Dienstag, 15. Oktober 2019

25. Februar bis 03. MĂ€rz 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 25. Februar bis 03. MĂ€rz 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im MenĂŒ Nachbarschaft im MenĂŒ “Termine”.

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Montag, 25. Februar 2013, 20:00 Uhr, Alte Feuerwache.

Der Autor Ilija Trojanow.

Mannheim. Ilija Trojanow liest und spielt. Manfred Loimeier moderiert: Er ist ein Mann, der die Gletscher so sehr liebt, dass er an ihrem Sterben verzweifelt. Zeno hat sein Leben als Glaziologe einem Alpengletscher gewidmet und als das Sterben seines Gletschers nicht mehr aufzuhalten ist, heuert er auf einem Kreuzfahrtschiff an, um Touristen die Wunder der Antarktis zu erklÀren.

Doch auf seiner Reise verzweifelt er an der Ignoranz der Urlauber und deren mangelnden Achtung vor der fremden Welt. Ilija Trojanows neuer Roman „EisTau“ erzĂ€hlt mit gewaltiger Wortkunst vom Drama eines jungen Mannes, von der Verletzlichkeit der Natur und des Klimas und von ihrer absoluten Schönheit.

Zenos Drama ist das Drama unserer Zeit. Sein unbÀndiger Zorn richtet sich gegen jeden von uns. Selten zuvor wurden in der deutschsprachigen Literatur die Verletzlichkeit der Natur und ihre absolute Schönheit so leidenschaftlich beschworen.

Ilija Trojanow wird nicht nur aus dem Roman lesen, sondern auch schauspielerisch auftreten. Die Textpassagen werden dabei teilweise musikalisch untermalt, teilweise unterteilt, so dass aus der Autorenlesung ein spannendes Musikdrama wird.

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia (Bulgarien), wuchs in Kenia auf und studierte Jura und Ethnologie in MĂŒnchen. Er lebte in Paris, Nairobi, Kapstadt und Bombay, von wo aus er u.a. fĂŒr die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „SĂŒddeutsche Zeitung“ schrieb. Der Autor und Journalist erhielt zahlreiche Auszeichnungen und lebt heute in Wien.

Manfred Loimeier, geboren 1960, hat Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie studiert, in Vergleichender Literaturwissenschaft promoviert und ĂŒber Afrikanische Literaturen habilitiert. Er arbeitet als Journalist, Buchautor und Privatdozent und reist seit einem Vierteljahrhundert immer wieder nach SĂŒdafrika.

Beginn ist um 20 Uhr. Einlass bereits ab 19 Uhr.

Ort: Alte Feuerwache, BrĂŒckenstrasse 2, 68167 Mannheim.

Eintritt: Tickets kosten 9 Euro im Vorverkauf (zzgl. VorverkaufsgebĂŒhr) und 12 Euro an der Abendkasse.

Tickets und Infos: http://www.altefeuerwache.com/.

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Dienstag, 26. Februar 2013, 20:00 Uhr, Stadthalle.

Szenenfoto „SchwarzwaldmĂ€del“. Quelle: Kulturgemeinde Weinheim.

Weinheim. Operette: SchwarzwaldmĂ€del. In einem kleinen Schwarzwalddorf freut man sich auf das CĂ€cilienfest. Der Domkapellmeister schreibt eine festliche Musik, und die Dorfjugend schmĂŒckt den Festplatz.

Als wĂ€re das nicht schon aufregend genug, schneien plötzlich zwei junge Wandersleut aus Berlin herein und wirbeln das Leben der SchwarzwaldmĂ€del BĂ€rbele und Hannele sowie des Domkapellmeisters Blasius gehörig durcheinander. Es kommt zu MissverstĂ€ndnissen, Handgreiflichkeiten, EifersĂŒchteleien – und natĂŒrlich einem großen Happy End.

Seit 1917 wirbt die legendĂ€re Operette fĂŒr das wahre GlĂŒck in einer heilen Schwarzwaldwelt. 1950 kam sie mit Sonja Ziemann, Paul Hörbiger und Rudolf Prack als erster deutscher Farbfilm der Nachkriegszeit ins Kino. Mehr als 16 Millionen Besucher machten das „SchwarzwaldmĂ€del“ zum erfolgreichsten deutschen Heimatfilm.

Mit seinen eingĂ€ngigen Liedern wie „Malwine, ach Malwine, du bist wie eine Biene“, „MĂ€dle aus dem schwarzen Walde, die sind leicht zu haben 
“ oder „Erklingen zum Tanz die Geigen“ gehört das „SchwarzwaldmĂ€del“ zu den beliebtesten Operetten weltweit. Mit Soli – u.a. Kathrin Frey und Volker Bengel – , Chor, Ballett und Orchester wird diese Produktion des New European Festival Stuttgart Operettenkost vom Feinsten liefern.

Ort: Stadthalle Weinheim, Birkenauer Talstraße 1, 69469 Weinheim.

Eintritt: Tickets gibt es ab 16 Euro. Sonderkonditionen fĂŒr Abonnementen.

Tickets und Infos: http://www.kulturgemeinde.de/index.php?id=77.

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Mittwoch, 27. Februar 2013, 15:00 Uhr, BĂŒrgerhaus.

„Schreiber und Post“ zeigen „Hans im GlĂŒck“.

Heddesheim. Kindertheater mit dem Theater „Schreiber und Post“. „Hans im GlĂŒck“ – Eine Gaunergeschichte fĂŒr Kinder ab fĂŒnf Jahren.

Auch Andrea Post und Tim Schreiber? spielen das MĂ€rchen vom Hans im GlĂŒck? eigentlich mit nichts. Doch die Phantasie? lĂ€sst alles zu. Und so fĂ€llt Hans ein? schwerer Klumpen Gold in den Schoß.? Ein tolles Pferd trabt ĂŒber die BĂŒhne,? die Kuh „Else“ will sich nicht vorwĂ€rts?bewegen, die Sau „Rosa“ sitzt dick und ?fett in ihrer Schubkarre und die Gans ?„Suse“ legt ein Ei.? Der Gauner rafft und schafft, um so viel? wie möglich zu bekommen. Es wird? gehandelt. Um alles und doch mit nichts.

Erst ein echter Stein mit echtem Moos wiegt mehr? als Gold und Tiere zusammen. Denn er existiert? wirklich, man kann ihn sehen und fĂŒhlen. Und was? macht Hans mit dem realen Stein? Ein Haus bauen?? Eine Straße pflastern? Schnell wird ihm der Stein ?zum Klotz am Bein. Doch Hans hat GlĂŒck, er verliert? auch ihn und nun ist er frei von seinen Sorgen.? So bekommt am Ende jeder, was er braucht:? Der Gauner alles und Hans nichts.

Ort: BĂŒrgerhaus Heddesheim, Unterdorfstraße 2, großer Saal, 68542 Heddesheim.

Infos: http://www.schreiberundpost.de/?page_id=66.

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Donnerstag, 28. Februar 2013, 20:00 bis 22:00 Uhr, Olympia-Kino.

Stummfilmabend im Olympia-Kino.

Hirschberg. Großer Stummfilmabend: Tabu von F.W. Murnau. Im Mittelpunkt des diesjĂ€hrigen Stummfilmabends steht der legendĂ€re Film „Tabu“ von F.W. Murnau. – Dieser Film entstand 1929/30 an OriginalschauplĂ€tzen in der SĂŒdsee auf den Inseln Tahiti und Bora-Bora.

Murnau arbeitete dafĂŒr mit Robert Flaherty zusammen, einem Pionier des Dokumentarfilms („Man of Aran“, „Nanuk der Eskimo“). – „Tabu“ erzĂ€hlt die unglĂŒckliche Liebesgeschichte des jungen Matahi und seiner Freundin Reri: Diese ist zur Priesterin bestimmt und damit fĂŒr alle MĂ€nner tabu. Die Beiden versuchen, diesem Verdikt zu entkommen und fliehen auf eine andere Insel.

Jens Schlichting sitzt am Klavier.

Ort: Kommunales Olympia Kino, Hölderlinstr. 2, 69493 Hirschberg-Leutershausen.

Eintritt: Tickets kosten 10 Euro (inklusive 1 Glas Prosecco).

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Freitag, 01. MĂ€rz 2013, 20:00 Uhr, KulturbĂŒhne Alte Druckerei.

Kabarett und Musik mit Uli Masuth.

Weinheim. Uli Masuth: Ein Mann packt ein. Uli Masuth, der in seinem Outfit aussieht wie ein Organist und auch tatsÀchlich mal einer war, ist mit schwarzen Pointen unterwegs.

Außerhalb des Halbdunkels seiner Orgelempore besteht die Seelsorge nun darin, Dinge, die weh tun, so zu prĂ€sentieren, dass man schon wieder drĂŒber lachen kann. Sein Stil ist ziel- und treffsicher, geistvoll und respektlos auf erstaunlich hohem Niveau. Tagespolitisch aktuell, mit Klavier, aber ohne Gesang!

Ort: KulturbĂŒhne Alte Druckerei, Friedrichstraße 24, 69469 Weinheim.

Eintritt: Tickets kosten 17 Euro.

Tickets und Infos: http://www.altedruckerei.com/index.htm.

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Samstag, 02. MĂ€rz 2013, 20:00 Uhr, Zimmertheater.

Speyer. Doppelfehler: Eine Komödie von Barry Creyton.

Szenenfoto „Doppelfehler“. Quelle: Zimmertheater Speyer.

George und Alexandra – seit fĂŒnf Jahren geschieden – treffen sich zufĂ€llig wieder. Sie ist frisch verheiratet, er geht mit blutjungen MĂ€dchen aus. Nach kurzem Wortgefecht mĂŒssen beide erkennen, dass sie doch noch fĂŒreinander etwas empfinden.

Und so nimmt denn das ‚Unheil‘ seinen Lauf, man versucht es wieder miteinander – und wieder stellt man fest, dass man miteinander eigentlich nicht kann. Ein Feuerwerk der Lust, Satire und Ironie mit tieferer Bedeutung! Spiel: Nicole Kaufmann & Markus Maier Regie: Mate Irrniss.

Ort: Zimmertheater Speyer , Kulturhof, Flachsgasse 3, 67346 Speyer.

Eintritt: Tickets kosten 15 Euro im Vorverkauf (zzgl. VorverkaufsgebĂŒhr) und 18 Euro an der Abendkasse.

Tickets und Infos: http://www.zimmertheater-speyer.de/index.html.

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Sonntag, 03. MĂ€rz 2013, 19:00 Uhr, KulturbĂŒhne Alte Druckerei.

„Simply Music“ live auf der BĂŒhne.

Weinheim. Konzert „As time goes by“. Zum zweiten Mal laden Simply Music zu einer Zeitreise ein, die noch bunter und ĂŒberraschender ist als die erste.

Hier wird mit Liedern aus einem halben Jahrhundert geswingt, getwistet und gerockt! Wer die beiden Damen bereits auf der BĂŒhne erlebt hat weiß, dass hier die Schönheit der Musik zelebriert wird – mit vielen ÜberraschungsgĂ€sten.

Ort: KulturbĂŒhne Alte Druckerei, Friedrichstraße 24, 69469 Weinheim.

Eintritt: Tickets kosten 18 Euro.

Tickets und Infos: http://www.altedruckerei.com/index.htm.

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Montags gibt es Tipps und Termine aus unseren Orten fĂŒr die wir Blogs betreiben und der Region.

Sie möchten mit Ihrer Veranstaltung auch gerne dabei sein? Dann schreiben Sie uns an die jeweilige Redaktion.

Wir ĂŒbernehmen Termine aus unserem Berichtsgebiet in den jeweiligen Terminkalender sowie ausgewĂ€hlte Termine in unsere Übersicht “Tipps und Termine: Diese Woche”:

Beispielsweise an: Termine Rheinneckarblog.de – oder termine@derortsnameblog.de. Oben im MenĂŒ sehen Sie unter Nachbarschaft die elf Kommunen, fĂŒr die wir eigene Blogs anbieten.

Unsere Termine erfreuen sich großer Beliebtheit – Sie können bei uns auch gerne fĂŒr sich oder Ihre Veranstaltungen werben: Kontakt zu unserer Anzeigenabteilung.

Wir bieten ein modernes Medium, eine höchst interessierte Leserschaft eine hohe Reichweite bei fairen Preisen und viel mehr, als Printanzeigen zu leisten in der Lage sind. Wir beraten Sie gerne unverbindlich: 😎

Geprothmannt: Eine „grasse“ Debatte

GĂŒnter Krass hat mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" eine lĂ€ngst notwendige Debatte ausgelöst. Bild: Wikipedia, Florian K, CC BY-SA 3.0

 

Rhein-Neckar, 16. April 2012. (red/pro) Was stimmt mit uns Deutschen nicht? Können wir nicht normal sein? Einfach mit Kritik umgehen? Uns ihr stellen, mit ihr an uns arbeiten? Der Schriftsteller GĂŒnter Grass hat mit seinem Beitrag den Nerv einer chronisch leidenden Gesellschaft getroffen und das ist gut so. Die Debatte erreicht jede Stadt, jedes Dorf in Deutschland. Sie sollte jeden Stammtisch und jede Familie, jeden Menschen erreichen, denn die Zeit ist lĂ€ngst reif dafĂŒr.

Von Hardy Prothmann

Ganz sicher ist die Debatte um den Beitrag des LiteraturnobelpreistrĂ€gers GĂŒnter Grass auf den ersten Blick ein nationales und sogar internationales Thema.

Ist das so?

Ganz sicher zeigt der zweite Blick auf das Thema eine Debatte, das uns alle betrifft. Überall. Hier und dort. Vor Ort. Direkt.

Das vermeintliche “Gedicht” von Herrn Grass, “Was gesagt werden muss”, hat enorme internationale Wellen geschlagen und einen politischen Diskurs ausgelöst, der uns alle angeht.

Meinungsfragen

Die entscheidenden Fragen lauten:

Wie geht man mit Kritik um? Was bedeutet Meinungsfreiheit? Was Meinungsvielfalt? Gibt es die Möglichkeit der freien Rede und Gegenrede? Wer urteilt, was richtig, was falsch ist? Was bedeutet Verantwortung im Zusammenhang mit Fragen? Gibt es in der Postmoderne tatsĂ€chlich noch Tabu-Themen, ĂŒber die man nicht reden darf?

Der Schriftsteller GĂŒnter Grass musste im Alter von 84 Jahren etwas loswerden. WĂ€re GĂŒnter Grass nur ein alter Mann – wer hĂ€tte sich dafĂŒr interessiert?

Niemand? Richtig.

GĂŒnter Grass ist aber ein bekannter Schriftsteller. Und LiteraturnobelpreistrĂ€ger. Und er war als junger Mann Mitglied der Waffen-SS im Dritten Reich, was er lange verschwiegen hat.

Und er tut, was niemand tut, will man nicht sofort in eine rechte Ecke gestellt werden. Und das trotz seiner Vergangenheit: Er Ă€ußert harsche Kritik an der Außenpolitik Israels.

Nicht an der Innenpolitik, der Wirtschaftspolitik, der Sozialpolitik. Grass macht das große Fass auf und spricht davon, dass Israel den “Weltfrieden gefĂ€hrdet”.

Die vernichtenden Kritiken ĂŒber seinen Text sind zahlreich. Die Empörung eindeutig. Die Haltung klar: Man kritisiert Israel nicht. Schon gar nicht als Aggressor im Nahen Osten.

StaatrÀsonismus

Vor allem nicht als Deutscher. Denn es gibt eine historische “Verantwortung”, die jede Kritik und jede Frage verbietet, das gebietet allein schon die von der Bundeskanzlerin zur “StaatsrĂ€son” erklĂ€rten “Haltung”.

Ist das so?

Man muss GĂŒnter Grass fĂŒr seine extreme Überzeichnung dankbar sein, denn er hat erreicht, dass sich die Extreme und die Überzeichnungen zu Wort melden und verorten.

Das durch den israelischen Innenminister Eli Jischai gegenĂŒber dem Schriftsteller erlassene Einreiseverbot wird selbst in israelischen Medien als “hysterisch” bezeichnet.

BundestagsvizeprĂ€sident Thierse wirft sich fĂŒr den Schriftsteller in den Ring und bezeichnet Anwerfungen, dieser sei ein Antisemit als “haltlos”.

Was denken wir ĂŒber all das? Jeder von uns? Ich, Sie, Du? Debattieren wir darĂŒber?

Debattiert so viel ihr könnt

GĂŒnter Grass 2004 bei der Buchmesse in Frankfurt. Bild: Wikipedia, Florian K, CC BY-SA 3.0

Hoffentlich tun das viele unserer Leserinnen und Leser. Und das ist gut so. Sich mit einer Sache auseinanderzusetzen. Denn das ist die Übersetzung von Kritik.

Und nichts anderes hat Herr Grass getan. Er hat sich auseinander gesetzt, seine Meinung geĂ€ußert und sich damit demokratisch dem Diskurs gestellt.

Inhaltlich mag sein “Gedicht” große SchwĂ€chen haben. Die grĂ¶ĂŸte ist, dass man eine solch verfahrene Situation, wie sie im Nahen Osten herrscht, noch so sehr “verdichten” kann – sie ist zu komplex, um sie vernĂŒnftig in einem Text abbilden zu können.

Deshalb muss man sie aufteilen und die Teile diskutieren. Und den Anfang zu dieser Debatte hat Herr Grass erreicht. Er hat es geschafft, dass sich viele besserwissende sofort empört geĂ€ußert haben, um feststellen zu mĂŒssen, dass die grass’sche Kritik vielleicht nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch ist.

GĂŒnter Grass hat es erreicht, dass ĂŒber Tabus gesprochen wird, die viele Menschen beschĂ€ftigen und die, weil Tabus, öffentlich nicht thematisiert werden dĂŒrfen sollen. Grass hat also Öffentlichkeit geschaffen, den Austausch von Meinungen angeregt und hat damit einen demokratischen Prozess ausgelöst.

Deutungshoheiten der Zirkel

Wer ihn deswegen sofort zum Antisemiten abstempelt, will keinen demokratischen Diskurs, sondern einen Hieb mit der Moralkeule. Es sollen keine Fragen gestellt werden dĂŒrfen. Die Deutungshoheit ist allein kleinen Zirkeln ĂŒberlassen. Ist das demokratisch?

Wer das Gesamtwerk von Grass sieht und seine ĂŒber Jahrzehnte verschwiegene Mitgliedschaft in der Waffen-SS, erkennt eine zerrissene Figur. Einen, der eitel und selbstherrlich ist. Neudeutsch “erfolgsgeil”, was ihm viele vorwerfen, die aber wie ein Reich-Ranicki oder Broder selbst auf der Debatten-Welle mitschwimmen, ohne viel zum Thema beitragen zu können. Aber Hauptsache, sie reden mit oder es wird ĂŒber sie geredet, wobei sie jedem, der ihnen nicht genehm ist, genau das vorwerfen.

Wer die Debatte um das Thema verfolgt, sieht jede Menge AnwĂŒrfe, die jede Interessengruppe fĂŒr sich zu nutzen sucht.

Und wer ĂŒber all dem darĂŒber nachdenkt, was der Text von Grass bewirkt hat, erkennt: Es ist eine “grasse” Debatte.

Mit einem FĂŒr und Wider. Einem Hin und Her. Und all das ist gut und sinnvoll.

Denn “Positionen” haben die Chance, neu ĂŒberdacht und definiert zu werden. Man kann aus der Vergangenheit lernen, sie mit dem Jetzt abgleichen und fĂŒr die Zukunft Ziele entwickeln.

Das geht nur durch Einlassungen von kritischen Geistern.

Tabus brechen

Abnicker, Zusager, Nichtfrager, Nichtwisser haben in der Vergangenheit und Gegenwart immer nur fĂŒr großes Leid und viel Blutvergießen gesorgt.

GĂŒnter Grass hat weder ein literarisch wertvolles, noch stilistisch anerkennenswertes “Gedicht” geschrieben. Das ist meine persönliche Meinung.

Ebenso finde ich seine Position zu ĂŒberzeichnet. Aber ich bin sehr froh, dass er das Gewicht seiner Persönlichkeit nutzt, um die Debatte ĂŒber Tabus anzuregen.

Er ist ein alter Mann, hat sein Leben und sein Geld verdient, schließt irgendwann mit “letzter Tinte” ab. Und er hat enorm viel negative Energien auf sich gezogen – egal, ob zu Recht oder Unrecht -, statt einfach seinen “Lebensabend zu genießen”.

Persönlich hat mich Grass als Schriftsteller nicht interessiert. Mich spricht sein Werk nicht an. Das ist aber eine Geschmackssache.

Persönlich habe ich großen Respekt vor diesem Mann, weil er sich traut, eine Meinung zu haben. Trotz aller Kritik, die seine Meinung durch andere auf sich zieht.

Persönlich habe ich meine Meinung und meine Geschichte. Mein Großvater beispielsweise ist 1928 geboren worden und hat als 16-JĂ€hriger jĂŒngere Kinder in den letzten Kriegsjahren in Sachsen als “GebirgsjĂ€ger ausgebildet”.

Und er hat mir gegenĂŒber zugegeben, dass er damals an den “FĂŒhrer” geglaubt hat und erst spĂ€ter erkannt hat, welchem Übel er anhĂ€ngig war. Fast jeder von uns Deutschen hat so einen “Link”, so eine Verbindung, in die Vergangenheit. Und egal, wie wenig man damit “persönlich” zu tun hat. Die historische Schuld bleibt. Und sie ist schrecklich.

Verantwortung fordert Fragen

Die Verantwortung aber, sich gegen Krieg, gegen Genozid, gegen Unrecht einzusetzen, ist eine Verantwortung, die gerade die Deutschen historisch am besten vertreten können. So kann die Schuld zur Chance werden. Wenn man bereit ist, verantwortlich zu sein. Um verantwortlich zu sein, muss man aber Fragen stellen dĂŒrfen, können und wollen.

Verantwortung ergibt sich sicherlich nicht dadurch, indem man sich keinem Diskurs stellt, keinen Fragen, keinen Haltungen. Wer sich so verhÀlt, muss sich den Vorwurf des Gleichschaltens, des Gleichmarschierens, des Faschistischen gefallen lassen.

Wer bereit ist, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, Kritik zu ĂŒben und auszuhalten, fĂŒr seine Haltung zu werben unter Anerkennung unseres Grundgesetzes, der agiert demokratisch und verantwortlich.

Wer eine berechtigte Kritik eines Schriftstellers missbraucht, um diesen und andere mundtot zu machen, agiert antidemokratisch.

GĂŒnter Grass hat mit seinem “Gedicht” sehr krasse Reaktionen hervorgerufen, die zeigen, wie wenig demokratisch viele Medien in Deutschland gesinnt sind, obwohl wir doch schon mindestens sechs Jahrzehnte Zeit hatten, um zu ĂŒben.

Die Debatte hat gezeigt, wie wenig demokratisch der Staat Israel unter seiner aktuellen Regierung ist.

Traumatisierungen

Und er hat ins Bewusstsein gerufen, dass ein Konflikt droht, der sicherlich kein iranisches Volk auslöscht, aber die Region und die Welt massiv zu traumatisieren in der Lage ist.

Und wer, wenn nicht wir Deutschen, haben eine bessere Vorstellung davon, was es heißt, andere zu traumatisieren und selbst traumatisiert zu sein? Und wer, wenn nicht wir Deutschen können ehrlicher und glaubhafter uns dafĂŒr einsetzen, dass es nicht woanders zu VerwĂŒstung, Zerstörung und Verfolgung kommt?

Mein Deutschland ist ein Land der Demokratie, des Austausches von Meinungen, des Ringens um Mehrheiten um eine grĂ¶ĂŸtmögliche Freiheit der Menschen zu ermöglichen.

Ein Land, dass sich um Fortschritt des Lebens statt fĂŒr den RĂŒckschritt des Tötens einsetzt.

Ich empfinde es als ekelhaft, wenn irgendjemand argumentiert, ein israelischer “Erstschlag” wĂŒrde nicht das “gesamte” iranische Volk auslöschen, sondern nur “Teile”. Mir wird schlecht, wenn ich Argumente lese, man mĂŒssen Israel einen “Zweitschlag” ermöglichen, um, nachdem man selbst grĂ¶ĂŸte Verluste habe, dem anderen auch noch welche zufĂŒgen zu können. Wer so zynisch argumentiert, hat keine Respekt vor dem Leben.

Jeder vernĂŒnftige Mensch wird solche “Debatten” nicht nur ablehnen, sondern sich vernĂŒnftigerweise verweigern, weil sie an Dummheit nicht zu ĂŒbertreffen sind.

Meinungsvernichtungswaffen

Jeder von uns ist aufgerufen, sich dringlich eine Meinung zum Thema zu bilden. GĂŒnter Grass hat in Deutschland zu Recht eine Debatte ausgelöst, bevor “Fakten” geschaffen werden. Die Konflikte im Nahen Osten sind geeignet, den Weltfrieden zu gefĂ€hrden – die Konflikte bestimmen schon seit Jahrzehnten unser Leben, ohne das es “möglich” war, sich widersprĂŒchlich dazu zu â€œĂ€ußern”.

Die Zeit ist reif, Meinungen zu ĂŒberprĂŒfen, zu definieren und zu vertreten. Und vor allem wir Deutsche sollten sagen können mĂŒssen:

Wir lehnen jede Form von Massenvernichtungsmöglichkeiten ab.

Denn wir Deutsche wissen wie kein anderes Volk, dass jede fehlende demokratische Debatte nur fĂŒrchterliche Folgen haben wird. Deswegen sollten man sich nicht von Meinungsvernichtungswaffen wie sinnfreien AntisemitismusvorwĂŒrfen beeindrucken lassen.