasse“ gegen Sie als Abmahner. Was √ľbrig bleibt, kommt dem Verein Journalisten helfen Journalisten und deren wichtigem Einsatz zugute.

Das Gute zum Schluss.

Zum Abschluss m√∂chte ich Ihnen meinen Dank √ľbermitteln – Sie haben durch Ihr Fehlverhalten dazu beigetragen, dass eine breite √Ėffentlichkeit Kenntnis vom Prinzip des oftmals scheinheiligen Abmahnunwesens erhalten hat. Die hergestellte √Ėffentlichkeit hat gezeigt, dass man Ihr Verhalten √ľberwiegend ablehnt und verst√§ndnislos zur√ľckweist. Und das ist gut so.

Klar – man muss sich im Zweifel per Abmahnung auch wehren k√∂nnen. Man sollte aber immer die Verh√§ltnism√§√üigkeit der eingesetzten Mittel „im Auge behalten“.

Au√üerdem haben Sie mich auf eine gute Idee gebracht: Ich werde zusammen mit Kollegen und Juristen einen Verein gr√ľnden, der ausschlie√ülich dazu dient, Journalisten und Blogger bei Abmahnungen zu unterst√ľtzen. Auch Sie sind herzlich dazu aufgerufen, nach Gr√ľndung eine Spende zu leisten, um das Kampfmittel der juristischen Abmahnung gegen Journalisten zu entsch√§rfen.

Mit freundlichen Gr√ľ√üen

Hardy Prothmann

P.S.

Informationen zur Vereinsgr√ľndung finden Sie auf den Seiten von http://www.istlokal.de

Erste Zusagen zur Vereinsgr√ľndung haben abgegeben:

Stefan Aigner – Regensburg-Digital

Dominic Blim – Rechtsanwalt

Hubert Denk – B√ľrgerblick Passau

Peter Posztos – Tegernseer Stimme

Hardy Prothmann – Heddesheimblog

 

Wer hat Angst vorm „wei√üen Bus“? Falschmeldung verunsichert Eltern – die reale Bedrohung liegt im „Umfeld“


Rhein-Neckar, 26. Oktober 2011. (red) Seit ein paar Tagen „geistert“ eine Meldung durch soziale Netzwerke wie Facebook, dass vor Ort ein Mann Kinder anspreche und diese in einen „wei√üen Bus“ locken wolle. Was wie die m√∂gliche Bedrohung von Kindern durch p√§dophile Kindesentf√ľhrer klingt, ist eine unwahre Geschichte, ein so genannter „Hoax“. Trotzdem ist die Bedrohung real – allerdings eher durch M√§nner im unmittelbaren „vertrauensvollen“ Umfeld der Kinder.

Von Hardy Prothmann

Egal, wie man es nennt, ob √ľbler Scherz, Kettenbrief, Hoax, „urban legend“ – die Geschichten funktionieren immer gleich. Ein Emp√∂rungsthema wird gesucht, eine Bedrohung, irgendetwas, das viele Menschen ber√ľhrt.

So auch die Warnung, man habe vor der Schule einen wei√üen Bus gesehen, ein Mann spreche Kinder an, die Mama hat gesagt, dass der Junge mitfahren muss, weil der regul√§re Bus nicht kommt, etwas passiert ist und so weiter. Obligatorisch ist die Aufforderung, die Nachricht weiter zu verbreiten, „um andere zu warnen“.

Und flugs verbreitet sich das Ger√ľcht – in Zeiten des Internets rasant. Der „wei√üe Bus“ ist mittlerweile in ganz Deutschland vor Schulen gesehen worden. Es gibt mittlerweile dutzende Varianten der Geschichte, deren Botschaft im Kern lautet: „Achtung, p√§dophiler Kindersch√§nder hat es auf Dein Kind abgesehen.“

Schutzreflexe

Wer Angst vorm "wei√üen Bus" hat, sollte sich viel mehr vorm "wei√üen Talar" f√ľrchten. Quelle: regensburg-digital.de

Der Schutzreflex ist verst√§ndlich. Auch ich habe die Meldung gestern gelesen und war sofort aufmerksam. Der Sohn ist mit 17 Jahren „zu gro√ü“, aber da ist ja noch die Tochter, die besch√ľtzt werden muss. Als ich die Nachricht zu Ende gelesen hatte, habe ich nach Hinweisen gesucht, bei der Polizei nachgefragt. Weniger, weil ich beunruhigt war, sondern aus einem journalistischen Reflex heraus. Kann das sein? Ist da was dran? Das Ergebnis: Keine Erkenntnisse. Keine Hinweise. Damit war die Sache f√ľr mich erledigt.

Da der Bus oder vielmehr die angebliche Geschichte seine Bahnen zieht, braucht es offensichtlich doch eine „offizielle“ Entwarnung. Es gibt ihn nicht, den „wei√üen Bus“.

Den „wei√üen Bus“ gibt es nicht – wohl aber die Angst

Tats√§chlich gibt es gro√üe √Ąngste – das eigene Kind in den F√§ngen p√§dophiler Verbrecher… Eine Horror-Vorstellung f√ľr viele Eltern. Tatsache ist aber, das sexuelle Gewaltverbrechen (mit Todesfolge) seit Jahren r√ľckl√§ufig sind.

Das hat vor allem mit einer erh√∂hten Aufmerksamkeit zu tun, mit Pr√§vention, mit guter Polizeiarbeit. Der allerschlimmste „Horrorfall“, der sexuelle Missbrauch mit Todesfolge ist die absolute Ausnahme. 2009 hat die „Polizeiliche Kriminalstatistik“ (PKS) in Deutschland zwei solcher F√§lle „erfasst“, 2010 keinen einzigen.

So ersch√ľtternd jedes einzelne Schicksal ist: Statistisch gesehen ist die Bedrohung, gemessen an einer Bev√∂lkerungszahl von rund 80 Millionen Menschen, nicht messbar. In krassem Gegensatz dazu steht die Angst davor.

Missbrauch in der Statistik

Schaut man auf die „kalten“ statistischen Daten, f√§llt vor allem der „sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen“ auf. Diese T√§ter fahren keinen „wei√üen Bus“, sondern sind meist im allt√§glichen „Umfeld“ der Kinder zu finden.

Es sind V√§ter, Br√ľder, Onkel, Opas, Nachbarn, Mitarbeiter von „Jugendorganisationen“, Vereinsfunktion√§re, Kirchen, √Ąrzte, Sozialarbeiter – eben alle, die „allt√§glich“ mit Kindern zu tun haben. Die T√§ter sind meist m√§nnlich und im direkten Kontakt mit Kindern. Nicht der „b√∂se Unbekannte“, sondern der „Bekannte“ ist die reale, b√∂se Bedrohung.

Das perfide an dieser Bedrohung – es sind Personen, den man eigentlich vertraut. Von denen „man das nicht denkt“.

Hier gehen die Missbrauchszahlen in die tausende. Statistisch gesehen muss man diesen Zahlen misstrauen. Ganz im Gegensatz zu den Zahlen √ľber entf√ľhrte Kinder, die zu Tode kommen. Die sind sehr exakt.

Die sexuellen Missbrauchsf√§lle, die durch „bekannte“ Personen begangen werden, werden wegen Schamgef√ľhls, Sorgen um die „√∂ffentliche“ Stellung h√§ufig nicht angezeigt. Die Dunkelziffer ist nicht zu bemessen, man kann aber davon ausgehen, dass sie sehr hoch ist.

„Jungs“ haben es „schwerer“

Nicht nur Frauen wissen das sehr genau. Welche Frau erz√§hlt schon gerne, dass der Opa sie „gestreichelt“ oder sie ihre „Unschuld“ durch den „Onkel“ verloren hat? Kaum eine. Trotzdem gibt es immer mehr Frauen und M√ľtter, die sich dem Missbrauch stellen und ihn nicht einfach „abtun“.

"Echte" Missbrauchzahlen findet man als statistische Zahlen in der Polizeilichen Kriminalit√§tsstatistik. Jeder Fall ist ersch√ľtternd - die Zahl der F√§lle ist aber "gering". Die Dunkelziffer hingegen hoch. Quelle: PKS

 

F√ľr „Jungs“ ist das bis heute noch viel schwerer. Als „Mann“ einen Missbrauch einzugestehen, ist auch durch „Rollenbilder“ sehr viel schwieriger. Mal ganz ehrlich? In wie vielen K√∂pfen geistert noch der Bl√∂dsinn rum, dass „Frauen genommen werden“ und „M√§nner nehmen“? Und was ist dann mit „M√§nnern“, die „(heran)genommen“ wurden? Sind das M√§nner oder nur einfach „Schwuchteln“?

Solche bl√∂dsinnigen Rollenbilder machen es p√§dophilen T√§tern einfach. Und die Scham der Opfer, der Familien und der Gesellschaft sch√ľtzt die T√§ter zus√§tzlich. Das ist die Perversion der Perversion.

Als eine der gr√∂√üten „Missbrauchsorganisationen“ geriet die katholische Kirche in die Kritik – die Welle der Anzeigen und „Offenbarungen“ rei√üt nicht ab. Und eine „ehrenwerte“ Haltung der katholischen Kirche, Missbrauchsf√§lle konsequent und ohne Kompromisse zu verfolgen, ist nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil – die Vertuschung hat Methode, selbst unter Einsatz juristischer Mittel.

Auch mein Kollege Stefan Aigner aus Regensburg ist so eine Art „Missbrauchsopfer“. Eineinhalb Jahre musste sich der freie Journalist gegen die Di√∂zese Regensburg wehren, die ihn verklagt hatte, weil er in einem Bericht Zahlungen an die Familie eines Missbrauchsopfers als „Schweigegeld“ benannt hatte.

Aktuell hat das Oberlandesgericht Hamburg diese Einsch√§tzung best√§tigt und Stefan Aigner diese Wortwahl gestattet. Die Prozesskosten von weit √ľber 10.000 Euro waren geeignet, den Journalisten wirtschaftlich zu ruinieren. Vergleichsversuche im Vorfeld hat die Kirche nicht angenommen. Dem Missbrauch folgte der Wille, einen kritischen Journalisten mundtot zu machen – koste es, was es wolle.

Das bekannteste Beispiel f√ľr „sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener“ in unserer Region ist die „Odenwaldschule“. Nach einem Bericht von Spiegel online wurden hier „sexuelle Dienstleister f√ľrs Wochenende eingeteilt.“

„Schulleiter, Kirchenvertreter, Ministerien – alle reden von „Einzelf√§llen“ des sexuellen Missbrauchs an Schulen. Inzwischen sind es ziemlich viele Einzelf√§lle. Die Schulen haben einen blinden Fleck, die Beh√∂rden offenbar einen toten Winkel: Wo ist die staatliche Schulaufsicht, wenn man sie braucht?“,

fragt Spiegel online in einem weiteren Artikel.

Die reale Bedrohung ist nicht der „wei√üe Bus“, sondern das Umfeld.

F√ľr Eltern und ihre Kinder muss klar sein, dass nicht der „wei√üe Bus“ die echte Bedrohung darstellt – die tats√§chliche Bedrohung liegt aber tats√§chlich vor Ort im vermeintlich vertrauensw√ľrdigen Umfeld.

Der beste Schutz der T√§ter ist die Scham, die viele empfinden. Der beste Schutz vor den T√§tern und auch nach einer Tat ist die Anzeige und notfalls auch die √Ėffentlichkeit – damit anderen nicht dasselbe „Schicksal“ widerf√§hrt.

Daf√ľr braucht es sicherlich Mut. Mehr, als eine dubiose Meldung weiter zu verbreiten, die nur das Angstthema sch√ľrt.

Wer wirklich etwas gegen Missbrauch tun will, darf einen solchen nicht verschweigen. Der Missbrauch darf kein „Tabu“-Thema sein. Und es gibt mittlerweile durch Polizei und Beh√∂rden umfangreiche Hilfen.

Auch privat sollte das Thema kein Tabu mehr sein. Hier gilt es, den Opfern Mut zu machen und sie frei von jeder Schuld zu halten.

Wer Opfer eines Missbrauchs geworden ist, hat trotzdem jedes Recht, mit W√ľrde behandelt zu werden. Die T√§ter sind die Schuldigen. Wenn die Gesellschaft das begreift, wird es weniger Opfer und damit auch weniger T√§ter geben.

Und irgendwann verschwindet vielleicht auch die √ľbertragene Angst vor „wei√üen Bussen“.

In eigener Sache: istlokal.de – Verein zur F√∂rderung des Lokaljournalismus gegr√ľndet


Rhein-Neckar/N√ľrnberg, 12. Mai 2011 (red) Zusammen mit rund 20 anderen (hyper-)lokalen Nachrichten-Blogs und -Zeitungen im Internet haben wir am Samstag, den 07. Mai 2011 in N√ľrnberg den Verein istlokal.de gegr√ľndet. Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss von verlagsunabh√§ngingen Lokaljournalisten, die im Internet ihre Nachrichten pr√§sentieren.

Verein zur Förderung des Lokaljournalismus.

√Į¬Ľ¬ŅAuf Initiative der Jounalisten Stefan Aigner (regensburg-digital.de), Hardy Prothmann (u.a. heddesheimblog) und Peter Posztos (tegernseerstimme.de) hat sich am vergangenen Wochenende der Verein „istlokal.de“gegr√ľndet, der einen unabh√§ngignen Lokaljournalismus f√∂rdern will. Unsere Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rheinneckar sind Gr√ľndungsmitglied. Der Verein wird seinen Sitz in Berlin haben.

Am vergangenen Samstag trafen sich in N√ľrnberg 21 Betreiberinnen und Betreiber von lokaljournalistischen Angeboten, darunter auch der Herausgeber Hardy Prothmann, um die Gr√ľndung des Vereins in die Wege zu leiten. Acht Stunden lang wurde √ľber die Organisationsform und die Ziele beraten. Einstimmiges Ergebnis war, dass ein eingetragener Verein gegr√ľndet werden soll. Um die daf√ľr notwendigen Schritte einzuleiten und wurde ein Gr√ľndungsvorstand gew√§hlt.

Im Internet erreichbar http://istlokal.de.

Die Planung f√ľr die Gr√ľndung lief seit Ende Dezember 2010. Istlokal.de ist als Unternehmerverband konzipiert, nimmt aber ausdr√ľcklich auch „nicht-kommerzielle“ Angebote auf, um B√ľrgerinnen und B√ľrgern mit ihren Publikaitonen zu unterst√ľtzen, aber auch deren Wissen zu nutzen.

Die Mitglieder bleiben f√ľr ihre Angebote selbst verantwortlich. Istlokal.de erarbeitet gemeinschaftliche oder im Auftrag L√∂sungen in den Bereichen Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Seit einigen Wochen tauschen die Mitglieder schon Artikel und Informationen aus. √úber ein geschlossenes Forum wird technische Hilfe geleistet, Fragen zu Recht diskutiert und Vermarktungskonzepte entworfen.

Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss dieser Art. Istlokal.de wird vermutlich mit rund 40 Mitgliedern starten, die alle ein Ziel haben: zuverl√§ssige und unabh√§ngige lokale und regionale Berichterstattung zu bieten. Daf√ľr will der Verein auch Lobbyarbeit betreiben, weil Meinungsfreiheit und -vielfalt ein hohes Verfassungsgut sind.

Pressemitteilung: istlokal.de gegr√ľndet

Ziel: F√∂rderung des unabh√§ngigen Online-Lokaljournalismus√Į¬Ľ¬Ņ

 

Zur konstituierenden Sitzung der Vereinsgr√ľndung istlokal.de fanden sich am 07. Mai 2011 insgesamt 21 BetreiberInnen von lokaljournalistischen Angeboten in N√ľrnberg ein.

Die TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland tagten von 11 Uhr bis 19 Uhr. Auf der Tagesordnung standen die Wahl zwischen einer Vereins- oder Genossenschaftsgr√ľndung, sowie die inhaltlichen Ziele der Vereinigung und Aufgabenformulierungen f√ľr die k√ľnftige Arbeit.

Die Mitglieder einigten sich auf die Gr√ľndung eines Vereins istlokal.de. Ziel ist die F√∂rderung des Lokaljournalismus. Auf diesem Weg sollen Alternativen zu den traditionellen Lokalmedien vorangetrieben und gef√∂rdert werden, um die Medienlandschaft in Deutschland zu bereichern.
Als Sitz des Vereins einigte man sich auf Berlin. Angestrebt sind weitere Dependenzen in den einzelnen Bundesländern.

Mit istlokal.de entsteht ein Verband f√ľr unabh√§ngige journalistische Angebote im Internet. Mitglieder k√∂nnen Betreiber lokal- und regionaljournalistischer Angebote werden, die entweder ein publizistisches Internetangebot betreiben oder betreiben wollen. Daneben k√∂nnen auch weitere publizistische Angebote wie Zeitschriften, Zeitungen oder Radio- und Fernsehdienste angeboten werden.

Diese Angebote m√ľssen demokratische und rechtsstaatliche Ziele verfolgen. Angebote, die in welcher Form auch immer abh√§ngig von traditionellen Medienh√§usern sind, k√∂nnen nicht Mitglied werden.

Auf Vorschlag der Gr√ľndungsmitglieder wurden Hardy Prothmann als 1. Vorsitzender sowie Stefan Aigner als 2. Vorsitzender vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Ka-Jo Schäfer wurde als Kassenwart vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Als Beisitzer wurden Christoph von Gallera vorgeschlagen, der 13 Stimmen erhalten hat sowie Oliver Sigrist, der 19 Stimmen erhalten hat.

In der n√§chsten Zeit wird die Satzung des Vereins erarbeitet. Einigkeit bestand dar√ľber, dass der Verein k√ľnftig drei Arten von Mitgliedschaften anbietet: F√∂rdermitglieder, nicht-kommerzielle Mitglieder und kommerzielle Mitglieder.

Die Gr√ľndungsmitglieder vor Ort waren:

Aigner, Stefan,-¬†Althaus, Peter,-¬†Ba√ü, Alexander,-¬†Feldkeller, Klaus,-¬†Gallera von Christoph,-¬†Greschner, Steffen,-¬†Hornstein, Christofer,-¬†H√ľmmler, Thomas,-¬†Knoke, Marlies,-¬†Levermann, J√∂rg,-¬†Posztos, Peter,-¬†Prothmann, Hardy,-¬†Sch√§fer, Ka-Jo,Semmler, Martin,-¬†Schw√∂rbel, Philipp,-¬†Sigrist, Oliver,-¬†Stascheit, Dirk,-¬†Stenzel, Ralph,Stingl, Armin,-¬†Stoffel, Carsten,-¬†Wenzl, Michael.

Weitere rund 20 Interessenten konnten aus terminlichen Gr√ľnden nicht teilnehmen.

In eigener Sache: Protest gegen Hamburger Urteil zu „Schweigegeld“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Hamburg/Regensburg, 14. M√§rz 2011. (red) Heute wurde dem Regensburger Journalisten Stefan Aigner per Urteil untersagt, Zahlungen der Kirche an die Eltern eines Missbrauchsopfers als „Schweigegeld“ zu bezeichnen. Das Netzwerk istlokal.de, zu dem auch unsere Blogs geh√∂ren, protestiert dagegen und fordert eine „Unterlassung“ durch die Kirche.

Von Hardy Prothmann

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Abmahnungen und Prozesse gegen Journalisten und teils auch Privatpersonen wegen missliebiger Meinungsäußerungen.

Unternehmen, Politiker, Organisationen, Privatpersonen und die katholische Kirche bedienen sich dabei h√§ufig des Instruments des „fliegenden Gerichtsstands“ – will man einen Journalisten mundtot klagen, wendet man sich ans Hamburger Landgericht. Dort gilt die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Pressefreiheit nicht viel.

Drei Prozesse in drei Jahren Рimmer wegen Meinungsäußerungen

F√ľr Stefan Aigner ist es der dritte Prozess in drei Jahren – ein Waffenhersteller und ein M√∂belhaus hatten ihn bereits wegen seiner kritischen Kommentare verklagt. Den Prozess gegen das M√∂belhaus hat er gewonnen, beim Waffenhersteller zog er seine Meinung z√§hneknirschend zur√ľck – weil der Waffenhersteller die Prozesskosten √ľbernommen hat. Stefan Aigner war finanziell nicht in der Lage, sich die Prozesskosten von mehreren tausend Euro leisten zu k√∂nnen.

Stefan Aigner: Ehrlich, aufrichtig, kritisch. Die katholische Kirche will ihn mundtot klagen. Bild: pro

Als ihn die Di√∂zese Regensburg verklagte, weil er in einem Kommentar „Entsch√§digungszahlungen“ an Eltern eines von einem katholischen Priester missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte, rief er zu Spenden auf. 10.000 Euro sind innerhalb von vierzehn Tagen zusammengekommen.

Selbst die Mutter des Kindes bezeichnete gegen√ľber dem Bayerischen Rundfunk sp√§ter die Zahlung als „Schweigegeld“ – f√ľr die Kirche kein Anlass, von der Klage abzusehen. Auch die Bereitschaft Aigners, die betreffende Passage umzuformulieren, fand kein Geh√∂r. Aigner sollte offensichtlich einer „selbstgerechten Strafe“ zugef√ľhrt werden.

Noch skandalöser ist, dass der betreffende Priester versetzt wurde und an der neuen Arbeitsstelle wieder Kinder missbraucht hat РAufklärung und Schutz geht anders

H√§tte die Kirche verloren, zahlt diese die jetzt angefallenen 8.000 Euro aus der Portokasse. F√ľr Stefan Aigner, mit Herzblut Journalist, ist so ein Betrag geeignet, die wirtschaftliche Existenz zu zerst√∂ren. Das ist der Di√∂zese Regensburg bekannt – wenn nicht, wei√ü sie es sp√§testens beim Lesen dieser Zeilen.

„Gott sei Dank“ Dank der Spender konnte Aigner den Prozess f√ľhren – er wollte nicht klein beigeben. Das Urteil vor dem Hamburger Landgericht ist keine √úberraschung – die Hamburger Kammer ist f√ľr pressefeindliche Urteile bekannt, deswegen wird auch hier gerne durch den „fliegenden Gerichtsstand“ geklagt. Weshalb sonst sollte die Di√∂zese Regensburg gegen einen Regensburger Journalisten in Hamburg klagen?

Auch gegen mich selbst wurde schon drei mal innerhalb von eineinhalb Jahren juristisch vorgegangen.

  • Der Heddesheimber B√ľrgermeister Michael Kessler forderte eine Unterlassung und zog diese Forderung wieder zur√ľck – das Geld f√ľr die teuren Heidelberger Anw√§lte zahlt die Staatskasse.
  • Die f√ľr Heddesheim zust√§ndige Redakteurin des Mannheimer Morgen, Anja G√∂rlitz, erwirkte eine Einstweilige Verf√ľgung gegen mich, die ich ausschlie√ülich aus Kostengr√ľnden akzeptiert habe – Kostennote: knapp 5.000 Euro.
  • Der CDU-Ortsvereinsvorsitzende Dr. Josef Doll verlangte im November 2010 eine Unterlassung, hat diesen Anspruch aber offenbar fallengelassen.

Vor kurzem informierte mich ein Weinheimer Anwalt, dass er schon mehrfach Unterlassungsklagen gegen die von mir verantwortete Berichterstattung pr√ľfen sollte, seinen Mandanten aber (klugerweise) davon abgeraten hat.

Missliebige Berichterstatter werden weggeklagt.

Wie sehr die katholische Kirche versucht hat, in hunderten von F√§llen die sexuellen √úbergriffe und Missbr√§uche an Kindern durch ihre Priester zu vertuschen und zu verschweigen ist hinl√§nglich bekannt. Insbesondere die Di√∂zese Regensburg ist bislang eher nicht durch einen offensiven √∂ffentlichen Umgang mit dem „Thema“ aufgefallen.

Es ist eine Farce, wenn eine Kirche, die sich Barmherzigkeit und Gnade auf die Fahnen schreibt, so wenig f√ľr Aufkl√§rung tut und gleichzeitig so viel, um missliebige Kritiker mundtot zu klagen.

Und es ist bedauerlich, dass die Hamburger Pressekammer den Ruf hat, als willf√§hriger Vollstrecker nicht f√ľr, sondern gegen die Meinungs- und Pressefreiheit zu urteilen.

Ganz sicher kann nicht jede √Ąu√üerung von der Meinungsfreiheit gedeckt sein – Beleidigungen oder Unterstellungen, die jeder Grundlage entbehren, muss sich niemand gefallen lassen. Ob aber die Tatsache des hundertfachen Kindesmissbrauchs durch katholische Priester eine Grundlage sind oder keine, entscheidet jeder frei f√ľr sich.

Zu nah dran.

Ob Journalisten in Zukunft noch dar√ľber √∂ffentlich berichten, darf zunehmend bezweifelt werden. Die „Schere im Kopf“, also die Eigenzensur, wird durch solche Urteile erst richtig scharf gemacht. Jeder √ľberlegt genau, ob er seine Existenz aufs Spiel setzt, nur, weil er eine Meinung √§u√üert. Im Zweifel l√§sst man kritische √Ąu√üerungen „lieber“ weg.

So verfahren viele Lokalzeitungen, die den „M√§chtigen“ nach dem Mund schreiben – kritischer Journalismus findet hier kaum noch statt, daf√ľr aber immer mehr von unabh√§ngigen Journalisten. Die haben aber keine gro√üen Verlage mit gro√üen Rechtsabteilungen im R√ľcken, daf√ľr tragen sie das volle Risiko, mit allen Mitteln bek√§mpft zu werden.

Aus meiner Sicht zeigt sich die Kirche, in diesem Fall die Di√∂zese Regensburg, als uneinsichtig und demokratiefeindlich. In der eigenen Presseerkl√§rung gibt es kein Wort des Bedauerns gegen√ľber der Opfer, sondern ausschlie√ülich Worte des Triumphs – man hat dem „Blogger“ Stefan Aigner gezeugt, was „Wahrheit“ ist.

Stefan Aigner wird in die zweite Instanz gehen und hofft auf weitere Spenden, die ihm dies erm√∂glichen. Stefan Aigner ist deswegen kein Held, aber er ist ein mutiger Journalist, der sich nicht zensieren l√§sst und dessen Recherchen und Artikel immer wieder f√ľr „Aufregung“ sorgen.

Stefan Aigner ist ein vorbildlicher Journalist.

Verantwortlich daf√ľr ist nicht Stefan Aigner, der nur macht, was immer weniger Journalisten leisten: Unabh√§ngige Recherche, aufrichtige Berichterstattung und das mit einer unerschrockenen Haltung. Er arbeitet f√ľr seine Leserinnen und Leser und nicht f√ľr Lobbyisten – wie lange er und andere das noch d√ľrfen, fragen sich zu Recht auf die „Webevangelisten„.

Ich bin durch Stefan Aigner erst durch das Internet aufmerksam geworden – ohne Internet h√§tte er nicht ver√∂ffentlichen k√∂nnen und sicher nirgendwo in der „etablierten“ Presse seine Artikel unterbekommen, denn da will man keinen √Ąrger.

Stefan Aigner will auch keinen √Ąrger, √§rgert sich aber wie ich und andere √ľber Missbrauch gleich welcher Art, √ľber Dumping-L√∂hne, √ľber Amigo-Wirtschaft und Mauscheleien in Verwaltungen. Um unsere Arbeit noch besser machen und uns und andere sch√ľtzen zu k√∂nnen, haben wir zusammen das Netzwerk istlokal.de gegr√ľndet, dem sich seit Mitte Januar bereits 46 „Blogger“ angeschlossen haben. Unser Ziel: Die F√∂rderung des kritischen Lokaljournalismus und der Meinungsfreiheit.

Deswegen unterst√ľtze ich gerne den Spendenaufruf und hoffe, dass die n√§chste Instanz dieses „Schweigegeld“-Urteil aufhebt und die Meinungs- und Pressefreiheit damit st√§rkt. Alles andere w√§re unertr√§glich.

Spendenkonto:

„Verein zur F√∂rderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V..
Volksbank Regensburg (BLZ 750 900 00)
Kontonummer: 63363
BIC: GENODEF1R01
IBAN: DE14750900000000063363

Die Spenden und Kosten werden regelm√§√üig offen gelegt. Bitte geben Sie bei der √úberweisung an, ob Sie mit der Ver√∂ffentlichung Ihres Namens auf der Spenderliste einverstanden sind.“

In eigener Sache: rheinneckarblog istlokal.de


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Januar 2011. Ende 2010 haben die Journalisten Stefan Aigner und Hardy Prothmann sowie der Diplom-Medienp√§dagoge Thomas Pfeiffer das Netzwerk istlokal.de gestartet. Das Netzwerk unterst√ľtzt journalistische Angebote im Internet, die lokal oder regional informieren.

Von Hardy Prothmann

Die lokale Berichterstattung bietet die exklusivsten Nachrichten der Welt. Was vor Ort passiert, betrifft die Menschen, die dort leben. Egal ob in M√ľnchen, Berlin, K√∂ln, Stuttgart, auf dem platten Land oder in einem Ballungsraum. Oder in New York, Los Angeles, Paris, London, Mailand, Barcelona.

In den vergangenen zwei Jahren sind in vielen Orten Deutschlands lokale „Blogs“ oder digitale Internet-Zeitungen entstanden und auch 2011 werden viele neue Angebote dazukommen. Mal sind es politisch engangierte B√ľrger, mal Journalisten, die das „nebenbei“ machen. Aber immer mehr Angebote werden mit dem Anspruch der Herausgeber betrieben, von dieser Arbeit auch leben zu k√∂nnen.

Kritischer Zustand des Journalismus.

Jeder, der ein kommerzielles Angbot betreibt, steht dabei vor denselben Problemen: Der lokale und regionale Werbemarkt im Internet ist noch nicht befriedigend entwickelt, noch nicht einmal ausreichend.

Das Portal von istlokal.de bietet vernetzten Journalismus.

Aus gutem Grund. Die Presselandschaft in Deutschland ist √ľberwiegend monopolisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es fast nur noch „Einzeitungskreise“ – sprich, es gibt keinen journalistischen Wettbewerb mehr vor Ort. Die Monopolzeitungen bestimmen, √ľber wen was wann wie berichtet wird.

Wozu das f√ľhrt, zeigt das Beispiel Stuttgart21 deutlich. Die Stuttgarter Zeitung hat kaum kritisch berichtet – aus gutem Grund. Wie der stern mit dem Hintergrundbericht „Fahrt auf schw√§bischem Filz“ offenlegte, geh√∂rt die Zeitung zur S√ľdwestdeutschen Medienholding (SWMH), die vor einiger Zeit die S√ľddeutsche Zeitung gekauft hat.

„Fahrt auf schw√§bischem Filz.“

Ein schwerer finanzieller Brocken, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. √úber die Landesbank Baden-W√ľrttemberg nahm man ein Schuldscheindarlehen √ľber 300 Millionen Euro auf, so der Bericht.

Darin hei√üt es: „Die LBBW war hierf√ľr ein idealer Partner. Vorsitzender ihrer Tr√§gerversammlung ist Ministerpr√§sident Mappus. In ihrem Verwaltungsrat hat die Politik das Sagen. Vorsitzender ist der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider, Pr√§sident des baden-w√ľrttembergischen Sparkassenverbands. Mitglieder des Verwaltungsrats sind unter anderem der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, die CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart (Berlin/Europa) und Willi St√§chele (Finanzen), die Unternehmer Heinz D√ľrr und Dieter Hundt und Claus Schmiedel, Chef der SPD-Fraktion im Landtag. Der hielt Stuttgart 21 bis vor kurzem f√ľr „menschenfreundlich, umweltfreundlich und relativ schnell realisierbar.“

Solche Verbindungen lassen vermuten, dass eine objektive Berichterstattung nicht mehr gegeben ist.

Der stern berichtet √ľber die Verfilzung von Medien, Politik und Wirtschaft.

Zur√ľck zum Werbemarkt – der wird von Zeitungen dominiert. Und jede Anzeige, die von Print nach Online abwandert, ist ein Verlust, der die Zeitungen trifft. Die haben folglich √ľberhaupt kein Interesse, den Online-Werbemarkt zu entwickeln. Denn Online-Anzeigen sind g√ľnstiger, sprich, bringen den Zeitungen weniger Einnahmen.

Dramatische Entwicklung.

Und wer sich online informiert, auch durch Werbung, braucht keine Zeitung mehr – die teils dramatisch zur√ľckgehenden Auflagen- und Abozahlen zeigen deutlich, unter welchem wirtschaftlichem Druck Zeitungen stehen.

Mit dramatischen Folgen f√ľr die B√ľrgerinnen und B√ľrger: Die Berichterstattung wird zunehmend flacher, da die Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren hunderte Journalisten entlassen haben. Es gibt Regionen in Deutschland, √ľber die √ľberhaupt keine Berichterstattung mehr stattfindet. Die ungepr√ľfte √úbernahmen von „PR-Artikel“ ist an der Tagesordnung.

Wer aufmerksam die Zeitung liest, stellt fest, dass der √ľberwiegende Teil der Artikel nicht mehr redaktionell vor Ort erarbeitet wird, sondern au√üerhalb der Zeitung. Ob als Agenturmeldung oder PR-Text.

Und es gibt jede Menge Lokalredakteure, die eine Pressemitteilung ein wenig umschreiben und dann unter ihrem Namen als eigenen Artikel ver√∂ffentlichen. Das ist Betrug am Leser. Und der findet t√§glich √ľberall statt.

Journalismus ist wichtig f√ľr die Demokratie.

Und es schadet der Glaubw√ľrdigkeit des Journalismus, der eigentlich die „4. Macht“ im Staate sein soll. Durch kritisches Pr√ľfen von Informationen, durch Recherche von Hintergr√ľnden und Verbindungen, durch eine objektive Berichterstattung. Diese Aufgabe ist enorm wichtig, um eine Demokratie stabil zu halten.

Engagierte B√ľrger und freie Journalisten gr√ľnden deshalb ihre eigenen Medien – aus Frust √ľber die unzul√§ngliche „Lobby“-Berichterstattung der Zeitungen, die oft mehr verschweigen, denn berichten. Aus der √úberzeugung heraus, dass dort immer weniger echter Journalismus stattfindet.

Die Alternative heißen Blog oder Internet-Zeitung Рdie Namensgebung spielt keine Rolle, sondern der Inhalt. Hier finden Dokumentation und kritische Berichte statt.

Vielfältige Herausforderungen.

„B√ľrgerjournalisten“ stehen dabei vor der Herausforderung, wie sie diese journalistische T√§tigkeit wahrnehmen. Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss. Ohne Kenntnisse in Sachen Recherche, Schreiben und auch Medienrecht werden wichtige Informationen nicht gefunden oder es drohen Abmahnungen von denen, die sich durch die Berichte „gest√∂rt“ f√ľhlen – sei es die Kirche, seien es Unternehmen oder Politiker oder √Ąmter.

Hardy Prothmann ist verantwortlicher Redakteur f√ľr die Angebote des rheinneckarblogs. Bild: sap

Professionelle Journalisten brauchen Einnahmen, von denen sie leben k√∂nnen und mit denen sie ihre Arbeit finanzieren. Also Werbeeinnahmen. Manche gr√ľnden auch F√∂rdervereine, die die Arbeit √ľber Mitgliedsbeitr√§ge und Spenden finanzieren.

Das Netzwerk istlokal.de will eine Genossenschaft gr√ľnden, in der unabh√§ngige Internet-Medien, die lokal und/oder regional berichten, sich organisieren. Um journalistische Aus- und Fortbildung anzubieten. Um sich bei technischen L√∂sungen zu unterst√ľtzen, um sich rechtlich wehren zu k√∂nnen und nat√ľrlich, um den lokal-regionalen Onlinewerbemarkt voranzubringen.

Wir stehen dabei in Konkurrenz zu den Tageszeitungen. Journalistisch und auch geschäftlich.

Vernetzter Journalismus.

Wo es schon teils herausragende lokale Angebote gibt, können Sie auf unserer Seite istlokal.de nachschauen. Wenn Sie selbst ein Angebot planen, können Sie sich gerne an uns wenden. Wenn Sie schon ein Angebot in Betrieb haben, schließen Sie sich uns an. Die notwendigen Informationen finden Sie auf unserer Website.

istlokal.de wird seine Mitglieder, egal ob hauptberufliche Journalisten oder B√ľrgerjournalisten, unterst√ľtzen. Zum einen zur F√∂rderung der Presse- und Meinungsfreiheit, zum anderen als „Unternehmer“-Verband f√ľr professionelle Journalisten. Und wir sind √ľberzeugt davon, dass wir auch die Wirtschaft, die Vereine, die Forschung und andere Bereiche der Gesellschaft mit einem verantwortungsvollen Journalismus unterst√ľtzen.

F√ľr das erste Halbjahr 2011 ist eine Informationsveranstaltung geplant. Wir werden Sie √ľber unsere Fortschritte zeitnah informieren.

Hintergrund:

Hardy Prothmann ist verantwortlich f√ľr das rheinneckarblog und betreibt zudem die lokalen Angebote heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de und weinheimblog.de. F√ľr seine Arbeit wurde er 2009 und die „100 Journalisten des Jahres“ durch eine unabh√§ngige Jury der Fachzeitschrift „MediumMagazin“ auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew√§hlt.

Er arbeitet seit 1991 als freier Journalist. W√§hrend des Studiums von 1991-1994 f√ľr den Mannheimer Morgen, ab 1995 √ľberregional f√ľr fast alle gro√üen Medien sowie die ARD. Er ist Gr√ľndungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presseclubs. Im Mai 2009 startete er das heddesheimblog.de.

Stefan Aigner ist freier Journalist in Regensburg. Er betreibt die Seite regensburg-digital.de und ist bundesweit durch seine kritische Berichterstattung bekannt geworden, die ihm schon drei Prozesse eingebracht hat. Aktuell hat ihn die Di√∂zese Regensburg verklagt, weil er die Zahlung von Geldern an die Eltern eines Missbrauchsopfers in Anlehnung an einen Spiegelbericht als „Schweigegeld“ benannt hat. Die katholische Kirche hat auf Unterlassung geklagt. Weil Stefan Aigner 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, hat er sich auf den Prozess einlassen k√∂nnen. Das Hamburger Landgericht will das Urteil Ende Februar 2011 verk√ľnden.

Thomas Pfeiffer ist Diplom-Medienp√§dagoge und Social Media-Experte. Er betreibt die Seite webevangelisten.de und ist Mitbegr√ľnder des Twittwoch, eines Vereins zur F√∂rderung von Social Media-Anwendungen. Der passionierte Bergsteiger unterst√ľtzt das Netzwerk istlokal.de mit seinen Expertenkenntnissen. Als politisch interessierter B√ľrger ist er zudem „Genosse“ der links-liberalen Tageszeitung die „taz“ aus Berlin.

istlokal.de wurde am 28. Dezember 2010 in Heddesheim gegr√ľndet. Zur Zeit findet die Mitgliederwerbung statt. In K√ľrze wird der „Vorstand“ durch weitere Journalisten erweitert, die sich aktiv in das Netzwerk einbringen wollen. Geplant ist die Gr√ľndung einer Genossenschaft sowie einer operativen GmbH, die die organisatorischen Arbeiten √ľbernimmt.

Wir sind offen f√ľr Sponsoren, die zu uns passen und Kooperationspartner, die gerne mit istlokal.de zusammenarbeiten m√∂chten. Erste Gespr√§che werden mit der Fotografenagentur Freelens sowie dem Autoren-Netzwerk Freischreiber gef√ľhrt.