Samstag, 25. November 2017

Gabis Kolumne

Im Buchungs-Dschungel

Rhein-Neckar, 15. April 2013. (red) Der Sommerurlaub ist bekanntlich fĂŒr die Deutschen die schönste Zeit des Jahres. Doch zunĂ€chst muss die Reise gebucht werden. Und das ist bei der großen Auswahl im Internet nicht immer ganz leicht. Gabi begab sich fĂŒr uns in den Buchungs-Dschungel.
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Initiative des Deutschen Tierschutzbundes

„Nimmst Du mein Tier, nehme ich Dein Tier“

Weinheim, 15. April 2013. (red/pm) „Nimmst Du mein Tier, nehme ich dein Dein Tier“ – so lautet die Initiative des Deutschen Tierschutzbundes, an dem der Tierschutzverein Weinheim und Umgebung e.V. dieses Jahr teilnimmt. Bei dieser Initiative helfen die örtlichen Tierschutzvereine bei der Vermittlung von UrlaubsplĂ€tzen fĂŒr Heimtiere. [Weiterlesen…]

Gabis Kolumne

Ein PlĂ€doyer fĂŒr das Buch – aus Papier

Ebooks mögen praktisch sein – machen sich aber nicht gut im Bücherregal, meint Gabi.

 

Rhein-Neckar, 22. Oktober 2012. Gabi möchte keine E-Books und keinen E-Book-Reader. Auch wenn die Vorteile überzeugend klingen, möchte sie sich das Buch nicht aus der Hand nehmen lassen, denn sie hat so ihre Gründe.

Ich gebe zu, dass ich mich manchmal gegen Neuerungen wehre, vor allem solche technischer Natur. Als mein Mann schon längst eine Digitalkamera hatte, habe ich noch brav Filme eingelegt und zum Entwickeln gebracht.

Ich gehörte nicht zu den ersten Handybesitzern und habe erst seit knapp einem Jahr ein Smartphone.

Habe ich mich zu den technischen Veränderungen – freiwillig oder auch liebevoll gezwungen – dann schließlich durchgerungen, nutze ich die Möglichkeiten begeistert. Und kann mir eine Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Was mir aber nicht und NIEMALS ins Haus kommt, ist ein E-Book-Reader! Und dafür habe ich meine Gründe.

Fünf einleuchtende Vorteile und …

Gerade jetzt in der Zeit rund um die Buchmesse werden überall dessen Vorteile angepriesen.

Und sie scheinen auf den ersten Blick auch einleuchtend:

Vorteil 1: Endlose Lesestoffmengen, wenn man in den Urlaub fährt oder täglich mit dem Zug unterwegs ist. Das bedeutet, die Gefahr von Übergebäck beim Fliegen wird minimiert. Doch dann lass ich doch lieber ein paar Schuhe zu Hause und steck noch zwei Bücher in den Koffer.

Aber: Und wenn wir schon von Urlaub sprechen, wo lesen Sie Ihre Bücher? Also ich lese sie am Strand oder am Pool und da ist es bekanntlich sandig und feucht. Sand zwischen den Seiten oder auch ein Sonnenmilchfleck auf dem Umschlag stören mich nicht, da bekommt ein Buch Patina. Ein E-Book sieht das wohl anders.

Und apropos Sonne, es darf kein LED-Bildschirm sein, sonst sieht man bei Sonnenschein grad mal gar nix, das habe zumindest dieser Tage im Radio gehört.

Vorteil 2: Kein Mensch bekommt mit, was man liest.

Vor allem „heiße“ Literatur wie „Shades of Grey“ (meine Kolumne dazu ging wie geschnitten Brot und war zwei Wochen lang jeden Tag der bestgelesenste Artikel 😀 ) sollen erst durch das E-Book erfolgreich geworden sein, da keiner sieht, was man liest, weder beim Kauf an der Kasse noch am Strand oder im Café – eine Portion Erotik quasi inkognito.

Aber: Doch auch dieses Argument verpufft bei mir, da ich keine Scheu habe, erotische Literatur zu kaufen und zu lesen – vor allen Augen.

Vorteil 3: E-Books sind günstiger, vor allem, wenn sie nicht mehr ganz aktuell sind. Viele Downloads gibt es auch kostenlos, darunter große Klassiker der Weltliteratur.

Aber genau die möchte ich nun mal im Regal stehen haben. Auch weils schön aussieht.

Vorteil 4: Man kann die Schriftgröße ändern und braucht demzufolge keine Lesebrille. Zugegeben, dieses Argument muss ich anerkennen. Ab einem bestimmten Alter schlägt die Weitsichtigkeit unweigerlich zu.

Aber da ich von Natur aus kurzsichtig bin, kann das noch eine Zeit dauern.

Vorteil 5: Die „Seiten“ eines E-Books vergilben nicht.

Das hat mich noch nie gestört. Denn schließlich sieht man auch uns das Alter an.

Was ich eindeutig anerkenne, ist der Vorteil der E-Books im Bereich der Sekundärliteratur. Das macht Sinn. Doch überzeugen konnte mich die Liste der Vorteile letztlich nicht, zumal mir auch eine ganz Reihe von Nachteilen einfallen:

… und vier überzeugende Nachteile

Nachteil 1: Ich lese gerne in der Badewanne – stundenlang. Wird mein Buch feucht, dann bekommt es Wellen, mehr passiert nicht. Und ich lese gerne abends im Bett. Kuschel mich mit Decke und Buch ein und finde das sehr gemütlich – ein elektronisches Gerät würde da nur stören.

Nachteil 2: Bin ich zum Beispiel mit dem Zug unterwegs und gerade an der spannendsten Stelle oder kurz vorm Ende geht mein Akku leer – gelitten, mehr lässt sich dazu nicht sagen.

Nachteil 3: Die Haptik und Ästhetik. Ich liebe es Bücher anzufassen, die Seiten umzublättern und mit den Fingern das Papier zu erspüren. Ich sehe gerne meinen Lesefortschritten anhand der wachsenden Seitenzahlen. Ich liebe Buchumschläge und Klappentexte und ich ordne gerne meine Bücher im Regal.

Nachteil 4: Ich verbringe gerne Zeit in Buchläden und Bibliotheken. Ich stöbere, blättere und lese an – und manchmal – psst – auch die letzte Seite. Der E-Book-Store im Internet ist dafür eindeutig kein Ersatz.

Bücher erzählen vom Leben

Bücher erzählen Geschichten, nicht nur in den Seiten, sondern auch durch die Seiten. Ich habe Romane – vor allem Liebesromane, da steht der Name meiner Großmutter drin. Und ich kann mir vorstellen, wie mein Großmutter an einer bestimmten Stelle geseufzt hat. Ich habe an meine Kinder Reclamhefte weiter gegeben, die ich schon von meinen Eltern „geerbt“ habe, in denen in Schönschrift der Mädchenname meiner Mutter geschrieben ist oder in denen mein Vater, die wichtigen Stellen unterstrichen hat.

Ich habe Bücher, da markieren Rotweinflecken die durchlesene Nacht und der Sand, der aus den Seiten rieselt, erinnert an einen vergangenen Urlaub. „In den alten Bilderbüchern meiner Tochter finde ich manchmal Krekskrümel oder Schokoladenflecken“, sagte mir kürzlich eine Freundin und wurde ganz melancholisch und ich weiß, was sie meint. Bücher erzählen vom Leben, auch vom eigenen.

Manche Bücher liest man mehrmals, das hinterlässt Spuren, nimmt man sie wieder in die Hand, kann man sich auf Spurensuche begeben. Probieren Sie das mal mit einem E-Book!

gabi

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

Öffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Weinheim, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag gehört über Dinge, die quasi ausgestorben sind – und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die jüngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag gehörten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonhörer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und überall konnte man die Spuren der ausgedrückten Zigaretten erkennen. Die Telefonbücher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unerträglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der Kälte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige Möglichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst wählen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste. In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein „Gut angekommen“ in den Hörer brüllen, bevor man die Münzen einwerfen musste.

Und überhaupt die Münzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder – damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer – waren die Zehnpfennigstücke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gewünschte Gesprächspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene Häuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich weiß eigentlich nicht, wo hier im Ort die nächste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch Wandgeräte, die man inzwischen auch mit Geldkarten füttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber natürlich hatte sie auch ihre Vorzüge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: „Ich hätte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden“, und ein unangenehmes Gespräch konnte man mit: „Du jetzt habe ich kein Kleingeld mehr“, problemlos abwürgen.

Ähnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Straßenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die Einführung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, führte man in den 50er Jahren die „Parkographen“ – eine amerikanische Erfindung – ein. Die Einführung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine Umrüstung auf neue Münzen wäre für die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man früher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat für viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir ständig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur für eine halbe Stunde Münzen einwerfen, so dass man ständig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht befüttert werden.

Bedauere ich das „Aussterben“ von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich überlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine öffentlichen Telefoniermöglichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) für länger als eine halbe Stunde lösen kann, vermisse weder Euroschecks noch Überweisungsformulare, genieße also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi

Gabis Kolumne

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub oder wie kann man UrlaubsgefĂŒhle konservieren

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. September 2011. Gabi ist wieder vom Urlaub zurĂŒck und versucht mit konservierten Erinnerungen der Post-Urlaubs-Depression entgegenzuwirken. Oder sollte man doch gleich den nĂ€chsten Urlaub buchen?

Die Farben des SĂŒdens.

Der Himmel ist grau – und die Landschaft und die Stimmung auch. Back in Germany. So ging es mir zumindest – und wahrscheinlich Millionen von Deutschen in den vergangenen Wochen auch- als wir nach einem Urlaub im sonnigen SĂŒden den Frankfurter Flughafen anflogen.

Jetzt nur keine Post-Urlaubs-Depression bekommen, ist leichter gesagt als getan. Vor 24 Stunden hatte ich noch im azurblauen Meer bei angenehmen 30 Grad geplanscht und dann empfing mich Nieselregen ĂŒber der Rhein-Ebene. Willkommen zurĂŒck, kann man da nur sagen.

Die widrigen UmstĂ€nde der RĂŒckkehr verstĂ€rkten sich dramatisch dadurch, dass es Sonntag war und der KĂŒhlschrank dementsprechend gĂ€hnend leer und anstelle einer mediterranen Köstlichkeit gab es TĂŒtensuppe. Nix mit Urlaub ausklingen lassen, ab in den Keller und WĂ€sche waschen, denn am nĂ€chsten Tag war schließlich Montag und wieder mein erster Arbeitstag.

In mein BĂŒro zurĂŒckgekehrt, erwarteten mich nicht nur die lieben Kollegen, „Na, es wird ja mal Zeit, dass du auch wieder arbeitest“, nein auch 367 Emails und ein riesiger Poststapel. Willkommen zurĂŒck.

Nach der Arbeit: Großeinkauf, WĂ€sche waschen, kochen, WĂ€sche aufhĂ€ngen, KĂŒche aufrĂ€umen, WĂ€sche abhĂ€ngen, die private Post sichten, WĂ€sche zusammenlegen -۩ Sie wissen wie-€ℱs weitergeht.

„Schatz, du wirkst so gestresst“

„Schatz, du wirkst so gestresst“, merkte mein Mann an, „dabei hatten wir doch gerade Urlaub“. Klar, dachte ich missmutig, du musst dich ja auch nur um deinen Job kĂŒmmern. Eine Bemerkung verkniff ich mir aber, wollte ich doch nicht das zarte PflĂ€nzchen der Urlaubsharmonie zerstören.

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In diesem Jahr hatte ich mir ganz bewusst vorgenommen, die UrlaubsgefĂŒhle zu konservieren: Wenn sich der warme Sand durch die Zehen schiebt, wie Salz auf der Haut schmeckt, wie der SĂŒden riecht. Und vor allem die Farben: Das krĂ€ftige Blau des Himmels, das TĂŒrkis des Meeres, das knallige Pink der BouganivillenbĂ€ume. Der Geruch von Meer, das Zirpen der Zikaden, die Melodie der Wellen und das sĂŒĂŸe GefĂŒhl des Nichtstuns, wenn man mit einem Buch auf einer Liege am Pool liegt und die einzige Aufgabe darin besteht, die Haut regelmĂ€ĂŸig mit Sonnencreme zu versorgen. Die Freude kleine Bergdörfer zu entdecken, durch enge verwinkelte Gassen zu laufen und am Hafen entlang zu schlendern.

Dies alles soll mich nun hinĂŒber retten ĂŒber die grauen Tage, die kommen werden. Es werden wieder Zeiten kommen, wenn man gar nicht weiß, was man noch anziehen soll, damit es einem warm wird. Und auch fĂŒr den Stress im Job und zuhause mit Haushalt und Kindern braucht man ein warmes Fell. Dann möchte ich meine Erinnerungen auspacken wie kleine Geschenke, an denen ich mich erfreue.

Ich weiß nicht, ob es mir diesmal gelingen wird, aber spĂ€testens im nĂ€chsten FrĂŒhjahr wird mich die Aussicht auf den nĂ€chsten Urlaub wieder in freudige Erwartung stimmen. Und ich werde wieder ReisefĂŒhrer und Karten studieren, auch wenn meine Familie dann mĂŒde lĂ€chelt. Nach dem Motto jetzt ist sie wieder soweit, jetzt geht die Planung von vorne los. Denn nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub – also durchhalten und die Erinnerungen genießen.

gabi

Mariettas Kolumne: Der Stolz auf die Schlange ist die Verachtung des Kunden – Urlaub geht anders


Heute keine Schlange und keine 30 Minuten warten.

Von Marietta Herzberger

Wenn der Mensch viel arbeitet, braucht er ab und an ein wenig Urlaub. Die einen zieht es ins KĂŒhle, die anderen an PalmenstrĂ€nde. Meine Freundin Susanne und ich gehören zu den anderen. Spontan entschlossen wir uns zu einem Pauschalurlaub in Zentraltunesien, in der NĂ€he von Monastir.

Von der Sahara…

Faszinierende WĂŒste! RespekteinflĂ¶ĂŸend und fesselnd. Der nötige Ausgleich fĂŒr viele Monate harter Arbeit und Strapazen.
Das Hotel Karawansarei in Douz, am Rande der Sahara, war unser Quartier fĂŒr eine Nacht innerhalb eines Touristen-Pauschal-Ausflugspaketes. Das Etablissement wirkte von Außen eher wie eine Festung und machte seinem Namen alle Ehre. Am nĂ€chsten Morgen wurden wir dann bereits kurz vor 5 Uhr geweckt, um rechtzeitig am Rande der Sahara einzutreffen, wo uns ein Kamelritt ĂŒber SanddĂŒnen in den Sonnenaufgang erwartete. Hierzu wurden wir mit unserem Bus direkt bis an die Beduinenzelte gefahren, um ja nicht zu viel Romantik aufkommen zu lassen.

Nun denn: Rauf auf die Kamele und ab in die WĂŒste. Unbeschreiblich, welche Ruhe dieses weite Land fernab jeglicher Zivilisation ausstrahlt. Die beeindruckende Weite des Landes, der feine Sand, die Beduinen, die sich am Lagerfeuer vor ihren Zelten wĂ€rmten, dies alles ĂŒbte eine unglaubliche Faszination auf uns aus. Daran Ă€nderte auch die Tatsache nicht viel, dass wir diese Idylle mit ca. 80 weiteren Touristen teilen mussten.

Ein kurzweiliger, kaum vierstĂŒndiger Ritt auf den gutmĂŒtigen WĂŒstenschiffen bei mittlerweise gefĂŒhlten 40 Grad im Schatten brachte uns schließlich an einen Kiosk.

Sieht so eine Oase aus?

Ein Kiosk? Mitten in der WĂŒste? Ja, ein Kiosk mitten in der WĂŒste! Egal! Wir alle dĂŒrsteten nach Wasser und einem StĂŒckchen Brot. Der KamelfĂŒhrer hob die Hand und rief etwas unverstĂ€ndliches, woraufhin alle Kamele plötzlich stehenblieben, sich erst nach vorne absenkten, um dann das Hinterteil ebenfalls zu Boden gleiten zu lassen. Susanne kippte fast vornĂŒber, blieb jedoch zum GlĂŒck mit ihrer GĂŒrtelschnalle am Sattelknauf hĂ€ngen.

Kaum waren alle abgestiegen, gab uns der nette Beduine zu verstehen, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, um dem begehrten Nass inmitten der WĂŒste baldig habhaft zu werden. Also standen wir in der Schlange. Wir fĂŒhlten uns wie zu Hause. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, da vernahmen wir von weit vorne einen Ruf.

„Seht!“, rief ein verdurstender Mitreisender beglĂŒckt, „Seht nur!“ Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift:

…in die DienstleistungswĂŒste

„TRINKEN!“, jubilierten wir und erhoben die HĂ€nde, „ESSEN!“, und etwas unglĂ€ubig, „Badeartikel?“
In diesem Moment brach eine etwas fĂŒlligere Frau vor uns in TrĂ€nen aus. „Ein Pool! Ein POOL!“
TatsĂ€chlich! Kurz nach dem kleinen, weißen, in der Ferne kaum erkennbaren GebĂ€ude, dem „Schwimmbad-Shop“, leuchtete etwas Blaues. Die Verlockung zeriss mich fast. Susanne heulte „Was sollen wir tun?“
„Warten!“, krĂ€chzte ich selbstbeherrscht.

Die gesichtslose Masse am Anfang der Schlange konnte jedoch nicht an sich halten – zu nah war das erfrischende, kĂŒhle Blau des Wassers. Kurzerhand ĂŒberwĂ€ltigten einige von ihnen den KamelfĂŒhrer, der erfolglos versuchte, den Mob in der Schlange zu halten.
„Wollen wir auch in den Pool?“, hauchte Susanne zwischen vertrockneten Lippen hervor.

„Nein“, stöhnte ich, wĂ€hrend ich mir die letzten Schweißtropfen von den Armen leckte. Eines stand fĂŒr mich fest: Egal wie lang diese Schlange sein mochte, ich wĂŒrde aushalten. TRINKEN! ESSEN! Das Kiosk – so weit es auch sein mochte – verkörperte fĂŒr mich die Oase schlechthin. Ich wĂŒrde warten. Warten wĂŒrde ich. Jawoll!

Nach zwei Stunden brach die dicke Frau vor mir zusammen. Ein mitleidiger Mitreisender trat kĂŒhn aus seiner gesicherten Position und zog die GlĂŒckliche bis an den Pool. Dann stĂŒrzte er wieder in die Schlange zurĂŒck. Er musste sich hinten anstellen. Wir hatten eine undurchdringbare Kette gebildet. TRINKEN! ESSEN!

Langsam, sehr langsam ging es vorwĂ€rts. Die gleißende Sonne ließ uns taumeln; an unseren FĂŒĂŸen rasselten die Ketten, die bei jedem Schritt den Sand der WĂŒste aufwirbelten.

Da! Ein Aufschrei! GequĂ€lt blickten wir nach vorne. Von dort kam der Schrei. Vom Ort der Erlösung. Dann noch ein Schrei. Und noch einer. Viele Schreie. Nein, eher GebrĂŒll. WĂŒtendes, verzweifeltes GebrĂŒll einer wĂŒtenden, verzweifelnden Herde. Nervös versuchten wir, einen Blick ins GetĂŒmmel zu erhaschen. Mit einem Male stĂŒrzten alle nach vorne. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass manche versuchten, den KamelfĂŒhrer im Pool zu ersĂ€ufen. Schließlich löste sich die Schlange gĂ€nzlich auf.

Willkommen beim Schwimmbad-Shop in Viernheim.

Eben noch das letzte Glied, standen wir nun direkt vor dem „Schwimmbad-Shop“. Der letzte Schweißtropfen verdampfte zischend in der Luft als wir das lieblos aufgestellte Informationsschild vor den heruntergelassenen Rollladen entzifferten:

„Nur bei schönem Wetter geöffnet. Schönes Wetter ab 60 Grad.“

Entgeistert starrten wir uns an. Dann stĂŒrzten wir in den Pool und halfen, den KamelfĂŒhrer zu ertrĂ€nken!

„MAMAA!“
VerblĂŒfft löste ich meine verkrampften Finger aus dem schwarzen Schopf des Beduinen.
„Maaaamaaa! Aufwachen!“

Etwas KĂŒhles tropfte zwischen meine SchulterblĂ€tter. Langsam öffnete ich die Augen. Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde, bis ich erkannte, wo ich mich befand. Der vertraute Wildwuchs rund um das ehemalige Kinderbecken des Viernheimer Waldschwimmbades ist nicht gerade eine Augenweide, ĂŒberzeugte mich jedoch glaubhaft, nicht in der WĂŒste verdurstet zu sein.

„Ich hab Hunger“, maulte Ella, meine Tochter, „Darf ich mir ein FleischkĂ€sebrötchen holen?“

„TRINKEN! ESSEN!“, flĂŒsterte ich.
„HĂ€?“
„Hat das Kiosk denn auf?“, fragte ich nicht grundlos. Gerade eben entdeckte ich eine Wolke am Himmel.

Shopping-Erlebnis.

Denn man muss wissen:
Der „Schwimmbad-Shop“ im Viernheimer Waldschwimmbad hat nur bei schönem Wetter in Verbindung mit einer gewissen Anzahl an Schwimmbadbesuchern – welche Anzahl das ist, mag nur dem Kiosk-PĂ€chter bekannt sein – geöffnet. Ist es geöffnet, dann ist es in der Regel brĂŒllend heiß und das Schwimmbad brechend voll. Was den PĂ€chter aber noch lange nicht dazu veranlasst, das zweite Fenster des Kiosk-ÂŽ zu öffnen um dort dann evtl. GetrĂ€nke zu verkaufen. Nein, ein Fenster muss reichen fĂŒr Essen und GetrĂ€nke mit einer Ein-Frau-Besetzung und einigen „Zubereitern“ im Hintergrund.

Stolz auf die Schlange?

Trotz allem scheint der PĂ€chter sehr gewissenhaft zu sein. An schlechten Tagen, so erzĂ€hlt man sich – wobei „schlecht“ durchaus individuell und gefĂŒhlt sein kann – sucht er mehrmals die unmittelbare NĂ€he seines Kiosk auf, schaut gen Himmel, entdeckt eine Wolke, zĂ€hlt die BadegĂ€ste ab und geht wieder.

Sollte der Himmel aufreißen und Scharen Einlass begehren, so öffnet er seine kulinarischen Pforten und bietet FleischkĂ€sebrötchen, Pommes und Currywurst gegen wenig Geld. Soweit, so löblich. Die Schlange nimmt er offenbar stolz zur Kenntnis, zeigt sie doch auf, wie begehrt sein Angebot ist.

Hastig wirft er Stuhl und Tisch vor die gitternen Tore des Bades, so dass jeder hungrige Platz nehmen kann. Diese herzlich lieblos gestaltete Umgebung verleitet so manch hungriges Geschöpf, die ergatterte Mahlzeit direkt auf der Liegewiese zu sich zu nehmen. VerstÀndlich.

Wer sitzt schon gerne an heißen Tagen auf heißem Plastik direkt vor GitterstĂ€ben in unmittelbarer NĂ€he zur Straße, zu Toiletten – auch wenn es praktisch erscheinen mag, so harmonieren die gelegentlich herĂŒberwehenden DĂŒfte nicht wirklich mit dem Aroma von Pommes – und mit Blick auf eingezĂ€unten Wildwuchs?

GemĂŒtlich geht anders.

Nun, es ist vielleicht nicht nur mir ein seit Jahren existierendes RÀtsel, welches wohl nie gelöst werden wird, warum die PÀchter des Viernheimer Schwimmbad-Shops offenbar selbst kein Interesse an einem florienden Kiosk aufbringen wollen oder können. Verzeihen Sie mir meine offenen Worte. Niemand kann hinter die Kulissen schauen und ehrlich gesagt, möchte und muss ich das auch nicht.

Dass es auch anders geht, beweisen das Kiosk des Weinheimer Sees oder insbesondere die Gastronomie im Heddesheimer Schwimmbad. Wie sagte ein Freund neulich? „Horche mol. Kummt mol mit ins Heddesheimer Freibad. Do hoggscht wie in die Karibik uff Longschmebel mit de Fieß im Sond.“ Ja, denke ich mir, leider gibt es dort aber kein FĂŒnzig-Meter-Becken wie im Viernheimer Waldschwimmbad.

Potential ist da – auch um die Ecke.

Potential wĂ€re da. Totes Kapital liegt genĂŒgend herum, Ă€hnlich wie die heruntergefallenen Pommes vor dem Ausgabestand, die man sich umstĂ€ndlich aus den Zehen pulen muss, wenn man auch nur am Kiosk vorbeilĂ€uft – bei schönem Wetter wohlgemerkt.

Vor kurzem war schönes Wetter. Es war warm. Nicht heiß, aber warm. Ein paar Wolken zogen ĂŒber den Himmel. Zusammen mit ein paar MĂ€dchen im Alter meiner Tochter schwammen wir ein paar Runden. Dann hatten die MĂ€dchen Hunger. Der Kiosk war geschlossen, wie so oft. Wenn Sie jetzt sagen, dann soll sich die Frau doch etwas mitnehmen, haben Sie recht.

Aber ist das im Sinne des PĂ€chters? Könnte nicht wenigstens die Grundversorgung – eventuell in Form von Brezeln – gesichert sein? Das wĂ€re doch mal ein Anfang. Wir meinen es nicht böse. Wir wollen doch nur ein bisschen VerlĂ€sslichkeit, gesicherte Öffnungszeiten, nett sitzen und die leckeren FleischkĂ€sebrötchen.

Nun, das „Maximum“ direkt neben dem Schwimmbad ist fußlĂ€ufig in 35 Sekunden zu erreichen. Dort warte ich ca. fĂŒnf Minuten in angenehmer AtmosphĂ€re auf eine Pizza- bekomme noch einen Espresso umsonst, weil ich mich jedes Mal ĂŒber die „ServicewĂŒste Viernheimer Waldschwimmbad-Kiosk“ Ă€rgere – und bin nach ungefĂ€hr 8 Minuten – die Zeit der Bestellaufnahme und Bezahlung mit eingerechnet – wieder auf dem Handtuch bei meinen MĂ€dels.

Da habe ich obendrein auch noch ca. 20 Minuten gespart. Warum? So muss niemand von uns 30 Minuten in der Schlange stehen und im gĂŒnstigsten Fall fĂŒr vier MĂ€dchen je ein FleischkĂ€sebrötchen erstehen. FĂŒr Kaffee oder eine „TĂŒte SĂŒĂŸes“ steht man genauso lange. Vorausgesetzt, es ist geöffnet.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

„Und das Licht! So gemĂŒtlich!“ – bei freiem Eintritt


Rhein-Neckar, 09. Mai 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber viellicht auch nur wegen der RealitĂ€t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich die SphĂ€ren. Im Mittelpunkt steht der Mensch und der ist immer ĂŒberraschend. Vor allem die eigenen Eltern. Und vor allem dann, wenn FĂ€sbuk auf Schwarzwald und UrlaubstrĂ€ume trifft.

Von Marietta Herzberger

Es ist unvermeidlich. Drei- bis viermal im Jahr hat irgendeiner im ersten bis zweiten Verwandtschaftsgrad Geburtstag und man findet sich ein. Die LokalitÀt wechselt dabei stÀndig. Mal ist es die Wohnung meiner Eltern, mal unsere, mal der Balkon meiner Eltern oder unsere Terrasse.

Gelegentlich darf es auch mal ein Restaurant sein. Das kommt bei meinen Eltern aber nur in Frage, wenn das Restaurant bekannt, der Koch gut und ebenfalls bei meinem Vater bekannt ist. Die Hauptkriterien sind grundsĂ€tzlich und in jedem Fall der Preis, NĂ€he der GaststĂ€tte sowie GrĂ¶ĂŸe und Konsistenz der Schnitzel und des Kochs. Bevorzugt sind Kegelbahnen mit Anschluss an die Gastronomie und SchĂŒtzenvereine.

Wie bei de Gerda.

„Des schmeckt do fascht so gud wie bei de Gerda, sach ich. Un koschte duts beinoh nix. Do geh mer gern hi, gell Gerda!“, pflegt Hannes zu loben, wenn es geschmeckt hat, reichlich und gĂŒnstig war.

Das Schicksal legte meinen diesjĂ€hrigen Geburtstag auf einen Dienstag. Ich mag Dienstage. Nur nicht an meinem Wiegenfeste. Die obligatorische Einfindung meiner Eltern fand auf unserer Terrasse statt. Nachdem ich morgens meine Kollegen bereits mit reichlich Kuchen und GebĂ€ck beglĂŒcken durfte – selbstgekauft versteht sich, denn von einer perfekten Hausfrau bin ich ungefĂ€hr so weit weg wie Papua Neuguinea von Toiletten mit fließend Wasser – schnitt ich am Nachmittag den in der Vorwoche gekauften und frisch aufgetauten KĂ€sekuchen an.

Bitte glauben Sie nun nicht, meine Eltern wĂ€ren mir auch nur im Ansatz zuwider. Nein, im Gegenteil. Ich liebe sie, wie eine Tochter ihre Eltern nur lieben kann. Mit all ihren kleinen Fehlern und liebenswerten Macken, welche im Alter bisweilen zutage treten. Ich trenne sie nur strikt von meinem Freundeskreis, der an meinen Geburtstagen zu einem anderen Zeitpunkt geladen wird. Aus KostengrĂŒnden und um unertrĂ€gliche GesprĂ€chsspitzen zu vermeiden.

Es klingelt. Der Hund öffnet die TĂŒr. Das Kind stĂŒrzt hinterher. Mein Mann brĂŒllt: „Deine Eltern sind da!“

Schnell lege ich noch Servietten neben die Teller und bearbeite den KĂ€sekuchen leicht mit den FĂ€usten. Wirkt authentischer. Dann haste ich ebenfalls zur TĂŒr. Es ist ein heiteres Willkommen. KĂŒsschen links, KĂŒsschen rechts. Die stets selbstlose Ella will wissen, ob Opa auch ihr Geschenke mitgebracht hat, wĂ€hrend der Hund an Oma Gerda hochspringt und versucht sie abzulecken.

„Der Kuche iss awer gud.“

Mein Mann hilft seinem Schwiegervater Hannes aus der Jacke. Bei Gerda hat das der Hund schon erledigt. Ella versucht ihre Oma in ihr Zimmer zu ziehen, um ihr die neue BettwĂ€sche zu zeigen. Das Ganze spielt sich auf ungefĂ€hr 1,5 qm Flur ab. Schließlich hat jeder sein KĂŒsschen auf der Wange, die Jacke an der Garderobe, GeburtstagswĂŒnsche an mich ĂŒbermittelt und mir das jĂ€hrliche Geldgeschenk nebst Söhnlein Brillant ĂŒberreicht.

Ella ist sauer, weil keiner ihre BettwĂ€sche bewundern will. Ich seufze. Auch das geht vorĂŒber und wir an den Tisch.

„Der Kuche iss awer gud“, lobt mich Papa, „Hoscht den selwer gebagge?“

Mein Mann springt fĂŒr mich in die Bresche: „Schmeckt der wie gekauft, Hannes?“
„Ah nÀÀ, isch froog jo nur.“

„Noch Kaffee?“

„Noch Kaffee?“, lĂ€chele ich meine Mutter an.

„Nee Kind“, winkt sie ab, „du weißt doch, so spĂ€t am Nachmittag-۩dann schlaf ich wieder nicht.“

„Die vertrĂ€gt des nimmer, die Gerda. So iss des hald, wemmer ald werd“, sinniert Hannes.

Gerda nickt bedeutungsschwer: „Na ja, man muss schon auf die ErnĂ€hrung achten. Auch wenn man nicht weiß, wie lange man noch lebt-€©“

Großes Kino: „Wie war denn euer Urlaub?“

Meine Tochter Ella verdreht die Augen und kaut KĂ€sekuchen.

„Wie war denn euer Urlaub?“, wechselt mein Mann galant das Thema.

Ich habe einen guten Ehemann. Er erspĂŒrt negative Schwingungen sofort und steuert dagegen. Anders als ich. Ich steuere immer direkt drauf zu. Wir ergĂ€nzen uns. Aber ich schweife ab-۩

Der Blick, das Licht - 20 Jahre. Urlaub ist was schönes. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Marietta zahlt fĂŒr die Extra-Vorstellung noch nicht mal Eintritt. Bild: wikipedia/Arminia

Leider ist Gegensteuern auch nicht immer die beste Wahl. Unwissentlich gibt er damit den Startschuss fĂŒr Hannes gefĂŒrchtete Monologe.

„Mama?“, mein cleveres Kind erkennt die Situation pfeilschnell und versuchte, sich zu retten, „Darf ich raus, spielen gehen? Ich bin satt.“

„Klar“, sage ich neidvoll und entlasse sie mit einem huldvollen Wink in die Freiheit.

„Also des hĂ€dds bei uns frieher net gewwe“, entrĂŒstet sich Hannes mit erhobenem Zeigefinger, „Mir hĂ€wwe am Tisch sitze bleiwe misse, bis-€©“

„Wo wart ihr in Urlaub?“ Mein Mann beugt sich nach vorne und schaut meinen Vater interessiert an. Wie macht er das nur? Ich lehne mich zurĂŒck, schaue alles andere als interessiert und atme tief.

„Ja, wo war mer in Urlaub?!“, klĂ€fft mein Vater unglĂ€ubig, „Do wo mer immer sin. Seid zwonzisch Johr jetz schun.“

BesĂ€nftigend schiebt sich meine Mutter dazwischen: „Ach Hannes, lass doch“, und zu uns gewandt, „Beim HĂ€userwirt im Schwarzwald. Ihr wisst doch, der mit nur einer Ferienwohnung.“

Wir nicken eifrig und haben nicht den Hauch einer Ahnung.

Hannes haut begeistert mit der Hand auf den Tisch: „Also des iss Ă€ suber Wohnung!“ Kurze Pause. „Awwer pass uff! Die derfter net in FĂ€sbuk oder im Innerned oder so zeige, gell! Sunschd griehe mer die vielleicht nimmer, wenn die donn jeder will!“ Wieder eine kurze, dieses Mal jedoch mahnende Pause. Das Gewicht der Worte soll sich setzen.

„Die hot alles, die Wohnung-€©Ä Kisch mit Gscherrspielmaschien unn e riese Schlofzimmer mit Ă€m riese Bett. „Jo, allerdings…“, Hannes schaut meinen Mann taxierend an, „fer disch kenns e bissl eng werre, so um do so uff die Seit ons Bett zu kumme mit deiner Greeß und deiner Breit-€©“.

„Wie? Ich bin doch noch gar nicht breit!?“ Mein Mann ist sichtlich belustigt. Ich bin peinlich berĂŒhrt und rĂŒhre meinen Kaffee um. Das mache ich bereits seit Beginn des GesprĂ€chs.

„Ja nĂ€, ich mĂ€hn doch so vom Zugang zum Bett her und so. Isse bissl eng, aber mir reicht des.“

„Achso-€©“, allgemeines Nicken. Nur nicht nĂ€her drauf eingehen.

Er fĂ€hrt fort mit seiner Lobeshymne: „Ach, un des Wohnzimmer. So Ă€ großes Wohnzimmer. Net altmodisch. Eher-۩modern. Un Ă€ Leddersofa, eschd Kunschtledder. So Ă€ großes Ums-Eck-Sofa. Do hoscht viel Blatz unn-€©“

„Ach und das Licht“, mischt sich schwĂ€rmend meine Mutter ein, „Wenn man da das Licht anmacht, das ist ja so gemĂŒtlich, so gemĂŒtlich. Da kann man abends sitzen -۩ach, so gemĂŒtlich.“

Suttereng

Hannes pflichtet ihr begeistert bei: „Die Terrass! Die Terass. So schee. Wonn du do drausse hogscht-€©“

„Ja, so gemĂŒtlich! Und das Licht!“ Mutters Augen glĂ€nzen.

„Möchte jemand ein Bier?“, fragt mein Mann. Ich nicke benommen. Eigentlich trinke ich kein Bier. Aber die Kaffetasse ist leer und Bier ist besser als gar kein Alkohol.

„Des iss so schee, wonn du do hoggscht. Okay, die Aussicht iss net so toll, weil do de Parkplatz direkt vor de Terass iss-¾ aber-€©“

„-۩das Licht. So gemĂŒtlich“, ergĂ€nzt Mama.

Prost, ein Bier aufs Licht!

Hannes nippt am seinem Bier: „ Also-€©die Wohnung-€©so was Guudes.“

„Und das Licht!“

„In de Kisch steht-®n riese Tisch. Do konscht dro sitze.“ Hannes wackelt leicht mit dem Kopf: „Un die Leit, die am Fenschder vorbei laafe, die stere net.“
Gerda nickt zustimmend.

„Wisster, die Wohnung liegt im Suttereng, do kenne die Leit net so nei gucke, wonn se vorbei laafe. Auch net ins Schlofzimmer. Awwer mer sinn jo Friehuffsteher!“
FrĂŒhaufsteher? Was? Habe ich etwas verpasst? Kurz eingenickt?

„Wieso FrĂŒhaufsteher?“, frage ich perplex.

Vom Vogel, vom FrĂŒhaufsteher und BrieftrĂ€ger.

„Ah, weil uns donn de BrieftrĂ€ger net steert.“

Nun ist auch mein weiser, stets jeder Situation gewachsener Mann irritiert: „BrieftrĂ€ger?“

„Ei jo, weil doch die BriefkĂ€schde direkt am Schlofzimmer sin, so vun ausse, verschdehscht?“

Gerda lĂ€chelt erhaben: „Ja, wenn der BrieftrĂ€ger morgens um sechs Uhr die Briefe einwirft, dann sind wir ja schon lange wach.“

„De friehe Vogel,-€©kennt er doch, des Sprichword, gell?“

MĂŒde lĂ€chle ich meinen Vater an. Was will ich eigentlich? Andere zahlen fĂŒr so was Eintritt.

„Und das Licht! So gemĂŒtlich!“

„Gerda, mir packens. Danke fer den leckere Kuche und des Bier“, sagt mein Vater und drĂ€ngt seine Frau. Ella zeigt ihr noch schnell die BettwĂ€sche, mein Mann rĂ€umt auf.

„Un ja ned ins FĂ€sbuk stelle, sonschd gibt’s Ärscher“, sagt mein Vater noch. „Nein, Papa, bestimmt nicht.“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!