Freitag, 24. November 2017

Debatte um ZOB-Namensfindung

Namen sind Andenken

Weinheim, 22. Januar 2014. (red/pro) Welchen Namen soll der neue Platz des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) tragen? Ist das eine Frage, die hinter wichtigeren zurĂŒckbleibt, wie die Weinheimer Nachrichten meinen? Oder eine, die man per Online-Umfrage klĂ€ren sollte? Oder eine, die vielleicht wichtiger ist, als mancher denkt? Ein Essay. [Weiterlesen…]

Recherchefragen an die Weinheimer Nachrichten bleiben ohne Antwort

Wie kommen eigentlich Originalzitate in die Zeitung?

Weinheim, 08. MĂ€rz 2013. (red/pro) Die Tageszeitung Weinheimer Nachrichten ist ein sehr besonderes Medium. Der Redaktion gelingt das Unmögliche: Sie berichtet mit einer Vielzahl von wörtlichen Zitaten aus der vergangenen Gemeinderatssitzung – und dass, obwohl kein Mitarbeiter der Redaktion zugegen war. Ist das Voodoo, Zauberei? Oder verfĂŒgen die Mitarbeiter dieses Provinzblatts ĂŒber ganz außerordentliche investigative FĂ€higkeiten? Wir wollten das gerne genauer wissen und haben nachgefragt. Das Ergebnis: Intransparentes Schweigen. [Weiterlesen…]

Weinheimer Nachrichten und NPD nutzen sich wechselseitig in der "Pröhl-Kampagne"

NPD fĂŒhlt sich durch die WN „nicht in den wesentlichen Punkten“ wiedergegeben

Weinheim, 04. Februar 2013. (red) Die Weinheimer Nachrichten (WN), sonst vollstĂ€ndig unverdĂ€chtig, sich durch investigative Recherche im politischen Raum hervorzutun, machen weiter Front gegen den 27-jĂ€hrigen CDU-Stadtrat Sascha Pröhl. In einem kurzen Bericht, der im wesentlichen nur bereits bekannte Informationen zusammenfasst, thematisiert die Zeitung, dass die rechtsextreme NPD sich „solidarisch“ mit Sascha Pröhl im Zusammenhang mit der ihm vorgeworfenen „Rechtslastigkeit“ erklĂ€rt habe. Die Botschaft: „NPD steht zu Pröhl“. Ist das eine Nachricht? Die rechtsextreme Partei erklĂ€rt auf Nachfrage, dass die Zeitung den Inhalt einer kurzen Pressemitteilung „nicht im wesentlichen wiedergegeben“ habe. Das ist eigentlich auch keine Nachricht. Aber Anlass, Fragen zu stellen und Einordnungen zu treffen.

Von Hardy Prothmann

Was ist los mit dieser Zeitung? Tut die kolportierte NĂ€he einzelner Redaktionsmitglieder mit der SPD nicht gut? Wie uns zugetragen worden ist, sollen der WN-Redakteur Sandro Furlan und Stella Kirgiane-Efremidis, Vorsitzende der „linken“ SPD, einen neudeutsch guten „Link“ haben. Macht man sich deshalb zum Komplizen einer politischen Kampagne? Oder gibt es persönliche Aversionen? Oder hat man sonst nichts zu tun?

Grundlage fĂŒr die Kampagne in den Weinheimer Nachrichten ist eine in der Weinheimer Politik unbekannte Person namens Julian Christ, der zugleich seit 2012 Beirat im SPD-Vorstand des Ortsvereins ist, als auch Mitglied der Jusos – bis heute ist unklar, ob Christ auf eigene Faust oder mit Wissen der VorstĂ€nde von Jusos und SPD gehandelt hat.

Im Visier der „RĂŒckendeckung“

Die Zielperson ist der CDU-Stadtrat Sascha Pröhl. Im Namen der Jusos forderte Julian Christ, dass Sascha Pröhl von einer Funktion als Delegierter im Stadtjugendring zurĂŒcktreten soll, die er gar nicht inne hat. Auch die SPD meldet sich nach Meldungen der Zeitung in der Position der SPD-Vorsitzenden Stella Kirgiane-Efremidis zu Wort, die die VorwĂŒrfe prĂŒfen will und dann schweigt. Auch Schweigen kann beredsam sein.

Und am Samstag legt die Zeitung nach:

Pröhl verzichtet auf RĂŒckendeckung,

heißt die Überschrift zu einem Text, in dem Sascha Pröhl die SolidaritĂ€tsbekundungen der NPD in einem Satz auf „Nachfrage“ der Weinheimer Nachrichten zurĂŒckweisen darf.

Keine PrĂŒfungen, dafĂŒr aber Korrekturen

Handelt es sich hier noch um „seriösen Journalismus“ oder wird hier frei von Recherchen versucht, etwas herbeizuschreiben, was irgendwie nach einem Skandal klingt? Oder ist die Aktion am Ende eine zwischen Jusos, SPD und Redakteuren der Weinheimer Nachrichten verabredete Kampagne? Die Frage muss man stellen, denn eine ordentliche PrĂŒfung der „rechtslastigen“ AnwĂŒrfe an Stadtrat Pröhl ist in der Berichterstattung nicht erkennbar. Die Zeitung hat sich selbst schon korrigiert, da die kolportierten Informationen, die rechte Zeitung „Junge Freiheit“ werde „vom Verfassungsschutz beobachtet“ schlicht und ergreifend falsch waren. Das hindert die WN aber nicht, die Kampagne gegen Pröhl weiterzufĂŒhren.

Auf welcher Recherchebasis? Auf genau keiner. Und das wiederholt ungenau. Der NPD-Kreisverband Rhein-Neckar hat der Zeitung eine Mitteilung zukommen lassen. Daraus zitiert die Zeitung folgendermaßen:

Der NPD-Kreisverband Rhein-Neckar zeigt sich in einer Pressemitteilung „solidarisch mit dem in die Schusslinie geratenen Stadtrat Pröhl.“

Auf Nachfrage hat uns die NPD die Mitteilung zukommen lassen. Dort steht im Original:

Der NPD-Kreisverband Rhein-Neckar zeigt sich solidarisch mit dem in die Schusslinie des „Kampfes gegen Rechts“ geratenen Stadtrat Pröhl (CDU). Der selbsternannte „Antifaschismus“ scheint einmal mehr gegen alles vorzugehen, was nicht der eigenen Meinung entspricht. Mittel fĂŒr dieses Vorgehen ist immer wieder die berĂŒchtigte „Nazikeule“. Mit Meinungsfreiheit hat dies lĂ€ngst nichts mehr zu tun.

Der Weinheimer NPD-Vorsitzende Jan Jaeschke betont in seinem Antwortschreiben an uns:

Leider haben die Weinheimer Nachrichten diese (Mitteilung, Anm. d. Red.) nicht in ihren wesentlichen Punkten wieder gegeben. Wir betonen ausdrĂŒcklich, dass Herr Pröhl in keinerlei Verbindung zu uns steht.

In der Mitteilung der rechtsextremen Partei wird weiter betont, dass die CDU „viel zu weit nach links gerĂŒckt“ sei. Die AnwĂŒrfe gegen Pröhl bezeichnet der Kreisverband der rechtsextremen Partei als „lĂ€cherlich“, sieht „große Schichten der Bevölkerung kriminalisiert“ und hofft, dass die „CDU standhaft bleiben möge und nicht vor den Anschuldigungen von SPD und JuSo einknicken“ soll.

Solche akklamatorischen „Pressemitteilungen“ erreichen uns stĂ€ndig. Von allen Parteien, von BĂŒndnissen, von Initiativen – alle halten sich fĂŒr wichtig. Sind sie es auch? Professioneller Journalismus sortiert aus, ordnet ein und reicht dann nach eigener (subjektiv/objektiver) EinschĂ€tzung fĂŒr die Leser/innen wichtige Informationen weiter. Wie die Sortierung, Ordnung und Gewichtung passiert, macht die QualitĂ€t des Mediums aus.

Schweinejournalismus als Steigerung von Bratwurstjournalismus

Der Schweinejournalismus, wie ihn der Redakteur der Weinheimer Nachrichten, Sandro Furlan, betreibt, folgt dem Prinzip, „eine Sau durch’s Dorf zu treiben“. Schweinejournalismus ist eine andere Spielart von Bratwurstjournalismus, bei der „Wettergötter den GĂ€sten gnĂ€dig“ sind, der „kĂŒhle Gestensaft in Strömen fließt“ und die „Luft erfĂŒllt ist vom Duft leckerer BratwĂŒrste“. Mit einem Wort: Nicht-Nachrichten, inhaltslose Leere wird durch Pseudo-Informationen aufgepumpt. Statt Journalismus wird Blabla produziert. Der Unterschied zwischen Bratwurstjournalismus und Schweinejournalismus ist: Bratwurstjournalismus langweilt, Schweinejournalismus schĂ€digt.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum die SolidaritĂ€tsbekundung der NPD in der Zeitung thematisiert wird. Denn diese besteht auch ĂŒberwiegend aus dem Pumpen leerer Luft. Die NPD hat den Streit um die AnwĂŒrfe einer „Rechtslastigkeit“ bei Sascha Pröhl als willkommene Steilvorlage gewĂ€hlt, um sich zu Ă€ußern. Und sie hat ihr Ziel erreicht – die Weinheimer Nachrichten, die sonst ihre Leser/innen vollstĂ€ndig nicht informieren, dass der zur Zeit umtriebigste politische Vertreter der rechtsextremen NPD der Weinheimer BĂŒrger Jan Jaeschke ist, verwendet diese NPD-„Mitteilung“, um die Kampagne gegen Sascha Pröhl voranzutreiben.

Wann haben die Abonnenten der Weinheimer Nachrichten zuletzt etwas ĂŒber den NPD-StĂŒtzpunkt Weinheim lesen können? Allein im vergangenen Jahr gab es fĂŒnf Demos der Ultrarechten im Raum – quasi vor der HaustĂŒr, in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen. Immer mit dabei: Jan Jaeschke aus Weinheim. Eine zumindest nachrichtliche Berichterstattung in den „WN“? Fehlanzeige. Deren Slogan ist aber: „Die Region ist unsere Welt“.

NPD in Weinheim kein Thema – „Rechtslastigkeit“ von Pröhl schon

Man nutzt also lieber den braunen Beelzebub um den schwarzen Teufel auszutreiben? Das erinnert an Biedermann und die Brandstifter. Vor allem, wenn es durch eine rostig-rote Erinnerung an etwas getrieben ist, was immer weniger oft vorkommt: Inhaltliche Relevanz. Welche Rolle spielen die Jusos in der Weinheimer Nachwuchspolitik? Keine? Die Kolportierung der Jusos-VorwĂŒrfe ist ein bedauerliches StĂŒck journalistischer Desorientierung und redaktioneller Unverantwortlichkeit. Der Journalist Sandro Furlan und diese Zeitung schaffen es sogar in dieser Mitteilung, den Namen Jaeschke und seine Verbindung zu Weinheim zu verschweigen. Warum? Weil Sascha Pröhl als der Rechtsextremist in Weinheim aufgebauscht werden soll?

Die ErwĂ€hnung von Sascha Pröhl in der Mitteilung der NPD hat ungefĂ€hr denselben Wert wie das Posten eines Beitrags der Weinheimer Nachrichten auf dem Facebook-Portal der NPD Rhein-Neckar. Dort werden stĂ€ndig BeitrĂ€ge aus der Zeitung gepostet. Soll man daraus die Schlagzeile basteln: „Weinheimer Nachrichten dulden Artikel-Postings der NPD – wie rechts ist die Zeitung wirklich?“. Auch die „Heute-Show“ wird dort gepostet. Folgt daraus die Schlagzeile: „Wie rechts ist Oliver Welke, dass er der NPD Postings erlaubt?“

Der CDU-Stadtrat Sascha Pröhl hat keine Chance, sich gegen diese Schweinejournalismus-Kampagne zu wehren. Die Unterstellung einer politischen Gesinnung ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts durch die Meinungsfreiheit erlaubt. Eine Gegendarstellung kann er nicht durchsetzen, weil nicht er, sondern die NPD zitiert wird.

Schweinsgalopp und am Ende kein „Arsch in der Hose“

Die einzige Chance, die bleibt, ist, dass der WN-Redakteur einen Rest – und hier werde ich umgangssprachlich – „Arsch in der Hose“ hat, seinen Schweinsgalopp zu beenden und sich in der Zeitung von seiner Berichterstattung und der seines Kollegen Carsten Propp zu distanzieren. Außer, er liefert knallharte Fakten, die die AnwĂŒrfe gegen Sascha Pröhl stichhaltig untermauen.

Bedauerlich ist, dass sowohl die Hoffnung auf den „Arsch in der Hose“ als auch die knallharten Fakten ziemlich unbegrĂŒndet sein dĂŒrften.

Meine persönliche Meinung dazu? Ich Ă€rgere mich immens ĂŒber diese Art von schlechtem Journalismus, weil alle, die den Job gut und verantwortlich machen, durch die Schweinejournalisten mit durch’s Dorf getrieben werden. Journalisten? Die lĂŒgen doch eh alle. Kleine Kostprobe?

Vielmehr ist dieses Verhalten der Meinungsfreiheit hinderlich.

Das teilt die NPD in ihrer „Pressemitteilung“ mit. Die rechtsextreme Partei liegt damit (bewusst?) falsch – Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man nicht frei ist, Blödsinn zu Ă€ußern. Die Folgen aber sind fatal. Die GlaubwĂŒrdigkeit von Medien wird nachhaltig geschĂ€digt – durch Leute wie Furlan und Zeitungen wie die Weinheimer Nachrichten.

Selbstverteidigung

Leider lesen immer weniger Menschen Zeitungen – weil sie zu bratwurstig oder schweinejournalistisch sind. Und leider interessieren sich immer weniger Menschen fĂŒr Politik. Und leider sind dafĂŒr viele Medien selbst mit verantwortlich, weil sie ein schlechtes Produkt mit minderwertigen Inhalten anbieten.

Leser/innen, die unsere Berichterstattung verfolgen, wissen, dass wir immer wieder minderwertige journalistische Fehlleistungen bei anderen „problematisieren“. Gerne tun wir das nicht, aber „gerne“ wird uns und vor allem mir persönlich unterstellt, ich nutzte das fĂŒr eine „Skandalisierung“ aus.

Dieser Vorwurf ist ebenfalls falsch. Ich habe die Hoffnung, dass durch das „den Finger in die Wunde legen“ der Schmerzpegel steigt und ebenso der Wille zur Heilung. Eine Distanzierung von schlechtem Journalismus ist eine Art Selbstverteidigung gegenĂŒber dem verwahrlosten Zustand in Teilen der Branche. Wer bis hier gelesen hat, fĂ€ngt wieder vorne beim Texteinstieg an zu lesen und fragt sich: „Was ist lost mit dieser Zeitung?“

Ja, Herr Furlan, Sie zuallererst. Und gerne auch Herr Propp.

Initiative BĂŒrgerbegehren Breitwiesen wundert sich ĂŒber Rathaus-„Kommunikation“

Weinheim, 16. November 2010. (red/pm) NĂ€chste Runde im Konflikt „Breitwiesen“. Die Initiative BĂŒrgerbegehren Breitwiesen „wundert“ sich in einer Stellungnahme ĂŒber die Kommunikation des Rathauses. Vor allem die Weitergabe einer persönlichen email an die Presse, die der erste BĂŒrgermeister Dr. Torsten Fetzner an Frau Hagenbruch geschrieben hatte. Die email liegt uns auch vor, wurde aber nach PrĂŒfung nicht verwendet, die Weinheimer Nachrichten zitierten daraus.
Weiter wundert sich die Initative ĂŒber eine unverbindliche Stellungnahme des RegierungsprĂ€sidium. Wir hatten dort zur Sachlage nachgefragt. In Karlsruhe war diese angeblich noch nicht bekannt – sehr verwunderlich, weil sich die Stadtspitze als sehr sicher in der EinschĂ€tzung der juristischen Lage gibt.
TatsĂ€chlich ist der Fall mindestens interessant, wenn nicht sogar absolutes Neuland. Auch eine RĂŒckfrage von uns bei einem Experten der Fachhochschule Kehl brachte nur den Verweis auf einen „Spezialfall“, zu dem keine Kenntnisse vorlagen.
Wir dokumentieren die Stellungnahme der Initiative.
Pressemitteilung der Initiative BĂŒrgerbegehren Breitwiesen:
„Kommunikation statt Konfrontation – das wĂŒnscht sich die Initiative BĂŒrgerbegehren Breitwiesen.

Über die ZulĂ€ssigkeit des BĂŒrgerbegehrens „SchĂŒtzt die Weinheimer Breitwiesen“ haben sich die Initiatoren schon viele Gedanken gemacht. Ergebnis: „Wenn die Stadt oder auch das RegierungsprĂ€sidium die ZulĂ€ssigkeit in Zweifel ziehen, so verbirgt sich dahinter eine deutliche GeringschĂ€tzung des BĂŒrgerwillens“, so die Initiative in einer Pressemitteilung. „Wann, wenn nicht direkt nach der allerersten Wegbereitung in Richtung einer NutzungsĂ€nderung darf sich denn der BĂŒrger einschalten?“ wird weiter gefragt. Zumal der OberbĂŒrgermeister mehrfach betont habe, dass noch gar nichts entschieden sei.

Der Initiative geht es aber auch um die Art der VerstĂ€ndigung mit der Verwaltung. „Die Kommunikation des Ersten BĂŒrgermeisters gegenĂŒber den BĂŒrgern war bisher vorbildlich, wird Dr. Torsten Fetzner gelobt. Nun aber wundert sich die Initiative „BĂŒrgerbegehren Breitwiesen“ ĂŒber eigenartige Wege: Erst ĂŒber Zeitungsberichte wurde deutlich, dass eine an Ingrid Hagenbruch persönlich gerichtete E-Mail von Herrn Dr. Fetzner auch der Presse zuging, ohne dass dies fĂŒr die eigentliche EmpfĂ€ngerin erkennbar war. „Dieses Verfahren ist sehr befremdlich“, bemerkt dazu RechtsanwĂ€ltin Hagenbruch, die den Bauernverband mit dem erfahrenen „BĂŒndnis fĂŒr Weinheim“ nicht nur fachlich unterstĂŒtzt.

Besonders erstaunt zeigt sich die Initiative ĂŒber den geĂ€nderten Ton aus dem Rathaus. So hatte es kurz nach Bekanntgabe des BĂŒrgerbegehrens noch von der Verwaltungsspitze geheißen, dass ein BĂŒrgerbegehren selbstverstĂ€ndlich respektiert werde. „Ein solcher Weg ist ja ausdrĂŒcklich in der Gemeindeordnung vorgesehen und daher auch das gute Recht jedes BĂŒrgers, “ war im stĂ€dtischen Statement zu erfahren.

Nun wird in der neuen Nachricht des Ersten BĂŒrgermeisters ein GesprĂ€ch angeboten, ĂŒberschrieben allerdings mit dem Betreff „Kommunikation statt Konfrontation“. Da fragen sich die UnterstĂŒtzer des BĂŒrgerbegehrens, ob denn nun ihre demokratische  Initiative als Konfrontation aufgefasst wird.

Hierzu stellt Hagenbruch klar: „Ein BĂŒrgerbegehren ist keine Konfrontation, wie dies im Rathaus bezeichnet wurde, sondern ein legitimes Instrument, das BĂŒrger auf der Grundlage der Gemeindeordnung nutzen können.“ SelbstverstĂ€ndlich sei man beim Bauernverband, dem BĂŒndnis fĂŒr Weinheim und der Initiative Breitwiesen zu GesprĂ€chen bereit.

GeprĂŒft werde derzeit auch, wie sich die fehlerhaften Informationen ĂŒber die zeitlichen Vorgaben des Regionalplans auswirken.

„Wenn jedoch jetzt der Erste BĂŒrgermeister in einer informellen Mitteilung die ZulĂ€ssigkeit eines  BĂŒrgerbegehrens bereits im Vorfeld in Frage stellt, dann ist dies unangebracht und entspricht weder einer bĂŒrgernahen Haltung noch grĂŒndlicher rechtlicher PrĂŒfung.

Es dĂŒrfte nicht außergewöhnlich sein, dass außerhalb der Verwaltung  andere Meinungen und Rechtsauffassungen zu grundsĂ€tzlichen Fragen vertreten werden. Es dĂŒrfe doch wohl bezweifelt werden, ob eine als alternativlos dargestellte Verwaltungsvorlage mit dem kĂŒnstlich aufgebauten Zeitdruck  zu einer Ratsentscheidung fĂŒhren konnte, die tatsĂ€chlich die Interessen der Bevölkerung widerspiegelt.
Daher sieht die Gemeindeordnung in grundsĂ€tzlichen Fragen – und um eine solche handelt es sich, wie der OB mehrfach betonte – die Möglichkeit vor, dass der Gemeinderat (wohlgemerkt: nicht die Verwaltung) eine Entscheidung den BĂŒrgern ĂŒbertrĂ€gt. Eine Blamage wĂ€re es allerdings fĂŒr eine Stadtverwaltung, BĂŒrgerbeteiligung in grundsĂ€tzlichen Fragen von vornherein abzulehnen oder zu erschweren.“
Eine Stadt, die sich damit gegen ihre BĂŒrger stellt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Mit Befremden nimmt die Initiative zur Kenntnis, dass sich angeblich die Aufsichtsbehörde zur ZulĂ€ssigkeit eines Begehrens geĂ€ußert habe, welches noch nicht einmal eingereicht wurde.
Hierzu wird darauf hingewiesen, dass der Vergleich mit einem Fall in Rheinstetten schon daran scheitert, dass der  Sachverhalt hier ganz anders gelagert ist.
Eine BĂŒrgerbeteiligung im jetzigen Stadium ist zulĂ€ssig. WĂŒrde dies anders gesehen, gĂ€be es wohl kaum noch eine Fallkonstellation, in der BĂŒrger ĂŒber grundsĂ€tzliche Fragen mitentscheiden können, so wie es die Gemeindeordnung vorsieht.

Abschließend weist die Initiative darauf hin, dass andernorts das „Zukunftsmodell BĂŒrgerbeteiligung“ sogar so aussĂ€he, dass auf der stĂ€dtischen Homepage Anleitung hierfĂŒr gegeben werde. Die Initiative muss daher fragen: „Wie weit ist Weinheim hiervon entfernt? Wie viel erfolgreicher könnte die Arbeit der Kommune durch direkte Beteiligung der BĂŒrger gestaltet werden?“

Die Initiative appelliert daher an Verwaltung und Gemeinderat, die BĂŒrger demokratisch zu beteiligen und ĂŒber diese grundsĂ€tzliche Frage mitentscheiden zu lassen.“

Zur Sache: Die „unselige“ Berichterstattung im Mannheimer Morgen


Schere, Kluft, Arm, Reich - wichtiges Thema. Beim "MM" von "außen besetzt". Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar, 20. Juli 2011. (red) Die Entwicklung ist dramatisch – sowohl fĂŒr BeschĂ€ftige mit niedrigen Einkommen als auch fĂŒr Abonnenten des Mannheimer Morgen. In der heutigen Ausgabe benennt die Zeitung „Geringverdiener zu Verlierern“, berichtet weiter auf Seite 5 unter „Wirtschaft“ zu „Kluft zwischen Arm und Reich wĂ€chst“ und kommentiert die „unselige Schere“. Dahinter steckt sehr viel „Unseligkeit“. Auch eine journalistische. Und einen nicht vorhandene Transparenz.

Von Hardy Prothmann

Der MM „berichtet“ also und „kommentiert“ – so scheint es zumindest.

TatsĂ€chlich steht auf Seite 1 ein Text von „unserem Korrespondenten“ Wolfgang Mulke. Der kommentiert auch auf Seite 5. Dort steht ein weiterer Bericht „von dpa-Korrespondenten (sic!) Bernd Röder“.

Diese Berichterstattung ist keine eigene, redaktionelle Leistung des Mannheimer Morgens. Sie ist eingekauft. Von der Agentur „die-korrespondenten.de„, bei der Wolfgang Mulke arbeitet und bei dpa, der Deutschen Presse-Agentur.

„Dein“, „Mein“, „Unser“ – der „MM“ ist fĂŒr „uns“ alle da – oder doch nicht?

Mal abgesehen von dem Grammatik-Fehler bei Herrn Röder… – ist Herr Mulke tatsĂ€chlich „unser Korrespondent“, wie der MM das behauptet? TatsĂ€chlich arbeiten „die-korrespondenten.de“ fĂŒr viele Zeitungen. Ebenso wie dpa.

Das geht auch in Ordnung.

Wer sich diese Dienstleistung als „unser“, sprich „eigene“ aneignet, ist aber nicht wirklich ehrlich gegenĂŒber den Leserinnen und Lesern.

Denn es ist keine eigene, redaktionell-journalistische Leistung der Zeitung. Beim GemĂŒsehĂ€ndler wĂŒrden man unter „unser Anbau“ erwarten, dass der Apfel auch aus „unserem“ Garten kommt. Bei der Zeitung ist das „abstrakter“.

Es scheint, als informierten Korrespondenten exklusiv fĂŒr die Zeitung. TatsĂ€chlich ist der MM nur eine von vielen Zeitungen, die tagtĂ€glich bei Dienstleistern Informationen einkaufen und diese verbreiten. „Unser Korrespondent“ ist aber eine gewagte Behauptung. Denn „unser“ signalisiert „ExklusivitĂ€t“. TatsĂ€chlich ist das meistens nicht so.

Das aktuelle Thema beschĂ€ftigt sich mit der „Lohnschere“ und Wolfgang Mulke schreibt einen wirklich guten Kommentar. Kritisch, auf den Punkt. Immer mehr Menschen werden in Billigjobs gedrĂ€ngt: „Sie sind trotz Arbeit arm dran.“ Der Satz beschreibt Lebensschicksale.

Wir haben schon „gestern“ darĂŒber berichtet – schneller und mit eigener Recherche:
http://rheinneckarblog.de/2011/07/19/diw-kaufkraft-sinkt-wer-wenig-hatt-hat-noch-weniger/

„Lebensschicksale“ werden vermutlich auch bei der Zeitung Mannheimer Morgen beschrieben, ohne dass sie benannt werden:

„Denn immer mehr BeschĂ€ftige bekommen nur schlecht bezahlte Stellen“,

ist eine treffende Analyse und dĂŒrfte auf alle ZeitungsaustrĂ€ger und viele „freie Mitarbeiter“ der Zeitung zutreffen.“

„Lebenschicksale“ – schlecht, schlechter, noch schlechter bezahlt gilt vor allem fĂŒr „freie Mitarbeiter“. Von Zeitungen.

In den vergangenen Wochen haben ver.di und der Deutsche Journalistenverband zu Streiks aufgerufen – Zeitungsabonnenten haben das an den „dĂŒnnen“ Ausgaben festgestellt.

Denn die deutschen Zeitungsverleger wollen nicht nur keine „Lohnanpassungen“ vornehmen – nein, ganz im Gegenteil, sie wollen teils bis zu 25 Prozent weniger fĂŒr BerufsanfĂ€nger zahlen. Sie sind aktiver Teil des Systems, dass Menschen Arbeit gibt, die trotz BeschĂ€ftigung „arm dran sind“.

Gleichzeitig wollen diese Verleger eine Leistungsschutzabgabe erstreiten, eine Art LizenzgebĂŒhr, die alle Teile der Wirtschaft, der Verwaltung, insgesamt die gesamte Öffentlichkeit trifft: Sobald jemand eine „Zeitung“ zitiert, soll Geld fließen. An die Verleger. Das ist zwar sehr vereinfacht dargestellt, aber im Prinzip das, was sich die Verleger wĂŒnschen. Dieser „Leistungsschutz“ kommt aber niemals bei den „Urhebern“ an, also den Schreibern, sondern bei den „Verbreitern“, also den Verlegern.

Die allermeisten Lokalzeitungen zahlen Zeilenhonorare, die jenseits von „Gut und Böse“ sind, wenn man das Geld auf „Mindestlohn pro Stunde“ umrechnet. Wer auf sechs Euro pro Stunde kommt, kann sich glĂŒcklich schĂ€tzen. Fotografen sollen beim MM beispielsweise fĂŒr Fotos fĂŒr die Online-Galerien genau nichts erhalten. Das ist eine „Service-Leistung“, die erwartet wird. Wer der nicht nachkommt, muss damit rechnen, dass „bezahlte Jobs“ weniger werden.

Große Teile der Zeitung sind mittlerweile „Discount-Ware“. Irgendwo hergestellt und massenhaft verbreitet – die Leserinnen und Leser können diese „Nachrichten“ umsonst und zuhauf ĂŒberall im Internet finden. Selbst scheinbar „exklusive“ Themen sind nichts weiter als „zugeschickt“ verbreitete Informationen von Ämtern, Vereinen oder Firmen.

Trotzdem gibt es immer noch genug gutglĂ€ubige „Abonennten“, die fĂŒr „ExklusivitĂ€t“ zwanzig bis dreißig Euro pro Monat zahlen. Wer sich „kundig“ macht, stellt den Preis in Frage.

Zeitung heute? Sowas wie ein „Ein-Euro-Shop“.

Kein Wunder, dass immer mehr Abonnenten kĂŒndigen – „QualitĂ€tsjournalismus“ wird schon lange nicht mehr geboten.

Stopp. Der Kommentar von Wolfgang Mulke ist guter QualitÀtsjournalismus. Er benennt Fehlentwicklungen. Prangert an.

Leider fehlt es an der Transparenz in der eigenen Zeitung, was man Herrn Mulke nicht vorwerfen kann. Soll er etwa thematisieren, wie es um die „Niedriglohnpolitik“ des MM bestellt ist? Und sich Ärger einhandeln und nicht mehr „gebucht“ werden? Auch Herr Mulke muss sein GeschĂ€ft machen.

Ich selbst war auch mal „freier Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgen. Von 1991-1994. Damals habe ich fĂŒr 55 Pfenning „die Zeile“ geschrieben. In einem Monat habe ich mal rund 1.400 Mark „verdient“. Im „Schnitt“ bedeutete das pro Tag ein bis zwei „Artikel“. Rund eine Stunde hin und zurĂŒck zum Termin. Ein bis drei Stunden vor Ort. Eine Stunde Vorbereitung. Ein Stunde Schreiben. Oder vielleicht-  mehr. Zwei, drei, vier Stunden, GesprĂ€che, Telefonate, Treffen – wenn mir das „Thema“ wichtig war.

Und die „Themen“ waren wichtig – zumindest mir. Und den Menschen, die „betroffen“ waren.

Einige Texte waren nur 40-Zeiler. Einige lĂ€nger, vielleicht 120-Zeiler (drei bis vier Spalten-Texte). Mit echter „Recherche“, viel Aufwand, stundenlangen GesprĂ€chen. Terminen. Die Arbeit war sehr aufwĂ€ndig, hat aber „Spaß“ gemacht.

Wenn es „gut“ lief, waren das also vier Stunden fĂŒr 25 Mark oder rund sechs Mark die Stunde. Wenn es schlecht lief, waren es sechs oder mehr Stunden. Also nur vier Mark die Stunde. Das war 1994.

„Berechenbare Information?“ – Klar, auf dem Niveau von 55 Pfenning. Pro Zeile.

Oft haute die „Rechnung“ auch nicht hin. Dann war es „Berufsethos“. Ruhm und Ehre. Wichtiger als Geld.

Wenn man das „System“ kapiert oder „im Stoff stand“, konnte man die „Stunde Vorbereitung streichen“ und wenn man clever war, „hin und zurĂŒck“ mit möglichst vielen Terminen verbinden – was meistens Wochend- und Abendtermine beinhaltete.

Und wenn man „noch besser“ verstanden hatte, „dichtete“ man irgendwelchen Blödsinn, Hauptsache, alle waren zufrieden, es war ein tolles Ereignis, es war schön und nochmal, alle waren zufrieden. Um der „Erwartung“ der Redaktionsleitung zu genĂŒgen, aber auch, um wenigstens ein bisschen anstĂ€ndig zu verdienen, schreibt man dann halt solchen Mist.

Die Verlage haben in dieser Zeit zweistellige Umsatzrenditen geschrieben.

Am 20. Juli 2011 lese ich im Mannheimer Morgen einen Kommentar ĂŒber die „unselige Schere“. Der Kommentar trifft den Punkt. Er ist kritisch und korrekt. Er beschreibt Lebensschicksale. Der Journalist Wolfgang Mulke hat einen korrekten Job gemacht.

Gibt es eigentlich keine Journalisten beim MM, die genauso hÀtten schreiben können? Das ist meine Frage. Wieso ist die Redaktion nicht in der Lage, das Thema zu berichten und zu lokalisieren?

Schupsen die „Redakteure“ nur noch Bratwurstfeste und gute Stimmungen oder haben sie noch irgendeinen Funken Ehrgeiz in sich, wirklich gute Journalisten zu sein?

Eine der hĂ€rtesten „Branchen“ in Sachen „Mindestlöhne“ ist der Journalismus.

Oder ist es die Schockstarre, dass sie Teil des Systems sind und niemals ehrlich ĂŒber Mindestlöhne, Ausbeutung und unhaltbare ZustĂ€nde ĂŒber andere berichten können, ohne sich selbst zu meinen?

Mir tun die „Kollegen“ wirklich leid, aber ich habe kein Mitleid mit ihnen.

Ich kann jeden verstehen, der seinen „Vorteil“ retten will, aber ich verachte auch jeden, der sich dabei noch „Journalist“ nennt und so tut, als sei er im Auftrag der „Öffentlichkeit“ unterwegs.

Der MM ist Teil dieser Ausbeuter-Wirtschaft, die Menschen „Arbeit gibt, mit der sie arm dran sind“. Das muss man sagen. Das muss man aufschreiben.

Aber das wird man niemals in dieser Zeitung lesen.

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „QualitĂ€tsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung ĂŒber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein QualitĂ€tsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein QualitĂ€tsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. WĂ€hrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem RĂŒcken die Stirn bieten“ (Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr rĂŒstig“ (Rhein-Zeitung) und andere KuriositĂ€ten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich amĂŒsant bis saukomisch.

Gar nicht amĂŒsiert sind die Verbraucher ĂŒber kontaminiertes GemĂŒse, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim fĂŒhren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches hĂ€molytisch-urĂ€mischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht amĂŒsiert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles ĂŒber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten ĂŒberwiegend Journalisten, die von der KaninchenzĂŒchterschau bis zur Kommunalpolitik ĂŒber alle möglichen Themen berichten mĂŒssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen KaninchenzĂŒchter oder Kommunalpolitiker.

Das mĂŒssen sie auch nicht sein. Die einfache Lösung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle ĂŒberprĂŒfen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere Lösung und die fĂŒhrt zum DauerdĂŒnnpfiff vieler Redaktionen: Man lĂ€sst das mit dem ĂŒberprĂŒfen weg und verlĂ€sst sich lieber auf andere. Im „großen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungeprĂŒft ĂŒbernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine ÜberprĂŒfungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am nÀchsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

TatsĂ€chlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von GemĂŒse „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR ĂŒber die ĂŒblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und GemĂŒse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "DĂŒnnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor GemĂŒse "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man könnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ TatsĂ€chlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven ökonomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion veröffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne QualitĂ€tskontrolle. Dabei wĂ€re die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut fĂŒhrt direkt zur Quelle.

Doch dafĂŒr muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses GemĂŒse wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich GemĂŒse nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie wĂŒrden dann nĂ€mlich viel hĂ€ufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen lĂ€ngst, dass große Teile im „großen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenstĂ€ndig verfasste Artikel sind, gibt es hĂ€ufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls hĂ€ufig auch noch tendenziös.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das KĂŒrzel „zg“ beispielsweise steht fĂŒr „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgehĂŒbscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen können diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren ließen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen veröffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien fĂŒhrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. QualitĂ€t geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man spĂŒrt die GeschwĂŒre und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vorĂŒbergehen, der mediale DĂŒnnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag spĂ€ter heißt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Geht gar nicht: Polizei ermittelt wegen SachbeschÀdigung


Hauptsache "geschmiert" - Skulpturen der Diesbach Medien wurden besprĂŒht. Bild: Stadt Weinheim

Weinheim, 20. April 2011. (red/pm) Die Polizei ermittelt gegen „Unbekannt“ wegen SachbeschĂ€digung. Die Skulpturen „Bas Gret und Vetter Philp“ wurden von „Sprayern“ „beschmiert“, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Unsere Redaktion könnte das „kalt“ lassen, schließlich hat sich „die Konkurrenz“ der Weinheimer Nachrichten mitten in der Stadt ein „altbackenes“ Denkmal gesetzt.

Von Hardy Prothmann

Schadenfreude mag bei uns nicht aufkommen. Die Graffitis auf den Skulpturen am „neuen Windeckplatz“ sind dafĂŒr nicht geeignet.

Wer sich mal ein wenig mit Graffiti auseinander gesetzt hat, weiß, was nur „Schmiere“ und was „Kunst“ oder „Subkultur“ ist. Bei dieser Aktion handelt es sich um „Schmiere“.

Cool wĂ€re gewesen, die Figuren zu verpacken oder sie komplett zu „versilbern“. Das hĂ€tte man interpretieren können. Und zwar anders als BĂŒrgermeister Heiner Bernhard.

Der sagte:

„Das lassen wir uns nicht einfach gefallen.“

Denn die Verschmutzung sei nicht nur eine Verschandelung des Platzes und der nagelneuen Bronzeskulptur von „Bas Gret und Vetter Philp“. Die Tat sei eine Beleidigung der Bevölkerung, die den neuen Windeckplatz sehr gerne als Aufenthaltsort nutzt und eine grobe Missachtung bĂŒrgerschaftlichen Engagements, denn die Skulptur ist eine Spende des verstorbenen Weinheimer Zeitungsverlegers Heinrich Diesbach an seine Heimatstad, so OB Bernhard in der Pressemitteilung.

„BĂŒrgerschaftliches Engagement?“, fragen wir uns. Über die Toten nichts als Gutes, aber man soll doch bei der Wahrheit bleiben. Diesbach Medien ist ein Unternehmen. Und hat als lokaler Monopolist sehr, sehr viele Geld verdient.

Anstatt zweier Figuren, von denen eine eine Zeitung liest (welche wohl?), könnte man sich auch andere „bĂŒrgerschaftliche und gemeinnĂŒtzige“ Spenden vorstellen.

Und mehr Ehrlichkeit und Transparenz.

Wir haben schon öfter ĂŒber die Weinheimer Nachrichten berichtet. Ganz selbstverstĂ€ndlich, denn immerhin sind diese das „dominierende“ Medium in der Stadt.

Hat auch Diesbach Medien es schon nötig gehabt, ein „klitzekleines“ Mal ĂŒber eine neue demokratisch-journalistische Stimme in der Stadt zu berichten? Sich also „souverĂ€n“ zu zeigen und die wenn auch aus deren Sicht „nicht spĂŒrbare“ Konkurrenz zu berichten?

Nein. DafĂŒr wurde aber gerade das Online-Angebot „ĂŒberholt“.

Jetzt hat jemand die altbackenenen, zeitungslesenden Figuren „ĂŒberholt“. Das ist nicht nett und wir finden das nicht in Ordnung.

Das wĂ€re ungefĂ€hr so, als wĂŒrde jemand unsere Seiten „hacken“ – das fĂ€nden wir auch nicht nett. WĂŒrden sich aber die Diesbach Medien Ă€hnlich solidarisch wie wir zeigen? Eher nicht.

Andererseits haben wir grundsĂ€tzlich nichts gegen Graffiti – wenn das Sinn macht. Und irgendwie passt.

Bei uns kann man sich mit Kommentaren „verewigen“ – seine Meinung Ă€ußern. Sehr gerne offen und vollkommen legal – Artikel 5 Grundgesetz ĂŒber die Meinungsfreiheit ist dazu gut geeignet.

SprĂŒhen und abhauen ist, naja, mindestens so unsouverĂ€n und feige wie die Weinheimer Nachrichten auf eine neue journalistische Konkurrenz reagieren.

Vielleicht sind die „Schmierereien“ ja auch metaphorisch zu sehen. Wenn das auch schwer vermittelbar ist.

Im Zweifel ist „gerade heraus“ immer der beste Weg.

Wer verdÀchtige Beobachtungen in der Nacht von Freitag auf Samstag gemacht hat, soll sich bitte unter der Telefonnummer 06201-10030 mit der Polizei in Weinheim in Verbindung setzen.

Offener Brief der GLH an die WN: „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“


Angeblich interessiert sich die WN fĂŒr die Meinung der Leser. Quelle: WN

Guten Tag!

Hirschberg/Rhein-Neckar, 22. MĂ€rz 2011. Der Sprecher der GrĂŒnen Liste Hirschberg (GLH), Arndt Weidler, ist Ă€ußerst unzufrieden mit „redaktioneller Linie“ und journalistischer Leistung der Weinheimer Nachrichten. Deshalb hat er einen offenen Brief verfasst, den er an die Hirschberger Parteien, den BĂŒrgermeister und die örtliche Presse versendet hat. Wir dokumentieren den Brief, weil er sicher auch die Situation in anderen Kommunen thematisiert.

Der Brief ist alles, nur nicht zimperlich: „vordemokratisches Konzept“, „schlecht ausgebildetes redaktionelles Selbstbewußtsein“, „peinliche Regularien“, „der journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint“, wirft GLH-Sprecher Weidler den Weinheimer Nachrichten vor.

Auch Hirschbergs BĂŒrgermeister Manuel Just wird kritisiert, wegen eines „wilhelminischen VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung“. Auch die RNZ und das hirschbergblog werden kritisiert, „alle diese Medien nutzen ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus“.

Arndt Weidler schlĂ€gt deshalb ein Symposium vor: „Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.“

Dokumentation:

Arndt Weidler schreibt an WN-Redakeur Hans-Peter RiethmĂŒller

Lieber Hans-Peter RiethmĂŒller,

den zurĂŒckliegenden, kleinen, schriftlichen Disput zwischen uns, möchte ich zum Anlass fĂŒr einen „Offenen Brief“ zum Zustand der Lokalpresse nehmen. Verzeihe mir also bitte, dass ich den Kreis der Mitleser/innen, weil der Angesprochenen und Betroffenen, hiermit erweitere.

Du schriebst:

WN-Redakteur RiethmĂŒller hatte zuvor geschrieben:

Sent: Sunday, March 20, 2011 6:39 PM
To: ‚GrĂŒne Liste Hirschberg‘
Subject: AW: PM der GLH: Vortrag am 17. MĂ€rz 2011

Lieber Arndt,

immer kurz vor den Wahlen kommen die Parteien auf uns zu und fĂŒhlen sich benachteiligt. In der Tat: Wir haben aufgrund unseres Konzepts auf eine Berichterstattung bei Euren Termine verzichtet. Eigentlich hĂ€tte Landtagsabgeordneter Sckerl unser Konzept weiterleiten sollen, was er wohl nicht getan hat. Die eine oder andere Frage, oder MissverstĂ€ndnisse hĂ€tten sich dadurch bestimmt geklĂ€rt.
FĂŒr uns war und ist auch ein KulturfrĂŒhstĂŒck oder eine Veranstaltung mit Carsten Brinkmeier ein Wahlkampftermin. Warum findet dieser denn sonst so unmittelbar vor dem Urnengang statt?
Übrigens: Bei den anderen Parteien, sogar bei den Freien WĂ€hlern, haben wir uns genauso verhalten. Beispielsweise gab es keine Berichte zum traditionellen Aschermittwoch.

Der offene Brief von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Ich beginne mit einer Antwort auf deine Replik von vorgestern: Es geht ja nicht einmal um Benachteiligung der GLH. Schlimm genug, dass ihr den anderen politischen Akteuren die Aufmerksamkeit ebenso verweigert.

SelbstverstĂ€ndlich kenne ich Euer so genanntes Konzept, das ich ehrlich gesagt fĂŒr vordemokratisch halte und zudem aus meiner Sicht auch Ausdruck eines schlecht ausgebildeten redaktionellen Selbstbewußtseins zu sein scheint. Die RNZ geht mit der Situation aus meiner Sicht weitaus souverĂ€ner um.

NatĂŒrlich seid Ihr die „Bestimmer“ ĂŒber die Inhalte in Eurer Zeitung: Es ist Euer Recht darĂŒber zu entscheiden, ob eine Veranstaltung inhaltlich und qualitativ ausreichend hergibt, um in der Berichterstattung berĂŒcksichtigt zu werden. In Wirklichkeit tut Ihr das aber nicht.

Die WN verschanzt sich vielmehr hinter peinlichen Regularien. Ihr wĂŒrdet meiner Meinung nach wesentlich glaubwĂŒrdiger und auch unabhĂ€ngiger wirken, wenn ihr allein unter redaktionellen und inhaltlichen Gesichtspunkten entscheiden wĂŒrdet worĂŒber berichtet wird und nicht unter dem Diktum „jeder hat zwei Schuss frei“ – egal wie inhaltsarm der Beitrag dann auch sein mag.

Vielmehr glaube ich, dass Ihr Euch unnötigerweise mit diesem Vorgehen der eigenen journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint. Im Zweifelsfall (wĂ€ret Ihr denn konsequent) mĂŒsstet Ihr jeden Unsinn veröffentlichen, der verzapft wird – nach dem Motto: „die haben ja noch einen Artikel gut“.

Es ist Aufgabe der Parteien und der WĂ€hlervereinigungen an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Der politische Wille des Volkes drĂŒckt sich in unserem demokratischen System durch Wahlen aus. NatĂŒrlich fĂŒhrt das zwangslĂ€ufig zu einer HĂ€ufung von Veranstaltungen vor den Wahlen – wo lebt ihr denn bei der WN? Aber es ist jedem politischen Wettbewerber doch selbst ĂŒberlassen, wie viele öffentliche Termine oder Veranstaltungen er in der Wahlkampfzeit organisiert. Ihr seid so frei zu berichten – oder eben nicht. UnabhĂ€ngig von vorab festgelegten Quoten.

Am Rande: Es mag Euch nicht immer transparent erscheinen – und vielleicht ist es auch eine Petitesse, die ihr gelegentlich ĂŒberseht -, aber die GLH und die BĂŒndnis-GrĂŒnen in Hirschberg sind organisatorisch zwei getrennte EntitĂ€ten.

Die GLH hat den Status einer freien WĂ€hlervereinigung, die mit eigenen Listen bei den Kommunalwahlen antritt und an der politischen Ausgestaltung des WĂ€hlerwillens in der Gemeinde Hirschberg aktiv mitwirkt. 70% der Mitglieder der GLH sind nicht gleichzeitig Mitglied von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen.

Und wĂŒrden die Statuten der anderen Parteien nicht dagegen stehen, könnten wir auch SPD- oder CDU-, sogar FDP-Mitglieder aufnehmen. Den Mitgliedern der GLH ist es freigestellt zu entscheiden welchen Kandidaten sie bei Wahlen unterstĂŒtzen, die ĂŒber die kommunale Ebene hinaus gehen. Im Falle Uli Sckerl haben wir als Vereinigung mehrheitlich in einer Mitgliederversammlung beschlossen, fĂŒr unser ehemaliges Mitglied und seine Kandidatur zu werben. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass ich keineswegs nachvollziehen kann, dass der GLH unterstellt wird, mit einer Informationsveranstaltung ĂŒber die Nutzung von Solartechnik Wahlkampf zu machen. Diese Art Veranstaltung könnte und kann – und vor allem wird – bei der GLH immer wieder stattfinden.

Nicht einzusehen, warum nicht vierzehn Tage vor einer Landtagwahl. Das Werben fĂŒr und die kritische Diskussion ĂŒber erneuerbare Energien ist lĂ€ngst kein „grĂŒnes“ Alleinstellungsmerkmal mehr, sondern beschĂ€ftigt weite Teile der Gesellschaft durch alle Parteien und WĂ€hlergruppen. Die WN schließt sich in diesem Falle unnötigerweise aus der sehr aktuellen Diskussion aus, weil ihr die eigenen Regularien im Wege stehen. Das ist schon sehr bedauernswert.

Zum Schluss noch Folgendes: Hirschberg befindet sich in der ausgesprochen glĂŒcklichen und privilegierten Lage ĂŒber zwei konkurrierende Lokalzeitungen zu verfĂŒgen.

DarĂŒber hinaus gibt es fĂŒr die Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines agilen und streitbaren HirschbergBlogs sowie eines ausgesprochen gut distribuierten Mitteilungsblattes ĂŒber politische Ereignisse zu informieren. Aus ganz unterschiedlichen GrĂŒnden nutzen aus meiner Sicht alle diese Medien ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus.

Selbst die Gemeinde als redaktioneller „WĂ€chter“ des Mitteilungsblatts, welches ja ein reines Veröffentlichungsorgan ist, zeichnet sich durch ein wilhelminisches VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung und politischer BetĂ€tigung aus, indem es politischen Gruppierungen inhaltliche Artikel in der Zeit sechs Wochen vor Wahlen verweigert (das ist als wolle man den Kirchen in der Adventszeit die VerkĂŒndigung der Frohen Borschaft verbieten).

Es ist höchste Zeit in Hirschberg diese Defizite öffentlich zu benennen und zu diskutieren. Die GLH wird sich daher bei Ihrer nÀchsten Mitgliederversammlung am 7. April zu diesem Thema Gedanken machen und dabei auch den Schulterschluss mit den anderen politischen Akteuren in Hirschberg suchen.

Wir wissen nicht immer alles besser und es steht uns ĂŒberhaupt nicht zu, Euch vorzuschreiben was Ihr schreibt (ich bin gerne mal der Hase) und wie Ihr Eure Zeitung zu machen habt, aber wir alle, die im politischen Raum agieren, sind Gegenstand der Berichterstattung und Leser/innen gleichermaßen und somit durchaus in der Lage Anregungen und Ideen fĂŒr Verbesserungen der momentan doch sehr unbefriedigenden Situation zu liefern.

Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.

In einem solchen Rahmen könnten sich alle Betroffenen, also auch die Presse, die Parteien und der BĂŒrgermeister, als Verantwortlicher fĂŒr das Mitteilungsblatt der Gemeinde, einbringen. Unter Beteiligung der BĂŒrger/innen wĂ€re dies ein denkbares Forum ĂŒber diese evidenten Probleme zu sprechen.

Entschuldige bitte, dass ich ausgerechnet unsere Korrespondenz zum Anlass genommen habe, dieses Thema so ausfĂŒhrlich und vor allem öffentlich zu thematisieren. Ich hoffe, Du betrachtest dies nicht als Vertrauensbruch. Ich weiß, dass Deine ursprĂŒngliche Antwort in Ton und AusfĂŒhrung eigentlich nur fĂŒr mich gedacht war. Aber ich denke, ich schĂ€dige damit nicht Deinem Ansehen, sondern verdeutliche damit nur umso mehr, wie dringend wir ein Überdenken der redaktionellen GrundsĂ€tze aller in Hirschberg vertretenen Medien benötigen. Unsere Auseinandersetzung, so hoffe ich, könnte Anlass sein, sich konstruktiv, zum Vorteil der Leser/innen, zum Vorteil einer echten demokratischen Streit- und Berichterstattungskultur und zum Vorteil der Akzeptanz der lokalen Medien, auseinanderzusetzen.

Mit hochachtungsvollen GrĂŒĂŸen
Arndt Weidler

P.S.: FĂŒr alle, die es interessiert noch mal meine ursprĂŒngliche Mail an den Lokalredakteur der WN, Hans-Peter RiethmĂŒller:

Erste email von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Von: GrĂŒne Liste Hirschberg [mailto:news@gruene-liste-hirschberg.de]
Gesendet: Freitag, 18. MĂ€rz 2011 09:48
An: RiethmĂŒller, Hans-Peter
Betreff: Fw: PM der GLH: Vortrag am 17. MĂ€rz 2011

Lieber Hans-Peter,

vielen Dank zunĂ€chst, dass ihr vorab nochmals auf die Veranstaltung gestern Abend hingewiesen habt. Dennoch fĂ€llt mir auf, dass sich die WN in den vergangenen Wochen bei Veranstaltungen der GLH extrem rar gemacht hat. Ich kenne ja Euren Codex fĂŒr die Wahlkampfzeit, kann mir aber nicht erklĂ€ren, warum nun auch schon seit lĂ€ngerem Veranstaltungen, zu denen ausdrĂŒcklich die WĂ€hlervereinigung GLH einlĂ€dt und die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Landtagwahlen stehen, von der WN konsequent in der Nachberichterstattung ignoriert werden. Seit lĂ€ngerem ward auch niemand von Euch mehr bei einer Mitgliederveranstaltung gesehen, zu denen die RNZ regelmĂ€ĂŸig, gelegentlich auch der Kollege Hirschbergblog, erscheinen und berichten. Die MV ist nicht immer prickelnd, das weiß ich, und wenn es inhaltliche redaktionelle Bedenken gibt, ĂŒber die ein oder andere MV zu berichten, muss ich das akzeptieren. Und auch wenn ich Eure Restriktionen fĂŒr die Wahlberichterstattung hinnehmen muss (obwohl ich diesen Formalismus, ehrlich gesagt, fĂŒr vordemokratisch halte), ist mir nicht klar, warum sĂ€mtliche Veranstaltungen der GLH derzeit keine Berichterstattung mehr wert sind. Traurig insbesondere auch am vergangenen Sonntag beim KulturfrĂŒhstĂŒck. ErzĂ€hl mir bitte nichts von Überlastung und kein Personal – Fasching ist lĂ€ngst vorbei.

Die Veranstaltung von Brinkmeier war ĂŒbrigens ausgesprochen berichtenswert und der Vortrag ausnehmend gut. Schade nicht nur in diesem Fall, dass die WN das nicht mitbekommen hat. Wenn gewĂŒnscht und es dann auch veröffentlicht wird, schreibe ich Euch am WE ein paar Zeilen dazu – aber mal ganz deutlich: Das ist wirklich nicht mein Job, sondern Eurer – dem Ihr in letzter Zeit aus meiner Sicht nur sehr ungenĂŒgend nachkommt.

Mit grĂŒn-listigen GrĂŒĂŸen
Arndt

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

BĂŒrgermeister Just ist „not amused“ ĂŒber Bauplatzpreis-Diskussion


Guten Tag!

Hirschberg, 28. Februar 2011. Bei der „Eröffnung“ des Baugebiets „Sterzwinkel“ fand BĂŒrgermeister Manuel Just noch ein paar Worte in Richtung Weinheim – die Debatte ĂŒber die „höheren Preise“ im Sterzwinkel gegenĂŒber denen in „LĂŒtzelsachsen Ebene“ habe „gute GrĂŒnde“.

Von Hardy Prothmann

Wer BĂŒrgermeister Manuel Just ein wenig kennt, weiß, dass der Mann ein sportliches GemĂŒt hat.

Die Diskussion der vergangenen Tage ĂŒber die „höhere AttraktivitĂ€t“ des Baugebiets „LĂŒtzelsachsen Eben“ in Weinheim gegenĂŒber dem „Sterzwinkel“ in Hirschberg wurde vor allem durch die „Weinheimer Nachrichten“ vorangetrieben – befeuert durch „Zitate“ aus dem Weinheimer Rathaus.

Das scheint Herrn Just nicht gerade geĂ€rgert, aber doch ein wenig herausgefordert zu haben. Und Herausforderungen nimmt der dynamische JungbĂŒrgermeister an.

BĂŒrgermeister Just wendete sich zu Eröffnung des Sterzwinkels an die Besucher, darunter Familien, die hier BauplĂ€tze erworben haben, um ein paar deutliche Worte zu finden. „Nicht als Kampfansage“, wie er sagte: „Viele haben darauf hingewiesen, dass in Weinheim deutlich gĂŒnstigere Baupreise angeboten werden als im Sterzwinkel. Als BĂŒrgermeister bin ich selbstbewusst genug, um zu sagen, das hat auch seinen Grund.“

Die GrĂŒnde nennt Herr Just in unserer Videodokumentation: